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Japan | Die Schattenseiten des Touristen-Booms in Kyoto

Japan ist als Reiseziel so beliebt wie nie zuvor. Immer mehr ausländische Touristen reisen in das Land der aufgehenden Sonne, doch nicht alle freuen sich über den Touristen-Boom.

Laut Angaben der Japan Tourism Agency hat die Zahl der Japanreisenden in diesem Jahr ein Rekordhoch erreicht. Über 20 Millionen Besucher reisten alleine bis Mitte September nach Japan. Zu den absoluten Highlights einer Japanreise gehört zweifelsohne die alte Kaiserstadt Kyoto, die mit zahlreichen Zen-Gärten, buddhistischen Tempeln, Parks und Shinto-Schreinen lockt. Doch viele der Einwohner Kyotos sind mit den zahlreichen Touristen überfordert. Sie betrachten die Besuchermassen zunehmend als Störfaktor für das traditionelle Leben hier.

“Die Besucherzahlen haben ein Limit überschritten”

Laut Angaben der Asahi Shimbun wünschen sich viele Bewohner Kyotos ein Ende der ansteigenden Besucherzahlen. Ihrer Meinung nach habe die Zahl der Touristen allmählich „ein Limit überschritten“. Im Frühjahr musste sogar das alljährlich stattfindende „Beleuchten der Kirschblüten“ im traditionellen Geisha-Distrikt Gionshinbashi abgesagt werden. Der Grund: Weil das Event noch mehr Touristen als üblich ins Traditionsviertel locken würde, fürchteten die Veranstalter, nicht alleine mit den Besuchermassen fertig werden zu können.

Der 48-jährige Kanji Tomita, der sich regelmäßig an freiwilligen Aufräumarbeiten und Reinigungsaktionen in Kyoto beteiligt, vertritt die Meinung, dass vielen Touristen der Respekt für die örtlichen Gemeinden fehlt. „Wir arbeiten wirklich hart daran, das Stadtbild Kyotos zu schützen, aber die Touristen konsumieren nur die Szenerie, ohne Respekt zu zeigen. Wir sind schlicht und einfach gezwungen, diese Last zu tragen.“

Da es in Kyoto zahlreiche enge Gassen gibt, fühlen sich viele Einwohner zudem beengt. Touristenbusse und Gruppen würden die Einwohner am Vorbeikommen hindern. Der 68-jährige Hiroshi Fujita fürchtet, dass dieser Umstand in Zukunft zu Unfällen führen könnte. „Unsere Stadt wird von zahlreichen überfüllten Reisebussen frequentiert. Ich habe Sorge, dass es irgendwann zu einem Verkehrsunfall kommt. Hier in Kyoto gibt es mittlerweile so viele Besucher, dass ich glaube, dass deren Zahlen ein gewisses Limit überschritten haben.“

Private Unterkünfte tragen zur Verzerrung offizieller Besucherzahlen bei

Auch die sogenannten Minpaku sind unter den Einwohnern Kyotos umstritten. Mit Minpaku sind private Räume und Wohnungen gemeint, die legal an Besucher vermietet werden können. 2015 waren insgesamt 5,000 der privaten Unterkünfte gemeldet. Laut einer Studie der Stadtregierung wurden allerdings über 90% der Minpaku illegal vermietet. Seit die Gemeinde im letzten Sommer ein Meldesystem über illegale Minpaku einrichtete, gingen über 1,000 Beschwerden ein. Besonders die ansteigende Lärmbelästigung ist ein zentraler Punkt in den Beschwerdebriefen.

Mayo Mieno, eine für Touristenangelegenheiten zuständige Stadtbeamte, sieht die teils illegal betriebenen Minpaku als Grund für die Verzerrung offizieller Besucherzahlen. „Die Zahl der ausländischen Reisenden hat in den letzten zwei Jahren so drastisch zugenommen, dass wir keine geeigneten Maßnahmen ergreifen konnten, um entsprechend auf diesen Boom zu reagieren.“ Da man die Zahl ausländischer Reisender normalerweise an Hotel- und Unterkunftsbuchungen festmachen kann, tragen die illegal betriebenen Minpaku dazu bei, dass offizielle Besucherzahlen nicht mehr ausführlich erfasst werden können.

Laut Mieno wird sich die Stadt Kyoto künftig den Problemen mit vollen Reisebussen und illegal betriebenen Minpaku widmen, denn viele Einwohner empfinden diese als „beunruhigend und unangenehm“.

Regierung möchte noch mehr ausländische Reisende nach Japan locken

Trotz der in Kyoto vorherrschenden Probleme mit den steigenden Besuchermassen verfolgen Wirtschaft und Politik das Ziel, die Tourismusbranche weiter auszubauen und künftig noch mehr ausländische Reisende nach Japan zu locken. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 sollen sogar über 40 Millionen Menschen nach Japan einreisen, so das offizielle Ziel der Regierung unter Premierminister Shinzo Abe. 60 Millionen Besucher sollen es im Jahre 2030 sein.

Dabei wird vor allem daran gearbeitet, die Gäste aus Übersee auch in ländliche Gegenden zu locken. Auch für die von der verheerenden Dreifachkatastrophe in Fukushima betroffenen Gebiete in Tohoku sieht Japan spezielle Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs vor. Hier liegt der Besucherzuwachs nämlich weit unter dem nationalen Durchschnitt. Das gab der Vorsitzende der Japan Tourism Agency in einer Pressekonferenz im August bekannt.

“Die traditionelle Atmosphäre ist verloren gegangen”

Die von der Regierung angestrebte Steigerung der Besucherzahlen betrachtet Toshio Akiyama mit Skepsis. „Der Tourismus in Japan wurde so gefördert, dass die traditionelle Atmosphäre unserer Stadt verloren gegangen ist. Unsere Entscheidung, das alljährliche Kirschblütenfest in Gionshinbashi abzusagen, sollte auch ein Zeichen an die Stadtregierung von Kyoto sein: Ist es wirklich korrekt, die derzeitige Tourismuspolitik so beizubehalten“?

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