Interview mit Miriam Esdohr zu »IAKES«

    Zur Leipziger Buchmesse 2014 erschien beim Comic-Culture-Verlag der Einzelband IAKES von Miriam Esdohr. Der Mystery-Thriller taucht in eine Totenwelt ein, wo es einen Serienmörder zu fassen gilt. Wir haben die Zeichnerin zu einem Interview gebeten.

    AnimeY: Ein Film brachte dich auf die Idee zu IAKES. Welcher? Was genau daran hat dich inspiriert?

    Miriam: Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr erinnern, welcher Film das war. Ich gucke so viele Filme und habe leider nicht das beste Gedächtnis. Bestimmt war es auch ein Thriller, aber ich weiß nur noch, dass der Held am Ende gestorben ist. Und dass ich mir irgendwie gewünscht habe, der Film würde weitergehen. Ich habe versucht, die Geschichte in meinem Kopf weiterzudenken, aber ohne den Helden (muss wohl eine Figur gewesen sein, die ich mochte) ging es irgendwie nicht. So habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wie man eine Geschichte nach dem Tod spielen lassen könnte. IAKES ist aber natürlich keine Fortsetzung eines Filmes, den ich gesehen habe, sondern etwas ganz Eigenständiges. Aber der Film beziehungsweise der tote Held brachte mich eben auf die Idee mit der Totenwelt.

    AnimeY: Was war die anfängliche Idee und wie hat sich daraus schließlich die Handlung von IAKES entwickelt?

    Miriam: Der Gedanke an die Totenwelt, der ja am Anfang von IAKES stand, brachte mich zuerst zu dem Schluss, dass der Held der Geschichte gleich zu Beginn sterben müsste, um in die Totenwelt zu gelangen. Nur fand ich, das wäre für den Leser vielleicht keine große Motivation, die Story weiterzuverfolgen. Irgendwann kam ich darauf, dass der Held für jemand anderen in das Reich der Toten gehen sollte, dafür musste ich aber Nang sterben lassen, was ursprünglich nicht geplant war. Ein Krimi sollte es dennoch werden. Eigentlich habe ich parallel an zwei »Geschichten« gearbeitet. Einmal die der Geister und der Totenwelt IAKES mit ihren Eigenschaften und Wiedergeburt und dann noch an dem Krimi, in dem ein Serienkiller umgeht. Als diese Dinge für mich geklärt waren, habe ich angefangen, sie zu einer einzigen Geschichte zu verbinden und mir mehr Gedanken über die Charaktere und ihre jeweiligen Wesensmerkmale zu machen.

    AnimeY: Wann hast du mit IAKES begonnen und wie lange hat es bis zur Fertigstellung gedauert?

    Miriam: Genau genommen habe ich ja mit dem ersten Gedanken an die Totenwelt Iakes begonnen, aber wann genau das war, weiß ich nicht. Wenn ich in meinen Dateien krame, sehe ich, dass die ersten Skizzen im Oktober 2011 entstanden sind. Eigentlich wollte ich dann innerhalb eines Jahres fertig werden, aber es dauerte doppelt so lange. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass doch mehr dazwischen kam, als ich anfänglich dachte. Es gab private Zwischenfälle, nebenbei habe ich ja noch studiert, und die Endphase von IAKES war auch gleichzeitig die Endphase meines Studiums, und so musste ich nebenbei noch meine Diplomarbeit schreiben. In der Zeit hatte ich oft Angst, mit einem von beiden nicht rechtzeitig fertigzuwerden, aber zum Glück hat alles noch wunderbar geklappt.

    AnimeY: Gibt es Szenen, die du jetzt im Nachhinein gerne anders gemacht hättest? Musstest du vielleicht aus Platzgründen sogar an ein paar Stellen Kürzungen vornehmen?

    Miriam: Es gibt Szenen oder einzelne Bilder, die ich jetzt gerne neu gezeichnet hätte, weil ich im Nachhinein immer etwas sehe, was ich hätte besser machen können. An der Geschichte selbst würde ich nichts ändern wollen, obwohl ich tatsächlich kürzen musste. Eigentlich habe ich sogar das Gefühl, eine ganze Menge gekürzt zu haben. Wenn es ein Roman geworden wäre, hätte ich noch viel mehr erzählt. Zum Beispiel hätte ich mehr Rückblicke gemacht, und ich hätte definitiv mehr ausgearbeitet, wie der Täter entlarvt wurde, und ich hätte Nang und Peka mehr Zeit gegeben, sich kennenzulernen. Aber so ein Krimi ist sowieso schon oft textlastig mit nicht allzu viel Action, deswegen wäre es für einen Comic wahrscheinlich nicht gut gewesen, es noch mehr in die Länge zu ziehen.

