Der Shinkansen aus Japan gilt nicht nur als sicherster Hochgeschwindigkeitszug der Welt, er ist auch für seine beispiellose Pünktlichkeit und sein futuristisches Design bekannt. Anlässlich des Kunstprojekts „Art of Shinkansen“ widmen auch wir uns den Vorzügen des japanischen Hochgeschwindigkeitszugs.

Am 1. Oktober 1964, vor über 50 Jahren, ging der erste Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aus dem Land der aufgehenden Sonne auf Jungfernfahrt und revolutionierte damit die gesamte Eisenbahnbranche. Nicht nur war der Shinkansen schneller als die meisten anderen Hochgeschwindigkeitszüge, er setzte auch im Bereich Pünktlichkeit und Sauberkeit neue Maßstäbe. Hinzu kam ein futuristisches, Flugzeugen nachempfundenes Design von Stromlinienförmigkeit und eine beispiellose Geräumigkeit für Passagiere im Inneren. Nicht nur für die Japaner ist der Shinkansen die wichtigste technologische Innovation des 20. Jahrhunderts. Auch im Ausland ist der Hochgeschwindigkeitszug aus Japan ein Ideal, das seinesgleichen sucht.

Der Shinkansen kennt keine kreativen Grenzen

Dabei setzen die Japaner häufig auf Themenzüge und ausgefallene Designs ihrer Züge. Vor zwei Jahren wurde ein Shinkansen in Betrieb genommen, der sich der Anime-Serie Evangelion widmete. Die Bahngesellschaft JR West hat nun vor wenigen Wochen einen rosa Hello-Kitty Shinkansen angekündigt, der sich sowohl im Inneren als auch an den Außenwänden der Ikone der japanischen Popkultur widmen wird.

Art of Shinkansen
„Art of Shinkansen“ – Kunstprojekt der Japan Railway Company (JR) | Quelle: BEINGJAPAN

„Art of Shinkansen“ – Ein internationales Kunstprojekt würdigt Japans schnellsten Zug

Um die hervorragende Technologie und das Design des Hochgeschwindigkeitszugs zu würdigen, hat die Japan Railway Company (JR) nun ein Kunstprojekt mit dem Namen „Art of Shinkansen“ (zu dt. „Die Kunst des Shinkansen“) ins Leben gerufen. In insgesamt 14 GIFs (Graphics Interchange Format), also animierten Bilddateien, werden die einzelnen technologischen und serviceorientierten Aspekte des Shinkansen künstlerisch hervorgehoben. Die in Kollaboration mit Künstlern aus aller Welt entstandenen GIFs können sowohl auf der Homepage des Projekts als auch auf einer Kunstausstellung in Los Angeles bewundert werden.

Anlässlich des Projekts möchten auch wir euch die wichtigsten Infos und Vorzüge des japanischen Hochgeschwindigkeitszugs vorstellen.

Geschwindigkeit

Mit getesteten Spitzengeschwindigkeiten von über 300 km/h gehören die Shinkansen zu den schnellsten Zügen der Welt. Der Tokaido Shinkansen, der mit einer Geschwindigkeit von 285 km/h zwischen Osaka und Tokyo verkehrt, braucht für die lange Strecke von über 500 km nur 2 Stunden und 22 Minuten. In Zukunft werden Passagiere wohl noch schneller durchs Land reisen können, denn die japanischen Bahnbetreiber arbeiten seit den 60er Jahren kontinuierlich an neuen, noch schnelleren Modellen des Hochgeschwindigkeitszugs.

Transportsystem

Über 165 Millionen Fahrgäste im Jahr zählt der Shinkansen, der von der Bahngesellschaft Japan Railways (JR) betrieben wird. Der Tokaido Shinkansen kann beispielsweise 1.323 Passagiere in insgesamt 16 modernen Wagen auf einmal transportieren. In der sogenannten Rush Hour verkehrt der Hochgeschwindigkeitszug alle 3 Minuten, d. h. insgesamt 365 mal am Tag, und transportiert somit 452.000 Menschen – knapp eine halbe Millionen Menschen – täglich. Seit seiner Inbetriebnahme vor 54 Jahren sind also schätzungsweise 5,6 Milliarden Menschen mit dem Shinkansen durchs Land gereist.

