Interview mit den Machern von „DEAD ENDS“

    AnimeY interviewte die Macher der Manga-Anthologie DEAD ENDS, welche sich der Zombiethematik widmet. Während alle vier Kurzgeschichten aus der Feder von Michel Decomain (unter anderem Demon Lord Camio) stammen, wurde jeweils eine Story von Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich und Martin Geier zeichnerisch umgesetzt. Was bei dem Interview herauskam, lest selbst!

    AnimeY: Zunächst einmal eine Frage an Michel, woher nahmst du deine Inspirationen für die vier Kurzgeschichten, die vom Kern her – trotz des Zombie-Themas – ja doch sehr verschieden sind?

    Michi: Das war auch bei jeder der Geschichten ganz anders. Ein bisschen was steht ja hinten im Buch drüber. Zombieherz entstand zum Beispiel aus einem Skype-Brainstorming mit Mika, die anderen Geschichten sind mehr oder weniger komplett auf meinem Mist gewachsen. Anleihen und Inspirationen gibt’s natürlich immer und aus ganz verschiedenen Quellen, seien es bei Zombieherz zum Beispiel so großartige Filme wie Bride of Re-Animator oder diese eine Stelle im ersten Resident Evil-Game, wo man das Tagebuch eines Infizierten findet, der darin schildert, wie er langsam zum Zombie wird. Prinzipiell kann man sicherlich aus jeder Inspirationsquelle eine Zombiegeschichte stricken, seien es eigene Kindheitserfahrungen oder Günter Grass.

    AnimeY: Zur Geschichte Zombie Movie: Zombies und sexy – ist das nicht eine etwas gewagte These?

    Martin: Da findet sich doch immer wer, der drauf abfährt!

    Michi: Dazu gibt es noch viel gewagtere Thesen. Bruce La Bruce meinte zum Beispiel auf der Berlinale-Premiere von seinem Film Otto, or Up with Dead People, dass der Zombiefilm das Porno-Genre revolutionieren könnte, weil es da ja noch so viele Körperöffnungen zu entdecken gäbe … Zombie Movie geht dabei speziell auf ein traumatisches Kindheitserlebnis mit einem italienischen Softsex-Zombiefilm zurück, den mein Bruder mir versehentlich aus der Videothek auslieh (die Vorgabe war »irgendwas mit Zombies«). Aber Zombie-Romance ist ja mittlerweile eh im medialen Mainstream angekommen.

    Caro: Wenn man bedenkt, was es schon alles an »sexy« Spielzeug und diverse andere Fetische gibt, sind sexy Zombies doch fast schon harmlos ;). Es kommt aber sicher auf den Verfaulungsgrad drauf an. Und bestenfalls riecht man auch schon nichts mehr.

    AnimeY: Zur Erzählung Familientag: Was ist gruseliger: Zombies oder Kinder?

    Michi: Ich denke, das kommt auf die jeweiligen Kinder oder Zombies an … Das Grauen im vorgeblich Unschuldigen zu suchen, ist natürlich ein beliebter Horror-Topos.

    Martin: Eindeutig Zombies. Kinder sind viel leichter abzulenken. Schokolade, Spielzeug, Tiere, schlechtes TV-Programm, das sind fast unendliche Möglichkeiten! Ich hab’s noch nie geschafft einen Zombie vor den Fernseher zu setzen, um ihn zu beruhigen…

    Caro: Immer noch Zombies. Maßen von Kindern können zwar genauso bedrohlich wirken, aber die kann ich wenigsten mit Schokolade bestechen.

    AnimeY: Zu Die Blechtrompete: Ein »ewiges« Leben als Zombie – Wäre das was für euch?

    Caro: Ne… bloß nicht.

    Michi: Es erspart sicherlich eine Menge Unannehmlichkeiten wie Behördengänge, Supermarktschlangen oder Steuererklärungen …

    Martin: Man hätte wohl weniger Sorgen, würde ich sagen. Aber auch als Zombie kann es nicht leicht sein, es gibt viele Varianten sein Ableben auch als Untoter zu haben. Und frisches Fleisch gibt’s auch nicht überall.

