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Overtourism – Wenn der Touristenboom zur Belastung wird

Japan als Reiseziel ist so beliebt wie nie zuvor. Immer mehr Menschen reisen in das Land der aufgehenden Sonne, doch die vielen Besucher bringen auch Probleme mit sich.

Overtourism heißt das Wort, das Japan in jüngster Zeit vor ungekannte Probleme stellt. Das Wort „Übertourismus“ kommt ursprünglich aus der Reisebranche und bezeichnet ein problematisches Phänomen: Nämlich, wenn Orte und Regionen geradezu von Besuchern überlaufen werden. Reisen zu viele Menschen an einen bestimmten Ort, dann ergeben sich logischerweise Beeinträchtigungen im Straßenverkehr, Lärm, Staus und andere Probleme, die vor allem den Anwohnern Unannehmlichkeiten bereiten.

Da die Regierung in Tokyo anstrebt, die Zahl der Besucher bis zu den Olympischen Spielen 2020 auf 40 Millionen zu erhöhen, wird bereits jetzt erwartet, dass der Übertourismus das Land vor neue Probleme stellen wird.

Die Schattenseiten des Touristenbooms in Japan

Die Auswirkungen des Overtourism sind bereits jetzt in einigen Städten Japans zu spüren (wir berichteten). Besonders Kyoto, die alte Kaiserstadt und eines der beliebtesten Reiseziele Japans, ächzt unter den Besuchermassen. Die Stadt zieht laut Angaben von NHK World über 50 Millionen Besucher jährlich an. Immer mehr Anwohner klagen bereits über die radikale Veränderung ihres Lebensraums. Der Besucherandrang habe allmählich „ein Limit überschritten“ und drohe, die traditionelle Atmosphäre der alten Kaiserstadt zu zerstören. Hier befürchtet man nicht nur, dass die vielen Menschen die Sehenswürdigkeiten, Tempel und Gärten in Mitleidenschaft ziehen könnten, auch die überfüllten Reisebusse, unsachgemäße Müllentsorgung und zahlreiche illegal betriebene Privatunterkünfte werden häufig als „beunruhigend und unangenehm“ empfunden.

Overtourism in Japan
Besonders Kyoto leidet unter dem beispiellosen Touristenboom | Flickr © Othree (CC BY 2.0)

Was tun gegen überlaufene Orte und Regionen?

Auf politischer Ebene wird bereits nach Lösungen zur Bewältigung des Übertourismus gesucht. Die Regierung hat vor wenigen Tagen die erste Umfrage zum Overtourism in Auftrag gegeben und die japanische Tourismusagentur beabsichtigt, bis März 2019 einen umfassenden Bericht zu diesem Problem vorzulegen. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen künftig Wege gefunden werden, den Tourismus zu bewältigen und gleichzeitig ein Leben ohne Beeinträchtigungen für die Anwohner zu garantieren.

Ab November dieses Jahres wird sich zudem eine Gruppe aus Gemeindevertretern und Experten mit diesem Thema beschäftigen. Das neue Gremium soll auf Grundlage der Umfrageergebnisse Richtlinien für zentrale und lokale Regierungen vorschlagen.

Kyoto – Die alte Kaiserstadt als Fallbeispiel

Dem Gremium dürfte die Taktik von Kyotos Bürgermeister Daisaku Kadokawa als Vorbild dienen. Dieser hat bereits vorgeschlagen, Menschenmassen auf Zeit, Gebiet und Jahreszeit zu verteilen. So führte die Burg Nijo, eine der wichtigsten Attraktionen Kyotos, sogenannte Zeit-Dispersionsmaßnahmen ein. Im Sommer öffnete die Sehenswürdigkeit bereits um 8 Uhr in der Früh. Das normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Teehaus im Garten der Sehenswürdigkeit warb mit einem speziellen Frühstücksmenü, um mehr morgendliche Besucher anzuziehen. Die Maßnahme war ein voller Erfolg. Das Frühstücksmenü war täglich ausgebucht und Besucher konnten ein ruhigeres Ambiente als in den überlaufenden Nachmittagsstunden genießen.

Im Süden der Stadt bemüht man sich, die vielen Besucher auf ein weiteres Gebiet zu verteilen, um den Fushimi Inari Schrein hinsichtlich der Besucherzahlen etwas zu entlasten. So bieten lokale Einkaufspassagen und Reisebüros im Nachbarbezirk organisierte Sake-Touren an, um den Besuchern spezielle Erlebnisse abseits der überfüllten Touristenorte zu bieten.

Kyoto testet derzeit auch saisonale Ausbreitungsmethoden, denn besonders zur Kirschblüte und in den Herbstmonaten wird es hier besonders voll – auch unter Japanern ist dies nämlich die beliebteste Zeit für einen Besuch in der Stadt. Um der Verkehrsüberlastung in diesen Monaten entgegenzuwirken, wirbt die Stadt bereits mit einem Besuch im Frühsommer.

Auch will man in Japan künftig gezielt Besucherzahlen und Daten sammeln, um diese dann in Echtzeit auf einer Webseite zu veröffentlichen. Diese und andere Maßnahmen sollen laut Expertenmeinung zu einer Fallstudie für überlaufene Städte auf der ganzen Welt werden.

Japan will die Zahl der Touristen sogar noch erhöhen

Gemäß Angaben von NHK World reisten zwischen Januar und August dieses Jahres 21,31 Millionen Menschen nach Japan. Das entspricht einer Steigerung von 12,6% im Gegensatz zum Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2018 wird die Zahl der Touristen erstmals auf 30 Millionen geschätzt. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 sollen noch mal 10 Millionen Menschen mehr – also rund 40 Millionen jährlich ins Land reisen. Bis 2030 will man die Zahl sogar auf 60 Millionen erhöhen.

Quelle: NHK World

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