Interview mit Edward zu »Sandtime«

    © 2014 Eduard Seiler/Edward, Candrew

    Eduard Seiler, der sich den Künstlernamen Edward gab, ist derzeit mit seinem Manga-Projekt Sandtime beschäftigt. Mit diesem Titel will er den deutschen Manga-Markt in wenigen Monaten erobern. Wir haben ihn über die Zusammenarbeit mit seinem Partner Candrew und den Alltag als Zeichner sowie Autor befragt.

    AnimeY: Wie kam es zum Projekt Sandtime, und was waren bisher die Höhepunkte/Tiefschläge im Projekt-Verlauf?

    Edward: Mein bisheriger Höhepunkt war auf jeden Fall der Zeitpunkt, in dem die ganze Geschichte zu einer Welt wurde und ich gemerkt habe, wie groß das Ganze sein wird. Die Tiefschläge waren definitiv meine Schreibblockaden, die ich ab und zu hatte.

    AnimeY: Worum geht es in Sandtime?

    Edward: Um es mal ganz grob zu beschreiben: In Sandtime geht es um einen kleinen Jungen, Sakuro, der durch einen Unfall in das Aurora Kingdom gelangt. In diesem Königreich wird ihm schnell klar gemacht, dass die Welt, in der er sich gerade befindet, nicht das Wonderland ist und Sakuro dementsprechend keinesfalls Alice. Sakuro sammelt in dieser Welt viele Erfahrungen fürs Leben, und so wird aus dem anfangs noch leicht übermütigen und naiven, kleinen Jungen ein zurückhaltender, sehr vorsichtiger und misstrauischer junger Mann. In Sandtime bahnt sich eine Gruppe von Revoluzzer ihren Weg und versucht das korrupte Regime zu stürzen. Die Lage ist angespannt, niemand vertraut einem anderen richtig. Diese Allgemeinstimmung macht Sakuro schwer zu schaffen.

     AnimeY: Wie finanzierst du das Projekt?

    Edward: Ich ziehe um die Häuser und sammle Spenden… Nein, Spaß beiseite, haha. Ich bin berufstätig, weshalb ich mit meinem Gehalt dieses Projekt finanziere.

    AnimeY: Was hält dich daran, bei deinem Projekt weiterzumachen? Welche Schwierigkeiten hast du beim Entwickeln der Geschichte anfangs gehabt und welche kamen beim Ausarbeiten des Mangas hinzu?

    Edward: Sandtime ist für mich so etwas wie ein kleiner Traum, den ich in Erfüllung bringen möchte. Wenn ich einen Manga lese oder einen Anime gucke, dann muss ich gleich an meinen eigenen Manga denken und bekomme somit sofort wieder Lust weiterzuschreiben. Ich denke, das größte Problem war, anfangs der gesamten Geschichte einen roten Faden zu geben, einfach einen sinnigen, festen Handlungsstrang, in dem sich die Charaktere Schritt für Schritt weiterentwickeln und so auch die Story vorantreiben.

    AnimeY: Du versuchst, in Sandtime »so viel wie möglich anders zu machen«. Wie dürfen sich das Manga-Fans vorstellen? Woran äußert sich das in der Handlung?

    Edward: Wie ich schon in einem anderen Interview von euren Kollegen von Neoneko erzählt habe, versuche ich nicht, das Rad neu zu erfinden, ich nehme mir das Recht zu sagen, dass es mir gelungen ist, die Handlung so zu gestalten, wie es bisher – jedenfalls in Deutschland – noch nicht gemacht wurde. Der Zeichenstil ist auch nicht gerade typisch, nicht revolutionär, einfach nicht gewöhnlich.

    © 2014 Eduard Seiler/Edward, Candrew

    AnimeY: Wann darf man sich auf den ersten Band gespannt machen, wie viel Bände sollen es werden und welcher Erscheinungsrhythmus ist dafür geplant? Wie viel werden die Bände kosten?

    Edward: Ein konkretes Datum habe ich noch nicht im Kopf, jedoch hoffe ich, dass es noch im nächsten Quartal veröffentlicht wird! 🙂 Je nachdem, wie Sandtime ankommt, werde ich sagen können, wie viele Bände es noch werden oder ob es bei einem bleibt (was ich nicht hoffe *lach*). Und ich denke, dass die üblichen Preise angesetzt werden.

    AnimeY: Wird der erste Band mit irgendwelchen Extras ausgestattet sein (Farbseiten, Concept Arts, Charakterbeschreibungen, etc.)?

    Edward: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber vermutlich wird es das ein oder andere Extra geben. 🙂

    AnimeY: In Sandtime gibt es einen Charakter namens »Edward«. Hast du dich da selbst in deine Geschichte miteingebracht oder ist das Zufall? Was ist an dem Charakter besonders?

    Edward: Als der Charakter fertig war, fehlte mir nur noch ein Name, und sofort schoss mir Edward durch den Kopf. Die Ähnlichkeit mit meinem eigenen Namen fiel mir erst im Nachhinein auf. Aber natürlich wollte ich mich auch in die Geschichte einbringen, so ähnlich wie es ein Quentin Tarantino macht *haha*.

