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Was genau ist eigentlich dieses Chunibyo?

Wenn man sich mit Anime, Manga oder der japanischen Gesellschaft beschäftigt, kann es vorkommen, dass man mit dem Begriff Chunibyo konfrontiert wird. Gerade der Animetitel Love, Chunibyo & Other Delusions! hat dafür gesorgt, dass einige von dem Begriff zumindest gehört haben. Doch was bedeutet dieser Ausdruck eigentlich genau?

Vorweg noch eine Sache: Es handelt sich hierbei um keinen wissenschaftlichen oder medizinischen (Fach-)Bericht, sondern nur um eine kurze Aufklärung über den Begriff.

Entstehung

Es ist nicht vollkommen geklärt, woher der Begriff eigentlich genau stammt. Zum Großteil wird jedoch die erste Nutzung des Wortes Hikaru Ijuin zugeschrieben. Dieser benutzte es zum ersten Mal in seiner Radiosendung Hikaru Ijuins UP’S am 11. November 1999. Kurze Zeit später begann er damit in einem Teil seiner Show mit dem Titel „Bin ich krank? Nein, es ist nur Chunibyo“ Geschichten seiner Zuhörer vorzulesen, in denen sie erzählten, inwiefern dieses Phänomen Teil ihres Lebens ist. Laut Hikaru Ijuin beschreibt der Ausdruck das, was Schüler in ihrem zweiten Mittelschuljahr (mit etwa 13-15 Jahren) normalerweise tun.

Relativ schnell gewann der Begriff an Popularität. Gerade im Internet breitete er sich wie ein Lauffeuer aus. Dabei entstanden auch eine Vielzahl von vergleichbaren Ausdrücken die etwas Ähnliches beschrieben wie z. B. shounibyo oder kounibyo. Der im Internet immer häufiger auftretende Begriff hatte aber bereits früh nichts mehr mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun. Der neue Chunibyo-Begriff war vor allem ein in Foren genutzter abwertender Slang, um wahnhaftes Verhalten zu umschreiben. Später distanzierte sich Hikaru Ijuin von dem Wort, weil es nicht mehr seine ursprüngliche, von ihm beschriebene, Bedeutung hat.

Bedeutung

Chunibyo (im jap. Original: Chuunibyou) setzt sich aus den Wörtern chuugakkou ni hen (zweites Mittelschuljahr) und byou (Krankheit) zusammen. Bekannt ist Chunibyo auch unter den Begriffen Achtklässler-Syndrom oder Middle-school 2nd Year Syndrome. Im Gegensatz dazu wie die Wörter Krankheit oder Syndrom es vermuten lassen, handelt es sich dabei nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinn. Viel mehr ist darunter eine Phase oder ein mentaler / geistiger Zustand zu verstehen, den Jugendliche vor allem während der achten Klasse herum durchlaufen. Das Durchleben einer derartigen Phase ist dabei nicht außergewöhnlich, sondern eine völlig natürlich Etappe auf dem Weg zum Erwachsensein. Auch wenn diese Phase insbesondere während der Pubertät auftritt, kommt es vor, dass diese auch noch im Erwachsenenalter anhalten kann.

Der Ausdruck Chunibyo wird zumeist abwertend benutzt, um eine Person zu beschreiben die sich einbildet spezielle Kräfte zu haben und oft auch nicht davor zurückschreckt, dies ihrer Umwelt kundzutun. Auch Personen, die in ähnlicher Weise durch ihr exzentrisches Auftreten (negativ) auffallen, werden mit diesem Ausdruck betitelt. Mittlerweile kommt es zudem vor, dass der Begriff auch benutzt wird um wahnhaftes und unnatürliches Verhalten im Allgemeinen (z. B. auch Nachahmung des Kleidungsstils oder Verhalten von berühmten Personen) zu beschreiben.

Arten

Die meisten, die den Begriff kennen, wird vor allem die Art geläufig sein, bei der sich die Betroffenen mystische Kräfte zuschreiben (im Folgenden: Evil-Eye-Typ). Zum Teil wird diese Form auch als Chunibyo schlechthin angesehen, ohne den Begriff in verschiedene Arten aufzuteilen. Andere wiederum gehen von verschiedenen Arten aus. Laut der Chunibyo Bedienungsanleitung (im Original: chuunibyou toriatsukai setsumei sho) gibt es drei Arten.

1. DQN-Typ (dokyun-kei): DQN steht für störender Delinquent oder unsozialer Mensch. Von der ersten Art betroffene Personen geben vor Außenseiter, Delinquente oder Rebellen zu sein. Um diese Fassade aufrechtzuerhalten, erfinden sie Geschichten über ihre Straftaten oder Straßenkämpfen oder Ähnliches.

2. Subkultur-Typ (sabukaru-kei): Betroffene der zweiten Art geben vor Teil oder Fan einer Subkultur oder eines alternativen Trends zu sein. Dies tun sie um als cool, interessant oder besonders zu gelten und sich von der breiten Masse abzuheben. Meistens haben diese Personen kein Interesse an dem Trend / der Subkultur selbst und wissen zum Großteil auch nicht besonders viel darüber.

3. Evil-Eye-Typ (jakigan-kei): Ist die wohl bekannteste Art und diejenige Form, die im Allgemeinen gemeint ist, wenn man von Chunibyo spricht. Die davon betroffenen Personen glauben daran, dass ihnen besondere mitunter auch versteckte Kräfte innewohnen. Zum Großteil handelt es sich dabei um Fans von Fantasy, die sich bei ihren Kräften von Büchern, Serien etc. aus dem Fantasy-Genre inspirieren lassen. Oftmals sind diese Kräfte mit einem Alias der Person selbst verbunden. Oftmals handelt es sich dabei um ein wiedergeborenes Wesen. Besonders häufig manifestieren sich diese ausgedachten Kräfte in den Augen oder Armen, die in irgendeiner Weise (meist mit Bandagen) versiegelt sind.

Allen 3 Arten gemeinsam ist, dass es dem Betroffenen hauptsächlich darum geht, in den eigenen Augen oder in den Augen seiner Mitmenschen, etwas Besonderes zu sein. Sich als jemand zu profilieren der sich von der breiten Masse abhebt und weit mehr ist als das Auge offenbart.

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