Missbrauch im staatlichen Praktikantensystem in Japan

Laut Angaben der japanischen Immigrationsbehörde wurden im Jahr 2016 insgesamt 383 Verstöße gegen das von der Regierung gesponserte Praktikantensystem für ausländische Arbeiter gemeldet.

Offiziell wurde das sogenannte „Technical Internship Training Program“ als Teil japanischer Entwicklungshilfe für asiatische Schwellenländer eingeführt und sollte den Wissenstransfer fördern. Weil es seit offizieller Einführung im Jahre 1993 wiederholt zu Fällen von Ausbeutung seitens der Unternehmen kam, wurden die Regelungen 2010 nochmals revidiert und die Kontrollen an teilnehmenden Firmen verschärft. Dass die Revision wenig Wirkung gezeigt hat, zeigen die jüngsten Untersuchungen der Einwanderungsbehörde: Die Zahl der Missbrauchsfälle ist so hoch wie in 5 Jahren nicht mehr.

Missbrauch und Rechtsverstöße in 239 Unternehmen und Organisationen

In insgesamt 121 Fällen wurden ausländische Praktikanten nicht für ihre Arbeit
entlohnt und in weiteren 51 Fällen wurden falsche Namen angegeben, um Praktikanten an nicht offiziell registrierten Arbeitsplätzen zu beschäftigen. Von den 239 betroffenen Unternehmen und Organisationen gehören 67 dem Agrar- und Fischereisektor an. Weitere 61 Unternehmen zählen zur Textilbranche und insgesamt 38 Firmen sind im Baugewerbe tätig.

Die staatliche Japan International Training Cooperation Organization (JITCO), die die ausländischen Praktikanten betreut, liess in einer offiziellen Stellungnahme verlauten, dass „die jüngsten Erkenntnisse zeigen, dass das technische Praktikantensystem vielerorts für Zwecke ausgenutzt wird, die vom eigentlichen Ziel des Programms abweichen: nämlich der Ausbildung technischer Fähigkeiten und Wissens für Arbeiter aus Entwicklungsländern“.

Was ist das japanische Praktikantensystem?

Das Praktikantensystem der Japan International Trading Corporation (JITCO) wurde erstmals 1993 eingeführt, um Menschen aus asiatischen Entwicklungsländern die Möglichkeit zu geben, für einen begrenzten Zeitraum in Japan zu arbeiten. Dabei sollen die ausländischen Arbeiter bestimmte Fähigkeiten und Skills erlernen, die sie dann wiederum in ihrem Heimatland nutzen können. Mit diesem Wissenstransfer soll die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Partnerländer vorangetrieben werden. Die japanische Regierung betrachtet das Praktikantensystem als eine Form der staatlichen Entwicklungshilfe für asiatische Schwellenländer. Im Jahr 2015 nahmen insgesamt 192,655 Praktikanten am Programm teil. Die ausländischen Arbeiter kommen mehrheitlich aus China, Vietnam und den Philippinen.

Traurige Realität – Miserable Arbeitsbedingungen, fehlende Löhne und Überarbeitung

In der Praxis wird das Programm allerdings von vielen teilnehmenden Firmen dazu genutzt, ungelernte Arbeitskräfte nach Japan zu holen und bei geringer Entlohnung zu beschäftigen. Bereits im Jahr 2008 hatte das Justizministerium festgestellt, dass mehrere Hundert Firmen gegen die geltenden Richtlinien verstoßen hatten. Das äußerte sich vor allem in nicht bezahlten Löhnen und fehlenden Zuschüssen für Überstunden. Besonders heftig in die Kritik kam das Praktikantensystem, als sich herausstellte, dass im Fiskaljahr 2008 insgesamt 34 „Trainees“ an den Folgen von Überarbeitung und unwürdigen Arbeitsbedingungen verstarben. Auch in den Folgejahren kam es immer wieder zu Verstößen gegen geltende Richtlinien: so wurden u.a. Fälle von Überarbeitung, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz oder die Beschlagnahmung von Pässen bekannt.

Gegenmaßnahmen der Regierung

Um Verstößen gegen das geltende Recht in Zukunft entgegenzutreten, hat die japanische Regierung im November 2016 ein Gesetz erlassen, dass die Kontrolle der teilnehmenden Unternehmen verbessern soll. Dabei soll sich die sogenannte Organisation für die Schulung technischer Praktikanten (Organization for Technical Intern Training) für die Rechte ausländischer Arbeitnehmer einsetzen und regelmäßige Kontrollen in Unternehmen durchführen. Als Konsequenz der jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsfälle werden die betreffenden 239 Unternehmen und Organisationen für bis zu 5 Jahre aus dem Programm gestrichen.

1 Kommentar

  1. Es ist immer das Gleiche mit den Japanern. Klarer Fall von Rassismus würd ich sagen. Hab ja erst neulich ein Artikel von euch gelesen, wo Hassreden gegenüber Ausländern in Japan nicht einmal wirklich bestraft wird. Da wundern es mich auch nicht, dass in Japan so mit ausländischen Arbeitern umgegangen wird.

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