Sumikai führte ein Interview mit Désirée Richter, die seit Jahren zum künstlerischen Programm der deutschen Convention-Szene gehört, dort Veranstaltungen moderiert, Workshops gibt und in Showgruppen singt. Auch ist die Sängerin und Performerin als das Gesicht von SailorMoonGerman bekannt. Wir führten mit ihr ein Interview und stellten Désirée ein paar Fragen.

Sumikai: Du bist schon viele Jahre in der Convention-Szene aktiv. Kannst du uns verraten, wie du in die Anime-/Manga-Szene gerutscht bist und was dich an dem Thema allgemein fasziniert?

Désirée Richter
© Désirée Richter

Désirée: Ich habe eine sehr kreative Mama, die mir schon zu Kindergartenzeiten jeden noch so ungewöhnlichen Kostümwunsch erfüllt hat. Von ihr habe ich Karnevalskostüme wie Shanti aus dem Dschungelbuch, Esmeralda aus dem Glöckner von Notre Dame und auch Sailor Moon gefertigt bekommen. Gemeinsam mit meinen Schulfreunden haben wir dann die Abenteuer unserer Helden auf der Straße nachgespielt. Irgendwann hat mich aber der Ehrgeiz gepackt und meine Mama hat mich bei einem Nähkurs angemeldet. So habe ich dann mein erstes eigenes Kostüm genäht: Rinoa aus Final Fantasy VIII – mein Lieblingsspiel bis heute! 2002 habe ich dann im Internet die ersten Cosplayer-Homepages entdeckt und so herausgefunden, dass ich auch eine Cosplayerin bin. 2004 folgte dann der Besuch meiner ersten Convention – die Coneko in Ludwigshafen. Ich war damals mit meinen 14 Jahren das „Baby“ der jungen Cosplayer Szene. Ich zählte zu den jüngsten Hobbynähern und habe schnell Anschluss gefunden. In den Jahren darauf wurde ich dann zu den ersten deutschlandweiten Gruppencosplays angefragt.

Sumikai: Welche positiven und negativen Erfahrungen konntest du in den vergangenen Jahren in der Szene sammeln? Würdest du gar meinen das Verhalten der Leute hätte sich von damals zu heute positiv/negativ verändert?

Désirée Richter
© Désirée Richter

Désirée: Die Anime-/Manga-Szene und insbesondere die Cosplay-Szene in Deutschland sind ein sehr großer Teil meines Lebens. Im Grunde habe ich nie wirklich aufgehört, Kostüme oder kreative Beiträge für die Conventions zu erstellen. Natürlich fallen mir dadurch über die Jahre Veränderungen in der Szene auf: In der Zeit 2002-2009 hatte ich das Gefühl, dass ich fast alle Cosplayer beim Namen kennen würde. Irgendwie hat sich das in den letzten Jahren stark verändert. Die Szene ist massiv gewachsen und ich bin mittlerweile schon auf Conventions gewesen, wo ich nicht ein Gesicht kannte. Das ist zum einen schön, weil es bedeutet, dass die Szene Zuwachs bekommt, aber dadurch entfremdet sich auch alles ein wenig. Meiner Meinung nach ist die wachsende Anonymität – verstärkt durch das Internet – der Grund, warum man das Gefühl hat, die Cosplayer hassen und beschimpfen sich nur untereinander. Aber gemeine Kommentare und Kritik hat es auch schon früher gegeben – nur da war es nicht für jeden auf Facebook einsehbar, sondern stand vielleicht „nur“ als Kommentar unter einer Kostümvorstellung bei Animexx. Grundsätzlich hat sich aber eine Sache nie verändert. Nämlich, dass man als Neuling der Szene sehr schnell aufgenommen wird und Freunde findet, die man am liebsten gegen die Schulkameraden/Arbeitskollegen austauschen möchte.