    AnimeY: Ein essentieller Aspekt in IAKES ist, dass die Story hauptsächlich in einem Totenreich, Iakes, spielt. Warum hast du dich dazu entschieden, diese Welt so stark an der Realität anzulehnen?

    Miriam: Sicherlich stellt sich jeder das Leben nach dem Tod anders vor, falls man daran glaubt oder darüber nachdenkt. Immer wenn ich etwas darüber gehört oder gesehen habe — wie zum Beispiel eine Doku über Nahtoderfahrungen oder Filme mit Engeln oder einem Paradies oder Ähnlichem —, habe ich mir jedes Mal dieselbe Frage gestellt: Wenn es im Himmel die ganze Zeit ruhig und hell und schön und friedlich ist, was kann man bis in alle Ewigkeit da machen? Es kommt selten vor, aber wenn ich mal nichts zu tun habe, ist mir furchtbar langweilig, und ich hasse es, wenn mir langweilig ist. Und würde ich den ganzen Tag und bis in alle Ewigkeit oder wer weiß wie lange im Himmel »festsitzen«, ist das dann wirklich was Gutes? Für mich klingt das ziemlich grauenvoll. Die Leute, die nach Iakes kommen, sollen nicht für immer und ewig dort bleiben, sondern nach einer gewissen Wartezeit wiedergeboren werden. Meine Gedanken dazu sind ungefähr so: Wenn ich erfahren würde, dass ich gerade gestorben bin, wäre ich ziemlich schockiert. Würde mir da eine völlig fremde Umgebung oder ein vielleicht ganz verrückter Ort irgendwie weiterhelfen? Da müsste ich mich ja ganz neu orientieren, aber wozu, wenn ich früher oder später als jemand anderes und ohne Erinnerung an mein vorheriges Leben wieder in eine stinknormale Welt komme?

    AnimeY: Wie kommt es, dass die Menschen in Iakes essen, schlafen, Sex haben und arbeiten? Sie sind doch tot. Können sich die Menschen dort auch fortpflanzen?

    Miriam: Wie in der Antwort auf die vorige Frage würde ich sagen, um eine gewisse Normalität zu wahren. Das ist wohl einfach meine Sicht der Dinge. Mich würde zum Beispiel interessieren, was Engel oder Geister eigentlich den ganzen Tag so machen. Ich denke, fortpflanzen kann man sich in Iakes nicht… Oder vielleicht doch, deren Kinder sind dann Engel?

    AnimeY: Gibt es in Iakes so etwas wie Gott oder höhere Wesen?

    Miriam: Ja. Nach meiner Vorstellung ist der, die oder das, was die Erde und das Leben und das Universum erschaffen hat, auch für die Totenwelt verantwortlich. Und genau wie hier bekommt auch in Iakes nie jemand dieses höhere Wesen zu Gesicht.

    AnimeY: Auch in Iakes kann man sterben, wenn man ermordet wird. Gibt es auch einen natürlichen Tod oder (tödliche) Krankheiten? Was ist das Nichts?

    Miriam: Wenn man an an einer tödlichen Krankheit gestorben ist und daraufhin nach Iakes kommt, stirbt man kein zweites Mal an der Krankheit. Ich würde sagen, man stirbt dort keinen natürlichen Tod, falls jemand lange genug dort wäre, um tödlich zu erkranken, könnte diese Person einfach in der Priorität der Wiedergeburten steigen und ein neues Leben bekommen, bevor die Krankheit ihm oder ihr den Garaus macht.
    Zu der Frage über das Nichts: Manche Menschen haben eine Religion und glauben an einen Gott (oder auch an mehrere Götter) und einen Himmel, manche Menschen glauben nicht daran. Und wenn man sie fragt, was nach dem Tod passiert, dann sagen sie meist »nichts«.

    AnimeY: In deinen Nachforschungen hast du dich mit anderen Religionen beschäftigt. Wie sehr hat dir das bei der Arbeit an IAKES geholfen?

