Interview mit Martina Peters zu „Tempest Curse“

    Am 30. September erschien über CARLSEN MANGA! Martina Peters´ neustes Werk Tempest Curse. Passend dazu führte AnimeY mit der Zeichnerin ein Interview, das sich sowohl diesem Thema widmet, also auch ihrer Tätigkeit als Mangaka.

    Wie entstand wohl die Idee zu Tempest Curse und auf welchen Events könnt ihr Martina in diesem Jahr wohl noch antreffen? Dies und mehr verrät euch dieses Interview.

    AnimeY: Für alle die die Story von Tempest Curse noch nicht kennen, wie würdest du sie beschreiben?

    Martina: Tempest Curse ist ein spannender Mystery-Thriller mit einer Priese (Anti-)Superhelden-Geschichte.

    AnimeY: Wie entstand die Geschichte zu Tempest Curse?

    Martina: Gute Frage… das Grundkonzept – oder sagen wir vielmehr: Die Grundkonzepte zu Tempest Curse fliegen schon seit Jahren in meinem Kopf rum. Es gibt sogar ein paar alte Kritzeleien dazu von mir auf Animexx. Damals habe ich noch gesagt, dass aus Tempest Curse niemals ein verlagstauglicher Manga werden würde, da die Geschichte keine einheitliche Storyline hatte. Es existierten viel mehr massenweise, teilweise aneinanderreihbare, aber auch aus dem Konzept der einen Szenen-Kette fallende Szenen, die ich ab und an mal weiter ausbaute, erneuerte oder zusammenfügte.

    Alles in allem wurde es aber dann erst eine Geschichte, als ich »gezwungen« war, daraus ein sinnvolles Konzept für Carlsen zu machen. Ein paar wenige Szenen aus den alten Ketten existieren tatsächlich noch, wenn auch in abgewandelter Form. Einige musste ich aber natürlich für den einen Handlungsstrang, für den ich mich entschieden hatte, fallen lassen.

    Runter gebrochen kann man sagen: Ich finde Geschichten mit maskierten Vigilanten cool und wollte auch eine machen.

    AnimeY: Empfandest du das Krimi/Mystery-Genre als Herausforderung oder fiel dir das Konzept für die Story leicht? Bzw., welche Aspekten fielen dir leicht oder schwer?

    Martina: Wie gerade gesagt hat sich das Konzept aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt. Daher war es an einigen Stellen einfach, an anderen schwer, die Story sinnvoll zu entwickeln.

    Die größte Schwierigkeit, die ich bei Tempest Curse wohl hatte, war (und ist), dass ich sowohl von der reinen »Krimi/Mystery« Seite als auch von der zwischenmenschlichen Seite her unheimlich viel erzählen möchte und manchmal ein bisschen rudere, um allem seinen gerechten Platz zu geben.

    AnimeY: Woher nahmst du die Ideen für die jeweiligen Hauptfiguren der Erzählung?

    Martina: Ich erfinde sie. Was auch sonst.

    AnimeY: Grim Reaper besitzt seltsame Fähigkeiten. Kannst du uns diesbezüglich so rein oberflächlich verraten, was es damit auf sich hat?

    Martina: Das würde recht viel verraten – also nein. Nur so viel: Er verwendet keine technischen Gadgets.

    AnimeY: Wie stehen Freya und Avah zueinander?

    Martina: Ha-ha-ha! Das sag ich nicht.

    AnimeY: Warum taucht Grim Reaper an Orten des Verbrechens auf? Ist er eigentlich eine Art Held, der kriminelle Machenschaften aufhalten will?

    Martina: Ja und nein. Er will Verbrecher unschädlich machen, verfolgt dabei eine recht persönliche Agenda.

    AnimeY: Welche zeichnerischen Aspekten waren dir bei Tempest Curse besonders wichtig?

    Martina: Mir war eigentlich am wichtigsten, Diversität zu zeigen. Also nicht 0815 Manga-Figuren, wo man die eine nicht von der anderen unterscheiden kann. Vor allem auch alte Leute, die wie alte Leute aussehen und so weiter.

    AnimeY: In Tempest Curse kommen die ersten Panel-Seiten in Farbe. Welche Aspekte sind dir beim Gestalten von Farbseiten besonders wichtig?