Sumikai: Du verkörperst Sailor Moon German. Als bekannter Sailor Moon Fan darf diese Frage nicht fehlen: Wer ist denn deine Favoritin unter den Sailor Kriegerinnen und was gefällt dir an der Serie?

Désirée Richter
© ksh photography 2015

Désirée: Sailor Moon German darzustellen ist wirklich eine Aufgabe, die mir über die Jahre ans Herz gewachsen ist! Aber tatsächlich ist gar nicht Usagi / Sailor Moon meine Lieblings-Sailor-Kriegerin, sondern Minako / Sailor Venus und Hotaru / Sailor Saturn. Bei beiden Mädchen liebe ich die ernsten Hintergrundgeschichten von Sailor V und Hotarus Doppelrolle bei den Death Busters. Diese haben mich als Kind schon sehr fasziniert und je älter ich wurde desto mehr konnte ich viele Gefühle und Dialoge in der Serie erst begreifen. Sailor Moon ist eine Kinderserie, ja, aber sie bleibt im Herzen und wächst mit dir heran. Auch heute schaue ich mir die Serie gerne wieder an und muss immer wieder staunen, wie Recht diese Serie über die Jahrzehnte doch noch immer behält. Diese Zeitlosigkeit ist wirklich etwas ganz Besonderes bei Sailor Moon! Ich finde es toll, dass ich durch Sailor Moon Crystal die Chance habe, die Geschichte noch einmal von einer anderen Perspektive sehen zu dürfen und bin sehr gespannt auf die nächste Staffel – den Death Busters Arc mit Sailor Saturn!

Sumikai: Man kennt dich als Teil der Showgruppe Yume und durch deutsche Image-Song-Alben wie „Sailor Pride“. Existiert ein spezielles Anime-Lied das du überaus gerne singst und wenn ja, warum?

Désirée Richter
© BurmSeon Lee 2010

Désirée: Durch die vielen Auftritte über die Jahre hinweg habe ich einiges an alten und neuen japanbezogenen Songs in mein Repertoire aufgenommen. Aber es gibt so ein paar „Goldies“ unter ihnen, die ich bei einem Karaokeabend, immer singen werde: Das ist zum einen mein absolutes Lieblingslied und Final Fantasy VIII Main Song Eyes On Me. Mit diesem Lied verbinde ich wirklich viel. Es ist nämlich auch mein erster Solo-Auftrittssong 2001 gewesen. Ich habe mich am Klavier begleitet und den Song live mitgesungen bei einem Schul-Literaturabend bei dem Japan das Thema war. Ich weiß noch wie ich gezittert habe vor diesem Auftritt! Das werde ich nie vergessen. Und mein liebster Anime-Song ist und bleibt Moonlight Densetsu aus Sailor Moon. Den Song würde ich auch singen, wenn man mich morgens um halb drei wecken würde – das Lied geht immer!

Sumikai: Musikprojekte erfordern natürlich auch Training. Wie trainierst du deine Stimme? Gibt es da gewisse Tipps/Tricks oder gar Dinge die man lieber unterlassen sollte?

Désirée: Ich habe durch langjährigen Gesangsunterricht eine gesunde Basis für das Stimmtraining erhalten. Jedem, der sich für Konzerte und Live-Gesang interessiert, empfehle ich immer (wenn nicht schon vorhanden) eine fundierte Gesangsausbildung zu bekommen. Es kann nämlich gerade im Genre Anime mit hohen oder falsettartigen Parts sehr schnell passieren, dass die empfindlichen Stimmbänder überbelastet werden. Ich trainiere daher neben der Aussprache, um die ich mich in der Regel als erstes kümmere, vor allem das Einhalten einer spezifischen Stimmfärbung für den Song und – ganz wichtig – meine Kondition! Ich spiele privat Tennis und gehe regelmäßig laufen und schwimmen, das stärkt meine Ausdauer. Als letzte große Vorbereitung auf einen anstrengenden Live-Auftritt probe ich meinen Song gerne springend auf dem Trampolin: Bei den Erschütterungen des Körpers die Stimme und Ausdauer zu bewahren lässt sich dabei ganz besonders intensiv trainieren! Aktuell probe ich gerade einen Sailor Moon-Song auf meinem Trampolin!

