Mutterschaft in Japan: Immer mehr Frauen wenden sich an Doulas

Die Geburt eines Kindes ist für jede junge Mutter ein einschneidendes Ereignis. Neben gynäkologischer Fachbetreuung stehen den Müttern meist Hebammen zur Seite. Nun gibt es in Japan einen neuen Trend, sich in der ersten Zeit der Mutterschaft die Hilfe von Doulas zu holen.

Doulas, Griechisch für Helferinnen, sind nicht-medizinische Fachkräfte, die eine zusätzliche Hilfestellung für junge Mütter bieten. Darunter fallen Aufgaben wie emotionale und körperliche Unterstützung vor, während oder nach der Geburt wie Hausarbeiten oder Rat und Tat rund um das Baby. Doulas sind keine ausgebildeten Fachkräfte, sondern einfach geburtserfahrene Frauen, die sich mit allem, was rund um den Neuankömmling passiert, auskennen. So sind sie in der Lage, den frisch gebackenen Eltern Sicherheit und Antworten bei auftauchenden Fragen zu geben.

Viele junge Mütter sind überfordert mit ihrem Neugeborenen, da die Familienmitglieder arbeiten. So stehen sie häufig allein da mit der Sorge um das Baby. Kimiko Nishi ist eine 53-jährige Doula und ehemalige Kinderbetreuerin. Einmal pro Woche kümmert sie sich drei Stunden lang um den 2-jährigen Sohn und die 5 Monate alte Tochter einer zweifachen Mutter in Tokyo. Die Mutter stieg 2 Monate nach der Geburt wieder in das Berufsleben ein. Der Mann ist ebenfalls berufstätig. Nishi nennt sich und ihre Kolleginnen „Begleitläufer“ für die Kindererziehung“. Etwa 180 Doulas sind zurzeit in 26 der 47 japanischen Präfekturen aktiv.

Eine Gesellschaft im Wandel

In Japan verändert sich neben der Geburtenrate auch zunehmend das Modell der Kernfamilie. Es gibt berufstätige Mütter, die sich trotzdem um ein Kind kümmern. 42 Prozent davon betreuen ein Kind unter 1 Jahr. Auch gibt es eine Reihe von alleinerziehenden Müttern. Da fällt die Sorge um ein Kind oft schwer. Ein großes Problem, was in der Politik Gehör fand, sind die postnatalen Depressionen, denen junge Mütter nach der Geburt oft ausgesetzt sind. In vielen Fällen führt das zum Suizid. Seit 2017 gibt es ein von der japanischen Regierung erlassenes Programm zur psychischen Unterstützung junger Frauen nach der Geburt. Allerdings wird das in vielen Gemeinden noch nicht umgesetzt. Gründe liegen oft in fehlender Finanzierung und Personal.

Die Geburtsbegleitung der Doulas ist ein Konzept, das sich bereits in Europa und den Vereinigten Staaten etablierte. 2012 wurde dann in Japan die Japan Doula Association gegründet. Doulas bieten für Interessierte Kurse und Zertifizierungsschulungen an. Der Stundenlohn einer Doula beträgt 2.000 bis 3.000 Yen (rund 16 bis 25 Euro). Einige lokale Regierungen im Großraum Tokyo subventionieren auch die Kosten.

Quelle: Mainichi Shimbun

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Cookie-Einstellung

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und Werbung einblenden zu können,verwenden wir Cookies. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück