Gesellschaft Japan 2017 - Ein Jahresrückblick

Japan 2017 – Ein Jahresrückblick

Die Nordkorea-Krise, umstrittene Gesetze, ein alternder Kaiser, der abdanken darf und immer mehr Touristen im Land der aufgehenden Sonne. 2017 war ein ereignisreiches Jahr mit vielen Höhen und Tiefen für Japan.

Wir haben einige der wichtigsten Ereignisse und Beiträge in unserem Jahresrückblick 2017 gesammelt.

Januar – Immer mehr Touristen besuchen das Inselreich

Das Jahr des Hahns beginnt mit guten Nachrichten für die Tourismusbranche Japans. So gibt Minister Keiichi Ishii Anfang des Monats bekannt, dass die Zahl der ausländischen Besucher 2016 erstmals die 20-Millionen-Marke geknackt hat. Auch die Regierung unter Premierminister Shinzo Abe freut sich über die Besucherzahlen. Sie plant bis 2020 über 40 Millionen Reisende ins Land zu locken und kündigt an, die Beschränkungen für ausländische Arbeiter in Japan lockern zu wollen. Positive Nachrichten gibt es auch für den japanischen Traditionssport Sumo, der seit Jahren mit Skandalen und sinkenden Zuschauerquoten kämpft: Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat es mit Kisenosato wieder ein gebürtiger Japaner geschafft, in den höchsten Rang des Yokozuna erhoben zu werden.

Februar – Im Zeichen des „Premium Friday“

Die Vereidigung von US-Präsident Donald Trump bereitet den Japanern Kopfschmerzen. Das geht aus einer Umfrage hervor, nach der sich knapp 84% der Bevölkerung besorgt über die neue Regierung in Amerika zeigen. Auch muss sich Japans Regierung in den ersten Tagen von Trumps Amtszeit gegen den Vorwurf verteidigen, den Yen manipuliert zu haben. Ende des Monats bestimmt die Einführung des sogenannten „Premium Friday“ die japanischen Schlagzeilen: Die landesweite Kampagne soll Japans Arbeitnehmer dazu bringen, am letzten Freitag jeden Monats bereits gegen 15 Uhr Feierabend zu machen. Zum Einen soll damit der übermäßigen Arbeitsbelastung der Japaner entgegengewirkt werden, zum Anderen erhofft sich die Regierung, den anhaltend schwachen Konsum des Landes anzukurbeln.

März – Skandal um „patriotischen Kindergarten“ setzt Premierminister unter Druck

Premierminister Shinzo Abe und seine Ehefrau Akie sollen den Betreiber eines ultranationalistischen Kindergartens in Osaka mit Geldspenden unterstützt haben. Auch soll die Regierung dem Betreiber ein Grundstück zu günstigen Konditionen verkauft haben. Abe beteuert, dass weder er noch sein Kabinett etwas mit dem gesenkten Grundstückspreis zu tun hätten. Sollte das Gegenteil bewiesen werden, wolle er sein Amt niederlegen. Unterdessen führt Nordkorea Raketentests durch und Japans Regierung spricht von einem “neuen Level der Bedrohung” durch das Regime in Pjöngjang.

April – Diskriminierung, Mobbing und Missbrauch beherrschen die Schlagzeilen

Das japanische Justizministerium veröffentlicht eine Studie, die belegt, dass in Japan ansässige Ausländer häufig mit rassistischen Schmähungen und Diskriminierung bei der Arbeits- und Wohnungssuche zu kämpfen haben. Auch die Immigrationsbehörde gibt ernüchternde Zahlen bekannt: Die Zahl der Missbrauchsfälle im staatlichen Praktikantensystem für ausländische Arbeiter ist so hoch wie seit 5 Jahren nicht mehr. Das Erziehungsministerium offenbart unterdessen, dass Fukushima-Flüchtlingen, ähnlich wie den Überlebenden der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, ein soziales Stigma anlastet und dass sie häufig Opfer von systematischem Mobbing werden. Gute Nachrichten gibt es lediglich für die LGBT-Gemeinde in Japan: In einem buddhistischen Tempel in Tokyo werden nun auch Gräber für gleichgeschlechtliche Paare angeboten.

