Lost Sphear – Was einmal war, ist längst vergessen worden!

Lost Sphear Artikelbild
Bild: Square Enix, Tokyo RPG Factory

In Zeiten von Final Fantasy XV und anderen großen RPGs vermisst man die alten klassischen JRPGs im schönen altmodischen Look, mit rundenbasierten Kämpfen und einer zauberhaften Story. Was für ein Glück für Retro-Fans, dass am 23. Januar 2018 der geistige Nachfolger von I am Setsuna von Square Enix veröffentlicht wurde. Lost Sphear verspricht Nostalgie pur. Ob das Versprechen auch gehalten wird, erfahrt ihr jetzt hier.

Kanata, Lumina und Locke sind Freunde und leben ein friedliches Leben in ihrem kleinen Dorf. Doch eines Tages kommen sie nach Hause und müssen feststellen, dass ihre Heimat komplett verschwunden ist. Mithilfe einer geheimnisvollen Gabe schafft es Kanata mit Erinnerungen das Dorf und die Bewohner zurückzuholen. Aufatmen kann die Truppe nicht, denn sie erfahren, dass überall auf der Welt Menschen und ganze Ort einfach im weißen Nebel verschwinden. Keiner weiß, wieso die Dinge verloren gehen und nur Kanata scheint das Phänomen rückgängig machen zu können. Er macht sich mit seinen Freunden auf die Reise, um noch mehr Menschen zu helfen.

gamescom 2017 Lost Sphear Artikelbild
Bild: Sumikai

Lost Sphear kommt nur langsam in Fahrt und zieht sich vor allem zu Beginn etwas hin. Wenn aber dann das anständige Tempo erreicht wurde, wird man gefesselt. Auch wenn man etwas ahnt, gibt es die ein oder andere Überraschung. Zwar ist die Story mit einigen typischen Klischees gespickt, JRPG-Fans wird das aber wenig stören. Dazu wird die Handlung an manchen Stellen sehr tiefgründig und man beginnt sich die Frage zu stellen, was eigentlich richtig und falsch ist und wie weit man für manche Dinge gehen darf.

Allerdings gibt es auch Abschnitte, wo die Logik manchmal verloren geht und die Dialoge flapsig werden. Auch mit Leerlauf hat man ab und zu kämpfen, der anstrengend sein kann. Die Idee mit dem Wiederbeschaffen und Sammeln von Erinnerungen, um die Welt zu „reparieren“, ist ein interessantes Konzept, das leider nur zu simple umgesetzt wurde und wenig Herausforderungen bietet. Auch das die sehr lineare Story kaum Nebenquests besitzt, ist sehr schade und hätte die Motivation eindeutig erhöht, das Spiel erneut spielen zu wollen.

Der tragische Held, der Einfaltspinsel und das taffe Mädel

Katana und seine beiden Freunde mögen zu Beginn noch etwas einfältig wirken, gewinnen aber im weiteren Verlauf an Charm. Dasselbe gilt auch für die weiteren Charaktere, die dazu kommen und die Gruppe mit ihren Persönlichkeiten ergänzen. Aber auch hier wird man nicht von Klischees verschont. Etwas weniger Kitsch und mehr Persönlichkeit hätte den meisten jedenfalls nicht geschadet. Besonderes viel Tiefe haben die meisten Charaktere nämlich leider nicht.

Was das Design der bunt gemischten Truppe angeht, hier hat man sich viel Mühe gegeben, um jeden seine eigene Persönlichkeit mit passenden Look zu spendieren. Das gilt auch für die Nebencharaktere. Nur die Dorfbewohner wiederholen sich ab und zu, was aber für NPCs nur halb so schlimm ist und an sich nicht stört.

Lost Sphear charaktere
Bild: Square Enix

Es gibt genug Monster für alle

Lost Sphear setzt überwiegend auf das bekannte System von JRPGs. Während man als kleine Gruppe über eine große Weltkarte wandert, trifft man in Dungeons oder Orten auf NPCs oder eben Gegner. Dabei hat jeder Charakter seine eigenen besonderen Talente, die man dank neuer Items, Spiritnite oder Fähigkeiten verbessern kann. Da im Laufe der Story immer mehr Personen zur Gruppe dazustoßen, kann man sie jederzeit neu aufbauen und die Mitglieder austauschen. Auch aus taktischer Sicht ist das wichtig, da nicht alle Angriffe bei allen Monstern und Feinden effektiv sind.

Lost Sphear tdkizglkiuzjuu
Bild: Square Enix

Etwas frischen Wind in das bekannte Kampfsystem bringen die Vulcosuit, die auch zu jeder Zeit an- und abgelegt werden können. Für Einsteiger mag das Feature vielleicht etwas kompliziert sein. Wer aber einmal den Dreh mit den Kampfanzügen raus hat, sollte keine Probleme haben. Auch das Setsuna System sorgt für Abwechslung. Zusätzlich gibt es drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, sodass jeder Spieler seinen Spaß haben wird. Allerdings sind leider viele Gegner nicht ganz so schön ausbalanciert. Kleinere Gegner sind oft etwas zu einfach, während Bossgegner sehr unterschiedlich schwer sind und auch etwas unfair.