    AnimeY: Alle vier Kurzgeschichten enden offen, lassen daher viel Platz für Interpretation. Trotzdem würde mich interessieren, wie ihr folgende Fragen beantworten würdet:

    Zombie Herz: Die beiden Protagonisten sind letztendlich vereint, aber nimmt ihr Zusammensein nicht spätestens dann ein Ende, wenn ihre Zombie-Natur dominiert?

    Marika: Nein. Ich denke, dass hier die Liebe wirklich mal Stärker sein kann, da man ja bereits tot ist. Und ich finde es ziemlich romantisch, wenn beide auch weiterhin als Paar durch Dick und Dünn gehen … 😉

    Caro: Zombies scheinen ja in Horden aufzutreten, also denke ich, dass sie auch ohne weitere romantische Gefühle zueinander – zumindest in die gleiche Richtung – schlurfen werden. Auf ewig. Das ist doch schön 😉

    Die Blechtrommel: Was wurde aus dem MV-kranken Anton? Zieht er wohl Konsequenzen daraus, dass das „Glück“ in der Story wohl auf seiner Seite liegt?

    Martin: Persönlich würde ich sagen, hat er einfach dem Schicksal gegenüber nachgegeben. Er selbst wird es wahrscheinlich nicht mehr darauf anlegen, aber eine Konsequenz hat er persönlich nicht wirklich gezogen. Das hat Anton aber für mich so menschlich gemacht, und die Geschichte so glaubhaft. Viele Kurzgeschichten erzählen keine glaubhaften Charakterentwicklungen, da sie entweder nicht stattfinden oder einfach zu sprunghaft sind.

    AnimeY: Was würdet ihr bei einer Zombieapokalyse tun?

    Def: Recht früh sterben. Ich wäre sehr bemüht, gewitzt und schlau mit der Situation umzugehen. Genährt durch fast drei Jahrzehnte popkulturellen Umgang mit der Materie würde ich all mein Wissen abrufen und einbringen wollen … Doch nach fünf Minuten die ernüchternde Feststellung, dass grad mein Gehirn gefressen wird. Vielleicht noch nich mal von Zombies, sondern sogar von anderen Überlebenden, denen ich einfach auf den Geist gegangen bin.

    Michi: Mich zu Hause verschanzen und mir all die ungelesenen Comics endlich mal vorknöpfen, bevor die Welt untergeht.

    Martin: Dasselbe wie immer, versuchen nicht zu verschlafen und meine S-Bahn zur Arbeit zu bekommen. Ich wäre bestimmt einer der Letzten, die was davon mitbekommen, und einer der Ersten, die erwischt werden.

    Caro: Die Tür absperren. Und dann wahrscheinlich verhungern. Aber ich wohne recht weit oben und hab einen großen Balkon, vielleicht rettet mich ja jemand von dort?

    Marika: So viel Sushi, Spinatpizza und Süßigkeiten wie möglich bunkern, meine Katze zum Zombiespürhund … ähh Katze ausbilden und auf Zombiejagt gehen.

    AnimeY: Die jeweiligen Erzählungen wurden von passenden deutschen Zeichnern umgesetzt. Wie kam es im einzelnen zu der Zusammenarbeit? Spielte es vor der Auswahl eine Rolle, wem welche Erzählungen liegen würden? Oder gab es bereits klare Vorstellungen, welcher Zeichner welche Story umsetzen sollte?

    Michi: Alle Geschichten waren direkt für die jeweiligen ZeichnerInnen geschrieben, außer Zombie Movie. Da hatte ich eigentlich ursprünglich wen anders im Sinn. Das hat leider nicht geklappt, aber Def hat dann einfach unverkennbar sein eigenes Ding draus gemacht. Glücklicherweise hat das recht problemlos geklappt, die Leute einfach zu fragen, ob sie mitmachen wollen, und ihnen eine grobe Idee für die jeweilige Geschichte zu schicken.

    Martin: Bei mir hatte nur die Glücksfee zugeschlagen, in Form von Def, der mich verspätet zum Projekt geholt hatte. Das ist die wievielte Produktion, die ich dir zu verdanken hab? Die Fünfte? Manchmal komm ich mir wie ein Streuner vor, der ab und zu von ihm durchgefüttert wird, weil ich schon wieder so schlimm aussehe.

