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Gesellschaft Bares oder Karte? Wieso die Japaner noch immer an den Yen-Scheinen festhalten

Bares oder Karte? Wieso die Japaner noch immer an den Yen-Scheinen festhalten

Die japanische Kultur ist unter anderem auch für die Liebe zu Papier bekannt: Dort wird etwa nicht nur die Kunst gepflegt, Tiere und Blumen aus buntem Papier zu falten, sondern auch Geschenke werden in wunderschöne Verpackungen mit komplizierten Schleifenknoten drumherum gehüllt.

Aber auch Papiergeld ist so beliebt, dass die meisten Japaner noch immer lieber Tausende Yen in Geldscheinform mit sich tragen, anstatt bargeldlos zu bezahlen.

In Japan ist es schon seit langem möglich, nicht nur mit Kreditkarte, sondern auch mit dem Mobiltelefon oder sogar mit einer Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr zu zahlen.
Dennoch liegt der Anteil der bargeldlosen Zahlungen laut der Japan Consumer Credit Association nur bei 20%. Zum Vergleich, im nahegelegenen China sind 60% aller Zahlungen bargeldlos, und in Südkorea sogar 96%.

Es ist klar: Obwohl Japan als Land der neuen Technologien bezeichnet wird, liegt es in Sachen cashless immer noch ziemlich weit hinten.

Dabei ist die Situation ähnlich wie in Deutschland (nur 36% bargeldlose Zahlungen 2017). Bei uns werden kleine Beträge unter 50 Euro meistens bar bezahlt. Nicht zu vergessen, dass es immer noch kleine Cafés gibt, die keine Kreditkarten annehmen, und in vielen Läden nur Beträge über 10 oder 15 Euro mit EC-Karte beglichen werden können.
Es handelt sich also um eher kleine, überschaubare Beträge, die bar beglichen werden. Doch was treibt die Japaner dazu, regelmäßig riesige Summen wie 3.876 oder 74.770 Yen aus der Tasche zu holen, um für ihre Einkäufe zu zahlen?

Haben die Japaner womöglich genauso wenig Vertrauen in die Sicherheit der bargeldlosen Zahlungen, wie die Deutschen?

Cashless-Systeme werden in Japan sehr stark von der Regierung und den Geschäftsführern großer, aber auch kleiner Firmen gefordert. Dafür gibt es auch viele Gründe. Man will das Land auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereiten und den einreisenden Ausländern den Aufenthalt so bequem wie möglich machen. Dazu wäre es gut, wenn man überall schnell mit einer Karte zahlen kann.

Auch die Mitarbeiter von Restaurants, Cafés und Supermärkten würden durch bargeldlose Systeme von dem ständigen Nachzählen des Geldes in der Kasse entlastet werden.
Dennoch sind nur wenige Japaner bereit, nur mit ein paar Plastikkarten im Portemonnaie einkaufen zu gehen.

Einer der offensichtlichen Gründe liegt darin, dass es kein einzelnes Cashless-System gibt, das auch für alles benutzt werden kann. Zum Beispiel gibt es die Suica- und Pasmo-Karten, die ursprünglich nur als Bezahlkarten für öffentliche Verkehrsmittel gedacht waren. Beide sind recht beliebt und werden vor allem von jüngeren Japanern gerne genutzt, um in den Coffee-Shops und Kiosken der U-Bahn-Haltestellen schnell zu bezahlen.

Aber Suica und Pasmo werden noch immer nicht von allen Läden akzeptiert, was dazu führt, dass sie nur eine begrenzte Zielgruppe erreichen.

Ein weiteres Problem ist natürlich die zunehmende Anzahl von Senioren in Japan, denen modernere Zahlungsmethoden oft immer noch zu kompliziert erscheinen.
Außerdem gibt es bei den meisten Japanern ein generelles Vertrauensproblem, was Cashless angeht.

In einer Umfrage der Bank of Japan kamen auf die Frage “Wieso nutzen sie keine bargeldlose Bezahlung?” öfters Antworten wie “Es gibt keine Möglichkeit und keinen Bedarf”, “Ich fühle mich unsicher, wenn ich nicht bar bezahle” “Ich habe Angst, dass ich auf diese Weise betrogen oder bestohlen werde”.

Viele Japaner weigern sich auch, zusätzliche Daten an die Banken und andere Zahlungsinstitute weiterzugeben. Wenn man mit einer Karte zahlt, wird erfasst, was damit gekauft wurde und wie viel der Käufer dafür bezahlt hat. Das sehen die Japaner als einen Einbruch in ihre Privatsphäre an. Man sollte nicht vergessen, dass auch im modernen Japan das private Leben noch immer sehr stark vom öffentlichen abgegrenzt wird.

Und umgekehrt gibt es sehr wenige Gründe, nicht mit Bargeld zu bezahlen. Geldautomaten gibt es an jeder Ecke und in jedem kleinen Mini-Markt. Laut Statistiken ist die Wahrscheinlichkeit gering, in Japan zufällig an gefälschte Geldscheine zu geraten.

Deswegen bleibt es unsicher, ob die Einführung von bargeldlosen Systemen und die Werbung für diese tatsächlich etwas bringen werden, wenn die Hauptgründe für die Nutzung von Bargeld eher einen psychologischen und kulturellen Hintergrund haben und praktische Aspekte vernachlässigt werden.

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1 Kommentar

  1. Nur Bares ist Wahres!
    Ich finde es gut das die Japaner ihr Bargeld noch so lieben, ich tue es auch. Karte ist für mich nur eine Erweiterung oder Notfallmaßnahme. Ich habe beim Einkaufen lieber 50€ dabei als mit Karte zu zahlen. Die Sicherheit ist ungewiss und kann umgangen werden, man verliert schnell den Überblick und das Gefühl fürs Geld.

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