Sauberkeit

Wer schon einmal mit einem Shinkansen durch Japan gereist ist, dem wird aufgefallen, dass die sogenannten „Bullet Trains“ sehr sauber sind. Vor jeder Fahrt wird ein Zug innerhalb von wenigen Minuten gründlich gereinigt, damit er direkt wieder eingesetzt werden kann. Spuren von Dreck und Essensresten sind nirgends zu sehen, das gilt auch für die Außenwände der Züge. Für die lückenlose Reinheit garantieren uniformierte Putzkolonnen, die sich schon vor der Einfahrt am Bahnsteig versammeln, um mit höchster Effizienz und Schnelligkeit durch den Zug zu „wedeln“.

Sicherheit

In Japan werden Bahnangestellte und Züge unermüdlich auf Zuverlässigkeit getrimmt. Fährt ein Shinkansen-Führer eine Verspätung ein, hat er sich schriftlich dafür zu verantworten und durch eine fristbestimmte Wartung und dem vorbeugenden Austausch von Verschleißteilen fallen die Züge so gut wie nie aus. Jeder einzelne Wagen eines Shinkansen wird in fristgerechten Abständen komplett überholt und inspiziert. Wartungen erfolgen in der Regel in der Nacht zwischen 0 und 6 Uhr. Dabei werden auch mögliche Verschleißerscheinungen auf dem Gleisbett geprüft und entsprechende Teile ausgetauscht. Die Gründlichkeit zahlt sich für die Japaner aus: Seit der Inbetriebnahme kam es noch zu keinem Zugunglück mit Todesfolge – dies ist zum Teil auch auf ein eingebautes Erdbebenfrühwarnsystem zurückzuführen.

Shinkansen in Japan
Das Innere eines Shinkansen | Flickr: Tamaki Sono (CC BY 2.0)

Komfort

Die modernen, klimatisierten Züge bieten Beinfreiheit und verstellbare Sitze und trotz der hohen Geschwindigkeiten ist es im Inneren der Züge immer ruhig. Ein weiteres Extra ist der Umstand, dass man ganze Sitzreihen nach Belieben in Fahrtrichtung drehen kann. In den meisten Zügen sind die Wagen mit einem Federungssystem ausgestattet, das Neigungen aufdeckt und ausgleicht – selbst Kurven werden dabei kaum von den Fahrgästen wahrgenommen.

Pünktlichkeit

Wenn es um Pünktlichkeit geht, kann die Deutsche Bahn mit ihrem ICE Hochgeschwindigkeitszug einpacken. Während Passagiere hierzulande mit alltäglichen Verspätungen und Zugausfällen zu kämpfen haben, hat der Shinkansen eine beispiellose Verspätung von 54 Sekunden in einem ganzen Jahr (Stand 2015). Sobald ein Shinkansen mehr als eine Minute verspätet ist, entschuldigt sich der Schaffner für die Unannehmlichkeiten. Zwar verkehren die Züge mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 270 Stundenkilometern, können aber mehr als 300 fahren, um eventuelle Verspätungen reibungslos einholen zu können. In der Regel kommt es nur bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder heftigen Taifunen zu kleinen Verspätungen. Diese beispiellose Pünktlichkeit ist nicht nur der hervorragenden Technologie und der Wartung der Züge zu verdanken, sondern vor allem dem Umstand, dass das Shinkansen-Netz vom Nah- und Güterverkehrsnetz getrennt ist.

Shinkansen in Japan
Japans Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen im Pokémon-Design © Naomi Dillenséger

Wie reise ich mit dem Shinkansen durch Japan und wie teuer ist eine Fahrt im japanischen Hochgeschwindigkeitszug?

Strecken mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen sind in der Regel mit Preisen für den ICE zu vergleichen, weshalb sich die Anschaffung eines Japan Rail Pass lohnt, wenn man gleich mehrere längere Touren plant.

Den Japan Rail Pass kann man seit März 2017 direkt in Japan kaufen, ein Kauf im eigenen Land ist jedoch günstiger und für viele Reisende sehr empfehlenswert. Mit dem Rail Pass können Touristen für einen Festpreis innerhalb von 7, 14 oder 21 Tagen nahezu alle Züge der staatlichen Bahngesellschaft JR nutzen und damit kostenfrei durch das Land reisen – Shinkansen und kostenlose Sitzreservierung inklusive. Wer also mehrere längere Fahrten tätigen möchte, für den lohnt sich ein Kauf. Für weitere Infos zum Transportsystem in Japan lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag „Tipps und Hinweise für die erste Japanreise“.

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