    Caro: Ich habe Michi damals konkret angeschrieben, ob er nicht vielleicht eine Story für mich hat. Etwa ein halbes Jahr vorher war er schon einmal mit einem Script auf mich zugetreten, was mich damals sehr beeindruckt hatte. Leider wurde daraus dann damals nichts aber da musste es ja noch mehr Stoff geben :D. Und siehe da – er hatte <3.

    AnimeY: Wie sah der Kontakt zwischen dir, Michel, und den Zeichnern aus? Hatten die Zeichner auch untereinander Kontakt?

    Michi: Persönlich kennen sich eh alle von den Conventions. Die Szene ist da ja übersichtlich genug. Während der Zusammenarbeit hab ich dann als „Seuchenzentrum“ immer Rundmails mit den neusten Entwicklungen geschickt, damit alle auf dem aktuellen Stand sind.

    Martin: Man kennt sich, und die Mailkontakte sind auch nicht gerade unbekannt. Regelmäßig wurde in der großen Runde berichtet, was ansteht und noch fehlt, und in den kleineren gab´s auch immer was zu erzählen.

    Caro: Es hat größtenteils nur Rundmails an alle gegeben. Manchmal habe ich mit Michel geskypt. Und über Facebook konnte ich bei Def und Mika ein bisschen verfolgen, was sie gerade machen. Ich wusste ja, worum es ging :).

    AnimeY: Wie viel Freiraum blieb euch Zeichnern beim Gestalten von Michels Geschichten, um auch eine eigene Note einzubringen?

    Martin: Er hat uns da allen eine ganz freie Hand gegeben, oder? Bis auf, dass der Inhalt noch gleich bleiben sollte, konnten wir alles anpacken.

    Caro: Eigentlich relativ viel. Es gab ein Script in Textform, in dem der komplette Sprechtext vorhanden war, aufgegliedert auf Panels und Seiten. Es stand uns aber frei, diese umzuverteilen, auch gab es noch kein final vorgegebenes Storyboard.  Die grafische Gestaltung selbst war komplett in meiner Hand.

    Marika: Ich selber konnte ohne Einschränkungen an der Geschichte arbeiten. Da ich die Arbeit mit Michel ja bereits gewohnt bin, war es für mich sehr entspannt.

    Def: Da hätte der Michel wahrscheinlich eh keine Einwände gehabt. Er hat ja nicht ohne Grund genau festgelegt, welcher Stil welches Zeichners zu welcher Story passt. Mir geht’s beim Umsetzen von Skripten, die andere für mich schreiben, auf jeden Fall besonders stark darum, erstens nicht zu viel abzuändern, wenn’s nicht unbedingt sein muss und zweitens schlichtweg möglichst geile Zeichnungen abzuliefern. Tatsächlich brauch ich beim Bebildern fremder Geschichten viiiiel länger als bei meinem eigenen Kram, weil ich’s dem Schreiber unbedingt recht machen will. Der Gedanke ist wohl in etwa: Der Kollege hat seinen Teil der Arbeit erledigt; nun steh ich in der Verantwortung, möglichst ordentlich nachzuziehen.

    Hin und wieder merkt man jedoch bei Autoren, die selbst keine oder kaum Comics selbst zeichnen, dass sie sich etwas zu viel Inhalt für eine einzelne Seite oder gar ein Panel vornehmen, wo’s dann die Aufgabe des Zeichners ist, die Vorgabe in ´ne vernünftige Form zu übersetzen. Das hatte ich bei „Zombie Movie“ auch zwei-, dreimal. Es hielt sich aber in Grenzen, da der Michel schon ´n schön dynamisches Skript abgeliefert hatte.

    Ein kleiner kreativer Eingriff von mir war’s noch, den Zombiefilmregisseur mit meinem Kumpel David Brückner zu ersetzen, der tatsächlich im echten Leben genau diesen Beruf hat und mit seiner Firma Ghostpictures (die ebenfalls im Comic vertreten ist) einen Klassiker des trashigen Monster-Horrors nach dem anderen produziert.

