Interview mit Tilman Eberle, Head of Marketing and Communications bei Viewster

    Seit letztem Jahr macht Viewster, mit neuen Anime Lizenzierungen, stark auf sich Aufmerksam. Der letzte Clou war der Simulcast von Naruto Shippuden. Wir haben mit Tilman Eberle gesprochen und wollten wissen, was ihr noch erwarten könnt und wo Viewster hin möchte.

    Stellt Viewster bitte kurz vor.
    Viewster ist ein führender Online Videodienst mit einem weltweiten Publikum. Die rasant wachsende Auswahl von Anime-Serien – sowohl neue Simulcasts als auch Klassiker – machen Viewster zu einer Anlaufstelle für Anime-Fans in Europa, Nordamerika und Australien. Aber auch Liebhaber von Thriller, Horror und ausgefallener Unterhaltung finden auf der Plattform bislang versteckte Schätze. Regelmäßig findet auf www.viewster.com das größte Online Filmfestival der Welt statt, das die Kreativen der Szene mit Zuschauern und Fans zusammenbringt. Wer zu Viewster kommt, sucht nicht nach Mainstream. Alle Viewster-Inhalte sind offiziell lizenziert, kostenfrei verfügbar und werbefinanziert (AVOD).

    Seit wann gibt es Viewster?
    Viewster gibt es seit 2008. Mit Anime haben wir 2012 angefangen – und seit letztem Jahr setzen wir verstärkt auf dieses Segment.

    Tilman Eberle
    Tilman Eberle

    Wieso habt ihr euch dazu entschieden, euer Anime-Programm so massiv auszubauen?
    Animes sind mit ihren vielschichtigen Stories und ihren spannenden Charakteren ein faszinierendes Genre – und es gibt große und aktive Anime-Communities, deren Engagement uns wirklich begeistert. Wir glauben, dass vor allem in Europa der Anime-Markt noch unterversorgt ist. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, Anime hier eine neue Heimat zu geben und eine führende Plattform zu werden, um Animes zu schauen, Neues zu entdecken und sich untereinander auszutauschen.

    Habt ihr vor, euer Angebot an Animes mit deutschen Dubs auch auszubauen?
    Das ist derzeit nicht geplant. Wir setzen auf Untertitel, auch weil wir die japanischen Originalversionen zugänglich machen und den ursprünglichen Charakter der Animes erhalten wollen. Und es geht uns darum, bei den Simulcasts möglichst schnell zu sein – aus zeitlichen und rechtlichen Gründen können wir da gar keine Synchronisation anbieten. Die Vertonung einzelner Titel kann ich für die Zukunft zwar nicht ausschließen, aber darauf liegt sicher nicht unser Fokus.

    Wie entscheidet ihr, ob ihr einen Anime in euer Programm aufnehmt? Gibt es eine spezielle Ausrichtung oder möchtet ihr lieber ein gemischtes Angebot?
    Wir arbeiten eng mit den japanischen Anbietern zusammen und sind immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. Auch das Feedback von den Fans ist für uns wichtig. In Deutschland streben wir an, in kurzer Zeit der Streamingdienst mit dem breitesten Angebot zu sein – mit einer gesunden Mischung aus Katalogtiteln und Simulcasts. Aber natürlich steht das Programm in Deutschland nicht isoliert da, denn wir sind eine internationale Plattform und müssen die Lizenzierung auch mit den Möglichkeiten in anderen Ländern abstimmen.

    Könnt ihr schon sagen, wie die bisherige Resonanz von Anime Fans ist?
    Wir freuen uns sehr über das Interesse und die Offenheit, mit denen wir in Deutschland und in anderen Ländern aufgenommen werden. Wir hören sehr aufmerksam zu und sind wenn immer möglich auch direkt ansprechbar. Das merken die Fans und geben uns ein sehr positives Feedback.

    Inwieweit können eure Zuschauer mit entscheiden? Haben sie die Möglichkeit, Wünsche zu äußern oder Verbesserungen vorzuschlagen?
    Immer her damit! Davon können alle nur profitieren. Wir machen das ja nicht für uns, sondern für die Zuschauer. Ein Wunschkonzert können wir natürlich nicht versprechen, besonders was das Programm betrifft. Denn die Lizenzierung von Shows ist ein Prozess mit vielen Faktoren und nicht jede Show, die jemand gerne sehen würde, ist für uns auch verfügbar. Trotzdem: Es ist für uns enorm wichtig zu hören, was gewünscht wird.