    Martina: Beim Gestalten der Farbseiten ist mir im Grunde am wichtigsten, dass die Farben stimmig sind und sich gut ins Gesamtbild einfügen.

    Was Mangaseiten selbst angeht bin ich eher ein Schwarz-Weiß-Typ. Ich komme monochrom besser klar. Deswegen ist das eigentlich immer meine Hauptsorge. »Hoffentlich krieg ich das hin, ohne es aussehen zu lassen, als wäre mir der Farbkasten aus der Hand gerutscht und auf die Seite gefallen!«

    AnimeY: Hast du schon genaue Vorstellungen, wie viele Bände die Serie insgesamt umfassen wird?

    Martina: Ich habe keine Vorstellungen, sondern einen Vertrag in dem steht, dass Tempest Curse 3 Bände umfasst.

    AnimeY: Wie entsteht bei dir generell ein Konzept für eine neue Erzählung?

    Martina: Die Art und Weise, wie das bei Tempest Curse vonstatten gegangen ist, ist gar nicht so abweichend von meinem normalen Vorgehen. Nur dass ich normalerweise keine gefühlten hundert verschiedenen Storyketten habe, die nicht zusammen passen. Sondern es beginnt meist mit einer oder zwei Szenen, die imselben Strang spielen und um die ich dann herum baue.

    AnimeY: Hast du bestimmte Rituale beim Zeichnen (Tageszeit, Süßigkeiten, Musik, etc.)?

    Martina: Eigentlich nicht. Abends arbeite ich meistens besser als vormittags, weswegen sich meine Schlafenszeiten ziemlich arg verschoben haben. Ansonsten bin ich arbeitsbereit, sobald man mir einen Tisch und einen Stuhl gibt. Und zu kalt darf es nicht sein. Wenn ich friere bin ich wie ein Fisch und falle in Winterstarre.

    AnimeY: Woher nimmst du deine Inspiration generell beim Zeichnen?

    Martina: Von überall her. Es gibt keine speziellen Inspirationsquellen. ALLES ist Inspiration. Man verwendet nicht alles direkt, sondern verdaut erst einmal und irgendwann – zu gegebener Zeit – kommt es dann wieder.

    AnimeY: Wie entsteht eine Manga-Seite bei dir, und welche Utensilien verwendest du dabei?

    Martina: Eine Manga-Seite entsteht bei mir in der Regel in drei Schritten.
    Zuerst zeichne ich das Layout oder auch Storyboard auf 8,5 x 12 cm pro Seite. Einfach mit einem Bleistift.
    Das Ganze scanne ich dann ein und ziehe es am Computer auf ca. 25 x 36 cm Größe, mache es hellblau und drucke es wieder aus.
    Auf diesen groben, hellblauen Scribbles skizziere ich dann sauber die richtigen Seiten und Tusche drüber.
    Der letzte Schritt entsteht wieder im Computer, indem ich die Graustufen und Rasterfolien digital einsetze.

    AnimeY: Wie viel Potential siehst du in der deutschen Manga-Zeichner-Szene?

    Martina: Die deutsche Manga-Zeichner-Szene wächst stetig. Und wenn die Zeichner am Ball bleiben, die sich gerade aus der Masse hervortun, sehe ich da ein ziemlich großes Potential. Das, und wenn uns nicht dauernd Steine von Außerhalb in den Weg gelegt werden.

    AnimeY: Das Veranstaltungsjahr ist inzwischen zwar so gut wie vorbei aber auf welchen Events können dich deine Fans in diesem Jahr noch antreffen?

    Martina: Für mich ist das Veranstaltungsjahr noch gar nicht so sehr »vorbei«.

    Man trifft mich jetzt im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse an, danach auf der ComicAction in Essen, das Wochenende darauf auf der AniMaCo in Berlin. Im November gibt es in Kiel zwei und in Oberhausen einen Workshop mit mir. Da kommt also noch ein bisschen was auf uns zu.

    AnimeY bedankt sich bei Martina Peters für das Interview.

    Tempest Curse Band 1 © Martina Peters, Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2014

    Gina
    ich bin eine ziemlich durchgeknallt aber ruhige Manga-Leserin der 30+ Generation :3