Ichigo Takanos Orange startete 2012 in Shueishas Bessatsu Margaret, wurde allerdings ab Februar 2014 in Futabashas Manga Action-Magazin fortgesetztMit fünf Bänden beendete die Mangaka das Werk in 2015. Des Weiteren inspirierte Orange eine Realverfilmung und im Sommer 2016 startet in Japan eine Anime-Adaption. Auch publiziert Carlsen Manga! den Manga ab Juni 2016 hierzulande. Wir warfen einen Blick in den Startband und stellen euch diesen Seinen-Titel vor.

Die 16 Jahre alte Naho Takamiya erhält eines Tages einen merkwürdigen Brief in dem scheinbar ihr 26-jähriges Ich dem Mädchen etwas mitteilen möchte. Zunächst passieren, während Naho den Brief liest, genau die Dinge, welche darin vorhergesagt werden: Ein Austauschschüler namens Kakeru Naruse kommt in ihre Klasse, setzt sich neben ihr und nach der Schule gehen sie samt Nahos Klassenkameraden Azusa, Takako, Saku sowie Hiroto zusammen nach Hause. Daheim wundert sich Naho, ob der Brief tatsächlich aus der Zukunft stammt, zumal der Zettel jenen aus ihrem Tagebuch ähnelt und ein Eintrag sein könnte. All dies bereitet dem Mädchen Angst und sie beschließt, ihn nicht weiter zu lesen.

Doch die Neugier holt Naho wieder ein, nachdem Kakeru seltsamerweise eine längere Zeit nicht zur Schule gekommen ist. Naho hofft, der Brief könne ihr eine Antwort auf ein Warum geben. Dies ist zwar nicht der Fall, dennoch treten die Dinge abermals so ein, wie in der Nachricht beschrieben: Naho macht trotz Beinverletzung bei einem Softball-Spiel mit, wodurch das Team gewinnt, sie Kakeru im Nachhinein näher kommt und sich in diesem verliebt. Das Mädchen muss feststellen, dass der Brief alles richtig vorausgesagt hat. Sie liest ihn schließlich weiter und erhält eine schockierende Botschaft: Kakeru würde in zehn Jahren nicht mehr unter ihnen verweilen, Naho solle ihn nicht so einfach gehen lassen!

Orange, Band 1
Orange, Band 1 © 2013 Ichigo Takano/Futabasha Publishing Ltd.

Ichigo Takanos Orange wird zwar aktuell in einem Seinen-Magazin publizierte, startete allerdings in einem für Shojo-Mangas. Die Story lässt sich durchaus in beide Genres einordnen. Sie beginnt mit übernatürlichen Gegebenheiten, nimmt aber schon bald eine tragische Gestalt an. Zunächst wirft der vermeintliche Brief an Naho aus der Zukunft jede Menge Fragen auf. In jedem Kapitel erfährt die Protagonistin weitere Details aus der Zukunft, darunter auch den Grund für Kakerus baldigen Tod und dessen Zeitpunkt, welcher ziemlich nahe in der Gegenwart liegt. Dass der Junge stirbt, versucht Nahos zukünftiges Ich mit dem Brief aufzuhalten. All dies verleiht dem Werk viele Mystery-Aspekte.

Mit Naho bekommt der Leser eine Protagonistin, die an sich selbst zweifelt, was aber für ein 16-jähriges Mädchen nicht unüblich ist. Der Brief lässt Naho aber über sich hinaus wachsen, weil die Schülerin dank dieses Dinge tut, die sie sonst aufgrund ihres unsicheren Gefühls nicht getan hätte. Naho versucht Kakeru zu unterstützen und sorgt dafür, dass sie gewisse Sachen in der Zukunft nicht bereuen muss. Hier liegt meiner Meinung nach kein naives Handeln vor. Ihr Verhalten ist durchaus plausibel, da das Vorausgesagte im Schreiben nun mal stets eintrifft. Dennoch sitzt in Naho der Gedanke, ob sie mit ihrem Verhalten Kakerus Schicksal wirklich verändern kann. Dieser wirkt dagegen zunächst wie ein etwas in sich gekehrter, netter Junge von nebenan, der für Naho stets ein Lächeln parat hat. Dabei hat Kakeru erst vor wenigen Tagen auf tragischer Weise seine Mutter verloren, was sein Handeln im Geschehen beeinflusst.

Ichigo Takano ist es mit Orange gelungen, eine sowohl spannende als auch emotionale Geschichte im Schul- und Alltagssetting mit romantischen, mysteriösen sowie tragischen Elementen aufzubauen. Grundsätzlich wird dem Leser alltägliches Geschehen zwischen Naho, Kakeru und den vier Klassenkameraden Azusa, Takako, Saku sowie Hiroto präsentiert. Diese wachsen zu besten Freunden heran. Allerdings versprüht die Handlung eine eher bedrückende Stimmung auf den Leser, was dem Wissen aus dem Brief zu verdanken ist. Die Gegebenheiten – warum bestimmt Ereignisse passieren – rollen sich nach und nach auf.

Dabei wechselt die Mangaka in ihren Szenen zwischen der Gegenwart und Zukunft. Letztere treten auf wenigen Seiten in fast jedem Kapitel auf und erklären, welche Beweggründe hinter dem Brief an Naho stecken. Dabei erfährt der Leser natürlich Details aus dem Leben der 26-jährigen Protagonistin. Die Ereignisse in der Zukunft erzählen eine weitere Handlung für sich, was die Spannung noch mal zusätzlich aufrechterhält. Der Fokus der Story liegt aber in der Gegenwart.

Ichigo Takano kreierte bisher überwiegend Shojo-Mangas, was sich auch in ihren Zeichnungen widerspiegelt. So kann man das Charakterdesign der Mangaka mit genretypischen Werken vergleichen, wobei ihres Wiedererkennungswert besitzt. Auf künstlerischer Ebene stechen vor allem Takano-senseis Buch-Cover hervor, welche sehr filigran, auffällig und liebevoll gestaltet wurden. In den Schwarz-Weiß-Seiten liegt der zeichnerische Fokus mehr auf die Figuren der Geschichte, wobei die Mangaka ab und zu ebenso einzelne Kulissen feiner ausarbeitete. 

Orange ist ein großer Tipp meinerseits. Das Werk wird zwar in einem Seinen-Magazin veröffentlicht, lässt sich jedoch ebenso in dem Shojo-Bereich eingliedern. Orange bietet eine Geschichte mit tragischen und romantischen Elementen aus dem Slice-of-Life-Bereich gespickt mit einem Hauch Übernatürlichen. Die Handlung hält allerlei Mystery und emotionale Momente parat. So wächst die unsichere Protagonistin dank eines geheimnisvollen Briefes von ihrem zehn Jahre älteren Ich über sich hinaus. Der Fakt, dass ihr Schwarm Kakeru schon bald sterben soll, was Naho verhindern möchte, indem sie die Zukunft mit ihrem Verhalten verändern will, fesselt den Leser ans Geschehen. Hierzulande dürfen sich Leser im Juni 2016 auf den Manga-Start beim Carlsen Verlag freuen.

Gina
ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3