Soziale Medien und Suizid in Japan

Acht junge Frauen äußern via Twitter ihre Suizidgedanken, werden von einem vermeintlichen „Helfer“ angelockt und brutal ermordet. Der grausame Serienmord nahe Tokyo hat in Japan eine Debatte über den Einfluss sozialer Medien auf selbstmordgefährdete Menschen ausgelöst. Für die Regierung und den Nachrichtendienst Twitter stellt sich jetzt die Frage, wie man suizidale Inhalte in sozialen Medien effektiver regulieren kann.

Als eine 23-jährige Oberschülerin im September via Twitter nach jemanden suchte, der mit ihr Selbstmord begeht, konnte sie nicht ahnen, dass ihr vermeintlicher Freund und Helfer in Wirklichkeit gar nicht mit ihr sterben, sondern töten wollte. Nach ihrem Verschwinden findet der Bruder des Mädchens heraus, dass sie sich über soziale Netzwerke mit einem 27-Jährigen ausgetauscht hatte und alarmierte die Polizei. Diese fand in dessen Wohnung die zerstückelten Leichenteile von insgesamt 9 Menschen, aufbewahrt in Kühlboxen. Unter ihnen auch die vermisste 23-Jährige.

Prompt reagierte die japanische Regierung und kündigte an, künftig regulatorische Maßnahmen gegen Suizid-Webseiten einzuleiten. Laut Kabinettssprecher Yoshihide Suga sollen dabei vor allem suizidgefährdete Menschen geschützt werden, um eine Tragödie wie den ‚Serienmord von Zama‘ zu verhindern. Twitter-Firmenchef Jack Dorsey kommentierte den Fall wie folgt: „Was passiert ist, ist sehr bedauerlich und extrem traurig.“ Dabei betonte er, dass man sicherstellen müsse, dass ein Tool wie Twitter in einer „positiven und gesunden“ Art genutzt wird. Auf der anderen Seite sei es sehr schwer alle Tweets mit suizidalen Inhalten zu löschen, so Dorsey.

Welche Risiken bergen soziale Netzwerke für suizidgefährdete Menschen?

In der dem Serienmord von Zama folgenden Debatte um die Rolle sozialer Medien in Verbindung mit Suizid geht es vor allem um die Frage, welche Risiken soziale Medien für suizidgefährdete Menschen bergen und ob diese womöglich einen Nährboden für Depressionen und Selbstmordgedanken bilden.

Laut Einschätzung von Experten ist die Sperrung entsprechender Seiten und Onlinegruppen aber kaum zielführend, da suizidale Absichten in der Regel auf andere Faktoren zurückzuführen sind. In einer Gesellschaft, in der Depressionen und Suizidgedanken nach wie vor stigmatisiert werden, können sich Betroffene im Internet austauschen, über ihr Leid sprechen und lang unterdrückte Emotionen zu Wort bringen. Auch gibt es zahlreiche Menschen, die in sozialen Netzwerken Zuspruch erhalten und erkennen, dass sie nicht alleine sind.

Soziale Medien haben zudem das Potential, öffentliche Diskussionen über Depressionen anzuregen und damit zur Entstigmatisierung Betroffener beizutragen, so die Expertenmeinung.

Zwar haben sich Opfer und Täter im Fall des Serienmords über Twitter kennengelernt, was verheerende Folgen hatte, auf der anderen Seite hat das soziale Netzwerk aber auch indirekt dazu beigetragen, dass der Tatverdächtigte überführt werden konnte.

Selbstmord in Japan – Im kaum einem anderen Land nehmen sich so viele Menschen das Leben

Im Land der aufgehenden Sonne kommt es immer wieder vor, dass Menschen in sozialen Netzwerken nach Hilfe zum Suizid suchen. 2005 verabredeten sich beispielsweise mindestens 91 Menschen übers Internet zum Gruppensuizid. Japan hat eine der höchsten Selbstmordraten der Welt. 2016 haben sich insgesamt 21.897 Menschen das Leben genommen. Vergleicht man die Rate mit den vorigen Jahren, dann ist zwar ein rückläufiger Trend erkennbar, aber nach Einschätzung der Regierung befindet sich die Suizidrate Japans noch immer auf einem „kritischen Niveau“.

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