    Miriam: Ja, speziell mit Shintoismus und Buddhismus. Und zwar diese beiden Religionen, weil über Shinto allgemein wenig bekannt ist und ich dachte, da könnte ich neue Sichtweisen kennenlernen. Und Buddhismus, weil er sich mit Wiedergeburt beschäftigt. Über Shintoismus habe ich nur sehr wenig gefunden, und diese Religion meidet das Thema Tod, deswegen hat mir das leider nicht weitergeholfen. Im Buddhismus wirkt sich das Karma auf eine spätere Wiedergeburt aus — also wie »gut« oder »schlecht« man zu Lebzeiten war. Das taucht so direkt zwar nicht in meiner Geschichte auf, aber es hat mich auf die Idee gebracht, Bürokratie in Iakes einzuführen. Zuerst einmal wird durch das »Karma« bestimmt, in welchen Bezirk man geschickt wird und dann — was aber in IAKES nicht erwähnt wird — bestimmt es auch gewissermaßen über den Zeitpunkt der Wiedergeburt. Je vorbildlicher man sich in seinem früheren leben benommen hat, desto weiter oben steht man auf der Liste derer, die wiedergeboren werden sollen. Wenn du kein so guter Mensch warst, musst du länger warten.

    AnimeY: Wie kamen die einzelnen Namensgebungen zustande? Was für japanische Worte spielten dabei eine Rolle?

    Miriam: Das einzige Wort, was unverändert japanisch geblieben ist, ist »Naka«, was »Mitte« bedeutet. »Iakes« bedeutet umgekehrt »Welt« (zu Japanisch »Sekai«). Bei den anderen Ortsnamen ist absolut kein Sinn mehr erkennbar. Ich habe Worte genommen, die mich persönlich an die Orte erinnern, damit meine ich Assoziationen. Dann habe ich ihre Silben umgestellt, Buchstaben ersetzt oder ganz weggelassen, bis ich ein neues Wort hatte. Ich wollte, dass die Ortsnamen an keine wirklich existierenden oder bekannten Orte erinnern und sie möglichst unbekannt klingen lassen.

    AnimeY: Gab es für die Charaktere Vorbilder?

    Miriam: Für Rik habe ich immer ein bisschen Alan Rickman im Kopf gehabt, als er noch etwas jünger war, und mit »etwas« meine ich zum Beispiel wie in dem Film Sinn und Sinnlichkeit. Aber er sollte ja nicht genau so aussehen. Bei Tönje dachte ich an eine Art Dominic West. Was Nang angeht, hatte ich eigentlich nur ihre charakterlichen Eigenschaften im Kopf. Sie sollte kühl und distanziert, aber auch eine entschlossene und starke Frau sein. Optisch habe ich mich dann für einen Kontrast zu Rik entschieden und einfach ein bisschen herumprobiert, wie bei den anderen Figuren auch.

    AnimeY: Der Protagonist Rik Wigand ist ein sehr eigenwilliger Charakter. War er von Anfang an so geplant oder gab es Schritt-für-Schritt-Veränderungen bis zum Endresultat?

    Miriam: Eigentlich war für mich ziemlich klar, wie Riks Charakter sein sollte. Ich wollte einen Helden, der nicht so heldenhaft zu sein scheint und »eigenwillig« gefällt mir, das trifft gut, was ich erreichen wollte. Sein Aussehen war ganz am Anfang noch nicht zu hundert Prozent klar. Erst war er noch »hübscher« aber in Anbetracht seines Lebensstils fand ich, er müsste älter aussehen, als er vielleicht in Wirklichkeit ist. Und da er ein Genussmensch ist, wurde er zudem ein Pummelchen.

    AnimeY: Rik scheint eine Vorliebe für Blumenmuster zu haben, woher kommt das?

    Miriam: Stimmt, Rik mag Blümchen. Ich dachte, er ist ein lieber Kerl, und wollte seine »blumige Seite« damit unterstreichen. Außerdem trägt es eventuell sogar dazu bei, ihn weniger wie einen »typischen« Helden wirken zu lassen. Andererseits finde ich, dass es nicht nur seine weiche Seite zeigt, sondern auch sein Selbstbewusstsein zur Geltung bringt. Viele Männer scheinen sich in geblümten Hemden nicht wohlzufühlen, nicht männlich genug vielleicht. Liebe Männer, traut euch, mehr Blumenmuster zu tragen.

    AnimeY: Sind noch weitere Geschichten geplant, die in der Welt von IAKES spielen?

