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Gesellschaft Die Schattenseiten des Tourismusbooms in Japan

Die Schattenseiten des Tourismusbooms in Japan

Japan ist bei Touristen so beliebt wie nie zuvor. Über 28 Millionen ausländische Besucher reisten im letzten Jahr ins Land der aufgehenden Sonne. Das ist ein neuer Rekord, doch der jährliche Besucheransturm hat auch seine Schattenseiten.

Japan erlebt seit nunmehr 5 Jahren in Folge einen beispiellosen Touristenboom. Laut Angaben des Ministeriums für Tourismus und Infrastruktur reisten im vergangenen Jahr 28,69 Millionen Menschen nach Japan – das sind 19,3 Prozent mehr als noch im Vorjahr und etwa 4 mal so viele Besucher wie noch 2011. Für die japanische Wirtschaft stellt der Tourismus mittlerweile eine wichtige Einnahmequelle dar. Die Tourismusbranche verdient nämlich prächtig: Eine Rekordsumme von 4,416 Billionen Yen (umgerechnet circa 32 Milliarden Euro) haben die Touristen 2017 in Japan gelassen. Das sind 17,8 Prozent mehr als noch im vorigen Jahr, wie die Japan Tourism Agency ausrechnete.

Der rasante Aufstieg Japans zu einem der beliebtesten Reiseziele der Welt freut aber nicht jeden. Während die Regierung unter Premierminister Shinzo Abe den Tourismussektor noch weiter ausbauen will, klagen in vielen Regionen immer mehr Anwohner über die radikale Veränderung ihres Lebensraums. Vielerorts ist man dem Ansturm schlicht und einfach nicht mehr gewachsen.

“Wir haben unser Limit erreicht”

So zum Beispiel in Kamakura, einer unweit von Tokyo gelegenen Kleinstadt am Meer, die auch häufig als „Little Kyoto“ bezeichnet wird. Wie die Asahi Shimbun berichtet, ächzt die einstige Hauptstadt Japans unter den kontinuierlich ansteigenden Besucherzahlen. Ein Beamter der Stadtbehörde bringt es im Gespräch mit der Tageszeitung auf den Punkt: „Um ehrlich zu sein, wir haben unser Limit an Touristen erreicht.“ Die kleine Stadt mit ihren unzähligen Schreinen und Tempeln hat nur 170.000 Einwohner, die Zahl der Besucher klettert dagegen jährlich über die 20-Millionen-Marke. Staus, überfüllte Züge und Busse, sowie ausgebuchte Unterkünfte sind die Folge des Ansturms.

Doch Kamakura ist nicht der einzige Ort, der unter dem Besucheransturm leidet. Auch in Kyoto, Japans traditioneller Kaiserstadt, wünschen sich viele Bewohner ein Ende des Besucherandrangs. Denn die Zahl der Touristen habe allmählich ein „Limit überschritten“ und drohe, die traditionelle Atmosphäre der Stadt zu zerstören. Im Frühjahr letzten Jahres musste sogar das alljährlich stattfindende „Beleuchten der Kirschblüten“ im traditionellen Geisha-Distrikt Gionshinbashi abgesagt werden, weil die Veranstalter fürchteten, nicht alleine mit den Besuchermassen fertig zu werden.

Viele Menschen sorgen sich zudem, dass die zahlreichen Besucher die alten Sehenswürdigkeiten, Tempel, Schreine und Gärten Kyotos in Mitleidenschaft ziehen könnten. So vertritt der 48-jährige Kanji Tomita die Meinung, dass vielen Touristen der Respekt für die örtlichen Gemeinden fehle. „Wir arbeiten wirklich hart daran, das Stadtbild Kyotos zu schützen, aber die Touristen konsumieren nur die Szenerie, ohne Respekt zu zeigen.“ Ein weiteres Problem stellen die stets überfüllten Reisebusse und die illegal betriebenen Privatunterkünfte dar, die von vielen Bewohnern der Stadt als „beunruhigend und unangenehm“ empfunden werden.

Die meisten Gäste kommen aus Asien

Mehr als 70 Prozent aller ausländischen Gäste kommen aus China, Südkorea, Taiwan und Hongkong. Mit 7,356 Millionen Menschen machen Chinesen die größte Gruppe unter den Touristen aus. Besucher aus Südkorea stehen mit 7,14 Millionen Reisenden an zweiter Stelle. Laut offizieller Einschätzung sind die Rekordzahlen insbesondere der Zunahme an innerasiatischen Billigfliegern und Kreuzfahrtschiffen zu verdanken. Doch auch gelockerte Visabestimmungen für chinesische Staatsbürger haben zum Touristenboom beigetragen.

Trotz der genannten Probleme mit dem Besucheransturm verfolgen Wirtschaft und Politik das Ziel, die Tourismusbranche Japans weiter auszubauen und künftig noch mehr ausländische Reisende nach Japan zu locken. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 sollen sogar über 40 Millionen Menschen nach Japan reisen, so das offizielle Ziel der Regierung unter Premierminister Shinzo Abe.

Titelbild | Flickr: Tom Olliver (CC BY-NC 2.0)

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2 Kommentare

  1. Ja leider platzen die Städte aus allen “Nähten”! Ich reise seit mehreren Jahren regelmäßig nach Japan und man merkt von Jahr zu Jahr die steigenden Touristenzahlen. Man merkt wie die “Stadtbilder” sich verändern, was sehr schade ist. Ich für meinen Teil werde erstmal nicht mehr nach Japan reisen, obwohl ich schon typische Touristengebiete versuche zu meiden.

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