Interview mit Bakana-Dyuetto zu »Katatsumuri-kun«

    Katasumuri-kun Cover © 2014 Bakana-Dyuetto

    Das Duo Bakana-Dyuetto brachte zur DoKomi 2014 zwei neue eigenproduzierte Mangas auf den Markt. Neben Outta Spaca Outta Love verkauften die beiden auch den ersten Band von Katatsumuri-kun. Was genau es mit den zwei Projekten auf sich hat und viele Details zu ihrer Zusammenarbeit, verraten uns die Künstler in einem Interview.

    AnimeY: Wie euer Name schon sagt, seid ihr beide ein Duo, wie arbeitet ihr beide zusammen? Wer ist für was zuständig?

    Isamu:

    -Facebook-Seite managen
    -zeichnen
    -Charakterdesign
    -zeichnen
    -Storyaufbau
    -noch mehr zeichnen

    Ina:

    -Isa Motivation geben
    -Isa zulabbern
    -Charakterdesign
    -Storyaufbau

    AnimeY: In welcher Beziehung steht ihr beide denn?

    Bakana-Dyuetto: Ina und ich sind beste Freunde.

    AnimeY: Eure Zusammenarbeit auf Facebook wirkt immer sehr harmonisch, aber gibt es ein Gebiet, wo ihr beide auch manchmal uneinig seid?

    Bakana-Dyuetto: Eigentlich nicht. Das meiste erledige sowieso ich (Isa), Ina hilft mir bei meiner Motivation, kontrolliert die Texte in meinen Mangas und hilft beim Charakterdesign etwas mit. Die Facebook-Seite führe ich seit einiger Zeit auch alleine, da es zu zweit etwas zu chaotisch war mit den gelesenen und ungelesenen Privatnachrichten.

    AnimeY: Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr beide den Account zusammen betreibt?

    Bakana-Dyuetto: Das hat damals nur aus Spaß angefangen.

    AnimeY: Worum genau geht es in eurem neusten Manga Outta Spaca Outta Love?

    Bakana-Dyuetto: Die Geschichte ist aus einem unserer Rollenspiele, kurz RPGs, entsprungen. Hoshi, das Alien, kommt auf die Erde, um zu entscheiden, ob die Menschen und der Planet Erde unwichtig für das Universum sind. Makoto, der Mensch, entdeckt Hoshi, dieser nistet sich dann bei Makoto ein, um menschliches Verhalten und so weiter zu lernen. Im Gegenzug dazu will Makoto alles über das Universum wissen. Hoshi interessiert sich am meisten für die »Liebe«, aber kann sie nicht wirklich nachvollziehen, da er selber kein Herz besitzt. Er verbringt also seine Zeit nun auf der Erde und lernt alles Mögliche. Er vergisst dabei ganz seine Aufgabe. Später kommen noch weitere Aliens dazu. Dann gibt es Kämpfe und so weiter. Eine Mischung aus Shonen Ai, Sci-Fi und Action soll das Ganze noch werden, mit sehr vielen Kapiteln, da wir schon sehr viele Charaktere haben.

    AnimeY: Wie seid ihr beide bei diesem Werk vorgegangen, und was hat euch inspiriert?

    Bakana-Dyuetto: Die Idee zu dem RPG und  der Story kam mir (Isa) damals auf der Arbeit, als das Lied Flying von Nice Little Peguins im Radio kam. Das habe ich Ina erzählt, und zusammen haben wir dann weiter die Story ausgearbeitet und die Charaktere zusammen entwickelt.

    Outta Sapce Outta Love © 2014 Bakana-Dyuetto

    AnimeY: Euer wohl bekanntester Charakter ist Hoshi, wie seid ihr auf ihn gekommen, und was ist das Besondere an ihm?

    Bakana-Dyuetto: Wie gesagt ist mir damals die Idee dazu bei diesem Lied gekommen. Am Anfang hatte Hoshi allerdings noch blonde Haare und sollte als ein Farmer getarnt auf die Erde kommen. So richtig Klischee-Alien-mäßig mit Kornkreisen und so weiter. Das Einzige, was ihm von dem Anfangdesign noch übriggeblieben ist, ist wohl der Strohhut. Ich dachte mir, grüne Haare passen einfach besser zu einem Alien. Hoshis Outfit ist auch recht simpel und locker, so wie sein Charakter. Ich war ziemlich erstaunt, dass Hoshi so gut ankommt. Aber ich denke, das liegt an dem sehr simplen, aber dennoch einprägsamen Design und seinem fröhlichen Charakter.

    AnimeY: Ihr habt so viele Charaktere, wie man bei dem großen Bild mit den vielen Chibis sehen kann, wie behält man da den Überblick?

    Bakana-Dyuetto: Ina und ich kennen uns nun schon knapp vier Jahre, und in dieser Zeit haben wir viele RPGs erstellt. Es müssten inzwischen bereits um die 100 Charaktere sein. Für Außenstehende mag das sehr verwirrend sein, das wir so viele davon haben, aber für uns ist alles ziemlich geordnet, da jede Figur zu einer unserer Storys gehört. Wenn wir RPG’n stecken wir immer sehr, sehr viel Liebe in jeden Charakter. Jeder hat andere Macken, Aussehen und Charakterzüge.

