Dekade.nt: Zehn Jahre Comedy mit Shinji Schneider

    Der Nerdkomiker im Interview.

    Shinji Schneider
    © Shinji Schneider

    Seit zehn Jahren macht Shinji Schneider nun die Con-Bühnen unsicher und entlockt dabei den Zuschauern nicht nur Lacher, sondern auch immer verständnisvolles Nicken.

    Mit seinen lebendigen Geschichten, eingängigen Songs und einem Humor, dem man sich als Fan von Videospielen, Anime und Manga einfach nicht entziehen kann, überzeugt er in jeder seiner Shows. Mittlerweile hat er seine erste DVD rausgebracht, die das Liveprogram mit dem Titel „The Show must go on“ dokumentiert, und arbeitet auch schon an der zweiten. „Dekade.nt“ lautet der Titel des neuen Programms, der gekonnt auf das Dienstalter des Komikers anspielt. Dass er nicht nur ein Händchen für Wortwitz hat, sondern auch ein sehr sympathischer Gesprächspartner ist, stellt er im folgenden Interview unter Beweis, in dem er über das Leben als Nerdkomiker, die Liebe zur Animeszene und natürlich auch über das neue Projekt spricht.

    Du bist Anime- und Nerdkomiker. Was heißt das eigentlich?

    Shinji: Im Grunde genommen nicht viel. Als ich mit der Comedy angefangen habe, war meine Comedy komplett auf Anime und Manga ausgelegt. Mit den Jahren hat sich das Ganze immer stärker auf größere Teile der Szene verlagert: Videospiele, Comics, Rollenspiele, etc. Mittlerweile benutze ich die Bezeichnung vor allem deswegen, weil ich keine Mainstream-Comedy mache. Ich betrachte meine Programme nicht als Mainstream-tauglich, sondern nur für andere Spinner wie mich. Nerds eben.

    Woher nimmst du eigentlich deine Ideen für ein Programm?

    Shinji: Meine Comedy funktioniert nach diesem Prinzip: Das Publikum sind Leute wie ich. Nerds, Freaks, Spinner. Und ich bin der Depp, der auf der Bühne steht und ihnen eine Geschichte erzählt. Und genau so komme ich auf meine Ideen. Was ich auf der Bühne erzähle, ist im Grunde nichts anderes, als das, was ich auf Cons auch direkt mit Freunden bespreche. Wenn sie bei manchen Geschichten lachen, merke ich mir das, und eventuell landet es irgendwann in einem Comedyprogramm. Man könnte sagen, ich habe in meinem Hinterkopf eine Truhe, wo ich alle lustigen Gespräche drin verstecke, und wenn ich wieder ein neues Programm brauche, gehe ich mit der Taschenlampe auf die Suche.

    Kann man sich so also die Arbeit eines Komikers vorstellen? Du sammelst Geschichten aus deinem Leben?

    Shinji: Ich habe vor Jahren mal einen Blog geschrieben, wie man Komiker werden würde, aber im Grunde genommen ist es simpel: Comedy besteht aus Beobachten, Analysieren und Wiedergeben. Ich beobachte etwas und analysiere, wieso das lustig ist oder wie man es lustig machen kann. Dann weise ich darauf hin, übertreibe es oder mache sonst etwas aus dieser Beobachtung. In meinem Fall sammle ich wirklich die Comedy aus meinem Leben. Worüber ich auf der Bühne erzähle, habe ich in den meisten Fällen wirklich so erlebt. Da wird mir manchmal schon vorgeworfen, ich würde in meiner Comedy nur über mich selbst sprechen, aber das ist halt, was ich am besten kenne. Außerdem ist mir extrem wichtig, dass ich in meiner Comedy auch meine persönlichen Schwächen zeige. Ich hasse Komiker, die nur austeilen und über andere lästern können. In meinen Augen ist ein Komiker ein Mensch, der darauf hinarbeiten sollte, den Menschen das Leben zu verschönern und nicht anderen das Leben schwieriger zu machen. Ich bin in der Hinsicht ein extremer „Social-Justice-Warrior“.

    Ein Krieger, der immerhin schon seit 10 Jahren dabei ist. Das kann ja nur für dich sprechen, wenn die Menschen sich auch nach so langer Zeit immer noch darüber freuen, dich reden zu hören.

    Shinji: Ich behaupte ja, das liegt nur daran, dass ich fast der Einzige bin.

