Mangaka Inga Steinmetz im Interview mit Ecki

    Inga Steinmetz Interview
    ©: Inga Steinmetz

    Erneut haben wir eine deutsche Mangaka für ein Interview gewinnen können. Auch dieses mal ist es eine Dame, die vielen Fans schon Jahre bekannt ist und deren Werke viele Leser faszinieren.
    Vom wem wir sprechen, natürlich von Inga Steinmetz aus Berlin. Eines ihrer derzeit bekanntesten Werke ist Alpha Girl, welches bei Tokyopop erscheint, aber dies ist bei weitem nicht das einzige. Schon im Jahr 2004 erschien ihre Geschichte Blau, die dann quasi ihr Start in die jetzige Laufbahn war.

    Neben ihrem Beruf als Mangaka hat sie ein Studium im kreativen Bereich absolviert und ist nach dem Abschluss als Illustratorin im selbstständigen Bereich unterwegs. Wie sie uns im Interview auch verrät, hält sie es für sehr wichtig, neben dem geliebten Beruf Mangaka auch eine Ausbildung in einen anderem Bereich zu haben.
    Erst kürzlich war sie eine weile im Ausland und hat dort neue Erfahrungen sammeln dürfen. Zu welchen Fazit sie danach für sich selber gekommen ist, das entnehmt doch einfach dem Interview.

    Ich habe mich wirklich gefreut, das sie einem Interview zugestimmt hat und habe mir dann eine ganze weile den Kopf zerbrochen was ich am besten Frage. Wie so oft sind dann eine Menge an Fragen entstanden, die ich ihr dann präsentiert habe.
    Sie hat sich auch die Zeit genommen alle zu beantworten und dabei erzählt sie frei, was sie über verschiedene Themen denkt, zudem gibt sie aber auch einige Ratschläge für alle, die ebenfalls den Berufswunsch Mangaka haben.
    Aber bevor ich hier in lange reden verfalle, lest einfach dieses schöne Interview. Hier sind meine Fragen und ihre Antworten für euch:

     

    Wie hat bei dir die Leidenschaft zum zeichnen angefangen?

    Ich habe schon als Kind viel gezeichnet aber meist Bildergeschichten, weniger Einzelillustrationen. Mein Hang zum Erzählen in Bildern und das es mir so leicht fällt, kommt sicher von den vielen Hörspielkassetten und den Geschichten, die mir meine Eltern erzählt haben.

    Wie bist du zu dem Thema Manga und Anime gekommen?

    Als Kind habe ich Animes wie Mila Superstar, Lady Oskar und Robin Hood im Fernsehen geschaut und irgendwann angefangen, den Stil zu kopieren. Besonders Sailor Moon hat mir einen großen Schub gegeben.

    Welcher war dein erster Manga, der veröffentlicht wurde?

    Ich glaube es war ein Aufklärungsmanga namens „First Love, Safety first“, den ich für Condomi gezeichnet habe, haha. Mein Debut bei einem Manga-Verlag war eine Geschichte in Manga Fieber 2 von Tokyopop namens „Stein, Schere, Papier“.

    Wie hat deine Umgebung darauf reagiert, als du an deinem ersten Manga gearbeitet hast?

    Meine Eltern waren voller Sorge und beteten mir täglich vor, mich ja nicht zu sehr darauf zu verlassen, dass es mit einer „Zeichner-Karriere“ klappt. Sie waren besorgt, wie alle Eltern, haha.

    War es schwierig einen Verlag zu finden, der dein Werk veröffentlicht?

    Für „Stein, Schere, Papier“ habe ich mich mit einem auf das Manga-Fieber-Format extra zugeschnittenen Konzept beworben. Insofern standen meine Chancen gut, genommen zu werden. Generell ist es aber immer eine Herausforderung, ein Werk bei einem Verlag unterzubringen. Der Zeichner legt seine Seele offen (im Idealfall), der Verlag will Geld verdienen – und irgendwie muss man da zusammenfinden. Manchmal klappt es, manchmal nicht.

    Welche Erfahrungen hast du bei der Suche nach einem Verlag gemacht?

    Schöne und bittere … Sehr viele meiner Bewerbungen wurden abgelehnt, geliebte Projekte eingestellt … Für einen Künstler ist das, als müsste man seine eigenen Kinder erwürgen. Aber auch das gehört zur „Erwachsenenwelt“ – Wunsch und Realität, die Ausrichtung nach dem „Markt“. Dieser Welt hält nicht jeder stand. Aber wenn man es geschafft hat und Fans dann mit glänzenden Augen am Signierstand stehen oder wildfremde Menschen meiner Bilder anhimmeln, dann streichelt das natürlich meine Seele.

