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Gesellschaft Flüchtlinge in Japan - Chancen und Herausforderungen für Unternehmen

Flüchtlinge in Japan – Chancen und Herausforderungen für Unternehmen

Während die Regierung in Japan sich sehr zurückhaltend bei der Aufnahme von Flüchtlingen zeigt, hat der Modegigant Uniqlo bereits 2011 angekündigt, mindestens 100 Flüchtlinge beschäftigen zu wollen. Für viele andere Unternehmen stellt die Beschäftigung von Geflüchteten allerdings noch immer eine Herausforderung dar.

Fast Retailing, der Mutterkonzern vom japanischen Textilriesen Uniqlo, nimmt eine Vorreiterrolle ein, wenn es um die Integration von Flüchtlingen in japanische Unternehmen geht. Der Konzern beschäftigt schon seit 2011 in Japan anerkannte Flüchtlinge. Angesichts des demographischen Wandels und dem damit verbundenen Arbeitskräftemangel wäre es wünschenswert, dass andere japanische Großunternehmen dem Beispiel folgen, doch die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zeigt sich in der Praxis schwieriger als erwartet. Grund: Den Betroffenen fehlen oft die nötigen Sprachkenntnisse, um sich reibungslos in die japanische Arbeitswelt eingliedern zu können.

Laut Angaben von RHQ (Refugee Assistance Headquarters) in Tokyo, einer Organisation, die anerkannten Flüchtlingen bei der Arbeitssuche hilft, sind die meisten Menschen bei Automobilherstellern, in Fabriken, im Baugewerbe oder im Pflegesektor beschäftigt. Auch Reinigungsarbeiten werden des Öfteren von Flüchtlingen ausgeübt – alles Berufe, in denen Japanischkenntnisse nur bedingt nötig sind.

Bis 2016 war Fast Retailing das einzige High-Profile-Unternehmen, das Flüchtlinge beschäftigte. Bis zum Dezember 2017 hat Uniqlo insgesamt 50 Flüchtlinge eingestellt, 39 in Japan, sieben in Deutschland und vier in Frankreich. Auch das Reiseunternehmen H.I.S. Co. hat sich der Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt verschrieben.

Uniqlo in Japan
Uniqlo | Flickr © Taichiro Ueki (CC BY-ND 2.0)

Fast Retailing hat seit 2016 insgesamt 624 Millionen Yen (umgerechnet 4.64 Millionen Euro) für eigenständige Initiativen der Vereinten Nationen zur Unterstützung von Flüchtlingen in Asien bereitgestellt. Laut Eriko Muteki, einer Angestellten im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, hat die Beschäftigung von Flüchtlingen dazu beigetragen, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Das äußerte die Angestellte im Gespräch mit Kyodo News. „Die neuen Mitarbeiter sind sehr heiter und fröhlich. Sie schauen energetisch in die Zukunft und diese positive Einstellung färbt auf die anderen Angestellten ab“, so Muteki.

Doch nicht alle Neuankömmlinge wollen bei Unternehmen wie Uniqlo arbeiten. Viele ziehen körperliche Arbeiten vor, suchen nach einer Anstellung im Baugewerbe oder sehnen sich nach einer Beschäftigung in der Landwirtschaft.

Nach Einschätzung von RHQ hadern viele große japanische Unternehmen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen, weil diese nicht nur unzureichende Japanischkenntnisse hätten, sondern in einigen Fällen auch kein Englisch sprächen.

So zum Beispiel Geflüchtete aus Myanmar, die zuvor in Camps in Thailand lebten. Laut Hiroaki Ito, einem Sprecher von RHQ, konnten zahlreiche Menschen aus den Flüchtlingsunterkünften keine Schule besuchen und könnten demnach auch nicht lesen und schreiben, was die Arbeitssuche in Japan erheblich erschwere. Auch die Jobsuche bei klein- und mittelständischen Unternehmen gestalte sich als schwierig, da es im Durchschnitt bis zu einem halben Jahr dauern würde, bis Arbeitssuchende über das regierungsgesponserte Hello Work-Programm eine Anstellung fänden. „Es ist unerheblich, wie lange du in Myanmar als Koch gearbeitet hast, in Japan brauchst du eine Lizenz, um eine Anstellung als Koch zu finden“, so Ito.

