Gute Nacht: So schläft Japan

„Schlafen kannst du noch, wenn du tot bist“ – vermutlich jeder Leser hat diesen Spruch schon einmal in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis zu Ohren bekommen. Bis dahin hat jeder Mensch schon ordentlich geübt, gut zu schlafen.

Es gibt keine Aktivität im Leben, für die mehr Lebenszeit aufgebracht wird. Knapp ein Drittel Lebenszeit wird durchschnittlich allein für die Nachtruhe verbracht. Das sind bei einer durchschnittlichen Lebenszeit von derzeit 80 Jahren immerhin 24 Jahre und 4 Monate.

Ein gesunder Schlaf wird überall auf der Welt anders praktiziert. Die leistungsorientierten Japaner haben ganz besondere Schlafgewohnheiten – ein Vorbild für uns Deutsche?

Wer schläft, vergibt Chancen

Die Japaner sind ein strebsames Volk, die sehr viel Wert auf Etikette und eine hohe Außendarstellung legen. Schwächen offen zeigen, das ist in der japanischen Gesellschaft verpönt. Das gilt für das Privatleben wie für das Berufsleben. Im Job vor dem Chef nach Hause zu gehen zeugt ebenso von Schwäche wie das Nehmen von Urlaub. Das gilt vor allem in den Metropolen des Landes.

Diese Einstellung zum Leben wirkt sich fundamental auf die Schlafgewohnheiten der Japaner aus. Sie schlafen durchschnittlich weniger als die Europäer, vor allem in der Nacht. Arbeitnehmer verfügen selten über eine Nachtruhe, die länger als sechs Stunden ist. In Japan gilt Schlafen als Verlust von Lebenszeit, der Leistungsdruck lässt einen gesunden Schlaf selten zu.

Mehr Nickerchen als Tiefschlaf

Die Folgen des Schlafmangels in der Nacht lassen sich im Alltag schnell erkennen. Deutsche Touristen, die schon einmal mit der Metro in Tokyo unterwegs waren, sehen sie an jeder Ecke – dösende Japaner und Japanerinnen. Sie sind chronisch müde und halten mehrfach am Tag ein Nickerchen. In der U-Bahn, dem Bus, im Park oder auf der Arbeit.
In der Gesellschaft gibt es sogar ein eigenes Wort für diese Art von Schlaf. Inemuri bedeutet übersetzt so viel wie „anwesend sein und schlafen“. In Japan ist das die übliche Form des öffentlichen Nickerchens. Es ist ein sehr oberflächlicher Schlaf, bei der die Umgebung immer noch wahrgenommen wird. So wird bei einer Konferenz der eigene Redebeitrag nicht verschlafen oder im Bus die richtige Haltestelle nicht verpasst.
Schlaflosigkeit ist in Japan weit verbreitet und wird als Zeichen von großem Fleiß angesehen. Auch dafür gibt es im Land der aufgehenden Sonne einen eigenen Begriff: Fumin Fukyu. „Ohne Schlaf, ohne Pause“ ist im Land ein erstrebenswertes Lebensmodell für Arbeitnehmer.

Eine Blaupause für die Deutschen?

In der Bundesrepublik werden die Schlafgewohnheiten der Japaner wohl kaum so wahrgenommen wie sie tatsächlich sind. Die Deutschen legen viel Wert auf erholsamen Schlaf, am liebsten in einem gut eingerichteten Schlafzimmer. Wenn sie an Japan denken, dann zunächst an ein bequemes Futonbett für einen gesunden Schlaf. In Japan kommt der Gestaltung des Schlafzimmers wenig Bedeutung zu, verbringen sie doch ohnehin kaum Zeit dort.

Eine Blaupause für Europäer sind die Schlafgewohnheiten der Asiaten nicht. Chronischer Schlafmangel führt bereits kurzfristig zu Konzentrationsschwäche und reduzierter Leistungsfähigkeit. Auch in Deutschland wird immer weniger geschlafen. Bei einer durchschnittlichen Nachtruhe von 7 Stunden und 45 Minuten haben die Bundesbürger jedoch noch ausreichend Zeit für einen erholsamen Schlaf – gerne im Futonbett nach japanischen Vorbild.

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