Interview mit KHAOS auf der Manga-Comic-Convention 2014

    AnimeY durfte mit KHAOS – dem Autor und Zeichner des höllischenDIO+-Mangas – ein exklusives Interview am 15. März auf der Manga-Comic-Convention 2014 führen. Hierzulande ist bisher nur das erste Kapitel zu dem Werk via TOKYOPOPs Online-Shop, auf Conventions oder in ausgewählten Bücherläden erhältlich. Das nächste befindet sich aber bereits im Druck, wie wir auf Anfrage in Erfahrung bringen konnten. Leser dürfen also gespannt sein, wie die Story weitergeht! Der sympathische Mangaka, welcher in Japan dem Duo Akira Himekawa assistiert, stellte sich unseren Fragen und dabei kam Folgendes raus:

    AnimeY: Wie hast du deine Leidenschaft für das Zeichnen entdeckt?

    KHAOS: Ich glaube, das kommt durch meine Leidenschaft zum Erzählen. Als Manga-Zeichner kann man eigentlich das Gleiche tun, wie ein ganzes Team von Filmproduzenten und das gefällt mir halt daran, deswegen zeichne ich auch gerne Manga.

    AnimeY: Ich hab gelesen, dass du auch sehr musikbegeistert bist und Visual Kei magst. Welche Bands hörst du gerne?

    KHAOS: Das ist eine schwierige Frage, weil ich sehr viele verschiedene Bands mag. Allerdings höre ich meist die Lieder, die mir gefallen, sehr oft und es kann auch sein, das ich lange Zeit nur ein einziges Lied höre. Ich höre oft Nine Inch Nails oder Muse aber auch japanische Bands. Einige meiner Freunde sind ebenso Musiker, deren Musik höre ich mir natürlich auch an.

    AnimeY: Angenommen du könntest eine fiktive Figur real werden lassen. Welche wäre das?

    KHAOS: Doraemon, der wäre denke ich sehr nützlich.

    AnimeY: Aus deinen Beiträgen auf Facebook ist zu entnehmen, dass du Piraten magst. Woher kommt diese Begeisterung und was fasziniert dich an ihnen?

    KHAOS: Ich denke jeder mag Piraten und das passt einfach zu einer Meute verrückter Menschen, die sich zusammengefunden haben.

    AnimeY: Du hast inzwischen auf Facebook über 100.000 Fans, die deine Aktivitäten verfolgen. Wie gehst du mit so viel Interesse an deiner Person beziehungsweise Arbeit um?

    KHAOS: Für mich selber macht das eigentlich keinen Unterschied, ob da nur die 10 steht oder 100.000, weil für mich jeder Einzelne zählt und ich freue mich, hier jedem einzelnen Piraten auf der Messe die Hand schütteln zu dürfen oder ein paar Worte zu wechseln. Deswegen bin ich auch eigentlich hier, um meiner Crew einfach mal Hallo zu sagen 😀

    AnimeY: Du bist ja nun zum ersten Mal auf der Manga-Comic-Convention. Welche Eindrücke konntest du bisher gewinnen?

    KHAOS: Es ist lustig, da ganz viele tolle Leute hier sind und ich wünschte, etwas mehr Zeit zu haben, um zu den vielen Ständen zu gehen, um die ganzen tollen Zeichner zu bewundern, die hier ausstellen. An der Stelle wollte ich auch noch mal allen Zeichner Mut machen und viel Erfolg wünschen, dass sie sich tauen, ihre Werke dem Publikum zu zeigen, weil hier wirklich tolle Sachen entstehen. Ich hatte leider nur wenig Zeit mich umzusehen, aber das was ich gesehen habe fand ich wirklich toll und interessant.

    AnimeY: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit TOKYOPOP?

    KHAOS: Ich habe mit Joachim Kaps über einen Dojinshi, den ich in Japan veröffentlicht habe, gesprochen. Daraus haben wir dann für eine Zusammenarbeit etwas gesponnen und so wurde DIO+ entwickelt.

    AnimeY: Welcher Protagonist aus DIO+ gefällt dir am meisten und weshalb?

    KHAOS: Gadara, weil er von Jemandem aus meinem Leben inspiriert ist, den ich sehr mag.

    AnimeY: Im ersten Kapitel von DIO+ wurden ein paar Boys-Love-Elemente eingebaut. Kann man davon in den nächsten Kapiteln weitere erwarten?

    KHAOS: Ich würde das nicht als Boys Love ansehen. Ich zeichne nicht in einem Genre. Die Figuren haben eine gewisse Zuneigung zueinander und da lass ich mich nicht auf einem Genre begrenzen. Die Figuren sind eben, wie sie sind.

