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Gesellschaft Seit 40 Jahren verschwunden - Das Schicksal von Megumi Yokota

Seit 40 Jahren verschwunden – Das Schicksal von Megumi Yokota

40 Jahre nach der Entführung der 13-jährigen Megumi Yokota appellieren ihre Eltern in einer Pressekonferenz an Öffentlichkeit und Regierung. Sie haben die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Tochter noch nicht aufgegeben.

Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind ist plötzlich verschwunden und taucht nicht mehr auf. Nicht nach Tagen, nicht nach Jahren. Wie leben Eltern, denen ein solches Schicksal widerfuhr? In einer emotionalen Pressekonferenz hat Sakie Yokota nun erneut über ihr Leid gesprochen. Auch nach 40 Jahren glauben die 81-Jährige und ihr Mann Shigeru (85) an ein Wiedersehen mit ihrer Tochter, die vor 4 Jahrzehnten von Nordkorea verschleppt wurde.

Die 13-jährige Megumi Yokota war gerade auf dem Weg nach Hause, als sie vor 40 Jahren, am 15. November 1977, von nordkoreanischen Agenten verschleppt wurde. Seit diesem Tag leben ihre Eltern in Angst und Ungewissheit. Von ihrer Tochter keine Spur, auch nach Jahren nicht. Das Regime in Pjöngjang sagt, Megumi habe sich 1994 umgebracht, doch Megumis Eltern glauben nicht daran. Das Ehepaar Yokota bekam damals sogar die Asche ihrer Tochter in einer Urne zugesandt, doch laut DNA-Untersuchungen der japanischen Polizei stammte die Asche von einer anderen Person. 2002 bekamen die Eltern dann eine Videobotschaft von ihrer vermeintlichen Enkelin, die den koreanischen Namen Kim Eun-Gyeong trägt. Erstmals hatte das nordkoreanische Regime eine Zusammenführung der Yokotas mit ihrem Enkelkind erlaubt – unter der strengen Aufsicht nordkoreanischer Staatsdiener. Fragen über den Verbleib ihrer Tochter durften die verzweifelten Eltern nicht stellen.

Sakie Yokota fragt sich, warum Japans Regierung nicht dazu in der Lage ist, ihre Tochter zu retten, immerhin ist Nordkorea nicht weit von Japan entfernt. Zwar glaubt die besorgte Mutter, dass die Regierung alles tut, was in ihrer Macht steht, aber das Vertrauen der Familien der von Nordkorea entführten Menschen in die Regierung ist erschüttert. Immerhin ist in den letzten 40 Jahren nichts geschehen.

Sakie Yokota hat die Hoffnung trotz allem nicht aufgegeben. Seit 40 Jahren hofft sie auf die Rückkehr ihrer vermissten Tochter. Besonders jetzt, wo sie allmählich älter wird, hegt sie den innigen Wunsch, Megumi noch einmal zu sehen, bevor ihre Kräfte nachlassen und sie womöglich selbst senil wird.

Am Ende der Pressekonferenz wandte sich die 81-jährige direkt an ihre entführte Tochter. Sie hoffe, dass es ihr gut geht. Zwar wird das alternde Ehepaar immer schwächer, aber sie werden sich weiter anstrengen am Leben zu bleiben, um ihre Tochter endlich wiederzusehen.

Über 1,400 Reden haben Sakie Yokota und ihr Mann Shigeru (85) schon gehalten, um für die Rettung ihrer Tochter zu appellieren. Dafür sind sie in den letzten Jahren durch ganz Japan gereist – in ständiger Ungewissheit, ob ihre Tochter überhaupt noch lebt. Heute ist das kaum mehr möglich, denn Shigeru ist auf eine Gehhilfe angewiesen. Doch Sakie und ihr Mann kämpfen und hoffen weiter. Sie glauben, dass ihre Tochter noch lebt.

Die systematische Verschleppung japanischer Bürger durch Nordkorea

In den 1970er und 80er Jahren haben nordkoreanische Agenten zahlreiche Japaner entführt und zu Spionagezwecken missbraucht. Das Regime in Pjöngjang hat 2002 erstmals gestanden, insgesamt 13 Personen entführt zu haben. Die Dunkelziffer dürfte nach japanischen Medienangaben viel höher liegen. Bisher konnten 5 der Verschleppten in ihre Heimat zurückkehren. Laut nordkoreanischen Angaben seien die übrigen 8 gestorben, darunter auch Megumi Yokota, das jüngste und bekannteste Entführungsopfer.

Wie schon seine Vorgänger George W. Bush und Barack Obama, traf sich auch US-Präsident Donald Trump auf seiner Asienreise mit den Familien der von Nordkorea entführten Menschen und appellierte an das Regime aus Nordkorea, die Entführten zurückzuschicken. Auch Premierminister Shinzo Abe betrachtet das Schicksal der verschleppten Japaner als Angelegenheit „oberster Priorität“. Dabei beteuert das Staatsoberhaupt, dass er „nicht ruhen werde, bis er alle Entführten zurückgeholt hat“. Passiert ist bisher wenig und vor dem Hintergrund der Nordkorea-Krise und Abe’s Vorhaben, den Ton gegen Pjöngjang zu verschärfen, scheint es immer schwieriger, die Wahrheit über das Schicksal der von Nordkorea verschleppten Menschen zu erfahren.

Titelbild: NHK (Japan Broadcasting Corporation)

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