Interview mit Kazé zum Thema Synchronisation, Simulcast und mehr …

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    © Kazé

    AnimeY fühlte Kazé zu aktuellen Themen ein bisschen auf den Zahn. Dirk Remmecke, Patrick Peltsch und Michael Wache stellten sich unseren Fragen. War beispielsweise die Kinopräsentation von Patema Inverted ein Erfolg, wie laufen Kazés E-Mangas oder wie steht der Verlag zur Publikation von deutschen Eigenproduktionen? Antworten darauf und auf vieles mehr gibt es in diesem Artikel.

    AnimeY: Gleich zu Beginn eine Frage zu eurer Kinopräsentation von Patema Inverted im Oktober: Wart ihr mit dem Ausgang insgesamt zufrieden? Oder wäre dies ein Bereich, wo noch viel getan werden müsste, damit es erfolgsversprechend wird?

    © Yasuhiro YOSHIURA / Sakasama Film Committee

    Dirk: Die Resonanz war großartig! Wir hatten die Aktion ursprünglich nur mit 26 Kinos geplant, aber im Vorfeld haben sich immer mehr Häuser bei uns gemeldet, die den Film ebenfalls zeigen wollten. Schlussendlich waren es dann stattliche 54 Kinos. Wir haben auch früher schon Animes ins Kino gebracht (Brave Story, Summer Wars), aber niemals zuvor war das Interesse, das von den Kinos selbst ausging, so hoch!

    Insgesamt waren wir mit dem Ausgang sehr zufrieden – von einem Umstand abgesehen: In Wien hat es Probleme bei der Zustellung der Vorführkopie gegeben und dort konnte der Film nur mit Verzögerung gezeigt werden. Das war eine unerfreuliche Nebenwirkung der erheblich höheren Nachfrage.

    Aber für die nächste Aktion dieser Art sind wir gewappnet.

    AnimeY: Warum entschied man sich dazu die Untertitel-Umfrage doch nur den aktuellen Käufern vorzubehalten und keine andere Alternative für Interessenten zu bieten? Oder reicht euch dies für ein einigermaßen repräsentatives Ergebnis?

    Dirk: Wir haben uns entschlossen, die Abstimmung in dem Umfeld abzuhalten, in dem sich unsere tatsächlichen Kunden und Käufer bewegen. Wir haben nichts davon, wenn sich Personen an der Abstimmung beteiligen, die gar keine Kunden unserer Anime-DVDs und -Blu-rays sind; also Leute, die an der Abstimmung aus prinzipiellen Gründen teilnehmen würden. (»Ich kaufe zwar keine DVDs, aber wenn ich es täte, dann würde ich gelbe/weiße Untertitel vorziehen.«) Um darüber hinaus ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, müssen wir uns schon relativ sicher sein können, dass jeder Teilnehmer nur eine Stimme abgegeben hat, und das ist bei einer Postkartenaktion am ehesten gegeben.

    Wir tun das ja nicht, um es den Fans schwer zu machen. Wir verdienen an der Postkartenaktion nichts, im Gegenteil, es ist viel teurer und aufwendiger, Karten gestalten, drucken und in die Hüllen konfektionieren zu lassen als eine Online-Umfrage zu organisieren.

    Mit dieser Entscheidung nehmen wir natürlich in Kauf, dass wir insgesamt weniger Antworten erhalten als mit anderen Methoden. Aber die Antworten, die wir bekommen, sind den Personen so wichtig gewesen, dass es ihnen den Aufwand einer Postkarte wert war. Dementsprechend wertvoll ist jede Stimme auch für uns.

    AnimeY: Hat sich die Aufteilung in zwei Volumes mancher Serien als zufriedenstellend entpuppt was die Verkaufszahlen angeht? Wird man diese auch in zukünftigen Titeln ab und zu beibehalten?

    Dirk: Ich weiß nicht, ob ich die Frage richtig deute. Habt ihr den Eindruck, dass es sich dabei um eine neue Strategie handelt?

    Zwei Volumes sind keine neue Entwicklung: Wir haben auch früher schon Serien in anderen Formen veröffentlicht als in vier Standard-Amarays oder Digipak-Boxen. Die Ewigkeit, die du dir wünschst oder Astraea Testament erschienen jeweils in zwei Mediabook-Volumes.

    Generell suchen wir für jede Serie die Darreichungsform, die ihr am besten zu Gesicht steht, in Abhängigkeit vom zur Verfügung stehenden Bonusmaterial und den Ratschlägen und Erfahrungen, die wir aus dem Handel hören.

    Und ja, das werden wir auch so beibehalten. Wir werden auch weiterhin Staffelboxen, einzelne Amarays, Digipaks im Schuber, Mediabooks und andere Bündelungen herausbringen.

