Martillo's Mysterious Books Cover Ausschnitt
Martillo’s Mysterious Books © Luisa Velontrova, TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

Mit Martillo´s Mysterious Books debütierte Luisa Velontrova im Juli 2014 mit ihrem ersten eigenen Werk bei TOKYOPOP.

Manch einer dürfte sie auch aus dem Grimms Manga Sonderband kennen, in dem Luisa einen Beitrag zu Frau Holle leistete. AnimeY stellte ihr Fragen zu Martillo´s Mysterious Books und ihrer Tätigkeit als Zeichnerin. Was dabei herauskam, lest selbst.

Martillo’s Mysterious Books
Martillo’s Mysterious Books © Luisa Velontrova, TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

AnimeY: Wie entstand das Storykonzept zu Martillo´s Mysterious Books?

Luisa: Ich wollte unbedingt etwas zu Shai und Viv machen, was in einem Band passt und alles beinhaltet, was für die beiden wichtig ist: Bücher, Dämonen, Magie … und weil es nur auf einen Band ausgelegt ist, war klar, dass das Buch, um das es geht, einen persönlichen Bezug zu den Helden haben muss.

AnimeY: Wie entstanden die Protagonisten Vivyan sowie Shai in deinem Kopf und welchen Prozess von den beiden wolltest du in Martillo´s Mysterious Books zur Geltung bringen?

Luisa: Tatsächlich hatte ich von den beiden zu allererst die erwachsenen Versionen im Kopf, allerdings wird da die Story etwas ernster und andere Charaktere spielen auch wichtigere Rollen. Für Martillo wollte ich eine Geschichte, die auf jeden Fall einen positiven Kern hat, und ich wollte die Dynamik zwischen den Persönlichkeiten von Viv und Shai darstellen, was in ihrer Jugendzeit besser zur Geltung kommt.

AnimeY: Wie ist Shai zur Dämonenjägerin geworden?

Luisa: Durch ihren Vater hatte sie mit dieser Tätigkeit ja schon seit ihrer Kindheit zu tun. Im Detail wäre das aber eher was für eventuelle spätere Geschichten.

AnimeY: Was hat es mit der Ewigen Bibliothek auf sich?

Luisa: Das ist eine besondere Bibliothek, in der sehr viele Bücher aufbewahrt werden, in denen entweder etwas über Magie steht, die mit Magie in Berührung gekommen sind oder eine besondere »Seele« haben. Gebaut wurde sie allerdings, um ein ganz spezielles Buch zu beherbergen …

AnimeY: Was ist die RA?

Luisa: Die größte und wichtigste Organisation von und für Zauberer in Europa.

AnimeY: Shai schreibt ihre Lieblingswörter auf eine Liste. Welche Wörter würden auf deiner Liste stehen?

Luisa: Kekse, Katze, Zeichnen, Pi, Wolken z.B. 😀

AnimeY: Was hat es mit der Magie in Martillo’s Mysterious Books auf sich?

Luisa: Darüber könnte ich sicher eine zweiseitige Abhandlung schreiben. 😀 Im einfachsten Sinn ist es eine angeborene Fähigkeit, quasi ein Talent, was man hat oder eben nicht oder auch nur nicht bemerkt. Es gibt zwei grundlegende Arten Magie zu wirken. Einmal mit Hilfe von »Wissen«, mit welchem man die Energie der Umgebung nutzt. Und dann mit Hilfe von »Fantasie«, wobei man die eigene Energie verbraucht. Und Energie ist hier praktisch gleichbedeutend mit »Seele« und »Zeit«.

AnimeY: Der Manga spielt in unserer Welt während der industriellen Revolution. Doch wo ist die Industrie?

Luisa: Shai und Viv haben das Glück in einem sehr ruhigen Stadtteil zu wohnen. Die Arbeiter- und Industrieviertel befinden sich auf der andern Seite vom Bahnhof.

AnimeY: Woher hat Shais Vater die Narbe am Auge?

Luisa: Aus einem Kampf mit einem Dämon natürlich.

AnimeY: Warum leben Shais Eltern getrennt?

Luisa: Weil Fio seinen Laden unbedingt in England haben wollte, seine Frau aber ein bisschen speziell ist und beim besten Willen nicht dorthin zurück wollte.

AnimeY: Vivyan meint, dass sich Shai und sein Vater besser nicht begegnen sollten. Warum?

Luisa: Ihre Persönlichkeiten sind halt wie Wasser und Öl. Das Treffen wird sicher früher oder später stattfinden, aber man muss sein Glück ja nicht herausfordern, wenn man eh schon Stress hat!

AnimeY: Wieso ist Shai schlecht im Teleportieren?

Luisa: Weil das eine Menge Konzentration und Kontrolle erfordert, worin Shai eben schlecht ist, aber wenn man Magie nicht richtig ausübt, gibt es meistens irgendwelche Nebenwirkungen.