    Gibt es aus deiner Sicht generelle Tipps die man jemanden für die Suche nach einem Verlag mit auf den Weg gebe kann?

    Stellt euch in der heutigen Zeit die Frage, ob ihr wirklich noch einen Verlag braucht. Viele Webmanga werden mit gutem Erfolg als Eigenproduktion verlegt und verkauft. Im Internet eine Fangemeinde zu haben ist heute wichtiger denn je. Generell ist das Internet ein guter Test, wieviele Leute ihr mit euren Werken begeistern könnt. Nirgendwo sonst erreicht ihr eine so große Verbreitung. Natürlich ist das kein Garant für einen Verkaufserfolg aber eine Tendenz lässt sich meist gut ablesen.

    Ihr müsst euch außerdem entscheiden, was für eine Art Mangazeichner ihr sein wollt – Ein „Künstler“, der darauf pfeift, dass die Leute verstehen, was er von ihnen will – oder ein „Dienstleister“, dem maximale Lesbarkeit und Verständlichkeit am Herzen liegen. Ich bin z.B. eine Mischung aus beiden aber mein Hauptaugenmerk gilt immer dem Leser: Ich will, dass er zu 90 Prozent kapiert, was ich aussagen möchte, hehe. Schöne Zeichnungen sind dann für mich das Sahnehäubchen.

    Zeichnest du nur Manga oder erstellst du auch andere Werke?

    Ich habe schon in viele Illustratoren-Schubladen hineingeschnuppert: Animation, Kinderbuch, wissenschaftliche Illustrationen, Sketchen, Charakter-Design … Mein eigentlicher Beruf ist ja Illustratorin, dementsprechend breitgefächert ist mein Aufgabenbereich.

    Womit arbeitest du am liebsten, klassisch auf Papier oder lieber Digital?

    Zurzeit klassisch: Feder und Tusche bzw. Aquarell und Copic.

    Wie viele Werke hast du bisher veröffentlicht in Deutschland?

    9 oder 10 Verlagswerke müssten es sein.

    Würdest du gern mal einen Manga in Japan veröffentlichen?

    Mein Wettbewerbsbeitrag für „Manga Audition“ wird im Februar in einer Hardcoverausgabe in Japan veröffentlicht, außerdem stehe ich in Verhandlungen mit einem koreanischen Verlag. Ich denke seit letzten Jahr viel globaler, also, klar möchte ich in möglichst vielen Ländern veröffentlichen, das beschränkt sich aber nicht nur auf Japan.

    Wie wichtig sind die Conventions und Messen?

    Sie sind die Belohnung für monatelange, einsame harte Arbeit, also: Sehr wichtig!

    Du gibst selber ja auch Workshops für Interessierte. Derzeit läuft eine Aktion vor Weihnachten. Wie kam es dazu?

    Mein ehemaliger Dozent Bernd Pohlenz hat mir jemanden vermittelt, der einen Ort für Workshops zur Verfügung stellen konnte und daraus ergaben sich dann regelmäßige Treffen. Sie waren schnell so beliebt, dass ich auch 2014 damit weitermachen werde. Interessierte können mir ja eine Mail schreiben.

    Du warst vor einer weile in Korea. Warum gerade das Land und nicht Japan?

    Generell reise ich gerne und bin neugierig auf andere Länder. Der Aufenthalt in Korea war ein von Tokyopop und dem koreanischen KOMAKON-Institut gesponserter Trip zum kulturellen Austausch mit anderen Zeichnern. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass diese zwei Monate mit das Beste waren, was mir in den letzten drei Jahren passiert ist.

    Welcher Erfahrungen und Eindrücke hast du aus deiner Zeit dort mitgenommen?

    Außerhalb Deutschlands pulsiert die Comic-Szene und wir tun gut daran, den Austausch zu suchen, Erfolgskonzepte zu übernehmen und nicht immer nur nach Japan zu schielen. Zurzeit verfolge ich sehr wohlwollend, wieviel Leute sich unabhängig von Verlagen durchbeißen und im Netz erfolgreich sind. Das ist auch in anderen Ländern auf dem Vormarsch. Für einen angehenden Zeichner ist es immens wichtig, auch ausländische Vorgänge zu beobachten, erfolgreiche Geschichten zu analysieren, ihren Erfolg zu ergründen. In Zeiten des Internets stehen uns alle Tore offen und man sollte seinen Fühler in viele Richtungen ausstrecken.

    Ansonsten fehlt mir das Land als solches schon sehr … Auf meiner Homepage gibt es einen kleinen Korea-Blog mit wunderschönen Photos meiner Reise. Wenn ich ihn lese, bekomme ich gleich Fernweh. Außerdem vermisse ich das koreanische Essen, haha.