    Michi: Hier gab es auch einfach ein bisschen Fehlkommunikation. Ich leg Skripte eigentlich gedanklich immer so an, dass die Leute damit machen können, was sie wollen, also die Panel-Abfolgen auch gerne umschmeißen etc. Aber da sollte man vorher auch mal drüber geredet haben, was Def und ich zum Beispiel irgendwie erst zu spät gemacht haben. Er wäre mit einem freieren Skript eindeutig besser gefahren, gerade weil er selbst ja nicht nur als Zeichner, sondern auch als Autor viel mehr Erfahrung hat als ich. Als Tipp für Teams kann ich da jedenfalls nur empfehlen, sich vorher mal zusammenzusetzen und darüber zu sprechen, wie viele, wie genaue und welche Informationen ein Skript enthalten sollte, damit der oder die Zeichnerin damit bequem arbeiten kann.

    AnimeY: David, du hast nicht nur Zombie Movies gezeichnet, sondern auch das Cover. Wie schwierig ist es, ein passendes Motiv für eine Anthologie zu finden, und worauf hast du dabei geachtet?

    Def: Also zunächst mal muss ich anmerken, dass ein paar Aspekte des Covers nicht mehr ganz meinem ursprünglichen Entwurf entsprechen, was man bei meiner Antwort mit berücksichtigen muss, sofern man nur die aktuelle Cover-Version vorliegen hat.

    Ansonsten hab ich großen Wert drauf gelegt, dass es nicht zu artsy fartsy wird, sondern schön plakativ. Wir wollen ja das Teil auch an Laufkundschaft verkaufen, die zombieähnlich nur auf niedere Reize reagiert. Dazu zählen die recht knalligen Farben, aber – das muss schon mal offen gesagt werden – auch ein sexy Zombie-Vorbau, bei dem man dreimal überlegen muss, ob man das gut finden darf, und Auf-die-12-unsubtile Gewalt-Indikatoren wie die abgetrennten Köpfe und das Blut. Farben, Sex, Gewalt, Zombies – mehr muss man da nicht an Informationen transportieren.

    Vor ein paar Jahren hab ich mal an ´ner Anthologie namens Großstadtaugen mitgewirkt, wo das Cover eher zum Nachdenken anregen sollte und all so was – das war damals keine gute Idee. Ein Cover muss dem potenziellen Leser schmeicheln oder ihm in den Magen boxen.

    Inhaltlich war’s schwer, alle vier Geschichten zusammen zu raffen, da ich von den anderen drei Storys gar nix gesehen hatte. Daher hab ich einfach nur versucht, es möglichst allgemein gültig zu halten: Zombie. Punkt. So ´n bisschen wie’s der Zwerchfell-Verlag bei Die Toten, dem Große-Schwester-Projekt von Dead Ends macht.

    AnimeY: Könntet ihr euch vorstellen, irgendwann wieder einen Zombie-Manga zu zeichnen/schreiben?

    Marika: Ja unbedingt. 😀

    Def: Zombies kommen bei mir eh in etwa jeder zweiten Geschichte vor. Ich hab das ja schon gemacht, bevor’s cool wurde …

    Allerdings bin ich dadurch wirklich auch langsam an dem Punkt angelangt, wo ich mich frage, ob ich mit der Thematik noch was reißen könnte. Da ich bereits lustige, ernste, dumme, schlaue, klassische Voodoo-Versionen, moderne Romero-Varianten und sogar Musik-affine Bilderbuch-Zombies verwurstet habe, bleibt da nicht mehr viel. Wahrscheinlich kommt dann meine nächste Zombie-Story erst, wenn mir mal ´n neuer Twist für das Genre einfällt.

    Michi: Ein paar Geschichten könnte ich mir wahrscheinlich noch aus den Fingern saugen, aber irgendwann würd mir da wohl auch die Luft ausgehen. Prinzipiell kann man mit dem Genre aber noch ’ne Menge Dinge anstellen, wenn man mal versucht, sich bewusst von typischen Konventionen zu verabschieden. Dead Ends sucht ja zum Beispiel schon ein bisschen das Positive im Zombie-Sein, so im Gegensatz zu dem üblichen »Ich wurde gebissen! Erschießt mich, bevor ich zum Zombie werde!!!«

    Caro: Sicher :). Wenn mir wieder jemand eine Story schreibt, gerne. Ich glaube selber könnte ich mir keinen guten Horror ausdenken.

