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Bierflaschen-Skandal erschüttert Sumo-Szene in Japan

Japans älteste und traditionellste Sportart wurde erneut von einem handfesten Skandal erschüttert: Yokozuna Harumafuji Kohi soll einem jüngeren Kollegen eine Bierflasche über den Kopf gezogen haben. Es ist nicht das erste Mal, dass der einst so glorreiche Sumo mit Gewaltexzessen und illegalen Machenschaften in Verbindung gebracht wird.

Harumafuji Kohei, ein Sumo-Ringer mongolischer Herkunft, der 2012 zum Yokozuna befördert wurde, soll seinem Gegner und Landsmann Takanoiwa Yoshimori während einer nächtlichen Auseinandersetzung mit einer Bierflasche verletzt haben. Dabei soll Takanoiwa mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden sein. Das bestätigte sein Stallmeister am Dienstag.

Laut eines Berichts der Boulevardzeitung Sponichi soll es bei einem nächtlichen Trinkgelage der Sportler zu dem Vorfall gekommen sein. Harafumi soll sich dabei so über die Haltung seines jüngeren Kollegen geärgert haben, dass er ihm eine Bierflasche über den Kopf zog.

Das Schwergewicht selber kommentierte den Vorfall bisher mit folgenden Worten: „Was die Verletzungen von Takanoiwa angeht, so entschuldige ich mich aufrichtig bei seinem Stallmeister, seinem Sumostall, der japanischen Sumovereinigung und ich entschuldige mich auch bei meinem eigenen Sumostall.“

Die japanische Sumovereinigung (Japan Sumo Association) gab am Montag bekannt, dass Takanoiwa vom 5. bis zum 9. November im Krankenhaus behandelt wurde und dass bei ihm eine Gehirnerschütterung, eine Schädelbasisfraktur und andere Verletzungen diagnostiziert wurden.

Japans älteste Sportart steckt in einer tiefen Identitätskrise

Der Vorfall hat erneut große Wellen in der japanischen Öffentlichkeit geschlagen, immerhin war das Sumo-Ringen mit seiner tiefen Verwurzelung in Kultur und Identität Japans einst die wichtigste Sportart der Insel und Sumo-Ringer genossen landesweit Anerkennung.

Während der 1990er Jahre war das Sumo-Ringen sogar so populär, dass die Kämpfe nicht nur in Japan, sondern auch im Ausland übertragen wurden. Die einst glorreichen Zeiten des Sumos sind allerdings vorüber und die lang anhaltende Begeisterung für den einst gefeierten Nationalsport ist erheblich gesunken – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Skandale, die die Sumo-Szene nachhaltig erschütterten.

Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Verwicklungen in illegale Sportwetten, Drogen und Geschäfte mit den Yakuza, Japans einflussreichen Verbrechersyndikaten. Diese Skandale haben den einst so einflussreichen Sumoverband so geschädigt, dass die Regierung sogar  verlauten ließ, sie überlege, dem Sumo seinen Status als Nationalsport abzuerkennen. Im Sommer 2011 sah sich dann auch die öffentliche Rundfunkanstalt NHK dazu gezwungen, die Live-Übertragung eines wichtigen Turniers abzusagen.

Besonders erschütternd war der Tod eines 17-jährigen Nachwuchsringers, der 2009 auf Anweisung seines Trainers während des Trainings zu Tode gequält wurde. Gewalt und strikte Maßregelungen sind dabei keine Seltenheit in den streng reglementierten Sumo-Ställen (heya), in denen die Ringer gemeinsam leben und trainieren. Viele Japaner glauben, dass es an der Zeit ist, den Sumo und seinen Verband von Grund auf zu reformieren und die von harter Disziplin und brutalem Training geprägten Sumo-Ställe zu überdenken.

Ohne einen grundlegenden Wandel könne das verlorene Vertrauen der Öffentlichkeit nicht wieder hergestellt werden, so glauben verschiedene Medien. So lange die einst so gefeierte Sportart allerdings weiter von Skandalen und illegalen Machenschaften erschüttert wird, wird der Sumo nicht aus seiner Identitätskrise herausfinden und es wird schwerer werden, junge Menschen für den einst so wichtigen Nationalsport zu begeistern.

Titelbild: Flickr | Jpellgen (@1179_jp) (CC BY-NC-ND 2.0)

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