Mai – Steht Japans Abkehr vom Pazifismus bevor?

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedrohung durch Nordkorea hat Japans Premierminister Pläne einer Verfassungsänderung vorgelegt, nach denen der sogenannte “Friedensartikel” reformiert werden soll. Laut diesem verzichtet das Land auf das souveräne Recht einer Kriegsführung und darf auch keine Streitkräfte führen. Kurz nachdem tausende Anhänger der LGBT-Gemeinde in Tokyo die jährliche Rainbow Pride Parade feierten, kommt es in einem Einwanderungszentrum zum Hungerstreik. Traurige Nachrichten gibt es auch für Anime-Fans, denn laut der Kobe Shimbun soll die bei Fans im ganzen Land beliebte Anime-Straße in Kobe 2018 geschlossen werden. Der Mai ist auch ein turbulenter Monat für das japanische Kaiserhaus: Prinzessin Mako, die Enkelin von Kaiser Akihito, gibt bekannt, dass sie ihren ehemaligen Klassenkameraden heiraten wird und das japanische Kabinett genehmigt einen Gesetzesentwurf, der es dem alternden Kaiser erlauben soll abzudanken. Im Kraftwerk von Takahama wird ein Reaktor wieder hochgefahren und das nordkoreanische Regime testet erneut eine Rakete, die in der japanischen 200-Meilen-Zone landet. Ende des Monats dann endlich eine „gute“ Nachricht: Die Regierung legt einen Bericht vor, nach dem sich im Jahr 2016 so wenig Menschen das Leben nahmen wie schon lange nicht mehr.

Juni – Umstrittene Gesetze und ein Panda-Baby, das die Nation verzückt

Während sich die LGBT-Gemeinde über die baldige, offizielle Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Sapporo freut, sieht die UN die Rede- und Meinungsfreiheit in Japan als bedroht an. Auch rutscht das Land in der Rangliste der weltweiten Pressefreiheit auf den 72. Platz ab. Trotz erbitterter Proteste aus dem In- und Ausland verabschiedet das japanische Parlament ein Gesetz gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus, das Japan laut Kritikern Schritt für Schritt zum Überwachungsstaat führen wird. Als Nordkorea erneut mehrere Raketen testet, stellt sich die japanische Regierung hinter die US-Politik eines möglichen Militärschlags. Gute Nachrichten bringt der Monat für die Touristen, die immer zahlreicher ins Land strömen: Die Regierung gibt endlich grünes Licht für die Plattform AirBnB und kommt damit der gestiegenen Nachfrage zu Übernachtungsmöglichkeiten nach. Die Geburt eines Panda-Babys im ältesten Zoo von Tokyo beherrscht unterdessen die japanischen Schlagzeilen und sorgt sogar dafür, dass die Aktienkurse von Restaurants und Geschäften im Stadtteil Ueno in die Höhe schießen.

Juli – Shinzo Abe in der Krise, der G-20-Gipfel, rote Feuerameisen und ein neues Weltkulturerbe

Kurz nachdem Japan, Südkorea und die USA sich darauf einigten entschlossener gegen Nordkorea vorzugehen, testet Pjöngjang erneut eine Rakete. Die Regierungspartei LDP unter Premierminister Shinzo Abe erleidet bei den Kommunalwahlen in Tokyo eine historische Wahlschlappe und Abe kündigt an, ab August sein Kabinett umbilden zu wollen. Während schwere Regenfälle den Westen Japans erschüttern und einige Todesopfer fordern, einigen sich Japan und die EU auf das Freihandelsabkommen JEFTA. Für Schlagzeilen sorgt auch Akie Abe, die Frau des Premierministers, nachdem sie auf dem G-20-Gipfel in Hamburg gegenüber US-Präsident Donald Trump so tut, als könne sie kein Englisch sprechen. In Japan sorgt man sich unterdessen vor einer Invasion der giftigen roten Feuerameise, die in mehreren japanischen Häfen aufgefunden wurde. Mit der heiligen Insel Okinoshima bekommt Japan ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe und die Regierung kündigt Ende des Monats an, die Selbstmordrate des Landes um 30% senken zu wollen.