    Mit Naruto Shippuden habt ihr ja nun einen der beliebtesten Animes und Mangas weltweit im Programm. Da es sich um ein Simulcast handelt, kann man ja davon ausgehen, dass ihr erst einmal mit aktuellen Folgen anfangt. Ist es geplant, auch die älteren Folgen in euer Programm aufzunehmen?
    Wir versuchen unser Bestes, damit wir bald auch ältere Naruto-Episoden anbieten können. Aber ihr wisst ja selbst, wie beliebt Naruto ist… das macht den Lizenzierungsprozess nicht unbedingt einfacher. Daher können wir momentan noch nicht sagen, wie viel vom Backkatalog wir dann tatsächlich zeigen können.

    Könnt ihr uns verraten, welche Animes ihr noch plant in euer Programm mit aufzunehmen?
    Wir sind gerade dabei, eine Vielzahl weiterer Lizenz-Abkommen abzuschließen. Weil dieser Prozess noch läuft, kann ich im Moment leider noch keine Titel nennen. Aber ihr könnt sicher sein, dass wir es sehr ernst meinen mit Anime und in diesem Jahr noch eine Menge passieren wird!

    Mal persönlich gefragt, gibt es einen Wunschtitel, den ihr gerne ins Programm aufnehmen würdet?
    Es gibt unendlich viele Titel, die wir gerne bei uns auf der Plattform hätten und die auf unserer Einkaufsliste stehen. Einige unserer All-Time-Favourites sind zum Beispiel Attack on Titan, Death Note oder Black Lagoon. Wir hoffen, dass wir auch diese Highlights bald anbieten können.

    Gibt es Überlegungen, die abseits vom Streaming liegen? Also zum Beispiel eigene Dubs zu produzieren oder Merchandise anzubieten?
    Das ist eine gute Frage. Dazu können wir in einiger Zeit mehr sagen – momentan konzentrieren wir uns erst mal darauf, den Programmausbau massiv voran zu treiben.

    Viewster ist ja ein global operierender Anbieter, inwieweit unterscheiden sich die Anime-Märkte in den Ländern?
    Unsere wichtigsten Regionen sind Westeuropa, Nordamerika und Australien – hier sehen wir großes Potenzial und glauben, dass das Marktangebot noch längst nicht dem Interesse der aktiven Anime Communities entspricht. Das wollen wir für den Streamingbereich ändern. Von Markt zu Markt gibt es in unserem Angebot natürlich auch Unterschiede, was die einzelnen Titel betrifft. Aber was wir in Deutschland schon heute zeigen können und was wir noch in diesem Jahr in unser Programm aufnehmen werden – darauf sind wir besonders stolz.

    Werden wir Viewster auch auf Conventions antreffen?
    Ja, auf jeden Fall! Der direkte Kontakt zur Fan-Community ist für uns ganz besonders wichtig. Wir fangen dieses Jahr in mit Anime Japan in Tokio an, sind gleichzeitig in Leipzig und werden danach in London (MCM) und Paris (Japan Expo) sein. Wo wir außerdem in Deutschland hingehen, haben wir noch nicht final entschieden.

    Ihr bietet ja neben Anime auch viele andere Serien und Filme, was habt ihr 2015 in diesem Bereich geplant?
    Wir haben uns auf Nischeninhalte spezialisiert – also auf Serien und Filme, die man eben nicht überall findet. Anime ist aber ganz klar unser Schwerpunkt und wird auch weiterhin eine extrem wichtige Rolle bei uns spielen. Und dann gibt es da noch unser besonderes Baby, das Viewster Online Film Fest (#VOFF). Mit einer Million Besuchern ist es das weltweit größte Online-Filmfestival überhaupt. Letztes Jahr hat es bereits viermal stattgefunden – und auch für 2015 sind drei neue Ausgaben geplant. Das nächste Mal findet es im März statt und steht ganz im Zeichen von Animation. Zwei weitere Editionen später im Jahr werden dann Anime gewidmet sein – das ist in dieser Form spannendes Neuland für uns alle.

    Gibt es etwas, das ihr den Fans gerne mit auf den Weg geben wollt?
    Wir freuen uns, wenn Ihr im März unser #VOFF5 besucht und mit darüber abstimmt, welche Filme vor die Jury kommen sollen. Die meisten Beiträge sind vorher noch nie gezeigt worden und wir können einige ganz edle Perlen versprechen. Aber mindestens genauso wichtig: Bitte sprecht weiter mit uns! Ihr findet Viewster auf Twitter, Facebook, Instagram, bald mit einem eigenen Anime Channel auf Youtube und natürlich auf unserer Webseite. Je enger der Austausch mit Euch ist, desto besser können wir unser Angebot weiter entwickeln.

    Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns auf weitere Animes in eurem Programm.

    Micha
    Ein alter Hase im Geschäft. Seit Akira 1991 in die deutschen Kinos kam, brennender Anime-Fan und noch die gute alte Zeit miterlebt als Carlsen Manga in Farbe und Bunt auf den Markt brachte. Ghost in the Shell Fan der ersten Stunde und bevorzugt mittlerweile Slice of Life Anime

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