Interview mit Tatsuhiro Mizutani

    Sumikai
    Sumikai

    Vor Kurzem haben wir euch, nach unserem kleinen Ausflug nach Düsseldorf, das erst Manga Café Deutschlands, den Manga Hof von Tatsuhiro Mizutani vorgestellt. Das war uns aber noch nicht genug. Wir wollten mehr wissen und haben uns mit ihm zu einem kleinen Interview getroffen.

    Sumikai

    In Japan gibt es ja schon sehr lange Mangacafés. Woher kam die Idee jetzt ein Mangacafé in Deutschland zu eröffnen?

    Ich dachte mir, warum gibt es denn sowas noch gar nicht.

    Ich habe vorher im Nikko Hotel in der Karaoke-Bar gearbeitet und wusste das Karaoke schon in den Wortschatz der Deutschen übergegangen ist und ich glaube so langsam ist das auch mit Manga der Fall.

    Wollten Sie in Deutschland ein Mangacafé eröffnen das exakt genauso ist wie die in Japan?

    In Japan gibt es viele Mangacafés direkt neben Bahnhöfen und ich dachte dass es besser wäre wenn auch hier das Café in der Nähe vom Bahnhof wäre, aber es ist schwierig eine gute Lage zu finden. Die Immermannstraße war auch eine Überlegung von mir, aber dort wurde ich überall abgelehnt. Da es hier keine Mangacafés gibt konnte sich die Vermieter darunter wohl nichts vorstellen, bzw. das nicht verstehen. Auch die notwendigen Unterlagen und Lizenzen zu bekommen hat recht lange gedauert.

    (Anm. des Interviewers: Das finde ich sehr interessant, bedenkt man dass die Immermannstraße DIE Japanstraße hier in Düsseldorf ist und man meinen könnte, dass nachdem einige Läden leer stehen, die Vermieter gerne wieder Japanbezogene Mieter haben wollen.)

    In Japan gibt es in Mangacafé hauptsächlich private kleine Räume, aber die Deutschen scheinen das nicht gerne zu mögen, daher habe ich eine größere Freifläche eingerichtet. Die Kabinen und Räume werden bisher nur von Japanern genutzt. Japaner lesen Manga gerne im Liegen, etwa gemütlicher.

    Das Café wurde ja erst am 18. Juli eröffnet, sind seitdem schon viele Kunden gekommen?

    In den ersten zwei Wochen waren es höchstens 5 Leute pro Tag, aber seit den Artikeln in der Rheinischen Post und anderen Zeitungen sind es am Wochenende mittlerweile etwa 20 Leute. Es wird langsam mehr. Im Durchschnitt bleiben Deutsche etwa eine Stunde, Japaner im Durchschnitt zwei Stunden. Das längste waren mal 9 Stunden. Am Anfang waren es mehr Japaner, aber in letzter Zeit sind es mehr Deutsche. Ich würde sagen etwa 60-70% sind Deutsche.

    Was halten denn die Japaner von ihrem Café? Haben sie das gleiche Gefühl wie in einem Mangacafé in Japan?

    Von einigen Bekannten habe ich gehört dass es etwas anders ist, dass sie von einem Mangacafé erwarten würden dass es enger ist und weniger Manga hat als hier. Aber darüber hinaus hat es ein ähnliches Gefühl.

    Wie viele Manga haben Sie hier genau?

    Japanische Manga etwa 11.000 und Deutsche bisher etwa 500, aber vor allem die Deutschen Manga möchte ich noch mehr ausbauen für meine deutschen Kunden.

    Gibt es auch Manga in anderen Sprachen?

    Ich wurde schon gefragt ob ich nicht auch englische Manga bereitstellen könnte. Momentan fehlt mir dazu der Platz, aber ich habe das Gefühl ich sollte etwas weniger japanische Manga in die Regale stellen und auch englische Manga mit aufnehmen. Es scheint auch dass die deutsche Übersetzung von Mangas manchmal nicht so gut und die englische Version besser/näher am japanischen Original ist.

    Wie oft kommen neue Manga zu dem Bestand dazu? Und müssen Sie aufgrund von Platzproblemen auch manchmal wieder welche aus den Regalen nehmen?

    Jeden Monat kommen etwa 30-50 Bände der aktuell erschienenen Manga dazu.

    Der Platz ist tatsächlich begrenzt und ich denke dass ich nicht so populäre Manga vielleicht aus den Regalen nehmen und woanders lagern werde. Es wird dann eine Liste geben mit den Manga die man lesen könnte, auch wenn sie nicht in den Regalen stehen.

