KÖLNSYNCHRON im Interview mit Sumikai

    Kölnsychron
    © KÖLNSYNCHRON

    Wer Jormungand oder TariTari und natürlich Das Leben des Budori Gusko gesehen hat, kennt die Arbeit des Synchronstudios KÖLNSYNCHRON. Wir haben uns Daniel und Lars geschnappt und mit ein paar Fragen gelöchert über die Arbeit in einem Synchronstudio.

    Stellt euch bitte einmal vor, wer seid Ihr, was macht Ihr?

    Daniel: Hey ich heiße Daniel Käser, bin Sprecher und Regisseur und habe mit Lars vor kurzem unsere Firma KÖLNSYNCHRON gegründet.
    Dort bin ich häufig in der Synchronregie tätig, checke Texte und begleite den Kreativprozess wie Castings etc.
    Als Sprecher hat man mich in der Anime-Szene vielleicht schon mal in The Devil is a Part-Timer!, Magi oder Blue Exorcist gehört.

    Lars: Hi, ich heiße Lars Falinski und bin hauptsächlich für die Produktionsleitung verantwortlich. Des Weiteren kümmere ich mich um den ganzen anderen Kram, auf den Daniel keine Lust hat (wie Buchhaltung) ;-). Natürlich darf auch nicht der kreative Prozess fehlen. Da können schon ein paar Tage in der Opiumhöhle draufgehen. Ernsthaft: Wir teilen uns die Arbeit so gut es geht auf. Je nachdem wer in welchem Bereich stärker ist…

    Wie kommt man dazu ein Synchronstudio zu eröffnen?

    Lars: Liebe zum Synchron? Ich denke das ist die beste Antwort

    Daniel: Richtig. Wir haben vor der Firma schon länger in der Branche gearbeitet und freiberuflich deutsche Synchronfassung produziert. Da war eine eigene Firma nur die logische Konsequenz. Außerdem sind wir der Meinung das Köln mehr kompetente Synchronfirmen gebrauchen kann. Hier gibt es viele tolle Schauspieler/Sprecher die es zu fördern gilt.

    Daniel
    Daniel von Kölnsynchron

    Sind die Synchronsprecher feste Mitarbeiter oder Freelancer?

    Lars: Na, das sind natürlich Freiberufler.

    Daniel: Festangestellte Synchronstimmen gibt es quasi gar nicht. Das wäre ja auch schrecklich, da man sonst immer die gleichen hören würde.

    Wie wählt Ihr die Synchronsprecher für die jeweilige Produktion aus?

    Lars: Das ist ein ewig langer Prozess. Falls der Auftraggeber uns die Freiheit gewährt, alleine entscheiden zu dürfen, kann es schon einige Zeit in Anspruch nehmen.
    Ihr müsst wissen, dass wir ein bissl pingelig sind. Da kommen dann mal so Argumente wie „Ne, den Sprecher hört man doch in letzter Zeit dauernd“, „Zu langweilig“, „Fällt dir nix besseres ein?“ etc. Am liebsten würd ich für jede Produktion komplett andere Leute nehmen, aber das ist fast unmöglich. Ich mag neue und frische Stimmen, oder Sprecher die man nur noch wenig bis gar nicht mehr hört. Es ist schön, alte Hasen mit Neuankömmlingen zu vereinen. Wichtig ist natürlich, dass die Stimme und der Schauspieler auf die Rolle passt. Da ist es dann auch egal wenn jemand aus Hamburg, Berlin oder Köln kommt. Wir versuchen alles, um den Schauspieler zu bekommen.

    Daniel: Ich muss bei einer Produktion immer erst ein Gefühl für die Serie oder den Film so wie für die Rollen selbst entwickeln. Manchmal ist der erste Impuls zwar richtig, aber häufig lohnt es sich, sich erst intensiv mit dem Charakter der Figur zu beschäftigen, eben ein Gefühl für sie zu entwickeln. Es geht halt um mehr als nur „hohe Stimme/tiefe Stimme“ oder „Jung/Alt“. Wenn man einen Synchronsprecher bucht, kauft man auch immer ein Stück Persönlichkeit mit. Und das muss passen.

    Ist es bei größeren Produktionen schwer alle Synchronsprecher ins Studio zu bekommen?

    Lars: Kommt drauf an wie viel Zeit man hat und wen man buchen möchte. Ist manchmal eine echte Herausforderung.

    Wie sieht der Ablauf bei einer Produktion aus, wie fängt es an und womit endet es?

