Luisa Velontrova steht uns zu ihrem Manga Beyond Spring in einem Interview Rede und Antwort.

Wie so viele Manga-Zeichner hat Luisa Velontrova ihre Laufbahn mit privat gedruckten Werken begonnen, darunter fallen die Dojinshi Cosmos und Yael, bevor sie 2014 mit dem Einzelband Martillo’s Mysterious Books bei TOKYOPOP den Sprung auf die Verlagsebene schaffte (wir führten ein Interview mit ihr). Mit dem Manga Beyond Spring kehrte sie 2015 zu den Wurzeln zurück und landete in meiner persönlichen Top 20 deutscher Manga-Starts 2015 auf Platz 10.

Inhalt: Die junge Peri lebt in einem Land des ewigen Frühlings, wo Menschen von Bäumen geboren werden. Doch das Reich ist von einer dichten Wolkenschicht umgeben. Jeder, der hindurch will, verwandelt sich in eine Blüte. Nur Haru kann die Grenze als Mensch überschreiten und bringt der Welt auf der anderen Seite, welche ansonsten unter dem ewigen Schnee des Winters hungert, mit Samen und Blumen den Frühling.

Eine Leseprobe zu Beyond Spring findet sich hier. Mit dem Werk ist Luisa Velontrova zudem für den Dojinshi-Preis 2015 nominiert, für den man noch bis 6. Februar abstimmen kann.

Sumikai: Wie ist die Story zu Beyond Spring entstanden?

Yael Dojinshi Luisa Velontrova Cover
Yael © 2014 Luisa Velontrova

Luisa: Wie auch Yael 2014 ist der erste Entwurf von Beyond Spring für einen 24h-Manga-Zeichenmarathon entstanden, nach einer Idee, die ich viele Jahre vorher mal aufgeschrieben und dann später beim Aufräumen wiedergefunden hatte. Zusätzlich zu dem 24h-Kapitel wollte ich aber noch ein zweites Kapitel machen, das Harus Hintergrundgeschichte behandelt.

Sumikai: Wie kamen die einzelnen Charakter-Designs zustande?

Luisa: Das weiß ich ganz ehrlich nicht mehr so genau, weil das schon einige Jahre her ist. In einer Anime-Serie habe ich mal eine Kimonoart gesehen, deren Oberteil seitlich mit einer Schleife geschlossen wird. Das fand ich hübsch und habe es für Haru verwendet.

Sumikai: Wie würdest du empfinden, wenn du in so einem Land wie Peri lebtest? Würdest du dich durch die Wolken wagen?

Luisa: Das kann ich gar nicht so pauschal sagen. Das Leben dort ist ja schon sehr friedlich und harmonisch. Aber auf Dauer auch ein bisschen langweilig? Wenn es nicht genug gibt, das mich beschäftigt, würde ich vielleicht auch irgendwann wissen wollen, was auf der anderen Seite liegt.

Beyond Spring Luisa Velontrova
Beyond Spring © 2015 Luisa Velontrova

Sumikai: Wie leben die Menschen im Land, wo ewiger Frühling herrscht?

Luisa: Es geht allen gut, und alle sind mehr oder weniger glücklich. Es gibt bestimmt hier und da mal kleine Plänkeleien oder Sorgen, aber ansonsten ist alles bescheiden und beschaulich. Jeder hat seine Aufgabe in der Gemeinschaft.

Martillo's Mysterious Books Luisa Velontrova
Martillo’s Mysterious Books © 2014 Luisa Velontrova, TOKYOPOP

Sumikai: Wenn die Menschen dort von Bäumen geboren werden, wer kümmert sich dann um die Kinder? Gibt es so etwas wie Familien?

Luisa: Vielleicht läuft das nicht wie bei uns, wo man üblicherweise ein bis zwei Eltern hat, die sich um die Kinder kümmern, aber es gibt sicher Leute, die das speziell als Aufgabe haben. Und ich könnte mir vorstellen, dass zum Beispiel alle Kinder vom selben Baum als eine Familie gelten.

Sumikai: Warum verwandelt sich Haru beim Durchqueren der Wolken nicht in eine Blüte?