    AnimeY: Was ist euer Lieblingscharakter von allen und warum?

    Isamu: Mein Lieblingscharakter ist und bleibt Hoshi. Er ist kurz nach einem traurigen Ereignis entstanden. Auch wenn er nur fiktiv ist, hat er mir wirklich sehr geholfen, um darüber hinwegzukommen. Er macht mir selbst gute Laune, und wenn ich das so sagen kann: »Ich habe ihn sehr lieb.« Aber ich mag wirklich jeden einzelnen meiner Charaktere. Kurz nach Hoshi kommt Nori Ito aus Katatsumuri-kun. Ich mag ihn sehr, weil er mir wirklich sehr ähnlich ist, und auch wie Hoshi hilft er mir, mit gewissen Dingen fertigzuwerden.

    Ina: Mein Lieblingscharakter ist Riccardo Marciano Zanolla. Ihn wird kaum einer kennen, da Isa ihn nicht so oft zeichnet. Er entsprang aus einem unserer ältesten RPGs und gehört einer italienischen Mafia an. Riccardo (kurz Ricco) ist ein ziemlicher »Arschloch«-Charakter. Es macht Spaß, sich in ihn hineinzuversetzen oder seinen Charakter aufleben zu lassen.

    AnimeY: Kommen wir nun zu dem Werk, welches Isa allein erarbeitet hat – Katatsumuri-kun, ein wirklich schwerer Name, warum hast du diesen gewählt?

    Isa: Die Frage hab ich schon sehr oft gehört. Katatsumuri ist Japanisch und heißt Schnecke. Ich finde den Titel einfach passend zu Nori und der Geschichte, immerhin ist er ja unser »Schneckenboy«.

    AnimeY: Dieser Manga behandelt ja das ernste Thema Mobbing. Warum hast du dich für dieses entschieden?

     Isa: Am Anfang sollte es wirklich nur eine kleine Story werden, aber inzwischen sind schon mehrere Bände geplant. Es gibt den Manga LIFE, der in Deutschland bei Band zwölf abgebrochen wurde, da ihn zu wenige gekauft hatten, was ich sehr schade fand. Dieses Werk behandelt auch das Thema Mobbing. Ich selbst dachte mir: »Schade eigentlich, dass so ein ernstes und wichtiges Thema so oft einfach abgeschrieben wird«, und dann wollte ich selbst solch eine Story entwickeln. Aus Erfahrung durch die eigene Vergangenheit weiß ich, wie es ist, gemobbt zu werden, oder wie es ist, sich zu ritzen. Auch dieses Thema wird ja oft lächerlich gemacht, obwohl es eine ernste Krankheit sein kann. Also habe ich dies auch mit in die Story eingebaut (auch wenn dazu bisher nicht viel vorkam, das meiste folgt noch). Ich will mich damit auch in keinster Weise darüber lustig machen, außerdem hoffe ich, ich kann ein paar Leute mit meinem Manga zum Nachdenken anregen. Doch Katatsumuri-kun sollte nicht nur eine dramatische Geschichte sein, darum habe ich viele Comedy-Elemente mit eingebaut, was in den nächsten Bänden auch etwas nachlassen wird. Der Manga hat momentan ja noch die Sicht von Takashi, der zwischen den Fronten des Mobbings steht. Später werden noch die Sichten von Hiro, dem Mobber, und die von Nori, dem Mobbingopfer, gezeigt. So, dass man das Thema von allen Richtungen mal sieht.

    AnimeY: Wie bist du auf die Schnecken gekommen? Das ist nun wirklich ein außergewöhnliches Hobby von der Hauptperson.

    Isa: Also ich selbst liebe Schnecken auch total. Sie sind so niedlich! Das hängt mit dem Anfang, der ersten Idee der Story, zusammen. Es war nur ein kurzer Manga von 30 Seiten geplant, und Nori war noch ein Mädchen. Sie war ein Außenseiter und wurde gemobbt, aber hatte trotzdem immer noch ein so gutes Herz, um kleine Schnecken vom Gehweg ins Gebüsch zu setzen und somit zu retten. Das habe ich früher als Kind auch immer gemacht.

    AnimeY: Wie lange brauchst du ungefähr für eine Mangaseite?

    Isa: Das kommt ganz drauf an. Gewöhnlich arbeite ich an einer Seite 1-2 Stunden, je nachdem wie viele Details auf der Seite sind.

    AnimeY: Sicher interessiert es viele, welches Material du verwendest. Hast du etwas, wovon du gar nicht abweichen würdest?

    Isa: Ich benutze für meine Manga-Seiten Manga Studio. Das kann man auf Amazon kaufen für 80€ (glaube ich). Die Skizzen mache ich mit einem normalen Bleistift und scanne sie ein. Also auf meinen PC würde ich nicht verzichten können.

    AnimeY: Habt ihr beide einen großen Wunsch, den ihr euch noch erfüllen wollt?

