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-Chan, -San, -Kun – die Bedeutung der japanischen Anrede

Im Japanischen gibt es verschiedenste Anredeformen, die uns als Ausländer oftmals verwirren. Dies liegt daran, dass man in Japan ziemlich viel Wert auf Etikette und gute Umgangsformen legt, während man bei uns nur mit einem Bruchteil solcher Umgangsformen gut zurechtkommt.

Für alle Freunde der japanischen Kultur haben wir uns die Anreden einmal genauer angesehen und erklären sie euch nacheinander ausführlich.

In Japan fährt man nicht nur auf der anderen Straßenseite, sondern tauscht auch die Reihenfolge der Namen. So ist es dort üblich den Nachnamen voranzusetzen und nicht wie bei uns, zuerst den Vor- und dann den Nachnamen zu verwenden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Vornamen nur unter guten, engen Freunden, sowie innerhalb der Familie benutzt werden. Jemand Fremden beim Vornamen zu nennen wird als unhöflich betrachtet.

Anreden ohne Namensbezug
Als erstes werden wir einen Blick auf Anreden werfen, die oftmals auch einzeln ohne Namen verwendet werden. Es handelt sich hier um die Formen sensei, sempai, buchō und kachō.

Die Anredesensei wird für Ärzte, Anwälte, Lehrer, Politiker und Trainer verwendet. Wir kennen “Sensei” am ehesten aus Filmen, in denen Meister von Kampfsportschulen oder Lehrer angesprochen werden.

Die Anrede -sempai/-senpai wird für Mitschüler und Kommilitonen in höheren Klassen oder Semestern verwendet, aber auch gegenüber Mitarbeiter, die schon länger in der Firma angestellt sind, als man selbst.

Die Anrede buchō kommt aus dem Arbeitsleben, damit wird der Abteilungsleiter angesprochen.

Die Anredekachō kommt ebenfalls aus dem Arbeitsleben und heißt Sektionsleiter, passend dazu gibt es dann nochshachō, womit der Unternehmensleiter angesprochen wird. Die genannten Formen können in der Regel auch anstelle das Nachnamens genutzt werden. Gibt es mehrere Personen auf dem gleichen Posten, so wird der Nachname jeweils davor gesetzt.

Die Anrede -neechan/-neesan wird für die ältere Schwester und -niichan/-niisan für den älteren Bruder verwendet, beide können sowohl mit, als auch ohne Vornamen verwendet werden.

Persönliche Anreden/Suffixe
Dann gibt es noch die persönlichen Anreden, auf die wir nun einen Blick werfen. Hierbei handelt es sich um -chan, -kun, -sama, -san, -neechan und -niichan.

Der Suffix -chan ist eigentlich eine Verniedlichungsform, die daraus resultiert, dass kleine Kinder -san noch nicht aussprechen können. Verwendung findet sie bei kleinen Kindern, guten Freunden oder bei Paaren. Auch bei süßen Tieren findet -chan oft Anwendung. Weitere Formen sind -chama, -tan und -tama, wobei letztere einfach nur andere Formen von -chan sind.

Die Anrede -kun ist sehr geläufig unter männlichen Jugendlichen. -kun kann nie alleine stehen und wird mit dem Vornamen oder Nachnamen genutzt. Z.B. sprechen Lehrer Schüler oft mit -kun hinter dem Nachnamen an. In der Arbeitswelt werden junge Angestellte mit -kun angeredet und auch im japanischen Unterhaus spricht der Parlamentspräsident alle Abgeordneten mit dem Suffix -kun an.

Der Suffix -sama ist die höflichste Form der Anrede, da man die Person damit nur indirekt anspricht. Sie wird in Geschäften gegenüber Kunden genutzt, bei Briefadressanten und auch gegenüber höher stehenden Persönlichkeiten.

Die Anrede -san ist ein Suffix, der hauptsächlich zwischen Erwachsenen verwendet wird. Manchmal sprechen sich Ehepaare mit dem Vornahmen und dem Suffix -san an. Ist man miteinander befreundet, ist -san hinter dem Vornamen etwas geläufiger. Ebenfalls findet man den Suffix manchmal hinter Arbeitstitel, wie z.B. Direktor-san. In Geschäftsverhandlungen kommt es nicht selten vor, dass man die Form ans Ende der Firma setzt, z.B. Sumikai-san.

Selten genutzte Formen der Anrede
Und hier noch ein paar andere Anreden, die es gibt, wie -dono, -tono, -hakase und -shi.

Die Anrede -dono/-tono findet man heute kaum noch. Sie wurde früher gegenüber dem Adel verwendet. Heutzutage wird sie nur noch in Urkunden und beim Militär gelegentlich genutzt.

Der Suffix -hakase, ist ein akademischer Titel und kann am ehesten mit dem akademischen Grad des Doktors verglichen werden.

Die Anrede -shi wird in der Sprache nie genutzt. Es handelt sich hier um eine Form, die nur in Briefen eine Verwendung findet, um eine dritte Person, die im Briefaustausch nicht beteiligt ist, zu nennen.

Keine Zusätze verwenden nur engste Freunde, Familien und Paare. Woanders kommt das eigentlich nicht vor, solange man niemanden beleidigen möchte. Auch in Gesprächen, in denen es um Familienangehörige geht, werden jegliche Zusätze weggelassen. Dort ist das in Ordnung und wird nicht als unhöflich betrachtet.

Wir hoffen, dass euch dieser kleine Überblick über die unterschiedlichen Anreden etwas näher an die japanische Höflichkeit brachte. Sie sind ein Bestandteil der japanischen Kultur und einer der Gründe weswegen uns dieses Land als so höfliches Land erscheint. Ob es auch in Deutschland möglich ist, solch eine Höflichkeit einzuführen, ist schwer zu sagen. Allerdings ist ein höfliches Miteinander nie verkehrt und dadurch kann so mancher Streit vermieden werden.

Für alle, die nach Japan reisen möchten oder sich mehr mit der Kultur und den Formen beschäftigen möchten, gibt es auch schöne Bücher, wie den Fettnäpfchenführer Japan: Die Axt im Chrysanthemenwald, der 10,95 Euro kostet oder den Lonely Planet Reiseführer Japan (Lonely Planet Reiseführer Deutsch) für 28,99 Euro.

Weiter geht es mit: “Wie benutzt man in Japan eigentlich Schimpfwörter?” und “Daisuki Dayo? Wie drückt man in Japan eigentlich seine Liebe aus?”

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