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Nordkorea-Krise: Die Sorgen der Fischer auf Hokkaido

Seit Nordkorea vor wenigen Wochen zwei Raketen über Japan hinweg in den Pazifik schoss, wächst das Unbehagen der Bewohner des kleinen Fischerdorfs Erimo auf der nördlichen Insel Hokkaido.

Am 29. August und kurze Zeit später am 15. September 2017 flogen zwei Raketen aus Nordkorea über japanisches Territorium und stürzten östlich der zweitgrößten Insel Hokkaido ins Meer. Zwar hat die japanische Regierung auf den Einsatz eines Raketenabwehrsystems verzichtet und laut Verteidigungsministerium bestand auch keine akute Gefahr für die Bevölkerung, aber die Bedrohung durch das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm ist wohl nirgends so spürbar wie in dem kleinen Fischerort Erimo auf Hokkaido.

„Mittlerweile schaue ich schon aus dem Fenster zum Meer, wenn ich einen lauten Knall höre“, so die 68-jährige Algen-Farmerin Mitsuyo Kawamura im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich fühle mich unruhig, weil man nie wissen kann, wann die Raketen zurückkommen.“

Auch wenn die nordkoreanischen Raketen hunderte Kilometer über den Köpfen der Bewohner von Erimo hinwegflogen und mehr als 1,000 Kilometer weiter östlich in den Pazifik stürzten, so hat sich unter den Bewohnern des Dorfes Unbehagen breit gemacht.

Es war das japanische Frühwarnsystem J-Alert, das die Bewohner der Region auf Millionen Smartphones und per Sirenen vor dem Raketenflug warnte. Diejenigen, die sich unterhalb der Flugbahn des Geschosses befanden, sollten sicherheitshalber Schutz suchen und Schnellzüge unterbrachen kurzzeitig ihre Fahrten.

In Japan sind solche Warnungen im Grunde nicht unüblich. Das Land ist häufig von Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Tsunamis und Taifunen betroffen. Mit Hilfe von Simulationszentren und regelmäßigen Katastrophenübungen lernen die Japaner von klein auf, wie man sich im Ernstfall verhalten soll. Viele hier glauben nicht an eine Eskalation der Nordkorea-Krise oder an einen tatsächlichen Raketenangriff Pjöngjangs. Auch nach den zahlreichen Provokationen der letzten Monate hofft man weiterhin auf eine friedliche Lösung der Krise, die sich in den letzten Monaten immer weiter hochgeschaukelt hat.

Die Sorge vor einem Angriff durch Nordkorea ist allgegenwärtig

Die Bewohner von Erimo haben allerdings allen Grund zur Sorge. Bereits zweimal lag das Fischerdorf unter der Flugbahn nordkoreanischer Geschosse und das Regime in Pjöngjang lässt keine Gelegenheit aus, Japan mit einem Militär- oder Atomschlag zu drohen. Sollte Nordkorea weitere Raketentests durchführen, dann könnten die Geschosse wieder über den Norden Japans hinwegfliegen und eine Bedrohung für die Bevölkerung darstellen. Besonders Nordkoreas Drohung, eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu testen, macht den Menschen aus Erimo Sorgen. „Die Strahlung würde die Fischbestände vernichten“, so ein älterer Fischer. „Wir könnten unsere Jobs verlieren, so wie nach Fukushima.“

Bewohner Hokkaidos als Spielball der Mächte im Nordkorea-Konflikt

Es ist jedoch nicht nur das Nuklear- und Raketenprogramm Nordkoreas, was den Japanern Sorge machen dürfte, sondern auch die unberechenbare Nordkorea-Strategie des US-Präsidenten Donald Trump, der dem Regime in den letzten Monaten immer wieder mit einem Militärschlag drohte.

Premierminister Shinzo Abe hat sich wiederholt hinter den US-Präsidenten gestellt und dessen Ansicht geteilt, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen“. Ende August kündigte er an, dass Japan „alle Schritte unternehmen werde, um seine Bevölkerung zu schützen“. Abe, der sich auf der UN-Vollversammlung dafür aussprach, mehr Druck auf Nordkorea auszuüben, nutzt derzeit jede Chance zu demonstrieren, dass er seine Führungsrolle in der Nordkorea-Krise entschlossen wahrnimmt. Dem Staatsoberhaupt, das noch vor wenigen Monaten in einer politischen Krise steckte, hat ausgerechnet der Nordkorea-Konflikt wieder zu besseren Zustimmungswerten verholfen.

„Es gibt nirgends einen Ort zum Verstecken“

Japan hat zur Sicherheit mehrere Raketenabwehrsysteme in Stellung gebracht, doch mit diesem Schritt kann sich Mitsuyo Kawamura noch nicht in Sicherheit wägen. Sie hat sicherheitshalber schon mal Lebensmittel gebunkert und lässt das Radio laufen, um eventuelle Warnmeldungen zu verfolgen. Wie viele andere hier und auch im restlichen Land fühlt sie sich hilflos und unsicher darüber, wie sie sich im Ernstfall schützen kann. „Wenn Nordkorea eine Rakete abfeuert, kann diese hier wenige Minuten später landen. Es gibt nirgends einen Ort zum Verstecken.“

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