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Diskriminierung und Mobbing von Kindern aus Fukushima

Nach der Dreifachkatastrophe von Fukushima im Jahre 2011 mussten Hunderttausende Menschen wegen der drohenden Strahlung ihre Heimat verlassen und in andere Landesteile evakuiert werden. Eine Studie des japanischen Erziehungsministeriums hat nun offenbart, dass den Fukushima-Flüchtlingen, ähnlich wie nach der Atombombenkatastrophe in Hiroshima, ein Stigma anlastet und dass knapp 200 Kinder aus der Region systematisch von ihren Mitschülern gemobbt und diskriminiert wurden.

“Verstrahlt”, “Radioaktiv” und “Ansteckend” – Das Stigma der Fukushima-Flüchtlinge

Die Ergebnisse der landesweiten Studie zur Situation von Schulkindern aus der Präfektur Fukushima belegen, dass alleine im Jahr 2016 129 Mittel- und Oberschüler Opfer von Mobbing und Schikane durch ihre Mitschüler geworden sind. Insgesamt 11,800 Evakuierte haben an der Befragung teilgenommen. Unter den 199 gemeldeten Mobbing-Fällen hatten insgesamt 13 einen direkten Bezug zur Atomkatastrophe aus dem Jahre 2011. Dabei wurden die Kinder zum Teil als “radioaktiv” bezeichnet, gemieden und gedemütigt.

Gemäß Angaben des Erziehungsministeriums dürfte die Dunkelziffer viel höher liegen, weil viele Opfer aus Angst vor ihren Peinigern lieber schweigen, als mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Studie wurde vom japanischen Bildungsministerium in Auftrag gegeben, nachdem der Fall eines Schülers in Yokohama öffentliches Aufsehen erregte.

“Ich habe oft ans Sterben gedacht. Sie haben mich wegen der Strahlung wie einen Krankheitserreger behandelt”

Der 13-Jährige Schüler aus der Präfektur Fukushima war mit 8 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Yokohama gezogen und wurde von seinen neuen Mitschülern über Jahre systematisch gemobbt und diskriminiert. In einem Brief hatte er offenbart, dass er von seinen Mitschülern als kin (zu Dt. Bazille) bezeichnet wurde und dass seine Peiniger einen Teil der Entschädigungszahlungen verlangten, die seine Familie nach der Katastrophe bekommen haben soll.

Insgesamt 1,5 Millionen Yen (ca. 13.000 Euro) hat der Schüler seinen Mitschülern zahlen müssen, um den Qualen zu entgehen. Der Anwalt der Familie hatte angegeben, dass der Junge Angst hatte, sich seiner Familie zu offenbaren, weil auch seine Mutter bereits aufgrund ihrer Herkunft von Nachbarn diskriminiert und gedemütigt wurde. Die Schulbehörde von Yokohama hatte zunächst bestritten, dass es zwischen der Zahlung des Jungen und Mobbing einen direkten Zusammenhang gegeben hatte und geriet damit so heftig in die Kritik, dass sie sich im Nachhinein öffentlich entschuldigen musste.

Solidarität und Mitgefühl – Ein Appell an Schüler und Eltern

Bildungsminister Hirokazu Matsuno appellierte als Folge der Studie an Schüler, Eltern, Lehrer und Bildungsinstitutionen, Mitgefühl zu zeigen mit denjenigen, die ein solches Desaster durchleben mussten. Dabei forderte er die Menschen auf, sich besser über die Folgen von Radioaktivität zu informieren. “Ich möchte, dass ihr versteht, dass eure Freunde ein Desaster durchleben mussten, in dessen Folge sie ihre Heimat verlassen und in ein neues Umfeld ziehen mussten. Ich möchte, dass ihr euch in ihre Lage versetzt und Mitgefühl zeigt”.

Stigmatisiert und geächtet wie einst die Überlebenden der Atomkatastrophen von Hiroshima und Nagasaki

Nicht nur Schüler, sondern auch Erwachsene haben in den vergangenen Jahren immer wieder von Diskriminierung und Mobbing berichtet. Damit teilen sie das Schicksal der Überlebenden der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Aufgrund der weit verbreiteten Angst, dass Strahlung ansteckend sei oder zu Missgeburten führen könne, wurden die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki von ihren Mitmenschen geächtet und diskriminiert. Die sogenannten Hibakusha, (zu dt. Explosionsopfer) hatten in Folge dessen häufig Probleme, einen Ehepartner oder eine Anstellung zu finden.

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Kommentare

4 COMMENTS

  1. Der Ursprung juckt hier aber niemanden, wir Deutsche werden auch oft von “Ausländern” mit Bezug auf unsere Vergangenheit diskriminiert. Das Verhalten ist asozial und ist nicht mit irgendwelchen Kulturverhalten gut zu reden.

    • Also Geschichte und Kultur einfach verleugnen? Soso, das kommt mir bekannt vor, aber gut kommt diese Ignoranz auch an anderen Punkten der Weltgeschichte nicht an. Wer nicht verstehen möchte woher das Verhalten kommt, wird auch nicht verstehen dass das kein Problem des Individuums ist, sondern ein viel tiefgreifenderes. Aber wer bin ich schon. Sagen wir doch einfach dass Japaner asozial sind und aus purer Verachtung ihrer Mitmenschen gegenüber handeln. Entschuldige den Tonfall, aber ich kann Ignoranz nicht leiden.

  2. Oh Japan, wie tief bist du noch gesunken?
    Soviel zum Thema “Japan ist soooo cooool” und “Es ist soooo ein tolles Land”.
    Dass man ausländische Leute in Japan derart diskriminiert und schlecht behandelt, ist ja schon schlimm genug, aber dass man sich selbst gegenüber den eigenen Landsleuten nicht zurückhält und es nur noch schlimmer macht…., nein, da fällt mir das Gesicht aus dem Gesicht.
    Was können die Leute in Fukushima dafür, dass sie so einer Katastrophe ausgesetzt waren? Sowas kann überall auf der Welt passieren.
    Japan mag zwar ein zivilisiertes Land sein, wo es kaum Verbrechen gibt. Aber in Sachen “rücksichtsvolles Verhalten” sowie “Respekt und Umgang mit anderen Menschen”, da müssen sie noch sehr viel tun. Da sind selbst wir denen sogar meilenweit vorraus, weil man es uns in der Schule beigebracht hat, wie wir uns gegenüber anderen verhalten sollen.

    • Da muss ich die Japaner in Schutz nehmen. Es gibt da ein paar Dinge die du nicht beachtet hast, zuerst: Ausländer werden in Japan nicht pauschal diskrimiert, das ist so schlichtweg nicht korrekt. Das sind erfahrungsgemäß Ausnahmen.
      Weiteres hängt mit der ostasiatischen Mentalität zusammen, “Was können die Leute in Fukushima dafür, dass sie so einer Katastrophe ausgesetzt waren?” ist leider kein Argument für die Eltern der Kinder dieser Schule. Für Japaner ist der Schluss sehr simpel, jemand kommt aus Fukushima nahe der Katastrophe, so sagt man den eigenen Kindern dass man sich von diesen Kindern fernhalten soll weil sie womöglich “giftig” sind. Wenn viele Kinder mit diesen Anweisungen aufeinandertreffen, endet das oftmals in Mobbing.
      Die Sache ist, dass der Ursprung des Problems nicht bei den Japanern liegt, sondern mehr in der japanischen, oder generell ostasiatsichen Kultur.

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