Tales of Berseria ist der neuste Ableger der Tales-Serie und am 27. Januar auch hierzulande erschienen. Bandai Namco Entertainment entführt den Spieler diesmal in eine zerrüttete Welt, in der er mit Protagonisten konfrontiert wird, die teilweise fast wie Bösewichte erscheinen.

Worum geht es

Die etwas jungenhafte Velvet lebt gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Laphicet und ihrem Ziehvater Artorius in einem friedlichen Dorf. Obwohl die Welt seit Jahren von einer Art dämonischer Plage heimgesucht wird, die Menschen in blutrünstige Bestien verwandelt, leben die Bewohner des Dorfes vergleichsweise unberührt davon. Velvet kocht gern, hat ein Talent fürs Jagen und kümmert sich rührend um den kränkelnden Bruder. Doch die Idylle ist trügerisch und Velvets ruhiges Leben nimmt in der scharlachroten Nacht ein jähes Ende: Sie lernt, was Verrat bedeutet und verliert ihre Familie; sie wird zu einem Daemon und wacht erst in einem Gefängnis wieder auf.

Das, was bleibt ist ein Rätsel, dessen Motiv sich durch das gesamte Spiel zieht:

„Why do you think is it that birds fly?“

Die Story

Am Anfang stellt das Spiel durch den schnellen Einstieg und den Umschwung des Tons vom Prolog zum ersten Kapitel erstmal mehr Fragen, als es benantwortet: Was genau ist eigentlich mit Laphicet geschehen? Was sind die mysteriösen Malakhim? Was ist ein Daemon und wie viel Menschlichkeit steckt überhaupt noch in Velvet, die mittlerweile Seelen verschlingt, um zu überleben? Tales of Berseria lässt sich Zeit mit dem Beantworten der Fragen und eröffnet die Geheimnisse der Welt nach und nach – man lernt im selben Takt wie Velvet.

Es ist immerhin auch ihre düstere Geschichte, die erzählt wird.

Als Protagonistin ist Velvet Crowe ganz und gar Anti-Heldin. Ihr Ziel ist es, einzig und allein Rache für den Mord an ihrem jüngeren Bruder zu nehmen – und dafür ist ihr wirklich jedes Mittel recht. Sie treibt die Handlung selbst in rücksichtslosem Tempo voran und reißt den Spieler mit, wenn sie sich sich selbstständig aus Hilflosigkeit und Gefangenschaft befreit. Dabei wird sie nicht vom Gedanken des Auserwählt-Seins beseelt; genauso wenig gibt es die für JRPGs typischen Momente im „Wir können alles schaffen“-Geist. Stattdessen zeigt das Spiel die dunklen Seite der menschlichen Psyche und schickt Velvet so auf eine selbstzerstörerische Reise, die nur ins Verderben führen kann.

Immerhin ist sie dabei schon nach kurzer Zeit nicht mehr allein – auch, wenn Tod und Verlust sie dennoch auf Schritt und Tritt begleiten.

Tales of Berseria
© Bandai Namco
Charaktere
© Bandai Namco Entertainment

Die Damen und Herren, die sich Velvet im Verlauf des Spiels anschließen, verfolgen allesamt eigene Ziele und so ist es gerade zu Beginn des Spiels zweifelhaft, ob dieser Verbund Ausgestoßener tatsächlich zu einem echten Team zusammenwachsen kann. Tales of Berseria versteht es allerdings diese Zweifel in gewohnter Manier der Reihe – nämlich durch eingestreute Dialog-Sequenzen – zu zerstreuen, sodass man als Spieler das Zusammenwachsen der Gruppe und die entstehende Kameradschaft zwischen den gegensätzlichen Figuren miterlebt. Trotzdem geraten die unterschiedlichen Charaktere immer wieder aneinander – besonders dann, wenn sich ihre Ziele nicht mehr miteinander decken.

Die ersten Gefolgsleute von Velvet sind der kriminelle Dämon Rokurou und die seltsam-losgelöste Hexe Magilou, bei der man zunächst nie genau weiß, ob sie Freund oder Feind ist. Kurze Zeit später schließt sich der zornige Pirat Eizen der Gruppe an, die auch vor Brandstiftung und Mord nicht zurückschreckt. Während diese drei ähnlich gebrochene Persönlichkeiten wie Velvet sind, stehen der junge Malak Laphi und die Exorzistin Elenor für das Gute, das sich auch in der verdorbenen Welt von Beseria noch finden lässt. Jede dieser Figuren bekommt innerhalb der Geschichte genug Platz, um sich ganz individuell zu entwickeln und ihren Platz in der Gruppe zu finden.