Bild: Square Enix

Nebenbei kann man auf der Weltkarte oder in den Dungeons noch Items oder andere Dinge sammeln, die mehr oder weniger nützlich sind. Das Angel Minigame ist auch eine nette Abwechslung und das Sammeln von Zutaten für die Gasthäuser ist eine interessante Idee, kann aber schnell zu einer nervigen Aufgabe werden, da man nicht weiß, wo man bestimmte Dinge finden kann.

Alle schön immer im Gänsemarsch

Speichern kann man entweder bequem übers Sofortspeichern oder bei den gut verteilten Speicherpunkten im Game. Technisch gibt es an dem Titel zumindest auf der PlayStation 4 nicht zu bemängeln. Alles läuft flüssig und auch die Steuerung hat keine Macken. Die Figuren lassen sich gut bewegen und auch die Tastenbelegung auf dem Controller sollte bei niemandem für Probleme sorgen. Falls doch, kann man auch alles gerne in den Optionen umstellen. Die Kämpfe gehen dank des simplen, aber spaßigen Battlesystems einfach von der Hand.

Bild: Square Enix

Grafisch beeindruckt Lost Sphear sehr. Auch wenn man sich an den Retrostyle von Games wie Chrono Trigger und Secret of Mana hält, macht der Titel in HD eine sehr gute Figur. Besonders die Dörfer wurden mit viel Liebe zum Detail designt. Während man in der großen Hauptstadt mit Rauchschwaden und einer grauen Welt begrüßt wird, wehen in Wäldern Blätter im Hintergrund und die Natur sprießt vor Farbe.

Die Weltkarte ist leider etwas karg und blass geworden. Was schade ist, denn hier hätte man noch einmal ordentlich punkten können. Effekte in den Kämpfen müssen sich hingegen nicht verstecken. Den Angriffen entsprechend sind sie entweder dezent oder etwas bombastischer, dabei aber immer so, dass es nicht übertrieben wird. Besonders magische Angriffe sind schön anzusehen.

Bild: Square Enix

Es lebe die deutsche Sprache

Musikalisch setzt sich der Titel gut in Szene und bietet einen anständigen Soundtrack. Leider aber auch nicht mehr, denn die Songs sind zwar gut, bleiben aber nicht wirklich hängen und plätschern mehr oder weniger durchs Spiel. Auch aus technischer Sicht gibt es Mängel. So ist die Musik zu Beginn nicht richtig geloopt und man hört für einige Sekunde nur Stille. An anderen Stellen sind die Übergänge holprig und wirken unpassend.

Dafür funktionieren die Soundeffekte um so besser. Alleine bei den Laufgeräuschen wurde sehr aufs Detail geachtete. Der Wechsel der Geräusche ist flüssig und funktioniert gut. Auch in den Kämpfen ist der Sound gut gesetzt und gibt dem Ganzen eine realistische Note.

Einen dicken Pluspunkt gibt es für die komplett deutsche Sprachausgabe. Lediglich die Stimmen der Charaktere sind in Japanisch oder Englisch verfügbar. Das ist aber nur halb so wild, da nur im Kampf gesprochen wird. Gelungen ist die Lokalisierung auf jeden Fall. Vor allem für JRPG-Neueinsteiger ist das ein guter Kaufanreiz.

Fazit

Lost Spheare steht seinem Vorgänger in Nichts nach und ist ein liebevoll gestaltetes JRPG, das mit vielen Details und einer wunderschönen Grafik beeindruckt. Die Story unterhält, allerdings ist sie nicht ganz klischeefrei. Das einfache aber innovative Kampfsystem mit den Vulcosuit macht Spaß und ist auch für Einsteiger geeignet. Abgerundet wird das Ganze von einer anständigen deutschen Lokalisierung. Lediglich der lineare Spielverlauf, die fehlenden Nebenquests und die schlecht ausbalancierten Gegner trüben das Gesamtbild. Wer aber ein RPG der alten Schule sucht, darf hier gerne zugreifen. Dann Charm hat das Game auf jeden Fall und Retro-Fans werden definitiv ihren Spaß haben. Mit knapp 25 Stunden Spielzeit ein super Titel, um sich an verschneite, kalte und matschige Tage die Zeit zu vertreiben.

Info
Name: Lost Sphear
Original Name:Lost Sphear
Publisher: Square Enix
Entwickler:Tokyo RPG Factory
Plattform: Nintendo Switch, PlayStation 4, Microsoft Windows
Genre: RPG, JRPG
USK: 6 Jahre
Release: 23. Januar 2018
Preis: 49,99 EUR (Playstation 4)
Bei Amazon kaufen
In Zeiten von Final Fantasy XV und anderen großen RPGs vermisst man die alten klassischen JRPGs im schönen altmodischen Look, mit rundenbasierten Kämpfen und einer zauberhaften Story. Was für ein Glück für Retro-Fans, dass am 23. Januar 2018 der geistige Nachfolger von I am Setsuna von Square Enix veröffentlicht wurde. Lost Sphear verspricht Nostalgie pur. Ob das Versprechen auch gehalten wird, erfahrt ihr jetzt hier. Kanata, Lumina und Locke sind Freunde und leben ein friedliches Leben in ihrem kleinen Dorf. Doch eines Tages kommen sie nach Hause und müssen feststellen, dass ihre Heimat komplett verschwunden ist. Mithilfe einer geheimnisvollen Gabe schafft…
Story - 80%
Steuerung - 90%
Grafik - 80%
Sound - 75%
Lokalisierung - 90%

83%

Kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here