    AnimeY: Wie zufrieden seid ihr mit dem Verkauf der Collector’s Edition von Love, Chunibyo & Other Delusions? Ist es vorstellbar auch für zukünftige Titel solche spezielle Sammler-Editionen zu produzieren? Von welchen Faktoren hängt dies ab?

    Dirk: Wir würden gerne häufiger exklusive Editionen machen, aber der beinahe einzige Faktor, von dem dies abhängt, ist die Verfügbarkeit von Bonusmaterial, um das wir eine schöne Box herumplanen können.

    AnimeY: Dragon Ball Z Kai musste bereits vor dem Erscheinen viel Kritik wegen der Neusynchronisation einstecken, wie schwierig ist als Label den Erwartungen der Fans gerecht zu werden und wie geht man mit den bösen Stimmen im Internet um?

    © Bird Studio / Shueisha, Toei Animation © 2009 Toei Animation Co, .Ltd.

    Dirk: Als Label stecken wir da manchmal in einem tiefen Dilemma. Wir sind ja alle auch Filmfans und haben uns an die Stammsprecher unserer Lieblingsschauspieler gewöhnt. Aber manchmal haben wir keine andere Wahl, als die Entscheidungen zu akzeptieren, die von außen auf ein Projekt einwirken. Wie viele verschiedene Stimmen hat George Clooney? Wem hat es gefallen, dass Tom Cruise eine neue Stammstimme bestimmt hat?

    Was soll man tun, wenn die Wunsch-Sprecher, die die Fans haben wollen, nicht verfügbar sind? Dann muss man eine Rolle neu besetzen – und dem Künstler auch die Möglichkeit geben, die Rolle mit seinem Charakter und seiner Interpretation auszufüllen. So, wie es nicht den Robin Hood und den James Bond gibt, ist es legitim, dass ein Synchronregisseur und ein Sprecher zusammen eine Figur interpretieren.

    Bei Dragon Ball Z Kai ist dies mit Sabine Winterfeldt (Regie) und Amadeus Strobl (Goku) geschehen, und sie haben beide ihre Aufgabe sehr gut gemacht. Die Neuübersetzung und -vertonung orientiert sich übrigens viel stärker am japanischen Original als die alte Synchronfassung.

    AnimeY: Seit dem Relaunch des VoD-Portals Anime on Demand ist nun 1 Jahr vergangen, war der Neustart ein Erfolg?

    Micha: Ja, auf jeden Fall! Die Zahl der Nutzer und der Umsatz sind deutlich gestiegen. Das neue Design findet viel Zuspruch. Allen kann man es natürlich nie recht machen. Und wir haben noch eine Menge Ideen für Verbesserungen. Auch von Nutzern haben wir gute Vorschläge bekommen.

    Technisch läuft das System sehr stabil. Vorher mussten wir ja ständig was reparieren, insbesondere beim DRM der Downloads. Einziges aber sehr ärgerliches Problem war immer mal wieder die unzureichende Streaming-Qualität. Ursache dafür war, dass die Abrufe von Telekom- und 1und1-Kunden im Internet über Knotenpunkte geroutet wurden, die abends in der Rushhour überlastet waren. Aber ich denke, das Problem haben wir jetzt endlich abgestellt.

    AnimeY: Sind demnächst weitere Veränderungen/Neuerungen, zum Beispiel die Unterstützung von Spielkonsolen, für Anime on Demand geplant?

    Micha: Ja. Da haben wir eine Menge in Arbeit. Bis Frühjahr nächsten Jahres wollen wir viel schaffen. Lasst euch überraschen!

    AnimeY: Hat sich die Aktion mit den digitalen Codes für Anime on Demand (z. B. als Zugabe bei der Tokyo Ghoul-Veröffentlichung) merkbar auf den Zuwachs des Streaming-Dienstes gemacht?

    Micha: Die Disc+-Funktion ist ein kostenloses Zusatzfeature für Animefans, die beides wollen: Boxen (DVD bzw. Blu-ray) sammeln und Animes komfortabel online schauen. Bislang bieten wir die Funktion für Tokyo Ghoul Staffel 1 und High School DXD Staffel 2 an. Die Zahl der Leute, die Disc+ bisher nutzen, ist allerdings noch nicht so groß, wie wir das erwartet haben. Offenbar guckt die Mehrzahl der Käufer von DVDs und Blu-rays Animes doch noch immer lieber auf Scheiben.

    © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

    AnimeY: One-Punch Man ist zumindest in meinen Augen ein Action-Kracher mit speziellem Humor, der wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack sein mag. Wie ist denn euer bisheriges Fazit? Erzeugt die Serie beim deutschen Publikum großes Interesse?

