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Faszination Japan #2 – Unglück inmitten des Wohlstands

Inmitten der „glücklichsten“ Zeit in der Geschichte der Menschheit gehört Japan zu den zufriedensten und wohlhabendsten Nationen der Welt – würde man meinen. Aber der Schein trügt. Hinter verschlossenen Wohnungstüren greift eine bittere Unzufriedenheit um. Doch wo hat diese ihren Ursprung?

Japan ist eine der technologisch fortschrittlichsten Nationen und besitzt dazu die drittgrößte Wirtschaft der Welt. Und doch würden bereits 17% der jungen Japaner sagen, sie seien unglücklich. Verglichen mit anderen Nationen ist das ein trauriger Höchstwert (nur Südkorea kommt mit 17% auf einen ähnlichen Wert).

Japanische Textbücher
Japanische Textbücher – Wikimedia Commons © Asahiko (CC BY-SA 3.0)

Im Großen und Ganzen sind Jugendliche und junge Erwachsene heute weltoffener und liberaler geworden, doch auch im Bereich des mentalen Wohlbefindens sind die jungen Japaner weit unten im Ranking gelandet. Unter den 10-19-Jährigen ist Suizid sogar die häufigste Todesursache (Stand 2014).

Als junge Erwachsene wird vielen Japanern bewusst, wie viel Arbeit es braucht, ein eigenes Kind in die Welt zu setzen und wie schwer es ist, Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen. Im Anblick dieser Tatsache zögern viele japanische Paare bei der Entscheidung, Nachwuchs zu bekommen. Man wäre dieser Verantwortung womöglich nicht gewachsen und möchte sein eigenes Kind nicht enttäuschen müssen.

Man könnte meinen, dass das konsequente Streben nach einer erfolgreichen Schulkarriere und das ungesunde Verhältnis zwischen Freizeit und Lernen infolge des gesellschaftlichen Drucks die Hauptverursacher dieses Problems sind. OECD-Angaben zufolge sind diese Faktoren aber nicht allein für das niedrige Wohlbefinden japanischer Schüler und Studenten verantwortlich. Vielmehr kann man den Berichten entnehmen, dass die Umstände, unter denen dieser Bildungsprozess stattfindet, ein deutlich größerer Einflussfaktor sind.

Unterstützung aus der Familie als wertvollstes Geschenk

Die wohl bedeutendste Erkenntnisse dieser Berichte suggeriert, dass Eltern, die mit ihren Kindern täglich viel Zeit verbringen -miteinander reden und lernen-, mit 22% höherer Wahrscheinlichkeit glückliche Kinder erziehen. Eltern, die mit ihren Kindern regelmäßig gemeinsam am Tisch essen, können sogar mit 39% höherer Wahrscheinlichkeit aufwarten. So behaupten auch Schüler an Schulen, dessen Lehrer ihre Schüler intensiver betreuen  viel häufiger von sich, glücklich zu sein. Denn den Schülern wird das Gefühl vermittelt, dass sie sich nicht völlig alleine durch ihre Schulzeit durchkämpfen müssen.

Schlafender Salaryman
Schlafender Salaryman – Wikimedia Commons © M from Somerville, USA (CC BY 2.0)

Halbherzige Unterstützung aus der Familie stellt also eines der Hauptprobleme dar. Japanische Eltern sind laut OECD im Vergleich zu chinesischen, indischen, nigerischen und indonesischen Eltern offensichtlich sehr von ihrer Arbeit eingenommen, wobei die Kinder häufig zu kurz kommen.

Wenn der Papa fast täglich morgens um halb sieben das Haus verlässt, um vom Vorort zwei Stunden in die Tokioter Innenstadt zu pendeln, und nach 3 Überstunden nachts um 23 Uhr wieder nach Hause kommt und übermäßig erschöpft ist, kann man es ihm auch nicht verübeln, wenn er kaum Zeit für die Kinder hat. Wenn Eltern sich jedoch nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern, suchen sich diese woanders ihre Bestätigung.

Mobbing an japanischen Schulen ist laut einem Bericht der Varkey Foundation mit ein Grund für die Traurigkeit unter jungen Japanern. Mit der Einstellung, dass das Leben ein Wettbewerb ist, überwältigt der primitive Sinn nach Bedeutung und Dominanz manchmal die angeborene Sympathie – survival of the fittest. 

Wenn das eigene Glück neben der Karriere verblasst

Dazu kommt, dass viele Japaner bis zu ihrem 40sten Lebensjahr inmitten von Überstunden, Erwartungsdruck und dem daraus resultierenden Schlafmangel oftmals realisieren, dass sich ihre Kindheitsträume als unerreichbar erwiesen haben. Der strikte Arbeitsalltag dominiert ihr Leben und wenn sie nach Hause kommen, haben sie den Eindruck, dass sie für ihre Kinder nichts weiter als Geldautomaten auf zwei Beinen darstellen.

Das Problem ist tief verwurzelt in der japanischen Gesellschaft. Erst durch ihre gnadenlose Arbeitseffizienz hat sich das Land diesen Wohlstand erarbeiten können. Japan hat die weltweit drittgrößte Wirtschaft, und ist eine der führenden Nationen in der Technologisierung und Digitalisierung – und doch verlieren hier viele an einem Punkt im Leben das Glück aus den Augen. Jenes Glück, das man sich mit keinem Geld der Welt erkaufen kann.

Quelle: Japan Times

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