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Das japanische Bildungssystem im Umgang mit ausländischen Schülern

Während die Bevölkerung in Japan im Rekordtempo schrumpft, steigen die Zahlen der Einwanderer kontinuierlich. Das öffentliche Schulsystem kommt der rasant wachsenden Anzahl an ausländischen Kindern jedoch nicht hinterher. Das belegen Studien des Bildungsministeriums. Meist sind es NGO’s und private Träger, die den nichtjapanischen Kindern die nötigen Sprachkenntnisse vermitteln, um sich an öffentlichen Schulen einschreiben zu können.

Die 16-Jährige Rabina Dangol sprach kein einziges Wort Japanisch, als sie im Jahr 2014 zusammen mit ihren Eltern von Nepal nach Japan zog. Wegen ihrer fehlenden Sprachkenntnisse war es ihr nicht möglich, die öffentliche Mittelschule im benachbarten Akishima zu besuchen. Es gab dort schlicht und einfach keine Lehrkräfte, die Japanisch als Unterrichtssprache lehrten und ohne Japanisch konnte sie nicht am regulären Unterricht teilnehmen. Es war der Bildungsausschuss von Akishima, der Rabina und ihren Eltern nahelegte, erstmal Japanisch zu lernen, bevor sie sich an der Mittelschule einschreiben kann.

Die YSC Global School

Rabina und ihre Eltern wandten sich an die YSC Global School der Nichtregierungsorganisation Youth Support Center in Fussa. Rabina besuchte dort mehrere Monate lang Japanischkurse. Mit Erfolg: Im Gespräch mit der Japan Times sagte die Nepalesin: “Seit ich an der YSC Japanisch lerne, kann ich sogar Textbücher auf Japanisch lesen. Zwar habe ich manchmal noch Schwierigkeiten, Texte und Redensarten auf Japanisch zu verstehen, aber ich mag das Lernen und ich liebe Japan. Eines Tages möchte ich hier in Japan Erzieherin werden.”

Rabina Dangol und ihre Familie sind kein Einzelfall. Immer mehr ausländische Familien, die nach Japan ziehen, haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Es gibt schlicht und einfach zu wenig Japanischunterricht an den öffentlichen Schulen Japans. Ausländische Kinder und ihre Eltern sehen sich häufig gezwungen, außerhalb nach Hilfe zu suchen.

So gibt es beispielsweise nur eine Grundschule und eine Mittelschule in Tama, einer Region mit insgesamt 8 Gemeinden, die Japanisch als Unterrichtssprache anbieten. Über 60 Schüler aus Jamaika, den Philippinen, Nepal und China sind daher gezwungen, an der YSC Japanisch zu lernen, sagt Ika Tanaka, der Direktor der YSC Global School.

Notwendigkeit von Japanisch als Unterrichtssprache

Öffentliche Schulen sind nicht bereit, der wachsenden Notwendigkeit von Japanisch als Unterrichtssprache zu begegnen, kritisiert Tanaka. Besonders die Schulen, an denen nur wenige ausländische Schüler eingeschrieben sind, sind kaum imstande, die Neuankömmlinge mit den Grundkenntnissen der Japanischen Sprache vertraut zu machen.

Gemeinnützige Einrichtungen, NGO’s und private Stiftungen stellen häufig die einzige Möglichkeit dar, ausländische Kinder mit den nötigen Sprachkenntnissen auszustatten, die man für das japanische Schulsystem braucht. „Die Regierung muss ihre Unterstützung für ausländische Kinder erheblich ausbauen“, fordert Tanaka, der die YSC Global School im Jahr 2010 eröffnete. “Die japanische Sprache ist essenziell, um eine öffentliche Schule zu besuchen. Ohne Japanisch wird den Kindern die Möglichkeit genommen, akademische Fähigkeiten zu erlernen.”

7,925 Schüler bekommen keinen Japanischunterricht

Daten des Bildungsministeriums belegen, dass sich 2016 insgesamt 80.119 ausländische Schüler an japanischen Grund-, Mittel- und Oberschulen eingeschrieben haben. Im Jahr 2006 waren es nur 70.936. Insgesamt 34.335 Schüler an öffentlichen Schulen brauchen noch Unterstützung im Erlernen der japanischen Sprache. 2006 waren es noch 22.413 Schüler. Nur 77%, also 26.410 Schüler, bekommen bereits Sprachunterricht.

Laut Experten variiert die Qualität des Unterrichts allerdings von Schule zu Schule. Tanaka kritisiert, dass in einer Schule sogar ein Physiklehrer Japanischunterricht gibt. Diese Tatsache offenbart, dass es den Bildungseinrichtungen erheblich an qualifiziertem Personal für den Japanischunterricht fehlt.

Die japanische Regierung hat bereits verschiedene Maßnahmen eingeführt, um dem Problem entgegenzuwirken In den letzten 5 Jahren wurden 567 Lehrer öffentlicher Schulen in 4-Tages-Kursen geschult. Diese Kurse dienen dazu, den Lehrern Instruktionen zu geben, wie sie am Besten Japanischunterricht geben. Im Jahr 2014 hat das Bildungsministerium Ratgeber in sieben unterschiedlichen Sprachen herausgegeben, die den Lehrern zeigen sollen, wie man ausländische Schüler besser ins japanische Schulsystem integriert.

Betrachtet man die vom Bildungsministerium herausgegebenen Daten, dann haben die Maßnahmen allerdings keine nennenswerten Besserungen gebracht. Das ist u.a. auf die verstärkte Zuwanderung von Ausländern zurückzuführen.

Ausländer in Japan: Zuwanderungsquote steigt kontinuierlich

In Japan leben derzeit ungefähr 2,3 Millionen Ausländer. Das entspricht einem Anteil von 1,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Zwar ist diese Zahl im internationalen Vergleich verschwindend gering, doch die Tendenz ist steigend. Besonders vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und dem damit einhergehenden Bevölkerungsrückgang setzen viele Unternehmen und Sektoren verstärkt auf ausländische Arbeitnehmer, um dem akuten Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.

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