    Alles, was die Charaktere in Sandtime besonders macht, ist ihre Hintergrundgeschichte. Edward ist eben ein Junge von der Straße, der nie viel erreichen konnte, jedoch wird ihm die Möglichkeit gegeben, etwas zu bewirken, welche er natürlich auch nutzt. Man kann darüber streiten, ob der Weg, den er gegangen ist, richtig oder falsch ist, aber das diskutieren wir aus, sobald mein Manga in den Läden steht *lach*.

    AnimeY: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit deinem Projektpartner? Wo bestehen die Vorteile/Schwierigkeiten, als wenn man allein ein Manga-Projekt hochstemmt?

    Edward: Ein großer Vorteil ist natürlich die Aufteilung der Arbeit und somit auch die Verringerung der Last. Das Arbeiten macht mir so auch mehr Spaß, da ich mich voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren kann.

    AnimeY: Wie koordiniert ihr die Zusammenarbeit? Habt ihr bestimmte Regeln/Vorschriften für den jeweils anderen an bestimmten Stellen?

    Edward: Regel Nummer Eins: Es gibt keine Regel! Disziplin ist alles, was man braucht, dann fallen die Regeln und Vorschriften weg.

    AnimeY: Wie habt ihr zueinander gefunden? Gibt es dafür bestimmte Plattformen? Habt ihr vorher schon Zeichnungen/Geschichten voneinander gekannt?

    Edward: Candrew wurde mir empfohlen, fast so wie ein Auto *lach*.

    AnimeY: Gibt es neben euch beiden weitere Partner, die euch beim Projekt unterstützen?

    Edward: Nein, wir arbeiten nur zu zweit an diesem Projekt.

    AnimeY: Investiert ihr eure komplette Freizeit in das Projekt oder nach Lust und Laune?

    Edward: Ich stecke nicht meine gesamte Freizeit in dieses Projekt, wenn ich jedoch schreibe, dann gehe ich die Sache auch mit Motivation und Spaß an. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb es letztendlich lange gedauert hat, bis die Geschichte fertig geworden ist. Manchmal musste ich mich sogar überwinden zu schreiben, aber sobald ich einmal angefangen habe, war ich so vertieft in der Geschichte, dass ich nicht mehr aufhören konnte und mich wiederum zwingen musste aufzuhören. Und wenn ich nach einer Weile einen Blick auf die Uhr warf, waren dann oft schon vier Stunden vergangen *lach*.

    AnimeY: Wie empfindet ihr den deutschen Manga-Markt bezogen auf hiesige Manga-Produktionen?

    © 2014 Eduard Seiler/Edward, Candrew

    Edward: Meiner Meinung nach wird es endlich Zeit, dass so ein Projekt an den Start kommt. Verlage müssen offener und risikofreundlicher werden. Doch ein Verlag möchte natürlich mit einem Manga so wenig Verlust wie möglich machen, weshalb jener sich oft für Mangas, die gerade einfach laufen, entscheidet. Ähnlich wie EA, die jedes Jahr aufs Neue ein Call of Duty rausbringt, obwohl es einige Entwicklerstudios gibt, die unfassbare Konzepte und Ideen haben, welche jedoch nicht die Möglichkeit haben, das Projekt zu veröffentlichen. Aber dafür gibt es ja schon seit längerer Zeit Kickstarter.

    Allgemein denke ich, dass der deutsche Manga-Markt noch hinterher ist. In Frankreich sind die Manga-Regale in großen Supermärkten deutlich größer als die Manga-Regale von Hugendubel und Thalia zusammen, und das ist nicht übertrieben! Viele Menschen in Deutschland lassen sich nicht so leicht für Mangas begeistern, was vermutlich an der Kultur und an der fehlenden Offenheit für Neues liegt.

    Wenn Verlage bereit wären, mehr Promotion für Mangas zu machen, würden diese sich auch besser verkaufen. Unter diesen Umständen ist es normal, dass sich ein Nachwuchskünstler, der seinen ersten Band auf den Markt bringt, schlecht verkauft, weil niemand weiß, dass dieser überhaupt existiert. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass dieser Künstler höchstens hundert Bände verkauft.

    Ich könnte noch weitere zehn Seiten über dieses Thema schreiben, aber es verdient einen eigenen Beitrag *haha*.

    AnimeY: Welche Mangas/Manga-Zeichner stehen in eurer privaten Manga-Sammlung? Habt ihr Künstler, Designer, andere Mangaka etc. als Vorbilder? Falls ja, welche?

    Edward: In meiner privaten Sammlung stehen bisher alle Fairy Tail- und Bakuman-Bänder. Anime hab ich jedoch noch reichlich: Death Note, Code Geass, Full Metal Alchemist, Blue Exorzist, BTOOM! und viel mehr! Takeshi Nogami finde ich sehr gut. Ich stehe mit ihm auch schon länger im Kontakt. Er gibt mir immer reichlich Tipps und berät mich oft, man könnte schon fast sagen, dass er eine Art Mentor und Motivator für mich ist.

    Das AnimeY-Team bedankt sich herzlich bei Edward für dieses Interview.