    Welches ist denn Ihr Lieblingsmanga?

    Das ist schwierig…

    In letzter Zeit lese ich gerne Vagabond und Slam Dunk von Inoue Takehiko.

    Welchen Manga würden Sie jemandem empfehlen der in ihr Café kommt und noch nie einen Manga gelesen hat?

    Ich denke für Kinder würde ich die bekannten Manga One Piece oder Naruto empfehlen, für Erwachsene vielleicht Death Not; Nana ist auch gut. Für Deutsche, die meisten Japaner kennen Manga.

    Ich habe gehört Sie haben außer Manga auch noch Zeitschriften und DVDs die für die Kunden bereit stehen, stimmt das?

    Die DVDs stehen noch nicht alle im Regal, aber ich habe einige Anime und DVDs für Kinder (Anm. des Interviewers: hier hat er mir eine große Tasche voller DVDs gezeigt die ich mir am liebsten mal mit nach Hause genommen hätte…). Die kann man in den Räumen sehen und ich habe auch eine PS4 zum ausleihen. An Magazinen habe ich zum Beipspiel Jump, oder auch Fashion Magazine (wie AnAn oder JJ) und Tageszeitungen.

    Wie ich sehe gibt es hier neben den freien Getränken auch Nudelsuppen zu kaufen, haben Sie vor das Angebot noch weiter auszudehnen?

    Wenn noch mehr Gäste kommen, dann würde ich auch gerne Kuchen oder so etwas bereitstellen. Momentan wäre es zu schade wenn die Sachen nicht gegessen würden, deshalb biete ich nur Sachen an die nicht leicht verderblich sind. Wie zum Beispiel die Instantsuppen oder tiefgekühlte Speisen die man in der Mikrowelle zubereiten kann. Ich bin ein Fan von Süßigkeiten und würde diese auch gerne anbieten, aber durch den Import werden diese oft sehr teuer und das wäre nicht gut für meine Kunden.

    (Anm.: vollständige Speisekarte in der Galerie)

    Ihr Mangacafé ist ja das erste in ganz Deutschland. Haben Sie darüber nachgedacht das Konzept, wenn es gut läuft, auch in andere Städte zu bringen?

    Darüber habe ich schon mal nachgedacht. Vor kurzem war jemand von NipponNip aus München hier und er meinte dass es in München kaum Gelegenheit gäbe japanische Manga, Bücher und Zeitschriften zu lesen und dass ich doch auf jeden Fall auch in München ein Café eröffnen solle. Wenn das Café ein bisschen bekannter geworden ist und mehr Leute kommen, dann könnte man darüber nachdenken.

    Machen Sie denn schon viel Werbung?

    Bis jetzt noch nicht so sehr. Ich denke ich sollte noch mehr Werbung machen. Auf Facebook mache ich Werbung und ab Oktober ist das Café auch in der NewsDigest vertreten. Ich denke ich muss eine Homepage erstellen, aber bis jetzt habe ich nur eine Facebook-Seite.

    Gibt es eine Punkte-/oder Kunden-Karte?

    Es gibt eine Mitgliedskarte die man braucht wenn man die Kabinen oder Räume benutzt. In Zukunft würde ich gerne auf diesen einen Barcode anbringen, dann könnte man diese als Punkte Karte verwenden. Ich werde auch oft nach Gutscheinen gefragt, das ist bis jetzt aber auch noch nicht möglich.

    Wie stellen Sie sich vor dass sich das Mangacafé in Zukunft entwickeln soll?

    Ich möchte unter den Deutschen das Manga lesen bekannter machen, vor allem bei Erwachsenen. Ich denke die meisten halten Manga für Kinderbücher, während in Japan die Manga sehr bekannt und beliebt sind und auch oft als Grundlage für Doramas oder Filme dienen. Ein Ziel ist daher auch dass irgendwann das Verhältnis von japanischen und deutschen Manga etwa 50/50 ist.

    Herr Mizutani arbeitet zur Zeit ganz alleine in dem Café und stemmt jeden Tag 12 Stunden Schichten. Darauf angesprochen lächelt er nur und meint aus Japan sei er es gewohnt lange Zeiten ohne Pause zu arbeiten und damit verglichen sei seine Arbeit jetzt gar nicht so anstrengend. Er ist einem auf jeden Fall sofort sympathisch und hat uns mit seinem Konzept überzeugt.