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Interview Interview mit Asad Schwarz: „Ich mag Figuren, die viele Facetten besitzen.“

Interview mit Asad Schwarz: „Ich mag Figuren, die viele Facetten besitzen.“

AnimagiC-Besucher haben am kommenden Wochenende die Möglichkeit Asad Schwarz in Bonn anzutreffen. Bekannt ist seine Stimme aus zahlreichen TV- und inzwischen Anime-Serien.

Der 1963 in Ost-Berlin geborene deutsche Schauspieler und Synchronsprecher verlieht unter anderem mehreren US-Stars wie Ja Rule (The Fast and the Furious), Snoop Dog (Training Day), Chris Rock (Top Five), Eddie Griffin (Armageddon) oder Kevin Hart (Meine Frau, unsere Kinder und ich) seine Stimme. Des Weiteren kennt man Asad Schwarz auch aus Anime-Serien. Hier schlüpft er beispielsweise in die Rolle des energetischen Yato (Noragami), des ruhigen sowie familienbewussten Makoto (Free!) oder von Birthday (Hamatora). Mehr zu seiner Person findet ihr hier.

Sumikai durfte dem deutschen Synchronsprecher und Schauspieler noch vor der AnimagiC ein paar Fragen stellen.

Sumikai: Wie kamst du zum Synchronsprechen bzw. an die erste Synchronsprecherrolle in einem Anime?

Asad: Ich war zwölf und meine Mutter hat damals in der Berliner Zeitung, einer der wenigen Tageszeitungen im Osten – da bin ich geboren und aufgewachsen – gelesen, dass das DEFA Studio für Synchronisation Kinderstimmen sucht. Sie war sich sicher, dass das ´was für mich wäre und hat mich da hingejagt.

Später, lange nachdem ich Schule, Lehre, Schauspielstudium und erste Engagements hinter mir hatte, fiel die Mauer und dann gab es sehr viel mehr Synchron- und Tonstudios. Witzigerweise kann ich mich wirklich noch gut an Däumelinchen erinnern, einer Anime-Serie von 1978 glaub´ ich, die wurde in den 90-igern bei Magma-Synchron aufgenommen, mit Dorothee Muschter in der Regie. Da war ich ein Frosch und der beste Freund von Däumelinchen, das hat echt Spaß gemacht.

Sumikai: Hast du ein bestimmtes Sprecher-Idol bzw. jemanden, der dich dazu inspiriert hat?

Asad: Eigentlich nicht, weder bei Schauspielern noch bei Sprechern – es gibt so viele gute Kollegen. Damals, als Kind, war ich oft mit Klaus Nietz zusammen. Ich kannte ihn vom Synchron. Er und seine Familie haben bei uns um die Ecke gewohnt. Klaus hat viel gedreht und Theater gespielt, da hab ich zwangsläufig zu ihm hinaufgeschaut; in dem Alter war es gut, so jemanden zu haben!

Sumikai: Schaust du privat Anime und falls ja, welche? Gibt es eine Figur, die dich während der Kindheit/Jugend geprägt hat?

Asad: Nein, und wenn dann nur zufällig, wenn sich meine Tochter zum Beispiel gerade wieder einige Folgen Avatar ´reinzieht. Hmm, dann bleib´ich ´n bisschen und guck´ mit zu.

Die Digedags, mit denen bin ich groß geworden, aber zu der Zeit gab´s halt nur die Mosaik-Hefte.

Sumikai: Du hast beispielsweise mit Yato (Noragami) und Makoto (Free!) zwei komplett gegensätzliche Charaktertypen gesprochen. Welcher Charaktertyp macht dir beim Synchronisieren am meisten Spaß, und warum? Welcher Charaktertyp wäre denn allgemein betrachtet eine große Herausforderung für dich, und weshalb?

Asad: Na, sooo gegensätzliche Charaktere sind es meines Erachtens nicht, und irgendwann – egal, wie der Charakter angelegt ist – bekommt jede Figur auch mal ihren speziellen Ausraster. Aber ich mag Figuren, die viele bis sehr viele Facetten besitzen, da komme ich dann auch auf meine Kosten.