Ein in Deutschland angestellter Flüchtling aus Syrien, der sich Abdul nennt, wünscht sich, dass Japan einfühlsamer mit dem Leid vieler Flüchtlinge umgehe. „Asylbewerber kommen nicht auf der Suche nach einem „einfachen Leben“ nach Japan, sondern weil sie einen Neustart wagen wollen“, so der 25-Jährige auf einem Uniqlo-Event in Tokyo.

Hiroaki Ito hofft, dass mehr japanische Unternehmen dem Beispiel vom Uniqlo folgen würden, weil dies unter anderem auch dazu beitrage die Wirtschaft anzukurbeln. Gegenüber Kyodo News äußerte er: „Es wäre großartig, noch mehr Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, in denen Flüchtlinge ihre Stärken und Fähigkeiten unter Beweis stellen könnten.“ Die fehlenden Möglichkeiten und Chancen auf dem japanischen Arbeitsmarkt entmutigen die Geflüchteten, eine Anstellung zu suchen. Einen Wandel wird es nur geben, wenn sich die japanische Gesellschaft den Flüchtlingen und ausländischen Arbeitnehmern öffnet. Dieser Wandel ist erst erreicht, wenn Japaner sich nicht mehr darum kümmern, ob ihre Kollegen Ausländer oder Japaner sind.“

Flüchtlinge in Japan

Im letzten Jahr haben so viele Menschen wie noch nie Asyl in Japan beantragt. Von über 10.000 Anträgen hat das Land allerdings nur 28 angenommen. Zwar hat Japan die internationale Flüchtlingskonvention von 1951 unterzeichnet, aber die japanischen Behörden sind für ihre rigide Interpretation der internationalen Standards bekannt. Flüchtlinge müssen hier erstmal beweisen, dass sie aufgrund ihrer Konvention, Ethnizität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, Sexualität oder Nationalität verfolgt werden. Dies ist im konkreten Fall sehr schwer nachzuweisen. Aus diesem Grund wird ein Großteil der Anträge aus „Mangel an Beweisen“ abgelehnt.

Trotz Arbeitskräftemangel – Japan möchte kein Einwanderungsland sein

Keine andere Industrienation der Welt ist so restriktiv, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen und ausländischen Arbeitskräften geht. Mit der Einwanderung von Ausländern tut sich das Land ohnehin schwer. Der Ausländeranteil in Japan liegt bei nur knapp 2%. Zwar braucht das Land aufgrund der demographisch bedingten Alterung bei einem gleichzeitigen Geburtenrückgang dringend ausländische Arbeitskräfte, aber die japanische Regierung betreibt seit Jahren eine restriktive Immigrations- und Asylpolitik, die es nur hochqualifizierten Arbeitskräften erlaubt, temporär einzuwandern.

Flüchtlingshilfe statt Asyl

Laut Premierminister Shinzo Abe muss Japan zuerst nationale Probleme lösen, bevor es sich mit Fragen der Einwanderungspolitik beschäftigen kann. Auf internationaler Ebene gehört Japan zu den größten Geldgebern für weltweite Entwicklungsprojekte und Flüchtlingshilfen. Alleine 2015 versprach Abe, eine Rekordsumme von 1,6 Milliarden Dollar zur Bewältigung der Flüchtlingskrise beizusteuern. Auf die Frage, ob Japan denn auch mehr Asylsuchende ins Land lassen werde, entgegnete Abe auf einer Pressekonferenz, dass Japan zuerst die Teilnahme von Frauen und Älteren am Arbeitsmarkt fördern und die Geburtsrate erhöhen müsse, bevor das Land Immigranten und Flüchtlinge aufnehmen könne.

Dass Japans Wirtschaft vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eigentlich dringend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen wäre, spielt unter der derzeitigen Regierung der LDP allerdings kaum eine bedeutende Rolle.

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