August – Japan ist so beliebt wie nie zuvor

Aufgrund der gestiegenen Bedrohung durch Nordkorea fordert eine Regierungsgruppe unter dem japanischen Verteidigungsminister den Premierminister dazu auf, die Möglichkeit eines Militärschlags auf nordkoreanische Stützpunkte zu erwägen. Itsunori Onodera geht sogar noch einen Schritt weiter und kündigt an, dass man nordkoreanische Raketen auch abschießen könnte. Schlechte Nachrichten gibt es für Menschen, die in Japan Asyl beantragen wollen. Nachdem das Land im letzten Jahr nur 28 von über 10.000 Asylanträgen annahm, spricht sich die neue Justizministerin dafür aus, Japans restriktive Aufnahmepolitik beizubehalten. Japanreisenden gegenüber zeigt sich das Land allerdings mehr als aufgeschlossen: Über 2,6 Millionen ausländische Besucher zählt Japan alleine im Juli. So ist das Inselreich bei Besuchern so beliebt wie nie zuvor und Städte und Präfekturen tun alles Mögliche, um noch mehr Reisende anzulocken. So werden beispielsweise neue Anime-Pilgerrouten angeboten. Ende des Monats feuert das nordkoreanische Regime erneut eine Rakete über Japan hinweg.

September – Die hohe Lebenserwartung der Japaner stellt das Land vor neue Herausforderungen

Auch der September beginnt mit schlechten Nachrichten aus Nordkorea, das Japan vor einer bevorstehenden “Selbstzerstörung” warnt. Wenige Tage später feuert Pjöngjang dann eine Rakete über Hokkaido hinweg in den Pazifik. Laut Premierminister Abe ist es nun an der Zeit, mehr Druck auf Nordkorea auszuüben. Das Staatsoberhaupt, das bis zuletzt in einer Krise steckte, löst das Parlament auf und kündigt vorgezogene Neuwahlen im Oktober an. Während sich die Japaner um den Fortbestand der Kaiserfamilie sorgen, erschüttern schwere Regenfälle und Überflutungen mehrere Regionen des Landes. Der Herbstmonat bringt auch einen Rekord mit sich: Mehr als 2 Millionen Menschen sind über 90 Jahre alt und gehen damit auf die Hundert zu. Die hohe Lebenserwartung wäre eigentlich ein Grund zum Feiern, wenn die Bevölkerung nicht gleichzeitig schrumpfen würde. Denn: Japan hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt, was das Land vor schwerwiegende Probleme für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat stellt. Erschreckende Zahlen gibt die nationale Polizeibehörde bekannt: Alleine in der ersten Jahreshälfte wurden über 30.000 Fälle von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch gemeldet. Missbraucht wurde auch die Arbeitshaltung einer Mitarbeiterin von Japans größter Werbeagentur Dentsu Inc. Diese hatte sich in Folge extremer Überarbeitung das Leben genommen, wofür sich Dentsu Inc. vor Gericht verantworten muss.