    Würdest du wieder nach Korea gehen oder soll es das nächste mal in ein anderes Land gehen?

    Ich würde immer wieder gerne nach Korea fliegen aber genauso gern auch andere Länder bereisen. Und Japan steht definitiv weiter auf meiner Liste.

    Wie schwer ist das Leben als deutsche Mangaka für dich? Kannst du allein davon oder hast du mehrere Jobs?

    Wenn man grad kein großes Projekt am Laufen hat, muss man Mittel und Wege haben, seine Miete und Lebenskosten weiter zu finanzieren. Deshalb predige ich immer, neben dem Mangazeichnen einen „richtigen“ Beruf zu erlernen, der einen in schwierigen Zeiten über Wasser hält. Ich nehme immer nebenbei Auftragsarbeiten von verschiedenen Firma an, die etwas zusätzliches Geld in die Kasse spülen. Auch die Workshops helfen mir, mein Leben bescheiden leben zu können. Reich wird man als Mangazeichner hierzulande aber nicht.

    Was für Pläne hast du im Jahr 2014, gibt es etwas das du schon verraten magst?

    Ja, es sind neue Projekte in der Mache, über die ich aber noch nichts verraten will. Was ich verraten kann, ist, dass ich am 24. Januar eine Kunst-Ausstellung on Cottbus haben werde. Zu sehen sein werden Bilder zu meiner Serie Alpha Girl, Original Mangaseiten und eine Auswahl meiner Korea-Projekt-Illustrationen. Wer meine Aquarelle also mal live sehen möchte, kann dort vorbeischauen. Mehr Infos dazu gibt’s auf meiner Homepage.

    Auch meine Figur „Schneeballen“ wird in diesem Jahr eine große Rolle spielen. Sie ist sehr beliebt und ich zeichne sie einfach gerne, da kommt also sicher noch mehr.

    Außerdem würde ich sehr gerne einen Sailor Moon Fancomic zeichnen. Das Storyboard steht schon, mal sehen, wann ich zur Ausarbeitung komme. Ich verdanke der Serie sehr viel und würde ihr so gerne Tribut zollen.

    Was wünscht du dir für die deutsche Manga und Anime Szene?

    Die Szene wird weiter gedeihen, denke ich. Wenn sich Hindernisse in den Weg stellen, wuchert sie eben daran vorbei. Die letzten Monate haben gezeigt, dass niemals Stillstand herrscht. Alles, was wir brauchen, sind Leute, die begeistert Manga zeichnen und der Rest kommt dann von alleine.

    Als letztes kommt nicht direkt eine Frage. Hier ist deine Chance für ein paar Worte an deine Fans. Gibt es etwas, das du ihnen gern sagen würdest?

    Danke an alle, die meine Manga kaufen und meinen Traum so unterstützen. Ich möchte weiter Geschichten zeichnen, die etwas in euch zum Schwingen bringen oder euch schmunzeln lassen.

    Bedanken möchte ich mich auch bei allen, die mir fleißig Nachrichten und Kommentare schreiben. Eure Rückmeldungen bedeuten mir viel und helfen, in schweren Zeiten nicht den Mut zu verlieren.

    Wir bedanken uns bei Inga für das Interview und wünsche ihr alles gute für die Zukunft, sowie ihre weiteren Projekte.

     

    Ich bedanke mich noch einmal, für die Zeit, die sie sich genommen hat. Ich habe viel Freude gehabt mir die Antworten durchzulesen und hoffe es ging euch auch so? Es ist immer wieder interessant, wenn Mangaka über ihren Beruf erzählen.

    Als kleines Extra habe ich hier noch ein Bericht von dem RBB Magazin Was! gefunden. Wer gern noch mehr erfahren mag, kann dies nun tun:

    Natürlich ist Inga auch im Internet vertreten. Sie hat ihre eigene Homepage, die ihr unter diesem Link findet und im Social Network ist sie auch, klickt auf diesen Link um zu ihrer Facebook-Seite zu gelangen. Für die Fans dürfte vielleicht auch noch ihr Profil bei Animexx unter diesem Link von Interesse sein.

    Alle Grafiken/Bilder im Artikel sind von Inga Steinmetz. Daher bitten wir, sie nicht einfach so zu kopieren oder zu verwenden. Das Copyright liegt allein bei ihr für die Grafiken/Bilder und sie hat sie uns für diesen Artikel zur Verfügung gestellt. Wofür wir uns herzlich bedanken.

    Somit sind wir am Ende von diesem Interview, aber keine Sorge, es werden noch weiter kommen in diesem Jahr.

    Für euch der Drachenwolf

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildquelle & Copyright: Inga Steinmetz