Interview mit Chaco Abeno

    Litchi Hikari Club
    © Nikkatsu

    Vom 12. bis 15. März fand im Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse die zweite Manga-Comic-Convention statt. AnimeY hatte am Messe-Freitag die Gelegenheit, die Charakterdesignerin und Mangaka Chaco Abeno zu interviewen.

    Bekannt dürfte euch diese aus ihren Werken A+B – Angel+Blood oder Bibliotheca Mystica sein, beide Titel sind bei EMA erschienen, beziehungsweise durch die Designs in dem Spiel Atelier Shallie.

    Was bei dem Interview herauskam, lest selbst!

    AnimeY: Schmeckt ihnen die deutsche Küche, und welche Eindrücke konnten Sie bisher in Deutschland gewinnen?

    Abeno-sensei: Ich bin seit gestern Abend hier und die deutsche Küche schmeckt mir sehr gut. Es gibt in Deutschland anders als in Japan viele verschiedene Fleischsorten beziehungsweise -arten und die gefallen mir sehr.

    Die deutschen Städte finde ich ebenso beeindruckend, weil die Gebäude anders gebaut sind als in Japan.

    AnimeY: Haben Sie Vorbilder, die Ihre Arbeit beeinflusst haben?

    Abeno-sensei: Ich arbeite für mehrere Bereiche – beispielsweise Spiele und Anime – in denen ich das Charakterdesign zeichnete, und habe dadurch ein breites Publikum. Die Illustratorin und Game- beziehungsweise Anime-Charakterdesignerin Mutsumi Inomata, deren Designs man beispielsweise aus Bandai Namcos Tales of-Serie kennt, inspirierte mich künstlerisch sehr.

    AnimeY: Konzentrieren Sie sich bewusst primär auf Design-Arbeiten oder hätten Sie gerne mehr Chancen, auch die Story inhaltlich zu entwerfen?

    Abeno-sensei: Die Design-Arbeiten haben bei mir die größte Priorität und daher Vorrang, eigene Storys kommen erst danach.

    AnimeY: Haben Sie bestimmte Rituale beim Zeichnen (Süßigkeiten essen, Musik hören, etc.)?

    Abeno-sensei: Wenn ich mit dem Arbeiten begonnen habe, dann hält mich auch so leicht nichts mehr davon ab und ich lasse mich von nichts ablenken. Nur in meiner Freizeit gehe ich beispielsweise gerne in der Nachbarschaft oder in Parkanlagen spazieren.

    AnimeY: Einige Ihrer Arbeiten kommen mit einem Mittelalter-Setting, dementsprechend tragen die Charaktere ebenso Kleidung im antiken Stil. Haben Sie ein Faible für den Mittelalter-Stil?

    Abeno-sensei: Ich lese gerne deutsche Märchen wie Rotkäppchen oder Schneewittchen und mag ebenso Filme wie Der Herr der Ringe.

    In Japan ist die Mittelalter-Thematik eher etwas Unbekanntes und man verbindet sie mit Romantik. Das macht das Thema für den Leser interessant.

    AnimeY: Ihre Arbeiten sind teilweise sehr vielseitig. Was sind ihre Lieblingsgenres und in welchem fällt es Ihnen leichter, visuelle Vorgaben/Vorstellungen umzusetzen?

    Abeno-sensei: Mein Lieblingsgenre ist Horror. Am leichtesten fiel mir allerdings die Mystery- beziehungsweise Fantasy-Umsetzung von Dantalian no Shoka.

    AnimeY: Wie gehen Sie an vorgegebene Storys heran und gestalten in groben Grundzügen die optische Dramaturgie?

    Abeno-sensei: Zunächst einmal lese ich die Original-Adaption, wie in etwa eine Light Novel. Dann picke ich mir besondere Stellen heraus und vertiefe diese. Daraus bastle ich schließlich die Geschichte und danach wird diese in die Tat umgesetzt.

    AnimeY: Weshalb ist die Reihenfolge der Abenteuer von Huey und Dalian aus dem Dantalian no Shoka (Bibliotheca Mystica)-Manga anders als bei der Light-Novel-Vorlage und wie sind Sie bei der Auswahl der Mystery-Fälle in herangegangen?

    Abeno-sensei: Die Light Novel ist natürlich sehr lang, daher konnte ich nicht alles in den Manga packen. Mit meinem Editor habe ich konkret besprochen, welche Abenteuer in welcher Reihenfolge beim Publikum gut ankommen würden. Die interessantesten Fälle habe ich mir rausgesucht.