    Daniel: Erst mal mit nem Angebot an den Kunden. Da spielen auch Termine zB eine Rolle. Überlegungen welches Team sich für die jeweilige Produktion eignet. Takes spotten, Synchronbücher anfertigen…

    Lars: Man schaut sich die Serie oder den Film an, schnappt sich ein paar Kölsch und denkt über die Besetzung nach. Dann sprechen wir uns ab, wer wen am besten übernehmen sollte, bucht, nimmt auf, dann kommt der Schnitt und zum Schluss wird abgemischt… Puh das ist eigentlich so viel mehr, ich müsste mehrere Seiten füllen.

    Kommt es öfter vor, dass Synchronsprecher in laufenden Produktionen mit mehreren Filmen oder Staffeln der Serie gewechselt werden müssen?

    Daniel: Häufig ist übertrieben, aber es kommt natürlich vor. Bei uns noch nicht zum Glück, toi toi toi, aber man weiß ja nie. Es kann so viele Gründe für einen Sprecherwechsel geben…

    Lars: Vielleicht möchte jemand die jeweilige Rolle nicht mehr sprechen sprechen, ist ins Ausland gezogen, gesundheitlich verhindert, wird vom Auftraggeber ausgetauscht oder weiß der Kuckuck. Sind doch alles nur Menschen, oder? 🙂

    Lars
    Lars von Kölnsynchron

    Was ist für euch einfacher zu produzieren, eine reale Produktion oder eine animierte Produktion?

    Daniel: Der synchrontechnische Aspekt vorm Mikrofon ist bei animierten Sachen oft einfacher. Wobei Japaner ja doch oft häufig wenig bis kaum Wert auf Synchronität legen. Die Animation klappert dann lustig vor sich hin und im Studio schwitzen alle Parteien um es zu retten. Schwierig sind bei Anime gute Texte hinzukriegen da sich Sprache und Kultur halt sehr unterscheiden und es manchmal tricky ist entsprechende Äquivalente zu finden.
    Ich würde sagen beide Sachen haben ihre eigenen Herausforderungen.

    Lars: Egal ob animiert oder real, da wird immer Vollgas gegeben. Wir machen es uns nie leicht und das ist wichtig!

    Gerade gegenüber dem Genre Anime gibt es ja einige Vorteile, ist es hier schwieriger Synchronsprecher zu finden?

    Lars: Es gibt Schauspieler, die Anime oder auch Cartoons nicht besonders mögen.
    Muss man respektieren. Es kursieren hier und da ja Gerüchte, dass der ein oder andere keine Anime mehr sprechen möchte. Ob das wohl stimmt? Keine Ahnung.
    Bis jetzt hatten wir keine Probleme, Leute für unsere Produktionen zu finden.

    Daniel: Sehr viele, gerade ältere Schauspieler gucken halt keine Anime. Manche wissen dann damit nichts anzufangen. Was für sie die Arbeit dann auch schwierig macht. Da braucht es dann ein fähiges, gutes Produktionsteam welches die Leute an die Hand nimmt und erklärt, ermutigt etc.
    Wie beim Realfilm gibt es ja auch beim Zeichentrick wertigere und weniger wertige Produktionen. Manchmal sind die Leute dann dadurch abgeschreckt.
    Aber wie Lars schon sagte, wir hatten da bisher noch keine schlechten Erfahrungen gesammelt.

    Es gibt ja die seltenen Fälle, in denen, die Produktionen sehr lange laufen oder mit einigen Jahren dazwischen nach Deutschland kommen. Wie geht Ihr damit um, dass die Synchronsprecher ja in der Zeit älter werden und sich ihre Stimmen verändern?

    Daniel: Das ist Abwägungssache. Im Idealfall besetzt man von vorne rein so gut das ein Spielraum von ein paar Jahren kein Hindernis ist.

    Lars: Ist doch schön wenn sich die Stimme verändert. Das ist doch das tolle am altern. Manche Stimmen sind dadurch noch um einiges charismatischer geworden. Hört euch mal Torsten Sense oder Frank Schaff an – die haben mittlerweile ordentlich Siff in der Stimme. Einfach cool. Ich würde dann auch nicht umbesetzen, es sei denn es sind viele, viele Jahre bis zur neuen Produktion vergangen.

    Was war die für euch bisher seltsamste Produktion, die Ihr erstellt habt?

