Kommentar: Open World Games – Fluch oder Segen?

Wer erkundet nicht gerne eine liebevoll gestaltete Welt... - aber hey, welche Welt eigentlich?

Die Open World ist aus der Gaming-Welt nicht mehr wegzudenken. Der Großteil der Spieler liebt es, große und offene Welten zu erkunden – nur wenige wollen dabei an die Hand genommen und linear durch die Story geführt werden. Es scheint sich ein Trend abzuzeichnen, bei  dem Spiele mit Open World an „Attraktivität“ gewinnen. Vor allem die Spiele-Industrie nutzt die Open World mittlerweile als eigenständiges Element.

Spätestens seit mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild ein Spiel mit „Open World“ beworben wurde, dessen Spielreihe eigentlich schon immer für seine offenen Welten bekannt war, sollte man sich einmal kritisch mit dem Begriff auseinander setzen.

Was genau ist Open World?

Tatsache ist, dass es zu „Open World“ keine festgelegte Definition gibt. Die offenen Welten eines Games bieten dem Spieler überdurchschnittlich viele Freiheiten und verschiedenste Möglichkeiten, das Spiel zu erleben. Man entscheidet in der Regel selbst, was man wann und wie erledigen möchte. Häufig werden die Welten um eigene Bereiche, wie zum Beispiel Dungeons erweitert und ermöglichen damit einen zusätzlichen Erkundungsspielraum.

Zelda
© Nintendo

Neben den großen und offenen Welten gibt es noch eine weitere, charakteristische Gemeinsamkeit, die sich die Open World Games teilen: Quests.

Dabei kann man zwischen verschiedensten Typen unterscheiden. Die story-relevanten Missionen nehmen aktiv Einfluss auf das Spielgeschehen, während die Side-Quests zumindest das Erfüllen der Main-Quest erleichtern. Denn durch Abschließen der Nebenaufgaben erhalten Spieler diverse Vorteile, wie zum Beispiel Erfahrungspunkte, Waffen oder andere Gegenstände. Darüber hinaus gibt es noch verschiedenste „Mini-Aufgaben“, die Minigames im Spiel oder das Crafting-System beinhalten.

Weitere japanische Klassiker sind die Metroid-Reihe oder Castlevania.

Der bekannteste japanische Vertreter der Open World-Games ist dabei wohl The Legend of Zelda. In den Titeln der Reihe stehen dem Spieler frei erkundbare Spielwelten zur Verfügung, die durch Dungeons noch erweitert werden. Eben diese Dungeons sind zum Beenden der Story notwendig.

Ist man denn wirklich „frei“?

Spätesten jetzt wird klar, dass Open World die Freiheit des Spielens nur scheinbar komplett öffnet. Es wird zwar versucht, eine festgelegte Reihenfolge zu vermeiden, aber eine völlige Willkür ist allein durch den Handlungsstrang oft nicht möglich. Natürlich steht es dem Spieler frei, was er wann und wie machen möchte, allerdings steht der Spielabschluss dabei sicherlich auch auf der Liste. Und um diesen zu erreichen muss er sich letztendlich doch „an die Hand nehmen“ lassen.

Darüber hinaus scheinen Publisher und Spiele-Entwickler einen nicht ausgesprochenen Wettbewerb untereinander auszutragen. Open World-Games prägen heutzutage  den Spielemarkt und suggerieren dem Spieler, viel Inhalt für sein Geld zu bekommen. Kein Wunder also, dass die Gaming-Industrie Open World mittlerweile als Werbe-Element nutzt, um die Spieler positiv auf ihren Titel aufmerksam zu machen.

Final Fantasy XV Screenshot
© SQUARE ENIX CO., LTD.

In einigen Fällen funktioniert das Spielprinzip hervorragend. Man folgt dem roten Faden der Geschichte oder des Spielverlaufs und kann optional durch Sidequests tiefer in die Lore blicken. In diesem Fall schaffen es die Entwickler, ihrer Spielwelt und ihren Charakteren noch eine zusätzliche Tiefe zu geben, in die man als Spieler dann auch gerne eintaucht.

Allerdings scheint es immer häufiger vorzukommen, dass die Spiele ihrem Open World-Versprechen nicht mehr gerecht werden.

So kann es den Spiele-Entwicklern zum Beispiel auch passieren, dass der Umfang des Games im Laufe der Entwicklung schlicht zu groß wird. Eine perfekt bis zum Ende durchgeplante, offene Welt ist finanziell dann nicht mehr umsetzbar.
Oder aber Open World wird als zusätzliches Element eingeführt, obwohl das Game auch ohne offene Welt stimmig funktioniert hat. Der bestehende Inhalt wird also künstlich aufgeblasen, um den Schein einer offenen Spielwelt zu erschaffen.

Fluch oder Segen?

Meiner Meinung nach funktionieren offene Welten großartig, solange man als Spieler den roten Faden nicht verlieren kann. Egal, ob es letztendlich daran liegt, dass die Spieleentwickler die Spieler in relevanten Szenen an die Hand nehmen, oder ob der Handlungsstrang auch beim Eintauchen in die Nebengeschichten noch erkennbar ist. The Legend of Zelda ist dafür ein großartiges Beispiel und das, obwohl das Spiel mit einem Minimum an Story auskommen kann.

Horizon Zero Dawn
© Guerilla Games

Außerdem bieten Open World-Games eine großartige Basis, um leidenschaftlichen Spielern die Lore zum Spiel näherzubringen. Man macht sich gefühlt selbst auf den Weg, die Geheimnisse um den Protagonisten, seine Gefährten und die Hintergründe zur Spielwelt zu erkunden. Genau dieses „Entdeckungsgefühl“ stellt sich aktuell bei  Horizon: Zero Dawn ein – man erfährt an allen Ecken der Spielewelt etwas zu den Hintergründen der Welt – wenn man denn möchte.

Sobald Games allerdings durch ihre große Welt den Bezug zum roten Faden verlieren, oder das Open World-Setting vielleicht gar keinen Sinn macht, können zwei Problempunkte verursacht werden, die den Spielspaß zunichtemachen: Entweder man ist anhand der Informationen und Nebenaufgaben völlig überfordert. Oder die Welt unterbricht schlicht den Spielfluss und es stellt sich zunehmend Langeweile ein.

Bleibt für uns als Gamer also zu hoffen, dass Spiele-Entwickler die feine Balance zwischen Langeweile und Überforderung finden. Dann lassen wir uns von der Handlung auch gerne mal an die Hand nehmen.

Mira
Seit ich lesen kann, liebe ich alles, was mit Japan zu tun hat und fülle auch meine Freizeit am allerliebsten mit JRPGs und Leuten, die die gleiche Leidenschaft teilen! Soundtrack-Liebhaberin, egal ob Game oder Anime!

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