    Ist die Komiker-Szene in dem Bereich denn wirklich so klein? Kann man dann überhaupt von einer Szene sprechen?

    Shinji: Die deutschsprachige Anime-Szene ist schon extrem klein, wenn man sich nur das anschaut, was ich mache: Dastehen und eine Stunde Blödsinn labern. Es gab in der Vergangenheit 2-3 Komiker, von denen ich weiß, aber die konnten sich bisher nicht durchsetzen (und ich hoffe schwer, dass das nicht daran liegt, dass ich dauernd von Con zu Con reise). Ansonsten haben wir Leute bzw. Gruppen, die zwar lustig sind, aber nicht Comedy wie ich machen. Diese Leute sind Moderatoren bei Wettbewerben und Cons, wo sie die Leute unterhalten. Oder Musiker, die ihre Songs mit Comedy auflockern. Ich denke, ich fülle da einfach eine kleine Sparte im Bereich „lustige Con-Deppen auf der Bühne“.

    Aber du bist ja auch nicht nur lustig. Du lockerst deine Comedy auch gerne mal mit ein paar Songs auf, oder?

    Shinji: Ich liebe es einfach, zu singen. Auch wenn ich mich lange nicht getraut habe auf der Bühne zu singen. Das hat sich eher zufällig ergeben, als auf der Dokomi mal nach Zugaben gerufen wurde und ich komplett unvorbereitet war. Danach habe ich begonnen, Anime-Parodien analog zu ChibichibiXXX oder auch Ongaku no Kara einzubauen. Und nun spiele ich teilweise mit dem Gedanken, ob ich Comedy und Gesang sogar aufteilen sollte, respektive an gewisse Veranstaltungen (Messen) nur als Gesangsact zu gehen. Aber ich hätte das Gefühl mit einer Aufspaltung die Leute zu enttäuschen.

    Das könnte natürlich passieren, gerade wenn man als Fan das „Gesamtpaket“ erwartet. Andererseits könntest du dein Musikprogramm dann noch weiter ausbauen.

    Shinji: Daran arbeite ich ständig. Mein Traum ist es, auch komplett eigene Songs zu schreiben. Aber da ich weder Noten lesen, noch ein Instrument spielen kann (ich kriege Krämpfe in den Händen), ist das ein wenig schwieriger. Aber es kommt… glaube ich.

    Man könnte also sagen, dass musikalische Weiterentwicklung zu den Vorsätzen für das neue Jahr gehört?

    Shinji: Absolut. Und wenn es nur darum geht, gesanglich besser zu werden.

    Wird es denn auch Songs auf der neuen Dekade.nt-DVD geben?

    Shinji: Einen Song wird es darin geben, ja. Der Verlag von Jürgen von der Lippe (Urheber von „Guten Morgen liebe Sorgen“), dessen Song ich mit „Guten Morgen liebe Helfer“ parodiere, hat ihm meinen Text vorgelegt und mir erlaubt, den Song auf meiner DVD zu verwenden. Andere Songs werde ich auf der DVD leider kaum schaffen, da die Verlage die Rechte nur heraus rücken, wenn sie extrem viel Kohle damit machen. Deswegen hoffe ich nicht nur, bei meinem Crowdfunding das Ziel zu erreichen, sondern auch mein Stretchgoal. Bei einer CD könnte ich nämlich alle Songs des Liveauftritts verwenden. Danke Schweizer Urheberrecht.

    Das wäre natürlich klasse und gleich noch ein Grund mehr, dich zu unterstützen! Und wer dich unterstützen möchte, den erwarten ja auch allerlei interessante „Dankeschöns“.

    Shinji: Ja, ich wollte unbedingt den Leuten ermöglichen, auch etwas davon zu haben, die DVD zu unterstützen. Es war auch recht schwierig auf Ideen zu kommen und Preise festzulegen. Ich will niemanden abzocken, aber kann auch nicht die coolsten Angebote (oder was ich dafür halte) so günstig machen, dass ich dabei noch drauflege. Deswegen habe ich auf meiner Crowdfunding-Seite auch ausführlich beschrieben, wie sich die Kosten berechnen. Bei der neuen DVD werde ich auch versuchen Untertitel einzufügen. Ich wurde auf meiner FB-Seite angeschrieben, ob ich dies nicht tun könne, da auch Gehörlose, respektive schwerhörige Menschen gerne mein Programm hören würden. Und da ist mir aufgefallen, dass ich bei der letzten DVD diese Leute einfach ausgeklammert hatte, weil ich zu faul war, die Untertitel zu schreiben. Das will ich nun unbedingt wiedergutmachen.