    AnimeY: Wie hat sich die Arbeit an eurer Kurzgeschichte mit euren anderen Projekten vereinbart? Gab es da Zeitprobleme?

    Def: An Zombie Movie hab ich – für meine Verhältnisse – verdammt lang gewerkelt. Etwa drei Monate war das mein Mango-Hauptprojekt, weshalb ich auch meine Serien wie 78 Tage auf der Straße des Hasses für den Zeitraum arg hab schleifen lassen. Das war aber auch echt nötig, um die Deadline noch zu packen.

    Martin: Ich glaub Zeitprobleme gibt’s immer. Ist aber auch ein Muss! Wenn du ewig für etwas Zeit hättest, würdest du auch ewig daran arbeiten, oder es aufschieben. So geht’s zumindest mir. Daher ist ein bisschen Zeitdruck immer förderlich.

    Caro: Ohja… ich bin sehr ins Schleudern gekommen. Zum einen, weil ich hauptberuflich keine Comics zeichne und da eh erst mal wieder rein kommen musste (man rostet doch ein) aber vor allem durch Trödelei.  |D Anfangs war ja auch noch sehr viel Zeit. Ging dann sogar so weit, dass ich die erste Deadline nicht halten konnte und dann aus schlechtem Gewissen alles (für meine Verhältnisse) ganz schnell und straff runtergezeichnet habe, damit es dann ja pünktlich zum zweiten Termin da ist. Leider sieht man das den Seiten jetzt teilweise auch an. Ich würde da gerne noch mal ein paar Dinge überarbeiten.

    AnimeY: Welche Zombie-Werke – außer Dead Ends – sollte man eurer Meinung nach gelesen beziehungsweise gesehen haben?

    Caro: Ich bin ein Fan von der TV-Serie The Walking Dead – yeah, neue Staffel! <3

    Def: Zunächst mal sollte man wissen, wo das alles herkam, was wir heute vorgesetzt bekommen: George A. Romeros Nacht der lebenden Toten. Der is mittlerweile Open Source und wird einem überall hinterher geschmissen. Tatsächlich hab ich den als Sechsjähriger zum ersten Mal gesehen, was echt zu früh war. Heute schockt der keinen mehr; doch seine Momente hat er auf alle Fälle.

    Generell sollte man sich Romeros Dead-Filme mal anschauen, um auch zu verstehen, wo sich die Genre-Peaks wie The Walking Dead bedienen. Day of the Dead z.B. hat eine der besten Einleitungssequenzen der Filmgeschichte. Einfach vom phonetischen her; wurde sogar mal von den Gorillaz für ihren Song M1A1 gesampelt … Na, egal.

    Und Ben Afflecks Argo ist noch ein verdammt guter Film in der Tradition eines Zombie-Streifens. Da steht der aufgebrachte iranische Mob als Äquivalent zu aggressiven Zombie-Horden. Das ist vielleicht historisch betrachtet nicht alles ganz astrein (keine Ahnung), doch der typischen Spannung, wie man sie halt vorwiegend aus Zombie-Filmen mitnimmt tut das keinen Abbruch.

    Zum Lesen sind die Max Brooks-Romane auf alle Fälle recht interessant. Sachen wie World War Z oder der Zombie Survival Guide, wo der Bub von Mel Brooks einige der interessantesten, sträflich vernachlässigten Fragen im Zusammenhang mit der Zombieapokalypse erörtert.

    Michi: Romeros Dawn of the Dead-Original ist für mich wohl für alle Zeiten der beste Zombiefilm überhaupt. Ich glaube, die Tragik und emotionale Verwüstung im Zuge einer Zombie-Apokalypse hat niemand sonst so gut auf den Punkt gebracht. Da sieht man, wo The Walking Dead die ganze Zeit vergeblich versucht, hinzugelangen. Brian Yuznas Re-Animator-Filme sind allein schon deshalb ein großer Spaß, weil sie dem Zombie-Topos auf H. P. Lovecraft zurückbinden. Sein Return of the Living Dead III ist auch so ein wenig geschätzter früher Zombie-Romance-Streifen, der zudem das Kunststück schafft, Zombies mit kinky Bodyart zusammenzudenken. An Comics unbedingt mal bei unseren Kollegen von Die Toten vorbeischauen! Das sind ganz, ganz tolle und originelle deutsche Zombie-Kurzgeschichten mit oft wirklich sensationellen Artworks! Im Manga-Bereich hat I An a Hero ja gezeigt, wie man das Genre noch mal komplett neu erfinden kann. Und Sankarea hat irgendwie niemand so richtig auf dem Schirm, vermutlich wegen den Moe-Covers. Aber hey, der Titel ist ein Lucio-Fulci-Verweis, und dahinter verbirgt sich eine wirklich unterhaltsame und schräge Zombie-RomCom.