Luisa: Weil er mit negativen Gefühlen durch sie hindurchgeht und quasi bestraft wird damit, dass er seine Gestalt behält und fortan in der kalten Welt leben muss. Wer weiß, vielleicht kamen ja alle Menschen, die dort leben, beziehungsweise ihre Vorfahren, eigentlich mal aus dem Frühling …

Sumikai: Was für eine Verbindung besteht zwischen Haru und dem Mädchen Tia?

Luisa: Tia war ja die Erste, die Haru gesehen hat, und hat ihn bei sich zuhause aufgenommen. Sie lernen sich kennen, verlieben sich und sie begleitet ihn auf der Reise zurück bis zu seinem Heimatland.

Cosmos Luisa Velontrova deutscher Manga 2013
Cosmos © 2013 Luisa Velontrova

Sumikai: Warum kann Tia Haru mal sehen und mal nicht, aber dennoch immer berühren?

Luisa: Haru kommt ins Winterland mit der Wärme des Frühlings in seinem Herzen. Die macht ihn unsichtbar. Aber je mehr er davon „verbraucht“, umso sichtbarer wird er. Als die Wärme wieder „aufgefüllt“ wird, wird er also wieder unsichtbar.

Sumikai: Wie haben die Menschen gelebt (und überlebt), bevor Haru ihnen den Frühling brachte?

Luisa: Menschen können ja fast überall überleben, wenn sie nur wollen. Und es war ja noch nie komplett Eis und Schnee das ganze Jahr über. Ein bisschen ist immer gewachsen, an manchen Orten mehr, an anderen weniger. Aber genug z.B. für ein paar Wildtiere zum Überleben, sodass man jagen und fischen gehen kann. Ein bisschen Gemüseanbau klappt ja auch (das Gemüse dort ist sicher extra winterhart 8D), und dann geht man auf den Markt und holt sich, was man braucht, und bietet dafür die eigenen Waren an. Aber außer Frage steht, dass es vor der Ankunft des Frühlings deutlich schwerer war.

Beyond Spring Cover deutscher Manga by Luisa Velontrova
Beyond Spring © 2015 Luisa Velontrova

Sumikai: Was für eine Arbeit geht Peri nach?

Luisa: Sie spinnt Blüten in das spezielle Garn, aus dem Harus Schal gemacht ist.

Sumikai: Warum hast du dich für das eher ungewöhnliche Querformat entschieden? Und warum in Farbe?

Filament Cover by Luisa Velontrova
Filament © 2015 Luisa Velontrova

Luisa: Ich wollte einfach mal gern etwas anderes als nur Hochformat, aber quadratisch war zu klein. Und dann habe ich festgestellt, dass ich im Querformat eine Doppelseite nur mit Wolkenpanorama machen könnte, und damit war die Sache dann entschieden!

Sumikai: Beyond Spring ist bereits ausverkauft. Soll es einen Nachdruck geben, oder kann man den Manga bald auch online lesen?

Luisa: Die erste Auflage ist ausverkauft, genau. Ich habe inzwischen allerdings eine zweite Auflage drucken lassen, welche diesmal aber auf Englisch ist.

Sumikai: Welches Projekt nimmst du als Nächstes in Angriff?

Luisa: Zur letzten Connichi ist ja bereits die Kurzgeschichte Filament erschienen, die ganz zart die Physik als Thema streift. Aktuell habe ich jetzt mit einem voraussichtlich etwas längeren Projekt begonnen, das sich um ein gewisses mathematisches Hotel dreht.

Martillo’s Mysterious Books Luisa Velontrova Cover
Martillo’s Mysterious Books © 2014 Luisa Velontrova, TOKYOPOP

Sumikai: Soll es auch wieder einen Verlagsmanga aus deiner Feder geben? Vielleicht gar eine Fortsetzung oder ein Spin-off zu Martillo’s Mysterious Books?

Luisa: Meinetwegen gern, aber noch ist alles offen. Ideen habe ich genug, sowohl für eine Weiterführung der Haupthandlung wie auch für kleine Sp

in-offs, aber die müssen erst mal in die richtige Form gebracht werden.

Sumikai: Auf welchen Veranstaltungen trifft man dich demnächst an?

Luisa: Auf jeden Fall auf der Anime Messe Anfang Juni in Berlin und Ende Juni auf der Comic Con in Stuttgart!

Das Sumikai-Team bedankt sich herzlich bei Luisa Velontrova für dieses Interview!

fallenshadow
Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch