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Gesellschaft Demografischer Wandel – sterben die Japaner aus?

Demografischer Wandel – sterben die Japaner aus?

Japan hat wie kaum ein anderes Land mit dem demografischen Wandel zu kämpfen. Bereits jetzt ist fast jeder vierte Japaner älter als 65 und bis 2060 soll die Bevölkerung um ein ganzes Drittel schrumpfen. Wie steht es um die Zukunft des Landes?

Das Phänomen des sogenannten „demografischen Wandels“ kennen wir in Deutschland bereits ziemlich gut. Während die Zahl der Menschen im Rentenalter steigt, sinkt die Zahl der Neugeborenen. Auch Japan hat damit zu kämpfen, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau. In kaum einem anderen Land altert die Bevölkerung so dramatisch wie hier. Bereits jetzt ist fast jeder vierte Japaner älter als 65.

Demografischer Wandel Vorausberechnungen
Vorausberechnungen für den Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in verschiedenen Industrienationen | © Berlin-Institut

Aber was bedeutet das eigentlich für die Zukunft des Landes?
Solange die Geburtenrate eines Landes unter 2 liegt, bedeutet dies langfristig einen Rückgang der Bevölkerungszahl. Bis 2060 soll die japanische Bevölkerung laut Statistiken um ein ganzes Drittel schrumpfen.

Zunächst einmal bedeutet es jedoch einen Rückgang an Arbeitskräften, denn während allgemein die Lebenserwartung steigt und gleichzeitig die Generation der 50er/60er Jahre – die sogenannte Babyboom-Generation – allmählich ins Rentenalter kommt, bringen die jüngeren Generationen kaum neue Arbeitskräfte hervor. Das hat natürlich Folgen.

Geringe Renten und Altersarmut

Das japanische Rentensystem funktioniert zwar etwas anders als bei uns, doch die Folgen des demografischen Wandels wirken sich dennoch ähnlich aus. Durch die steigende Lebenserwartung und den Eintritt der Baby-Boom-Generation ins Rentenalter, ist ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung auf staatliche Rentenzahlungen angewiesen. Dies bedeutet höhere Kosten für den Staat, um die Renten einigermaßen auf einem Niveau zu halten. Daraus resultiert ein weiteres Problem, denn Japan hat aktuell den höchsten Verschuldungsgrad weltweit.

Ein anderes Problem ist die zunehmende Altersarmut. Bereits heute werden immer mehr ältere Haushalte verzeichnet, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Die Gründe hierfür liegen zwar nicht nur beim demografischen Wandel, er spielt jedoch durchaus eine Rolle. Denn für die jüngeren Generationen wird es finanziell immer schwieriger ihre Eltern zu unterstützen, so wie es früher traditionell in Japan der Fall war.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Das japanische Wirtschaftswunder hat bereits seit den 90er Jahren einiges an Glanz verloren. Seitdem versucht das Land vergeblich, wieder ein ähnlich starkes Wirtschaftswachstum wie damals zu erreichen.
Einer von vielen Gründen dafür, dass das damalige Niveau nicht erreicht werden kann, ist der demografische Wandel. Mit weniger Arbeitskräften lässt sich logischerweise auch weniger Wirtschaftswachstum erzielen. Solange also die Arbeitsbevölkerung weiter sinkt, ist es Japan kaum möglich, die eigene Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Was kann Japan dagegen tun?

Die japanische Regierung versucht diesem schier unausweichlichen Schicksal mithilfe weiterer teurer Konjunkturpakete zu entgehen und startet Initiativen, die junge Leute wieder zur Familiengründung anregen und somit die Geburtenraten steigern sollen. Als wirklich effektiv haben sie sich bisher jedoch nicht erwiesen. Im Gegenteil – einige Vorschläge, die von japanischen Politikern zu diesem Thema gemacht wurden, waren zum Teil sogar äußerst fragwürdig.

Demografischer Wandel Bevölkerungsschätzungen
© The Japan Times; eigene Übersetzung

Dabei gäbe es eine recht einfache Möglichkeit, den wirtschaftlichen Problemen entgegenzuwirken, nämlich mehr Unterstützung von außen anzunehmen – und zwar in Form von Immigranten. Aktuell hat Japan einen unglaublich geringen Ausländeranteil von gerade mal 1,7%. Auch die aktuelle Flüchtlingskrise hat daran kaum etwas geändert, da sich Japan bei der Aufnahme von Flüchtlingen sehr zurückgehalten hat. Dabei wären ausländische Arbeiter das beste Mittel, um das Loch, welches der demografische Wandel in den japanischen Arbeitsmarkt gerissen hat, zu stopfen.

Dass Japan dieses Mittel nutzen wird, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da Zuwanderung in Japan kulturell eher nicht erwünscht ist, genauso wenig wie Hilfen aus dem Ausland. Es gab bereits Umfragen, die deutlich zeigten, dass auch von Seiten der Bevölkerung wirtschaftliche Unterstützung durch mehr Zuwanderung eher auf Ablehnung trifft.

Es bleibt schließlich also nur abzuwarten, welchen Weg das Land zukünftig einschlagen wird. Eines ist jedoch sicher: Bleibt alles wie bisher, inklusive der Geburtenraten, dann wird die japanische Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten drastisch sinken.

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1 Kommentar

  1. Neulich hab ich mal gelesen, dass im Jahr 3776 die Japaner aussterben werden, wenn die Geburtenrate weiterhin sinkt. Hoffen wir mal, dass es nicht so enden wird.

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