    AnimeY: Dead Ends gehört zu einem von mehreren guten Beispielen, dass deutsche Mangas sowohl erzähltechnisch als auch zeichnerisch auf einem hohen Niveau sein können. Trotzdem haben es Manga-Eigenproduktionen hierzulande immer noch schwer. Was denkt ihr muss passieren, damit ein Umdenken in den Köpfen der Leser geschieht und Vorurteile geringer werden?

    Def: Uff, dafür sollten wir mal ein enzyklopädiedickes separates Interview aufziehen.
    Kurz ein paar Eckpfeiler:
    – Der Comic an sich muss als Kulturgut tiefer in die deutsche Gesellschaft verwurzelt werden, was sogar an vielen Stellen – wieder mal – passiert. Für diese Entwicklung brauchen wir aber noch mehr Titel mit der Wucht eines Werner oder eines Lustigen Taschenbuchs.
    – Alle Glieder des Buchmarkts müssen mitspielen. Z.B. hab ich für meine eigenen Comics in den letzten Jahren zunehmend gemerkt, wie wichtig es ist, dass der Vertrieb auf deiner Seite ist. Ein engagierter Händler kann am Ende echt schon einen Unterschied machen, wenn er – in seiner Form als Experte – dein Zeug im Laden einfach ein bisschen schöner präsentiert und es hier und da auch mal einem Kunden empfiehlt.
    – Die generelle Qualität der Mango muss sich auf ´nem hohen Durchschnittsniveau festigen. Da sind wir momentan auf ´nem guten Weg. Die Tendenz steigt auf alle Fälle. Für viele Leser oder generell Leute aus der Szene ist der deutsche Manga sicherlich immer noch mit dem Bild der ersten Eigenproduktionen behaftet, die halt nich so dolle waren. Mittlerweile sind wir jedoch auf fast allen Gebieten so viel weiter, dass diese neue Qualität einfach das antiquierte Bild und die damit verbundenen Vorurteile ersetzen muss.

    Michi: Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich da schon extrem viel getan, gerade durch die rasant explodierte Doujinshi-Szene. Von bös gemeinten Vorurteilen hört man in letzter Zeit kaum noch was. Dennoch muss man sich irgendwie gegen die etablierten japanischen Hit-Titel und deren multimediales Überwaltigungsmarketing durchsetzen. Momentan müssen wir einfach mehr Aufmerksamkeit und mehr potentielles Publikum erreichen. Das war auch ein erklärtes Ziel von Dead Ends, mit dem Projekt ein bisschen auf das Potential der heimischen Mangaka in der restlichen Comicszene aufmerksam zu machen, um auch neue Zielgruppen zu erschließen.

    Caro: Ich glaube mehr als einfach weitermachen, können wir gar nicht. Und vielleicht einfach mehr Menschen Comics/Manga generell näher bringen. So von wegen »lies mal«. Mein Freund hat z.B. erst durch mich überhaupt Zugang zu Manga generell bekommen (vorher nur ein paar US-Comics gelesen). Und  jetzt wühlt er sich fröhlich durch meine Bibliothek. Dabei finde ich es sehr erfreulich zu beobachten, dass er vor Herkunft der Comics (da steht alles rum, von US-Comics über frankobelgisch, italienisch, Grafic Novel, deutsche Eigenproduktionen, Nischencomics, Manga, Manwha und wie es nicht alles heißt) überhaupt keinen Unterschied macht. Der greift sich einfach, was ihm gefällt. Und ich denke, das wird der Weg sein.

    AnimeY: In der deutschen Manga-Zeichner-Szene benutzen viele inzwischen den Begriff »Mango« zur Klassifizierung. Haltet ihr es marketingtechnisch eventuell für sinnvoll, Manga-Eigenproduktion unter einen eigenen Begriff laufen zu lassen, anstatt sie unter den japanischen Mangas zu listen?