Oktober – Skandal um gefälschte Produktdaten kratzt am Made in Japan-Image

Der Autohersteller Nissan muss etwa 1,2 Millionen Autos in Japan zurückrufen, weil Richtlinien bei Sicherheitsinspektionen nicht eingehalten wurden. Nissan ist nicht das einzige japanische Unternehmen, das in einen handfesten Skandal verwickelt wird. Der Stahlriese Kobe Steel muss in diesem Monat zugeben, Produktdaten weltweiter Lieferungen gefälscht zu haben. Im weiteren Verlauf der Affäre gesteht auch Subaru, bei Sicherheitschecks gegen Vorschriften verstoßen zu haben. Derweil gibt die Rundfunkgesellschaft NHK bekannt, dass der Tod einer Angestellten des Unternehmens vor vier Jahren auf extreme Überarbeitung zurückzuführen ist. Die Reporterin hatte 2013 in einem Monat 159 Überstunden angesammelt und starb an einem Herzversagen. In Fukushima stellt ein Gericht fest, dass der japanische Staat und der Energiekonzern TEPCO eine Mitschuld an der Atomkatastrophe von Fukushima tragen und in Okinawa stürzt ein Hubschrauber des US-Militärs bei einem Übungsflug ab, was zu lokalen Protesten gegen die US-Stützpunkte führt. Unterdessen geben japanische Medien bekannt, dass Kaiser Akihito voraussichtlich im März 2019 abdanken wird und Premierminister Shinzo Abe und seine LDP gewinnen die vorgezogenen Parlamentswahlen. In Westjapan richtet Taifun Lan massive Schäden an und fordert zahlreiche Opfer. Während Tausende Japaner Ende des Monats Halloween feiern, macht die Polizei einen Horror-Fund in einer Wohnung in Kanagawa. Dort hat ein junger Mann insgesamt 9 Menschen getötet und ihre sterblichen Überreste in Kühl- und Werkzeugboxen aufbewahrt.

November – Ein neuer, alter Premierminister, Donald Trump zu Besuch und erneute Provokationen aus Nordkorea

Auch wenn tausende Menschen gegen die von ihm angestrebte Verfassungsänderung demonstrieren, wird Shinzo Abe erneut zum Premierminister gewählt. Derweil tritt ein Gesetz in Kraft, das ausländische Arbeitnehmer vor Missbrauch im staatlichen Praktikantensystem schützen soll. In Sachen Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern rutscht Japan laut Gender Gap Report 2017 auf den 114. Platz von 144 Ländern. Japanische Firmen führen verstärkt Anti-Raucher-Maßnahmen für ihre Angestellten ein und US-Präsident Donald Trump startet seine Asienreise mit einem Besuch in Japan, wo er unter anderem auch den Kaiser und die Familien der von Nordkorea entführten Japaner trifft. Unterdessen gibt der Kaiserpalast bekannt, dass Prinzessin Mako im November 2018 heiraten wird. Kurz nachdem Nordkorea Japan mit „totaler Vernichtung“ droht, feuert Pjöngjang erneut eine Rakete in Richtung Japan und an den Küsten Nordjapans werden Geisterschiffe mit Leichen angespült, die vermutlich aus Nordkorea stammen.

Dezember – Nach einem Jahr mit Höhen und Tiefen schaut man hoffnungsvoll in die Zukunft

Der letzte Monat im Jahr beginnt mit guten Nachrichten für Anhänger der LGBT-Gemeinde: Japanische Krankenkassen werden künftig die Kosten für Geschlechtsangleichungen übernehmen. Unterdessen gibt Shinzo Abe bekannt, dass der japanische Kaiser am 31. März 2019 abdanken wird. Akihito, der den Chrysanthementhron an seinen Sohn Naruhito übergeben wird, dankt dem japanischen Volk auf seiner Geburtstagsansprache für die Unterstützung und die EU und Japan schließen das weltweit größte Freihandelsabkommen ab. Menschenrechtsorganisationen und internationale Regierungen kritisieren die Hinrichtung von zwei Straftätern und die Regierung warnt vor einem Mega-Erdbeben, das in den nächsten 30 Jahren Hokkaido treffen könnte. Mit einem neuen Rekordtief an Neugeburten erlebt Japan den größten Bevölkerungsverlust in Friedenszeiten, was man angesichts der Menschenmassen, die sich zu den Neujahrsfeiertagen auf Reisen begeben, kaum glauben kann. Ein Großteil der Bevölkerung bereitet sich nun auf das japanische Neujahrsfest vor und hofft, dass das bevorstehende Jahr des Hundes mehr Glück und Gesundheit für das Land und die Welt bringen wird.

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