    Bakana -Dyuetto: Ja. Wir sparen beide schon seit Längerem, da es geplant ist, das wir in zwei Jahren nach Japan fliegen. Was wir dort machen, bleibt noch geheim.

    TeruTeruBozu© 2014 Bakana-Dyuetto

    AnimeY: Das nächste Projekt steht ja auch schon in den Startlöchern – TeruTeruBozu. Aktuell sind schon acht Seiten auf Animexx online, wovon wird dieser Manga handeln?

    Isa: Ganz genau. Mein (Isamu) neues Projekt: Vorab muss ich sagen, das viele mir gesagt haben: »Mach Shonen, dazu passt dein Zeichenstil besser.« Also habe ich einige Zeit lang versucht, etwas in die Richtung Shonen zu machen, was mich aber ziemlich runtergezogen hat. Ich LIEBE Shonen-Ai/Yaoi, nicht wegen des Hypes darum oder weil es gut ankommt, es ist einfach schon immer mein Lieblingsgenre. Aber ich fand, die Leute hatten recht. Also habe ich ein paar Wochen an meinem Zeichenstil gefeilt, sodass er nun besser in dieses Genre reinpasst. Nun will ich einen Einzelband mit einer typischen Shonen-Ai/Yaoi-Story machen. Vor allem wird viel Drama vorkommen und ein paar Comedy-Elemente. Ich mag noch nicht zu viel verraten. Aber hier einen kleinen Einblick: Taki Matsui (der Hauptcharakter) wohnt alleine und hat auch sonst keine Freunde. Er bastelt sich eine TeruTeru-Puppe und redet nun viel mit ihr, da er selbst sich so einsam fühlt. Taki gewinnt die Puppe sehr lieb. Als er sie küsst, verwandelt sich das Püppchen in einen Menschen. Mehr mag ich noch nicht verraten.

    AnimeY: Weißt du schon, wie lang dieser Manga werden wird?

    Isa: Das Storyboard hat bisher 110 Seiten, plus Extras und so weiter komme ich sicher wieder auf die 120-130 Seiten. Insgesamt sind es vier Kapitel.

    AnimeY: Auch hier hast du ein ziemlich ernstes Thema aufgegriffen – die Einsamkeit, und es soll ja ein Drama werden, was wird die Leser noch erwarten?

    Isa: Das ist richtig. Bei meinen Geschichten möchte ich immer Botschaften übermitteln, die Leser zum Lachen oder zum Weinen bringen und mit meinen Geschichten erfreuen. TeruTeruBozu wird noch ziemlich traurig, es wird viel regnen und düster werden. Aber ich möchte die Botschaft übermitteln, dass mit der Zeit immer wieder die Sonne scheinen wird und dass Zeit und liebe Menschen jede Wunde heilen können. (meine Storys sind alle sehr kitschig, ich steh einfach auf sowas)

    AnimeY: Wird es diesen Manga auch zu kaufen geben?

    Isa: TeruTeruBozu ist als gedruckte Version geplant. Sie soll bis September 2014 fertig sein und dann in den Druck gehen. Momentan besteht die Möglichkeit, als Gastzeichner am Band mitzuwirken. Weitere Informationen findet ihr hier. 

    AnimeY: Wie schaffst du es, dass jeden Tag eine neue Seite des Mangas erscheint?

    Isa: Nachdem ich letztes Jahr meine Ausbildung beendet habe, habe ich den Entschluss gefasst, endlich meinem Wunsch nachzugehen, Mangas zu zeichnen. Das heißt, ich bin nun arbeitslos und zeichne jeden Tag. So entstehen fast jeden Tag neue Manga-Seiten. Ich arbeite auch viel vor, zum Beispiel bei meiner neuen Story habe ich schon viel mehr Seiten fertig, als online sind.

    AnimeY: Hoffentlich hast du neben dem Zeichnen auch noch Freizeit – wie verbringst du die am liebsten?

    Isa: Mhh. Ich bin ein ziemlicher Stubenhocker. Ich gehe ungerne raus. Mache nie Party oder sonst was. Wenn ich mal nicht zeichne, dann spiele ich am liebsten mit meinen Katzen. Am Wochenende kommt meine liebe Ina zu mir und wir gucken Filme, zocken oder RPG’n. Mir ihr verbringe ich am liebsten meine Zeit. Egal was wir machen, selbst wenn wir nur rumsitzen, lachen wir sehr viel und haben Spaß zusammen.

    AnimeY: Auf welchen Conventions seid ihr noch in diesem Jahr?

    Isa: Geplant sind noch die Connichi und die Yukon (falls wir dort angenommen werden).

    AnimeY: Viele Zeichner denken ja schon schnell an ihre nächsten Projekte, wisst ihr schon, was danach noch kommen wird?

    Isa: Nach TeruTeruBozu möchte ich erst einmal die komplette Reihe Katatsumuri-kun fertigmachen, da wir wie gesagt 2016 nach Japan fliegen. Dort werde ich keine Zeit mehr haben, so viel zeichnen zu können oder die gedruckten Bücher nach Deutschland zu verkaufen.

    Wir bedanken uns bei Bakana-Dyuetto für dieses Interview.