    Lars: Ganz ehrlich, unsere Synchronfirma gibt’s noch nicht so lange. So richtig seltsam war noch gar nichts, aber das kommt bestimmt noch auf uns zu 😛

    Daniel: Das Leben des Budori Gusko war herrlich abstrakt und dadurch manchmal etwas seltsam im allersten Augenblick. Ein großer Spaß! 🙂

    Was war eure lustigste Produktion?

    Lars: Also lustig ist es bei uns immer. Wir finden es megawichtig für eine angenehme und lockere Atmosphäre zu sorgen. Dabei natürlich immer professionell bleiben, schließlich wollen wir eine tolle Arbeit abliefern.

    Daniel: Jormungand hat sich bisher am ehesten für witzige Sprüche angeboten. Da haben wir viel gelacht. Eine reine Komödie wäre mal echt cool zu bearbeiten.

    Wie steht Ihr zu der deutschen Anime Szene?

    Lars: Die ist ja momentan wieder am boomen, für eine Zeitlang sah es ja ziemlich schlecht aus wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
    Die Szene könnte meiner Meinung nach noch größer werden und auch akzeptierter. Ich bin in Spanien aufgewachsen, das war in den 90igern. Schon damals waren Anime sehr beliebt und wurde auch von der Masse konsumiert. Den Begriff Anime kannte ich allerdings damals noch nicht, ich sagte einfach nur „Ahh cool, ein Mangafilm“.
    Man schaute Ranma 1/2, Dragon Ball, Saint Seiya, Yu Yu Hakusho, Akira etc. Da lief alles mögliche im Fernsehen. Bestes Beispiel ist der Dragon Ball-Film „Battle of Gods“. Der kam mit Hilfe von Fans in die spanischen Kinos, sogar für die Stammsprecher haben sich die Fans eingesetzt. Crazy!
    Hier in Deutschland sind Anime immer noch ein Nischenprodukt, Es gibt aber auch negatives: Manche Fans sind unverschämt und schreiben Dinge, die einfach unter die Gürtellinie gehen oder sind einfach nur ignorant und stur. Wenn einer schreibt, er findet alle deutschen Synchros scheiße weil die Sprecher „die Emotionen nicht genug betonen“, bekomm ich Anfälle.
    Vor allem sind das meist Leute, die kein Wort japanisch verstehen und nur anhand der Untertitel (meist von Fans geschrieben) der Story folgen können. Es gibt Sprecher, die Angst davor haben, von der Anime-Szene zerfleischt zu werden 😉 So krass dann auch wieder nicht, aber Ihr könnt euch ja denken was ich damit meine.

    Daniel: Ich mag an der Szene sehr das Wert auf Qualität gelegt wird und viel Feedback kommt. Manchmal kann das zwar auch anstrengend sein weil das Thema halt sehr komplex ist und man viel Ahnung braucht um mitreden zu können, aber so werden halt auch manchmal offensichtlich schlechte Synchronfassungen angeprangert.
    Da ich Filme und Serien sehr liebe, möchte ich natürlich auch selbst das eine dt. Fassung gelungen ist. Ähnlich geht es da sicher den Fans die sich primär auf Anime beschränken.
    Wenn ich Kritik ausüben sollte… Manchmal ist die Szene ein wenig unreflektiert. Auch schade finde ich das Anime mit mehr Anspruch, die mal aus den üblichen Konzepten ausbrechen wenig anklang finden. Tja, Deutschland ist nicht Frankreich/Belgien oder so wo die Comic(-Kunst)-Kultur viel mehr in der Gesellschaft verankert ist.
    Aber größtenteils kann man glaub ich happy mit der dt. Szene sein!

    Gibt es etwas, das Ihr den Zuschauern eurer Produktionen noch gern sagen möchtet?

    Lars: Wir geben immer 100000 %. Viel Spaß noch und genießt das schöne Wetter.

    Daniel: Danke für euer Interesse an unserer Arbeit! Bitte kommentiert fleißig und sagt es auch gerne weiter wenn es euch gefällt! Nur so können wir weiterhin Arbeit auf hohem Niveau liefern.

    Vielen Dank für das interessante Interview, wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit eurer Leidenschaft.

    Infos zu KÖLNSYNCHRON findet ihr auf der offiziellen Webseite.

    Micha
    Ein alter Hase im Geschäft. Seit Akira 1991 in die deutschen Kinos kam, brennender Anime-Fan und noch die gute alte Zeit miterlebt als Carlsen Manga in Farbe und Bunt auf den Markt brachte. Ghost in the Shell Fan der ersten Stunde und bevorzugt mittlerweile Slice of Life Anime