    Caro: Ja. Ich glaube es könnte auch dem Selbstbewusstsein und der eigenen Individualität der Szene zuträglich sein.

    Def: Nach dem weitgehend allgemeinen Verständnis machen wir ja keine lupenreinen Manga, wenn man darunter Comics versteht, die in Japan produziert werden – bestenfalls von Japanern.

    Natürlich sieht man sich irgendwo auch als Manga-Zeichner und ordnet seine Werke der großen Kategorie der Manga unter, doch man braucht schon zumindest eine Subkategorie, um sein Zeug genauer zu klassifizieren. Dafür gibt’s ganz verschiedene Gründe. Einmal haben wir da den ideellen, künstlerischen Anspruch, Teil einer neuen Bewegung zu sein, die sich zwar aus fernost hat inspirieren lassen, jedoch seit über einem Jahrzehnt an einer eigenen, den deutschsprachigen Raum abdeckenden Identität arbeitet.

    Ein anderer Grund wäre aber auch, dass man’s den Hardlinern aus der Szene recht machen muss, die sich strikt weigern, unsere Eigenproduktionen als waschechte Manga zu akzeptieren.

    Unterm Strich fährt man nie verkehrt, wenn man alles einfach Comic nennt; doch zur angesprochenen genaueren Definition find ich’s schon mal nicht schlecht, dass sich nun nach all den Jahren der Begriffssuche endlich mal mit »Mango« was etabliert hat, mit dem zwar bei Weitem nicht alle zufrieden sein dürften, das aber trotzdem erstaunlich gut hängen bleibt.

    Zudem halt ich’s für recht schlau, die Assoziation zu ´ner schmackhaften Südfrucht zu wecken, weil das unsere Comics gleich viel sympathischer macht.

    Michi: Prinzipiell halte ich Manga für eine internationale Comic-Spielart, die sich ja auch in Japan stark auf westlichen Einflüssen begründete. Aber wie eben schon gesagt, muss der deutschsprachige Manga gesonderte Aufmerksamkeit genießen, um sich gegen den durchkommerzialisierten Medienapparat der Japaner irgendwie behaupten zu können. Wenn wir mit unseren heimischen Manga dann auch mal irgendwann achtstellige Auflagen fahren, eine eigene Anime-Industrie haben, sich jeder von uns ein Dutzend gut bezahlte AssistentInnen hält und die Volksbühne das »Elefantenfriedhof«-Musical aufführt, können wir davon auch wieder abrücken. Bis dahin jedoch ist ein eigenes Label schon sinnvoll. »Mango« ist mir dafür persönlich eigentlich zu albern, aber wenn’s kleben bleibt … Ist ja irgendwie der umgekehrte Ansatz von der »Graphic Novel«-Kampagne, wo alles künstlich auf bierernst gekrampft wird und man sich irgendwie ja schon allein dadurch seine eigenen kommerziellen Grenzen setzt.

    Martin: Ich find es ist ’ne schöne Verniedlichung, die kleine niedlich sympathische Schwester, mit der man gerne was unternimmt, aber die manchmal auch grün hinter den Ohren ist. Passt doch? Ein eigener Begriff sollte aber auf jeden Fall Thema sein, da man sich nicht mit den japanischen Eltern direkt vergleichen sollte. Wir benutzen den Stil, bauen aber Geschichten ganz anders auf. Daher ist es besonders aus Marketing-Sicht sinnvoll, sich ein bisschen weiter wegzustellen.

    AnimeY: Soll es in Zukunft weitere Manga-Veröffentlichungen beim Zwerchfell Verlag geben?

    Michi: Zur Zwerchfell-Programmplanung haben wir leider keine Infos (und selbst wenn wir welche hätten … ihr wisst schon …). Die Zwerchfellas sind aber prinzipiell für alles offen, wenn sie das Projekt interessant finden. Da ist sehr viel Spontanität in der Verlagspolitik.

    Caro: Solange diese Produktion von keinem erbosten Mob verbrannt wird. Warum nicht? 🙂

    AnimeY bedankt sich für das Interview.

    Gina
    ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3