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Lehrer diskutieren über Unterricht mit Kindern ohne japanische Sprachkenntnisse

Wie sollten Lehrer mit Kindern umgehen, die nach Japan kommen, ohne die Sprache zu sprechen? Diese Frage stellt sich, wenn die Zahl ausländischer Kinder in Japan jährlich steigt.

Auf der 68. Nationalen Konferenz über Bildungsforschung der Gewerkschaft japanischer Lehrer diskutierten die Lehrer vom ersten bis dritten Februar über die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mit der Ausbildung solcher Kinder verbunden sind. Dabei geht es sowohl um fehlende Unterstützungsangebote als auch um das Problem der fehlenden Sprachkenntnisse.

Ein 75-jähriger Lehrer berichtet von seiner Erfahrung mit einem Schüler, der überhaupt kein Japanisch sprach. Es dauerte bei ihm 30 Jahre, bis er auf einen solchen Schüler traf. Der Pädagoge arbeitete an einer öffentlichen Hauptschule und traf dort auf einen Schüler, der sehr schüchtern reagierte. Als der Lehrer, der selbst etwas Englisch konnte, den Jungen ansprach, reagierte er sehr zurückhaltend. Er klebte zwei Zettel mit den japanischen Worten „Ja“ und „Nein“ auf seinen Pult und stellte ihm verschiedene leichte Fragen. Der Schüler zögerte, zu antworten. Es kam heraus, dass er in der Grundschule zwar die japanische Sprache sprechen und lesen gelernt hatte, schreiben konnte er in Japanisch allerdings nichts.

Der Schüler nahm an Kursen mit Dolmetschern teil, die von der Präfektur als Hilfskräfte bereitgestellt wurden. Nach einem halben Jahr konnte er erste Erfolge vorweisen, hatte aber immer noch Schwierigkeiten, sich schriftlich richtig auszudrücken. Schließlich schaffte der Junge die zweite Stufe des „Eiken“-Tests und konnte so ganz normal eine japanische High-School besuchen.

Einige lokale Regierungen haben internationale Klassen in ihren Grund- und Mittelschulen eingerichtet, in denen Schüler ohne Japanisch-Kenntnisse unterrichtet werden. Sie erhalten intensiven Sprachunterricht, bis sie dann in den normalen Unterricht integriert werden können.

Eine 37-jährige Lehrerin unterrichtete eine solche Klasse in der Präfektur Ishikawa und berichtete von einer Schülerin, die sie dort unterrichtet hatte. Sie erzählte davon, wie das Mädchen in der Sprach-Klasse aufblühte und gute Fortschritte machte. Nachdem sie bald wieder in eine normale Klasse überführt wurde, verwandelte sie sich wieder in ein stilles Kind zurück. Die Lehrerin nahm das Kind beiseite und übte mit ihr Lesen. Der Erfolg stellte sich bald ein und das Mädchen verwandelte sich wieder in eine glückliche, intergrierte Schülerin.

Mehr Kinder – Weniger Lehrer

Lehrer
Bild: Pakutaso / Max_Ezak

Die Herausforderung bleibe allerdings bestehen und belastet die sowieso schon schwer beschäftigten Lehrer weiter. Sie monieren, dass den meisten ausländischen Schülern die Zeit fehlt, sich richtig auf die Schule vorzubereiten. Diese laufen zu oft Gefahr, in Isolation abzudriften. In letzter Zeit bildeten sich vermehrt Arbeitskreise an den Schulen, die die Kinder unterstützen und Ideen zu ihrer Integration austauschen. Mehr finanzielle Mittel ermöglichen weitere Angebote für ausländische Kinder.

Ein neues Visa-System gibt ab April 2019 ausländischen Arbeitskräften die Möglichkeit, in Japan Fuß zu fassen. Die Lehrer gehen davon aus, dass somit auch die Anzahl der Kinder, die kein Japanisch sprechen, steigen wird. Vor diesem Hintergrund stellte die Regierung im letzten Jahr 500 Millionen Yen (400.000 Euro) bereit, um diese Kinder zu unterstützen. Klassen mit einem Lehrer und nur 18 Schülern sollen den Kindern helfen, schneller Japanisch zu lernen.

Gemäß einer Umfrage des Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie im Schuljahr 2016 gab es in Japan 7.020 Schulen mit ausländischen Kindern, die Nachhilfe bei der Sprache benötigten. Nur 359 dieser Schulen, also 5,1 Prozent, haben 20 oder mehr Schüler, die auf diese Förderung angewiesen sind. Die meisten Schulen haben zu wenig ausländische Kinder, um einen Lehrer für den Sprachunterricht freizustellen.

Die Regierung reagierte darauf mit einem neuen Unterrichtssystem mit extra geschultem Personal und Mitarbeitern, die den Kindern erst einmal in ihrer Muttersprache weiterhelfen. Allerdings besteht bisher ein großer Lehrermangel. Laut der Umfrage aus dem Jahr 2016 fielen 10.400 der 43.947 betroffenen Kindern ohne einen gesonderten Japanisch-Unterricht durch das Raster, weil kein passendes Fachpersonal zur Verfügung stand.

Das Bildungsministerium rief ein spezielles Team ins Leben, das umfassende Maßnahmen der Regierung definieren und planen soll. Ein Beamter versprach ein Modellprogramm zur Förderung und Ausbildung von Lehrern, die sich mit japanischem Sprachunterricht befassen. Ein darauf aufbauendes System soll bald installiert werden.

Quelle: The Mainichi

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