    Man merkt, dass dir der Fan-Kontakt sehr wichtig ist.

    Shinji: Wenn ich auf der Bühne sage, dass ich die Anime-Szene liebe, dann ist das nicht, um mich einzuschleimen, sondern weil es von Herzen kommt. Ich war ein Junge ohne Selbstvertrauen, der kaum Freunde hatte, bevor ich auf chatcity.de mit anderen Anime-Fans in Kontakt kam. Mit den Jahren lernte ich immer mehr Leute kennen. Meine erste Beziehung, meine erste Convention. Mein Ehepartner. Ohne Anime-Szene wüsste ich nicht, wo ich heute wäre und deswegen versuche ich alles zu tun, um den Zusammenhalt in dieser Szene hochzuhalten. Deswegen bin ich auch so ein extremer „lasst uns alle Freunde sein“-Sack.

    Du fühlst dich also in der Szene auch heute noch Zuhause, obwohl es immer gerne heißt, „da wächst man doch irgendwann raus“?

    Shinji: Ich schaue kaum noch Anime oder lese Manga. Schon seit Jahren nicht mehr. Der Reiz hat einfach nachgelassen und mir als altem Sack gefällt das neue Material weniger. Aber die Szene ist meine zweite Familie, meine Freunde. Wenn ich nicht mehrmals im Jahr zu Cons fahren würde, würde es ein riesiges Loch in mir drin hinterlassen. Auch wenn ich nichts dagegen hätte, auch endlich mal Urlaub zu machen und meine Ferientage nicht alle für Cons auszugeben… Aber Cons sind wichtiger.

    Dann kann man sich also noch auf viele Shows von Shinji Schneider freuen.

    Shinji: Ich sage zwar jedes Jahr zu mir selbst, dass ich aufhören würde, weil mir die Ideen ausgehen, aber vermutlich ja.

    Weißt du schon, auf welchen Cons man dich im nächsten Jahr treffen kann?

    Shinji: Bisher ist nur die Dedeco im Februar in Dresden zu 100% sicher. Aber ich werde mich natürlich wieder bei meinen Stammcons bewerben und dann mal sehen. Die Auswahl ist groß und wird nicht kleiner.

    Immerhin kann man sich das Con-Feeling mit einer deiner DVDs ein Stück weit ins eigene Heim holen.

    Shinji: Absolut. Bei meiner alten DVD „Show must go on“ allein schon deswegen, weil darauf 2 Stunden „behind the scenes“ zu sehen sind. Was an Bonusmaterial alles auf die neue DVD kommt, weiß ich noch nicht einmal genau. Ich werde dafür vermutlich ausführlich meine Unterstützer befragen.

    Und wer dich unterstützen möchte, kann dies hier tun. Möchtest du zum Abschluss nochmal zusammenfassen, worum es in Dekade.nt geht?

    Shinji: Dekade.nt ist mein Jubiläumsprogramm zu 10 Jahren Comedy. Ich erzähle darin über einige meiner Erfahrungen in dieser Zeit und hole einige meiner alten Scherze wieder hervor. Das Programm selbst kann bereits auf Youtube angesehen werden, aber die DVD wird bessere Bildqualität, bessere Soundqualität und verschiedene Winkel haben. [Außerdem gibt es ein] Booklet, Credits und Bonusmaterial. Ich möchte außerdem unbedingt noch auf die beiden Künstler verweisen, die mir bei dem Projekt helfen. Mummymetaller, auf Deviantart oder Facebook zu finden, zeichnet die Bilder für mich und meine Comedy. Kami, Schöpfer des Yaoi-Manga „Get your Man“, haben für mich das Booklet und DVD-Cover designed, ihre Werke findet ihr auch bei Deviantart und Facebook.

    Damit verabschieden wir uns von Shinji Schneider und bedanken uns ganz herzlich für das Interview. Wer mehr über den Komiker erfahren möchte, kann auf seiner Homepage oder seiner Facebook-Seite allerhand Informationen sammeln. Dort kann man auch seine bereits erschienene DVD bestellen oder das neue Projekt unterstützen.

    Naenia
    Leidenschaftliche Gamerin mit abgeschlossenem Literaturstudium, die großen Wert auf fesselnde Geschichten legt und sich eigentlich in allen Bereichen der Populärkultur wohlfühlt.

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