    AnimeY: Die Zeichnungen in DIO+ sehen teilweise sehr aufwendig aus. Wie lange sitzt du durchschnittlich an einer Seite?

    KHAOS: Hm, das ist kompliziert. Ich brauche tatsächlich länger als bei einem Dojinshi. Aber ich bin immer motiviert und liebe es, diese Geschichte zu erzählen. Da ist mir jede Überstunde recht~

    AnimeY: Eine Kurzgeschichte von dir gewann eine Auszeichnung für den zweiten Platz in Shueishas Miracle Jump-Magazin. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Shueisha beziehungsweise dieser Auszeichnung?

    KHAOS: Das war eigentlich ganz lustig. Ich habe eine sehr seltsame Geschichte gemacht, in der es um das versunkene Atlantis, einer Schildkröte und ein UFO ging. Die Geschichte ist wirklich so seltsam wie sie klingt aber Jump fand die wohl ziemlich gut. Hätte ich nicht gedacht, ich habe sie aus Spaß hingeschickt, einige Freunde hatten die Idee dazu. Ich selbst kannte noch nicht mal das Magazin Miracle Jump. Dadurch hatte ich einen großen Nachteil den anderen Teilnehmern gegenüber, weil die eben eine Geschichte gemacht haben, die genau für dieses Magazin konzipiert war. Aber dennoch hat mich der Topeditor des Magazins rausgepickt und das hat mich natürlich sehr gefreut und geehrt.

    AnimeY: 2012 hast du gemeinsam mit Kaori Yuki das Buch Guardian Angel für eine berühmte japanische Wahrsagerin illustriert. Wie war die Zusammenarbeit mit Yuki-sensei?

    KHAOS: In dem Buch ging es um Engel und Dämonen, ich selber dufte die Dämonen darstellen. Das Cover wurde von Kaori Yuki gezeichnet. Im Grunde gab es in gewisser Weise schon strikte Vorgaben, immerhin haben wir ja das Buch »nur« illustriert. Wahrscheinlich ist hierzulande den meisten auch Frau Yuki Moira nicht bekannt, doch in Japan ist sie als Wahrsagerin sehr berühmt.

    Und es hat mir natürlich sehr großen Spaß gemacht, dieses Buch mit zu illustrieren! Was für eine Ehre 🙂

    AnimeY: Deine Illustrationen erscheinen inzwischen international. Könntest du ein paar deiner Erfahrung mit anderen Zeichnern teilen, die eventuell einen ähnlichen Weg einschlagen möchten? Welche Voraussetzungen sollte diese Person auf jeden Fall mitbringen?

    KHAOS: Wenn jemand noch ungewiss ist beim Zeichnen, dann sollte man einfach dranbleiben und sich nicht verunsichern lassen.

    Ich möchte auf keinen Fall verharmlosen, dass es ein sehr harter Weg ist.

    Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass man seinen Träumen immer folgen sollte, und wenn nötig, sogar in die Hölle. Kehe~

    AnimeY: In deiner Präsentation am Messe-Freitag hast du erzählt, dass es für dich wichtig ist, dass deine Werke ihre Originalität behalten – sprich, dass du dir von anderen nicht vorschreiben lassen möchtest, wie dein Werk zu sein hat. Sind japanische Verlage oder eben auch TOKYOPOP in dem Punkt kompromissbereit?

    KHAOS: In der Zusammenarbeit mit TOKYOPOP haben wir das ganz wunderbar geregelt, und zwar so, dass ich eigentlich machen darf, was ich will. Und das ist einfach wunderschön. In Japan ist das tatsächlich schwieriger. Danke für diesen Freiraum, TOKYOPOP!

    Deshalb ist DIO+ auch eine sehr unverfälschte Geschichte – nahezu genau so, wie ich sie vor meinem inneren Auge sehe.

    AnimeY: Kann man dich zukünftig auf anderen deutschen Conventions antreffen?

    KHAOS: Große Menschenansammlungen sind für mich eigentlich eine Überwindung …

    Aber die Erfahrung auf der LMB / MCC hat mich einfach geplättet!

    So viele liebe Leser, die auch alle so herzlich miteinander umgehen … Das hat die Messe echt unvergesslich für mich gemacht und ich würde auch sehr gern wiederkommen.

    AnimeY: Möchtest du deinen »Piraten« zum Abschluss des Interviews vielleicht irgendwas mitteilen?

    KHAOS: »Yo ho ho und ´ne Buddel mit Rum.« Lassen wir es krachen! <3

    AnimeY bedankt sich herzlich bei KHAOS für das Interview.

    DIO+ – DOLOR ASCENSION © KHAOS/ TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

    Gina
    ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3