Sumikai: Mit Yume habt ihr im vergangenen Jahr ein Bühnenprogramm auf die Beine gestellt: Wer zeigte sich darin für die deutschen Songtexte und die Choreografie verantwortlich?

Désirée Richter
© Désirée Richter

Désirée: Als Yume 2015 wieder auf den Plan getreten ist, war ich völlig aus dem Häuschen und bin damals wie heute sehr stolz und froh, dass ich einen Teil dazu beitragen durfte. Das gesamte Bühnenprogramm wurde vom Yume Team entwickelt. Wir sind in spezielle Arbeitsgruppen organisiert und arbeiten dabei Hand in Hand, was, wie ich finde, einzigartig gut funktioniert. Für die Choreografien waren unter anderem unsere Uranus Darstellerin (Bettina), unsere Saturn (Jagoda) und Tuxedo Mask (Dominic) zuständig. Ich durfte beim Skriptschreiben mitarbeiten. Besonders die Szene in der Sailor Moon und das Chaos ihren großen Moment haben, liebe ich. Yaten (unsere Chefin und fabulöse Chaos Darstellerin) und ich haben diese Szene gemeinsam mit Dominic als Regiehelfer lange geprobt. Den deutschen Songtext zu Last Midnight (bei uns Mitternachtsstunde) haben wir gemeinsam geschrieben. Es ist einfach ein großartiges Gefühl, mit so begabten Leuten zusammen kreativ sein zu dürfen!

Sumikai: Du gibst auf der International Anime Music Festival in Tokio eine Performance. Was ist das für dich für ein Gefühl, deutsche Anime-Songs einem japanischen Publikum vorstellen zu dürfen und auf was freust du dich am meisten?

Désirée: Es ist mein Kindheitstraum, einmal auf einer Bühne in Japan stehen zu dürfen und zu singen. Ich habe meine Freude zu Japan eigentlich erst in den letzten Jahren entdeckt, als ich die Chance hatte, in Tokyo ein Jahr zu leben. Aber es hat mich mein ganzes Leben schon immer dorthin gezogen, glaube ich. Dass ich nun bald vor einem hoffentlich genauso gespannten Publikum wie hier in Deutschland auftreten darf, erfüllt mich mit Stolz und einer Freude, die ich nicht beschreiben kann. Ich möchte diese kurze Reise so intensiv wie nur möglich verbringen und vieles dokumentieren, damit ich es auch Jahre später noch aufleben lassen kann. Am Samstag des Festivals werde ich ein Solokonzert aus sechs japanischen Songs geben, und am Sonntag trete ich dann mit allen Repräsentanten aus neun weiteren Ländern auf! Die Möglichkeit, Künstler aus anderen Anime-Szenen kennenzulernen und eventuell weitere Projekte anzugehen, ist für mich der wirkliche Gewinn dieser Reise. Musik verbindet einfach auf einem höheren Level!

Sumikai: Auf welche zukünftigen Projekte darf man sich mit dir freuen und welche sind aktuell am Laufen?

Désirée: 2016 wird schon ein sehr spannendes Jahr für mich und die Musik. Aktuell bin ich Teil des SailorMoonGerman Kreativteams für Events, genannt Harmoonics. Ich liebe es, mit meinen beiden Teammitgliedern Saleia und Yukiya Musik zu machen! Wir arrangieren bis zur Hanami unser großes Debüt und ich darf soviel verraten: Bevor wir uns final von den Convention-Bühnen zurückziehen werden, wollen wir unsere Liebe zur Szene, zu Sailor Moon und zur Musik festhalten und eine neue Legende erschaffen.

Sumikai bedankt sich bei Désirée für das Interview.

Gina
ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3