    Miriam: Geplant leider nicht, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Aber ich denke, das wird sich zeigen und hängt davon ab, wie IAKES so im Allgemeinen ankommt. An mir soll es jedenfalls nicht scheitern, ich hätte auf jeden Fall Lust auf eine Fortsetzung, und an Ideen mangelt es mir auch nicht. Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, eine kleine Kurzgeschichte über Rik und Nang zu machen, einfach nur so.

    AnimeY: Bist du selbst ein Fan von Krimis/Thrillern? Welche Titel, ob Roman, Film oder Serie, kannst du aus dem Genre empfehlen?

    Miriam: Oh ja und wie! Ich war schon immer ein großer Fan von Akte-X und auch von der Serie Fringe. Das sind aber keine Krimis oder Thriller im klassischen Sinne. Ich gucke auch sehr gerne The Inspector Lynley Mysteries und aktuell Hannibal. Ansonsten die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson (Die Film- und Buchreihe), die Bücher Schneemann von Jo Nesbø, Der Todeskünstler von Cody McFadyen und Der Seelenbrecher und Der Augenjäger von Sebastian Fitzek haben mir auch sehr gefallen.

    AnimeY: Wie bist du zum Comic-Culture-Verlag gekommen?

    Miriam: Indem ich den Wettbewerb »Klassiker im neuen Gewand II« mit meinem Manga Frankenfaust gewonnen habe.

    AnimeY: Wie sah die Zusammenarbeit mit dem Verlag aus?

    Miriam: Das war ziemlich locker, und ich bin froh, dass meine Geschichte so wie die Charaktere fast komplett unverändert geblieben sind. Eigentlich habe ich an IAKES gearbeitet, wie ich es auch getan hätte, wenn ich keinen Verlag zur Unterstützung gehabt hätte, außer dass ich in gewissen Abständen online Rücksprache mit meinem Redakteur gehalten habe. Dabei bekam ich auch Tipps und Verbesserungsvorschläge zu Dingen, die mir selbst vielleicht nicht aufgefallen wären. Zum Schluss hat der Grafiker des Verlags den Text eingesetzt (darüber war ich sehr froh!) und auch das Cover mit dem Logo gestaltet. Das Bild auf dem Buchumschlag ist natürlich schon von mir, aber das macht ja noch kein fertiges Cover.

    AnimeY: Du möchtest die Grenzen zwischen Manga, Comic und Graphic Novels gerne »wegschmelzen«. Wie erreichst du das?

    Miriam: Man soll ja immer bei sich selbst anfangen, und das versuche ich mit IAKES. Ich finde es nicht gut, wenn so stark differenziert wird. Am Ende ist es eine Geschichte mit Bildern in Kästchen, und jemand hat viel Zeit, Arbeit und Liebe dafür investiert. Ich hoffe dass es hilft, die Leute einfach daran zu erinnern, und ich glaube ein bisschen weniger »Engstirnigkeit« gegenüber Comics (oder Manga oder Graphic Novels) ist auch im Sinne anderer Zeichner. Alleine kann ich sowieso keine Grenzen wegschmelzen, dafür bin ich nicht berühmt genug.

    AnimeY: Welchen Begriff (Manga, Comic, etc.) verwendest du selbst für IAKES?

    Miriam: Ich sage dazu »Comic«, ich denke, das klingt allgemein.

    AnimeY: Wie sieht dein Alltag als Zeichnerin aus?

    Miriam: Als ich mit IAKES zu tun hatte, habe ich den Großteil meiner Zeit in irgendeiner Form einzig und allein damit verbracht. Zu Anfang gab es viel zu recherchieren. Wie schon erwähnt, habe ich mich mit Shintoismus und Buddhismus beschäftigt, und für den Krimi-Anteil habe ich ein Buch über Profiling gelesen (genauer gesagt eine Biografie, nämlich Ich bin Profiler von Pat Brown mit Bob Andelman) und in meinem Serienmörder-Lexikon geblättert. Dann habe ich einen Plot geschrieben und das Storyboard gezeichnet, und das allein hat schon ziemlich lange gedauert, bis ich endlich mit dem Skizzieren, dem Tuschen und dem Rastern anfangen konnte.
    Damit fertig zu sein, war ein komisches Gefühl, irgendwie leer und arbeitslos. Momentan verbringe ich viel Zeit damit, meine gestalterischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Ich probiere neue Techniken, neue Herangehensweisen und lerne Sachen zu zeichnen, in denen ich noch nicht so gut bin oder denen ich mich einfach noch nie wirklich gewidmet habe. In meinem Kopf entsteht sogar so langsam eine neue Geschichte, die darauf wartet, geschrieben oder gezeichnet zu werden. Das könnte mein nächstes Projekt sein. Bisher ist es nur ein persönliches Projekt, aber ich würde mich freuen, wenn mehr daraus werden würde.