Sumikai: Gäbe es den Gott Yato aus Noragami in der Realität, welchen Wunsch / Erledigung etc. würdest du dir von ihm erfüllen lassen?

Asad: Gedanken lesen wäre wirklich genial!!!

Sumikai: Gibt es einen bestimmten Typ von Anime-Charakter, den du bisher noch nicht gesprochen hast, aber gerne mal würdest? Wenn ja, welchen?

Asad: Keine Ahnung – gib´ mir eine Idee. Vielleicht so etwas, was ich gerade meinte, eine Figur, ein Wesen, das nicht so schnell irgendwo eingeordnet werden kann, was von allem ein bisschen hat und trotzdem nicht widersprüchlich ist, sondern eher einzigartig. Aber das wird jetzt schnell zu philosophisch.

Sumikai: Welche von dir gesprochenen Anime-Figuren haben dir denn bisher am meisten Spaß bereitet bzw. einen bleiben Eindruck hinterlassen?

Asad: Da war der kleine Lexington bei den Gargoyles, der hat Spaß gemacht. Bei vielen Leuten hat der aber auch diesen, wie du sagst, bleibenden Eindruck hinterlassen. Das war mir damals gar nicht so bewusst. Meine Frau beispielsweise: Sie hat so von den Gargoyles geschwärmt und gerade von diesem Lexington. Als wir uns ´96 kennengelernt haben und sie dann irgendwann mitgekriegt hat, dass das meine Stimme ist, bin ich noch mehr ihr „Held“ gewesen. Okay, ich rede jetzt von ´nem amerikanischen Cartoon und nicht vom typischen Anime, aber es ist das gleiche Phänomen.

Sumikai:  Welche Unterschiede gibt es bei der Synchronisierung einer Anime-Figur und einer realen Person?

Asad: Na, wenn es nach mir ginge, würde ich wirklich gerne mal versuchen wollen, die gewisse Künstlichkeit eines Anime-Charakters nicht noch zusätzlich in die Stimme oder die generelle sprachliche Ausdrucksweise zu packen. Aber möglicherweise verliert eine animierte Figur ohne eine spezifische „Charge“ oder eine Überhöhung ihren wesentlichen Charakter. Das hat definitiv immer mit dem eigentlichen Werk zu tun und ist schwer zu pauschalisieren.

Sumikai: Existieren nach so vielen Jahren im Synchrongeschäft immer noch Dinge, die dir beim Synchronisieren schwerfallen und falls ja, welche?

Asad: Es stimmt, nach einer gewissen Zeit sammeln sich Erfahrungen an. Schlechte oder auch ganz beschissene Erlebnisse kann man inzwischen als gute Erfahrung abheften. Viele Sachen wiederholen sich irgendwie und lassen mich etwas gelassener. Aber zum Beispiel ist es für mich immer noch eine Fast-Unmöglichkeit, Radiokommentare, Dokumentationen oder Moderatoren zu sprechen. Davor habe ich Respekt und es stellt für mich eine absolute Herausforderung dar. Hmmm, ehrlich gesagt würd´ mich immer davor drücken wollen.

Sumikai: Neben der Tätigkeit als Synchronsprecher bist du auch als Schauspieler tätig. In welchen TV-Produktion oder Theaterstücken können dich Interessierte momentan sehen?

Asad: Gerade drehe ich in Köln für einen Tatort. Am Ballhaus Naunynstraße in Berlin Kreuzberg läuft ein Stück, das heißt Mais in Deutschland und anderen Galaxien. Die Asyl Monologe und -Dialoge von der Bühne für Menschenrechte werden bundesweit gezeigt. Am English Theatre hatte vor kurzem The Most Unsatisfied Town Premiere und die Hedda Gabler von Ibsen ist in Vorbereitung.

Sumikai bedankt sich bei Asad Schwarz für das Interview.

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