AnimeY: Ist Martillo´s Mysterious Books als Oneshot abgeschlossen oder planst du eventuell noch eine Fortsetzung?

Luisa: An sich ist es abgeschlossen, aber in meinem Kopf gibt es noch genug Stoff für mehr. Nur ist das ja nicht allein meine Entscheidung. 🙂

AnimeY: Dein Charakterdesign sorgt bei Lesern, im Bezug auf die Gestaltung der Nase, welche in der Frontansicht gänzlich fehlt und in der Seitenansicht recht flach ist, für gespaltene Meinungen. Gab es für diese Gestaltung einen speziellen Grund oder würdest du sagen, es gehört einfach zu deinem Zeichenstil?

Luisa: Der spezielle Grund ist ganz einfach, dass ich es gern mag.

AnimeY: Bücher haben in Martillo´s Mysterious Books eine große Bedeutung. Bist du selber Literatur-Fan? Hast du spezielle Lieblingsautoren bzw. – bücher?

Luisa: Als »Fan« würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich lese sehr gern. H.P. Lovecraft und Oscar Wilde zum Beispiel zählen zu meinen Lieblingsautoren.

AnimeY: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit TOKYOPOP?

Luisa: Angefangen hat es, als ich 2006 beim Manga Magie Wettbewerb den 3. Platz belegt hatte und sie mir schrieben, dass sie mehr von meinen Arbeiten sehen wollen. Danach hat es sehr viel Ausdauer meinerseits bedurft, dass sie sich an mich erinnern. Vor Martillo hatte ich auch schon ein anderes Konzept eingereicht, was allerdings nicht angenommen wurde. Dafür hab ich dann aber die Chance im Grimms Manga Sonderband bekommen. 🙂

AnimeY: Willst du weiterhin noch Mangas in privater Eigenproduktion herausbringen, oder gibt es von nun an nur noch Verlagsveröffentlichungen von dir?

Luisa: Wie gesagt hat der Verlag ja auch sein Wörtchen mitzureden, aber Eigenproduktionen wird’s auf jeden Fall weitere geben von mir! An den nächsten arbeite ich auch schon.

AnimeY: Was inspiriert dich beim Zeichnen? Hast du eventuell Vorbilder im Bezug auf deinen Zeichenstil?

Luisa: Ich mag viele verschiedene Zeichner aus verschiedenen Gründen, aber wirkliche Vorbilder hab ich nicht. Als Inspiration geht alles: Musik, Filme, aktuelle Ereignisse …

AnimeY: Wie entsteht eine Manga-Seite bei dir, und welche Utensilien verwendest du dabei?

Luisa: Zuerst schreibe ich die Dialoge und teile ungefähr auf, wie viel davon auf welche Seite kommt. Danach folgt die genaue Seiteneinteilung im Storyboard als grobe Skizze. Danach zeichne ich die Seiten auf ordentlichem Papier rein, ziehe die Lines und je nach Geschichte, kommt dann entweder Farbe drauf oder ich scanne sie ein und rastere am PC.

Meine Utensilien sind recht simpel: ein harter Bleistift zum Vorzeichnen, ein etwas weicherer zum präzisen Reinzeichnen, 2 lange Lineale und 1 Geodreieck, Radiergummi, viel Skizzenpapier, Zeichenkarton, Fineliner mit 0,05 – 0,1mm und 0,4mm, Scanner und Drucker, Grafiktablett und Photoshop. Und meine treue Schreibtischlampe sowie Büroklammern!

AnimeY: Hast du bestimmte Rituale beim Zeichnen (Tageszeit, Süßigkeiten, Musik, etc.)?

Luisa: Nicht wirklich beim Zeichnen allgemein, aber wenn ich ein Kapitel anfange, muss ich immer zuerst die Seitenränder und die Panelrahmen auf allen Seiten ziehen, bevor ich mit dem eigentlichen Inhalt anfangen kann.

AnimeY: Wie viel Potential siehst du in der deutschen Manga-Zeichner-Szene?

Luisa: Es gibt viele tolle Zeichner bei uns und ich freu mich sehr, dass es gerade in der Dojinshi-Szene im Moment einen Aufschwung gibt.

AnimeY: Hast du bereits Ideen für neue Geschichten nach Martillo´s Mysterious Books?

Luisa: Viele. uAu

AnimeY: Das Veranstaltungsjahr neigt sich zwar doch allmählich dem Ende zu aber auf welchen Events trifft man dich in diesem Jahr noch an?

Luisa: Auf der Connichi werde ich sowohl mit dem Verlag sein, wie auch mit einem eigenen Zeichnertisch. Und im Oktober bin ich dann noch auf der Animaco in Berlin mit einem privaten Stand.

AnimeY bedankt sich bei Luisa Velontrova für das Interview.

Martillo’s Mysterious Books © Luisa Velontrova, TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

Gina
ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3