    AnimeY: Hast du andere Zeichner als Vorbild?

    Miriam: Jein. Was das Comiczeichnen betrifft, bewundere ich die tollen Outlines von Takeshi Obata. Davon abgesehen habe ich weniger konkrete Personen als Vorbild. Zum Beispiel mag ich alte Plakate, Filmposter, Werbung und Pin-Ups aus den Fünfzigerjahren sehr. Aber ich liebe auch Concept Art, besonders von Videospielen. Von beidem lasse ich mich gern beeinflussen, ohne dabei auf einen bestimmten Künstler fixiert zu sein.

    AnimeY: Was tust du bei einem Krea-Tief?

    Miriam: Oh nein, Krea-Tiefs sind ganz, ganz schlimm. Also erstmal versuche ich, auf Biegen und Brechen doch noch was hinzubekommen, bis ich furchtbar wütend werde. Dann quengle und nörgle ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit darüber. Und dann endlich sehe ich ein, dass ich was ganz anderes machen muss. Das fällt in dem Moment sehr schwer, aber ich glaube, dass es dann immer das Beste ist, sich abzulenken. Einfach faul sein oder was Schönes unternehmen und irgendwie den Kopf freikriegen.
    Außer es gibt eine nützlichere Alternative, wie zum Beispiel wenn es wieder etwas zu recherchieren gibt.

    AnimeY: Wie empfindest du die Manga-Szene bezogen auf die hiesigen Zeichner und die Chancen, ein Publikum für die eigenen Werke zu finden?

    Miriam: Ich empfinde es als schwierig und eher eingeschränkt, aber es ist zumindest besser als früher (soweit ich das sehe jedenfalls), und das lässt hoffen. Da gibt es Parallelen zu der Frage, was es denn nun ist: ein Manga, ein Comic oder eine Graphic Novel. Viele sind festgefahren in ihrer Meinung, und so werden einige Werke von vornherein abgestempelt, und einiges gar nicht erst in Betracht gezogen. Der eine liest keine Mangas weil er oder sie nur Graphic Novels mag, ein wieder anderer mag ausschließlich Mangas, aber nur von japanischen Zeichnern. Dabei verpasst man aber vielleicht was, wäre doch schade.

    AnimeY: Kann man dich dieses Jahr auf irgendwelchen Veranstaltungen antreffen?

    Miriam: Das würde ich nicht ganz ausschließen, aber ich habe diesbezüglich auch keine Pläne. Falls ich mir doch überlege, irgendwo aufzukreuzen, werde ich es aber garantiert online ankündigen, in meinem Blog, auf Twitter und wo ich sonst noch so bin.

    AnimeY: Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt oder hast Ideen für ein solches?

    Miriam: Oh, ja. Ich hatte die mögliche Kurzgeschichte zu IAKES und das »persönliche Projekt« bereits kurz angesprochen. Auch wenn ich nichts versprechen kann, verrate ich bei dieser Gelegenheit trotzdem ein bisschen was. Bei der Kurzgeschichte dachte ich an einen kleinen Rückblick in die Zeit vor Nangs Tod und vor IAKES. Das andere sollte wieder eine längere Story sein. Dieses Mal nicht ganz ein Krimi, aber mit Krimi-Elementen. Außerdem habe ich Lust, es in der Zukunft anzusiedeln und mit etwas mehr Action, als man es von mir gewohnt ist, weil das (für mich) mal was Neues wäre. Einen Nebencharakter habe ich bereits entworfen, aber die Idee zur Handlung ist noch nicht komplett, und ich muss mir noch ein paar Gedanken zu den restlichen Charakteren — besonders zum Hauptcharakter — machen. Darum tu ich einfach erstmal, was ich für richtig halte, und dann wird sich zeigen, was daraus wird.

    Das AnimeY-Team bedankt sich herzlich bei Miriam Esdohr für dieses Interview.

    Cover © by Comic-Culture-Verlag/Miram Esdohr • Berlin 2014
    Illustrations © by Miriam Esdohr

    fallenshadow
    Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch