Interview mit Fumiko Suzuki – Gourmies japanische Klassiker

    Schneidebrett mit Zutaten
    © Rose I.

    Interview mit Fumiko Suzuki zu ihrem neuen Kochbuch am 16.01.2016 in Berlin

    Portrait Fumiko Suzuki
    Fumiko Suzuki
    © Rose Ibuki

    Hallo Fumi, magst du dich unseren Lesern kurz vorstellen?

    Also, ich bin Fumi. Ich komme aus Japan- genauer aus Tokyo – und ich lebe seit fast 10 Jahren in Berlin. Zwischendurch wohne ich auch auf Zeit in Wien. Ich koche seit ein paar Jahren mit Leidenschaft nicht nur japanisches Essen, sondern auch alle möglichen anderen Gerichte, denn ich liebe essen und koche deswegen eigentlich alles, was mir schmeckt.

    Wie bist du auf Berlin gekommen?

    Durch Zufall! Ich habe mit 18 Japan fürs Studium verlassen und bin nach Frankreich gegangen. Danach – ebenso aus Zufall – in den deutschsprachigen Teil der Schweiz. Dort musste ich natürlich Deutsch lernen und ich wollte statt Schweizerdeutsch richtiges Hochdeutsch lernen.
    Ich habe mich beim Goethe Institut angemeldet und wollte eigentlich nach München, aber sie haben mich nach Berlin geschickt.
    Ich wollte garnicht nach Berlin, aber ich musste..und als ich da war, hat mir die Stadt doch sehr gut gefallen. Ich habe mir neue Ziele gesetzt und lebe seitdem in Berlin. Aus Zufall. (lacht)

    Ich habe gesehen, dass du einen Blog schreibst – wie ist der entstanden bzw. wie kamst du auf die Idee?

    Diesen Blog habe ich ganz zu Beginn angefangen, als ich beruflich mit dem Kochen angefangen habe. Eigentlich war er für mich als Platz für Notizen gedacht, da ich tausende unterschiedliche Rezepte ausprobiert habe und viele mir super gut gefallen haben, die ich dann natürlich nach meinem Geschmack ein wenig gepimpt habe – und das wollte ich mir merken und dazu Notizen machen. Gleichzeitig wollte ich, dass auch andere Leute diese super tollen Rezepte probieren können. Das war die Idee, mit der ich den Blog angefangen habe.

    Was würdest dir für die Zukunft deines Blogs wünschen, welche Leser möchtest du ansprechen?

    Eigentlich alle! (lacht)
    Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn mein Blog alle möglichen Leute erreicht und ich möchte den Blog noch etwas anders machen, denn wie gesagt, ich habe ihn für mich selbst gemacht und möchte ihn für die Leser nun etwas anders gestalten.

    Du wirst auf Sumikai ja auch in Kürze dein neues Kochheft vorstellen – wie bist du darauf gekommen, ein vegetarisches Kochheft zu schreiben und an wen richtet es sich?

    Ich selber esse gerne vegetarisch und vegan, aber ich kann leider nicht so gut auf Fisch verzichten.
    Für vegetarisches Essen gab es einfach eine super große Nachfrage. Ich biete ja die Kochkurse an und jedes Mal fragt einer, ob es eine vegetarische Variante gibt und ob man überhaupt vegetarisch japanisch kochen kann.
    Ich habe wegen der großen Nachfrage angefangen zu recherchieren und wollte gerne auf die Anfragen antworten. Außerdem hat mich das neugierig gemacht, weil ich auch wissen wollte, wie man meine Lieblingsgerichte vegetarisch kochen kann. Das war die Grundidee hinter dem Heft.
    Ich denke, die Hefte richten sich an alle, die an der japanischen Küche interessiert sind…. und auch an die, die nicht daran interessiert sind! Vielleicht ist es ja für die ganz witzig, sich durch meine Rezepte einfach mal überraschen zu lassen (lacht)
    Es gibt also keine richtige Zielgruppe – die Hefte sind für jeden, der Spaß am Kochen hat.

    Wie lange hast du an dem Heft gearbeitet?

    Ein Jahr. Natürlich habe ich nicht die ganze Zeit daran gesessen, aber immer Stück für Stück.
    Jetzt habe ich mir das Ziel gesetzt, jedes Jahr ein Heftchen zu veröffentlichen.
    Das vegetarische Heftchen ist ja schon das Zweite, das erste Heft ist über japanische Klassiker und das dritte wird wahrscheinlich über japanische Lunchboxen (Bento) sein.

    Seit wann bietest du jetzt schon Kochkurse an?

    Vor knapp über zwei Jahren habe ich damit angefangen. Ich arbeite normalerweise jeden Tag als Caterer und wollte einfach etwas interaktives anbieten – auch für mich.
    Die Kurse sind einfach die idealste Lösung um mit den Leuten direkt in Kontakt zu kommen.
    Ich bringe den Teilnehmern etwas bei, lerne aber selber dadurch auch viel und es macht wirklich Spaß!
    Ich versuche jeden Monat mindestens einen Kochkurs anzubieten – jetzt diesen Monat war es der Zôni Kurs und ein Wagashi Kurs hier in Berlin. Die Termine gebe ich immer auf meinem Blog bekannt.

    Was ist das Besondere an deinen Kochkursen bzw. worin unterscheidet sich dein Kurs von anderen japanischen Kochkursen?

    Ich lege viel Wert auf die traditionelle Seite. Ich liebe Hausmannskost und denke, das ist wirklich die versteckteste Seite der japanischen Küche. Deshalb gebe ich auch keine Kurse zu so bekannten Sachen wie Sushi, sondern konzentriere mich eher auf die „versteckten Rezepte“, die man in Deutschland nicht so kennt, die aber in Japan total bekannt sind.
    Solche Sachen habe ich selten in Kochbüchern oder Kochkursen gesehen.
    Ich möchte die Leute mit Sachen überraschen, die sie vielleicht noch nicht kennen.

    Ich habe ja deinen Zôni Kochkurs besucht, in dem du uns beigebracht hast, wie man Zôni nach Art deiner Familie kocht. Sind die Rezepte in deinen Kochheften auch Sachen, die dich an zu Hause erinnern?

    Nicht direkt an Tokyo, aber natürlich an vieles aus meiner Kindheit. Leider muss ich auf viele Sachen verzichten, weil sie mit Fisch zu tun haben.
    In meinem Kochbuch findet sich der Geschmack der Küche meiner Mutter, aber sie hat ziemlich speziell gekocht. Zum Beispiel hat sie zeitweise komplett ohne Salz gekocht, deswegen habe ich viele Rezepte für meine Hefte einfach selber zu Lieblingsgerichten gemacht und sie auf meine Art gekocht. So sind sie meine Klassiker geworden.

    Woher bekommst du die Inspirationen für deine Rezepte?

    Ich gehe sehr sehr gerne essen! Da bekomme ich sehr viel Inspiration, egal ob es italienisches Essen ist, oder französisches – ich bekomme dadurch lustigerweise viele Ideen für die japanische Küche,
    Dekorationen oder Geschmacksrichtungen.

    Viele Leute finden japanisches Essen interessant, aber trauen sich nicht so richtig es auszuprobieren – was sagst du dazu?

    Das ist genau der Grund, warum ich diese Kochkurse anbiete. Viele Leute kennen die Klassiker der japanischen Küche nicht. Jeder kennt Sushi und mittlerweile Ramen und so weiter, aber die Gerichte, die wir Japaner eigentlich jeden Tag essen, kennt kaum einer. Das möchte ich gerne ändern und ich wünsche mir, dass japanische Alltagsgerichte ein bisschen populärer werden.

    Wenn du die deutsche Küche und japanische Küche miteinander vergleichst, gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede, die dir besonders auffallen?

    Gemeinsamkeiten fallen mir jetzt keine ein, aber es gibt viele Unterschiede.
    Ich finde, es ist sehr schwer, Deutschen den dezenten Geschmack von japanischen Gerichten zu vermitteln. Die deutsche Küche hat einen sehr sehr intensiven Geschmack. Viel Salz und viele Gewürze. Bei deutschem Essen empfinde ich fast einen richtigen Kick – der Geschmack explodiert.. das kommt in der japanischen Küche nur ganz selten vor.
    Ich denke, das ist der größte Unterschied.
    Ich finde, dass Deutsche vielleicht die feine und präzise Seite der japanischen Küche ausprobieren sollten.
    Japaner könnten vielleicht von Deutschen lernen, wie sie unabhängig von Fischbrühe kochen! (lacht)

    Das Wichtigste zum Schluss – wo kann man deine Hefte kaufen?

    Ich habe leider noch keine ISBN Nummer, deswegen stehen meine Hefte jetzt zum Beispiel in einigen Museumsshops. Ansonsten kann man sie natürlich bei meinen Kochkursen kaufen, oder mich über meinen Blog oder Facebook anschreiben!

    Hier findet ihr Fumis Blog und ihre Facebook Seite~

    Kochlöffel, Kamera und Pinsel schwingende Japanophile. Süchtig nach Büchern & Schokolade. Kann ohne 3x täglich Reis nicht leben.