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Gesellschaft Japanische Gymnasiasten benutzen unwissentlich echte Schädel im Unterricht

Japanische Gymnasiasten benutzen unwissentlich echte Schädel im Unterricht

Schulen in drei japanischen Präfekturen entdeckten, dass ihre anatomischen Repliken von menschlichen Schädeln tatsächlich Knochen von Unbekannten sind.

Wie die Schädel in den Schulen gelandet sind, konnte bisher nicht ermittelt werden. Einige verweisen auf die Vergangenheit, in der es in Japan keine Gesetze für den Umgang mit menschlichen Leichen gab und der Handel mit menschlichen Knochen florierte.

Der Regierungsanzeiger von Kagoshima veröffentlichte im fünften Dezember 2018 einen Artikel in der Hoffnung, Informationen zu den gefundenen Schädeln zu erhalten. Allerdings sind die Daten spärlich. Die Verantwortlichen wissen nur, dass die Schädel vermutlich weiblich sind und von Frauen zwischen 30 und 40 Jahren stammen.

Ein gelblich verfärbter Schädel diente mehr als 20 Jahre lang als Motiv für Skizzen im Kunstunterricht der Konan Senior High School in der Stadt Kagoshima auf der Insel Kyushu. Die Schule dachte lange Zeit, es handle sich um eine aufwendige Replik oder den Schädel eines Affens.

Ein Kunstlehrer der Konan Senior High School las zufällig einen Bericht über einen menschlichen Schädel, der in der Tsurumaru Senior High, ebenfalls eine Schule in Kagoshima, gefunden wurde. Er vermutete, dass sein Unterrichtsmaterial ebenfalls echt sein könnte. Die Präfekturpolizei bestätigte diesen Verdacht.

Im Fall der Tsurumaru Senior High School wurde der Knochen im Juni im Biologie-Vorbereitungsraum gefunden. Dieser Schädel stammt ebenfalls von einer Frau, die vor etwa 50 Jahren verstarb.

Im Dezember rief das Bildungskomitee der Präfektur Kagoshima 59 Oberschulen auf, ihre Unterrichtsmaterialien zu untersuchen. Dabei entdeckten die Verantwortlichen einen weiteren menschlichen Schädel an einem Gymnasium. Eine entsprechende Anfrage an die Schulen in Oita, ebenfalls auf Kyushu, brachte drei weitere menschliche Schädel ans Licht. Inschriften auf einer Holzkiste berichteten von einer Spende in der Showa-Ära (1935-1944).

In der Präfektur Fukui auf der Hauptinsel Honshu fanden Lehrer ebenfalls echte Schädel in drei Biologieräumen verschiedener Gymnasien. Einer der entdeckten Köpfe soll bereits seit der Meiji-Ära (1868-1912) zum Inventar der Schule gehören.

Schädel in KyushuObwohl die Herkunft der Schädel bisher nicht bestätigt wurde, könnten einige aus Indien stammen. Bis vor 40 Jahren importierte die Kyoto Kagaku Co., Lieferant für medizinisches Lehrmaterial, menschliche Knochen aus Indien und verarbeitete sie. Nachdem die Beschaffung von Knochen schwieriger wurde, stellte das Unternehmen diesen Produktionsbereich ein.

Reist man in der Geschichte weiter zurück, war es an vielen medizinischen Fakultäten normal, aus Kadavern Materialien für den Unterricht herzustellen. Vor der Verabschiedung des Gesetzes über Obduktionen und zur Erhaltung von Leichen im Jahr 1949 gab es in Japan keine gesetzlichen Bestimmungen für den Umgang mit toten menschlichen Körpern, bestätigte Tatsuo Sakai, Professor für Anatomie an der Medizinischen Fakultät der Juntendo Universität. Er erklärte, es sei nicht ungewöhnlich von Krankenhäusern, die Körper von Toten, die keine Familien hatte, medizinischen Schulen zur Verfügung zu stellen.

Der Professor hält es für wahrscheinlich, dass diese Schädel später an die Gymnasien weiterverkauft wurden. An bestimmten Stellen besteht heute noch die Möglichkeit, Präparate aus echten Körpern herzustellen, wenn die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt und sowohl der Verstorbene als auch seine Familie einverstanden sind. Gibt es keine Familienangehörigen mehr, erteilt die Gemeinde eine solche Erlaubnis.

Somit stelle der Besitz eines solchen Präparates keine Straftat dar, wenn er legal erworben wurde, so Sakai. Die Schulen gehen unterschiedlich mit den Schädeln um. In der Präfektur Fukui sind alle aufgefundenen Präparate noch an den Schulen in Gebrauch. Die Stadtverwaltung von Kagoshima ließ seine Schädel, gemäß dem Wunsch der Schulen, einäschern. Einige Schüler reagierten verängstigt auf die Tatsache, mit echten Knochen arbeiten zu müssen.

Quelle: Asahi Shimbun

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