    Micha: One-Punch Man ist zurzeit der Renner auf AoD. Das liegt sicher auch daran, dass wir die Serie komplett gratis anbieten – ein Novum auf AoD –, aber vor allem daran, dass der Anime richtig witzig und phantasievoll ist.

    AnimeY: Welche eurer Simulcast-Titel aus dem Jahr 2015 entpuppten sich denn bisher als die erfolgreichsten?

    Micha: Ohne Ranking: One-Punch Man, Shimoneta, Tokyo Ghoul Staffel 2, Prison School, Monster Mädchen, Nisekoi Staffel 2

    AnimeY: Seit März 2015 bietet Kazé auch E-Mangas an. Entsprechen die Verkäufe den Prognosen? Kann man sagen, ob deutsche Leser das traditionelle Printmedium bevorzugen oder doch vermehrt auf moderne Digitalisierung setzen?

    Patrick: Die Verkäufe entsprechen absolut dem, was ich erwartet hatte. Im Moment geben unsere Leser Print ganz klar den Vorzug, das wussten wir und haben damit gerechnet. Ich würde sogar sagen, dass der Trend zum gedruckten Sammelobjekt sich noch verstärkt hat. Allerdings war es ja auch nie das Ziel, Print durch das digitale Angebot zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Wir hoffen deshalb, unser digitales Angebot noch erweitern zu können.

    RUTTA TO KODAMA © 2009 Youko FUJITANI / KADOKAWA CORPORATION

    AnimeY: 2014 brachte Kazé mit Trau dich seinen ersten Boys-Love-Manga heraus. Mit der »5 Shades of Pink«-Reihe sowie der Lizenzierung von Rutta & Kodama wird das BL-Sortiment weiter ausgebaut. Kann man daher davon ausgehen, dass das Boys-Love-Genre fortan ein fixer Bestandteil des Kazé-Manga-Programms bleiben wird?

    Patrick: Auf jeden Fall. Wir sind zwar noch in der Experimentierphase, aber die Reaktionen sind bisher sehr positiv und Boys Love wird garantiert auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Dass das Genre ein fixer Bestandteil wird, kann ich allerdings nicht garantieren. Dass für derzeit 5 Titel also wieder genau 5 neue Titel folgen werden, ist unwahrscheinlich. Feste Programmplätze, die wir nach Genre sortieren, so etwas haben wir nicht.

    AnimeY: Könnte sich Kazé vorstellen, so etwas wie die »5 Shades of Pink«-Edition noch mal durchzuführen, vielleicht für andere Genres?

    Patrick: Das müssen wir gemeinsam besprechen, wenn die Aktion hinter uns liegt und die ersten belastbaren Zahlen vor uns liegen. Aber wir sehen neue Aktionsformen und Ausstattungsmerkmale generell positiv und sind da sehr offen.

    AnimeY: Darf man sich auf weitere Genre-Erweiterungen im zukünftigen Manga/Anime-Sortiment einstellen. Etwa ein Girls-Love-Manga oder ein Boys-Love-Anime?

    Patrick: Wie gesagt, welchem Genre ein Manga oder Anime zugeordnet ist, ist eher von zweitrangiger Bedeutung. Wenn die Zeichnungen, die Handlung und die sonstigen Rahmenbedingungen stimmen, wäre auch ein Rentner-Manga kein Tabu. Es hängt immer davon ab, ob uns der Titel überzeugen kann. Welches Genre er hat, ist erst danach von Interesse. Allerdings ist es wahr, dass manche Genres einen eher schweren Stand in Deutschland haben.

    AnimeY: Wie steht Kazé aktuell zu deutschen Manga-Zeichnern? Kann man sich vorstellen, in zukünftigen Programmen auch Werke von hiesigen Zeichnern zu veröffentlichen?

    Patrick: Wir mögen deutsche Manga-Zeichner, wir mögen überhaupt deutsche Zeichner, sehr sogar, aber wir haben derzeit nicht die Manpower, die wir bräuchten, um eigene Veröffentlichungen stemmen zu können.

    AnimeY bedankt sich bei Dirk Remmecke, Patrick Peltsch und Michael Wache von Kazé für das Interview.

    Gina
    ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3

    1 Kommentar

    1. Ich fänds besser wenn ich mit dem Disc+ Feature mir selbst bei AoD aussuchen könnte was ich haben will. Wie Kazé selbst merkt, schauen die Leute eher auf Disc. Ich würde deshalb den Usern mit den Codes selbst die Möglichkeit geben 1-2 Episoden aus dem AoD Resort selbst zu wählen – auch aus den Simulcasts. Ab denselben Anime zu binden ist blöd. Außerdem würde ich diese Option den anderen Publishern auch zur Verfügung stellen, z.B. Nipponart, das ja jetzt auch mit Prison School auf AoD war.

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