Gameplay

Obwohl die ernste Thematik von Berseria im Gegensatz zu seinen Vorgängern steht, bleibt das Brawler-Kampfsystem größtenteils dasselbe – natürlich durchaus verbessert und mit einigen interessanten Neuerungen. Actiongeladen ist es allemal: Während man sich über das 3D-Schlachtfeld bewegt, führt man verschiedene Kombinationen von Manövern (Artes) aus, die je nach Gegner unterschiedlich effektiv sein können. Jede ausgeführte Aktion verbraucht dabei Seelen, die sich allerdings auch während des Kämpfens, zum Beispiel durch Besiegen eines Gegners, wieder aufladen. Ist die Seelenanzeige leer, ist es für Gegner leichter, Attacken abzuwehren. Hat man die Anzeige gefüllt, kann man hingegen den Soul-Break aktivieren: Dieser unabhängige Angriff durchbricht nicht nur die Verteidigung des Gegners, sondern verlängert auch die Combo-Kette und steigert somit das Rating. Trotzdem verliert man dadurch auch immer eine Seele, die danach wieder aufgeladen werden muss.

Die verschiedenen Artes – insgesamt 16 Manöver – kann man beliebig kombinieren und ganz individuell auf die Tasten des Controllers verteilt werden. Außerdem kann man natürlich blocken, Figuren im kämpfenden Team austauschen oder besondere Spezialtechniken aktivieren, die auch dank ihren Animationen wirklich sehenswert sind.

Grafik

Die Welt glänzt, trotz der düsteren Thematik, farbenfroh, wie man es von der Tales-Reihe kennt. Während man in 3D-Optik kämpft und die jeweiligen Dungeons und Karten erkundet, legt man längere Reise mit dem Schiff auf einer 2D-Karte zurück.

Das Design der Figuren ist liebevoll. Ihre Kleidung manchmal etwas… extravagant, aber immer detailreicht gestaltet. Einzige Ausnahme bildet dabei die Kellner-Kleidung, die man in einem Minispiel in einer Stadt freischalten kann.

Die Animationen sind allesamt flüssig, Zwischensequenzen im Anime-Stil sehen klasse aus und gehen daher nicht nur inhaltlich unter die Haut.

Sound

Ob Soundeffekte, Theme-Song oder Stimmen – in Tales of Berseria passt dahingehend einfach alles. Die tragische Geschichte um Velvet wird mit passender Hintergrundmusik untermalt, die zu jedem Szenario passt: Elektrisch-aufgeregt, wenn man sich durch das Gefängnis kämpft und danach direkt melodisch, wenn das emotionale Moment in den Vordergrund rückt. Trotzdem wirken die Übergänge auch dabei immer fließend.

Lokalisierung

Eine deutsche Lokalisation gibt es – wie auch bei anderen Tales-Titeln – nicht. Zu Beginn von Tales of Berseria kann man ledliglich auswählen, ob man eine japanische oder englischen Tonspur hören möchte. Das reicht aber auch vollkommen aus. Der Soundtrack ist ohnehin sehr gelungen und egal, für welche Synchronisation man sich entscheidet, die Stimmen wissen in beiden absolut zu überzeugen. Zusätzlich gibt es noch deutsche und englische Untertitel.

Info
Name: Tales of Berseria
Original Name: テイルズ オブ ベルセリア
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Entwickler: Bandai Namco Studios
Plattform: Playstation 4
Genre: Rollenspiel
USK: 12
Release: 27. Januar 2017
Preis: 62,99 Euro
Tales of Berseria
89.3 Autor
Pro
  • interessante Protagonistin
  • überraschend düste
  • Spaßiges Kampfsystem
Contra
  • generisch wirkende Landschaften
  • zu ähnliche Dungeons
Fazit
Bandai Namco präsentiert mit Tales of Berseria ein wirklich gutes Spiel, das überraschend düster ist. Mit der Anti-Heldin Velvet als Protagonistin, die getrieben von Rache und Hass, eigentlich nur in ihr Verderben rennen kann, wurde ein vielschichtiger Charakter geschaffen, der in einer Gruppe von ebenso verlorenen Seelen ein Zuhause findet. Wer viel Action sucht, tragische Geschichten mag und sich von schönem Anime-Design verzaubern lässt, der sollte Tales of Berseria unbedingt spielen.
Story
Steuerung
Grafik
Sound
Lokalisierung
Gameplay
Preis

3 Kommentare

  1. „Eine deutsche Lokalisation gibt es – wie auch bei anderen Tales-Titeln – nicht.“

    Naja irgendwie schon sonst könnten wirs ja nicht mit deutschen untertiteln auf unserer Konsole spielen oder?^^ Nur Synchronisation gibt’s keine aber lokalisiert wurde es sehr wohl für den deutschen Sprachraum 😉

    P.S.: Das es keine deutsche Lokalisierung geben soll steht bei euch in vielen Reviews, solltet da mal etwas drauf achten. Wenn es keine Lokalisierung gibt kann man das Spiel auch nicht im PS Store kaufen, alles dort drin ist iwie lokalisiert, ansonsten könnte man sich die Dinger doch nur per Import holen.

    • Hm eigentlich ignorieren wir Untertitel und gehen nur auf die Synchronisation ein. Aber stimmt den Part sollten wir langsam mal überdenken.

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