    Bei der Auswahl spielte ebenso das Popularitätsranking des jeweiligen Falles, welches durch eine Leserumfrage in der Light Novel zustande kam, eine Rolle. Nach dieser Auswahl wurde die Geschichte schließlich umgesetzt.

    AnimeY: Ihr neuster Manga im deutschsprachigen Raum ist A+B – Angel + Blood, eine Story über zwei Jungs, die Engel bekämpfen. Was inspirierte Sie zu dieser Geschichte?

    Abeno-sensei: In Chrome Breaker war der Gegenspieler ein Teufel. Ich wollte den Spieß in A+B – Angel + Blood einfach umdrehen und dachte mir, das könnte eine interessante Geschichte für den Leser ergeben, wenn Engel das Böse verkörpern.

    AnimeY: Die Protagonisten in A+B – Angel + Blood schicken gefallene Engel zurück in den Himmel, während die restlichen Menschen darin Monster sehen, die man töten muss. Steckt dahinter eine tiefere Moral oder Botschaft?

    Abeno-sensei: Eine tiefere Moral steckt dahinter im Wesentlichen nicht. Aber allgemein betrachtet soll es ein Gegenbild darstellen, in dem Engel eben nicht das Gute verkörpern und gereinigt werden müssen, um in den Himmel zu kommen.

    AnimeY: In Chrome Breaker und A+B – Angel + Blood kommen Elemente aus dem Christentum zum Einsatz. Wie sehr werden Sie von religiösen beziehungsweise spirituellen Motiven inspiriert?

    Abeno-sensei: Das Christentum ist in Japan wenig verbreitet und geht den Japanern daher nicht so nahe. Man empfindet es eher als westliche Vorstellungen oder Ideale. Daher werden diese Elemente in den Geschichten auch nur als Fantasie betrachtet.

    AnimeY: Wie vergleichen Sie die Arbeit in einem Dojinshi-Zirkel mit ihrer Solo-Arbeit an beispielsweise A+B oder der Kooperation in Dantalian no Shoka? Was macht Ihnen bei der jeweiligen Arbeit am meisten Spaß?

    Abeno-sensei: Dojinshis zu zeichnen ist für mich ein Hobby. Hier kann ich mich austoben und darf zeichnen, was ich kommerziell nicht veröffentlichen kann, wie beispielsweise Boys-Love-Geschichten.

    Für kommerzielle Werke wird eine gewisse Qualität und Verantwortung gefordert. Das Produkt muss also über ein eigenes Niveau verfügen. An dieser Arbeit reizt mich die Tatsache, dass ich sie als große Herausforderung empfinde.

    Wir bedanken uns bei Chaco Abeno für das Interview. Des Weiteren geht unser Dank ebenso an EMA für das Zustandekommen dieses Gesprächs.

    Foto © 2015 AnimeY Onlinemagazin

    Gina
    ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3

    6 Kommentare

    1. Biite, irgendein Publisher muss Dantalian no Shoka nach Deutschland holen!

      Aber ich finde das Interview sehr gut gelungen und fand es sehr interessant.

      • Dantalian no Shoka ist doch schon unter dem Titel Bibliotheca Mystica bei EMA zuhaus (5 Bände). Oder gehts dir um die Ligh Novel/Anime. Die Anime-Umsetzung ist in Japan ziemlich untergegangen, ziemlich schade drum.

        • Ja, es geht mir um die Anime Adaption des Light Novels und des Mangas. Finde es auch schade, dass der Anime so gut wie unbekannt ist und schnell an den Rand gequetscht wurde.

          • Ich würde mich mehr auf die Light Novel freuen, weil da noch viel Stoff und einige Fälle drin sind, die es in beiden Umsetzungen nicht schaffte und somit ausschließlich dort verblieben. Soweit ich weiß gibt es nicht mal eine englische Veröffentlichung. Der Anime war etwas unausgegoren und eher wieder so eine Umsetzung, die nur als Werbung für die Vorlage diente. Aber Dalian ist da wunderbar dargestellt worden von Miyuki Sawashiro, eine ihrer ersten Rollen, wo sie in den letzten zwei Jahren unheimlich an Aufmerksamkeit gewonnen hat.

            • Das stimmt. Dalian hat im Anime eine noch zickigere Art an sich, aber natürlich ist es klar das der Light Novel noch viel mehr Content enthält als Manga und erst recht Anime. Allerdings würde ich den Anime trotzdem begrüßen.

    Comments are closed.