Mangaka und Moderatorin Mikiko Ponczeck im Interview mit Ecki

    Heute haben wir gleich zwei Premieren bei uns zu verzeichnen. Zum einen dürfen wir euch unser erstes Interview mit einer Mangaka aus Deutschland präsentieren und zum anderen haben wir nun unser bisher längste Interview seit bestehen vorliegen.

    Um wem es sich handelt, habt ihr ja schon gelesen, wir haben mit Mikiko Ponczeck gesprochen. Zu unserer großen Freude, hat sie sich ein wenig ihrer wahrlich knappen Freizeit genommen, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Viele von euch werden sie von zahlreichen Conventions und Workshops kennen, andere werden ihre Manga gelesen haben und wiederum andere werden sich an ihre Mitarbeitet bei aufgezeichnet.tv erinnern oder ganz aktuell aus ihrem Job als Moderatorin beim J-Mag von MyVideo kennen. Auch bei deviantART ist sie seit vielen Jahren vertreten und hat dort zahlreiche Fans.

    Nachdem Mikiko uns zugesagt hatte, haben wir uns dann hingesetzt und uns überlegt was für Fragen interessant sein könnten. Als wir damit fertig waren, haben wir so viele Fragen gehabt, das wir uns schon gesorgt haben ob es nicht zu viele sind, aber Mikiko hat sie alle beantwortet und nicht eine ausgelassen. Somit dürfen wir euch nun dieses Interview hier bei uns präsentieren und wünschen euch jetzt viel Spaß beim lesen:

     

    Seit wann beschäftigst du dich mit dem Zeichnen?

    Wie viele habe ich als kleines Kind mit dem Zeichnen angefangen. Der einzige Unterschied ist, dass ich nie aufgehört habe. Mit 12 habe ich mir vorgenommen, (Comic/Manga-) Zeichnerin zu werden.

    Waren es schon immer Manga die es dir angetan haben oder hast du vorher in anderen Bereichen gezeichnet?

    Dadurch, dass meine Mutter Japanerin ist, bin ich schon als Kleinkind mit Manga und Anime in Kontakt gekommen. Der Einfluss war also früh, aber es war keine bewusste Entscheidung. Trotzdem habe ich auch viele Dinosaurier als Kind gezeichnet. Nachher habe ich auch viel mit Portraitzeichnen und Realismus experimentiert bevor ich Manga wirklich bewusst wahrgenommen habe.

    Hast du dir alles selber beigebracht oder auch eine Ausbildung in diese Richtung gemacht?

    Ich bin Autodidakt. Als ich Abitur machte, gab es keine Studiengänge die auch nur annähernd in Richtung Manga, Illustration und Game Art gingen, und als ich mich bei einer Kunstschule bewarb, wurde ich abgelehnt.

    Ich habe mich einfach viel mit Zeichnen beschäftigt, und mit 18 bekam ich einen eigenen PC mit Internetanschluss. Danach fiel mir das lernen leicht, da man alles googeln konnte, und ich habe mich intensiv mit der Kunst auseinandersetzen können.

    Welche war die erste Geschichte die du veröffentlicht hast?

    Meine erste offzielle Story war „Lost and Found„, ein Boys Love Titel der als erstes bei The Wild Side erschien, (heute Cursed Side) und danach bei Tokyopop neu aufgelegt wurde.

    Welches Werk kam nach deiner ersten Geschichte?

    Nach „Lost and Found“ kam das dazugehörige Artbook „Blue“, dann ein Beitrag in „Grimms Manga Sonderband“ (König Drosselbart).

    Wie bist du zu Tokyopop gekommen?

    Durch meine Zusammenarbeit mit the Wild Side bin ich viel auf Messen und Cons unterwegs gewesen, und damit mit anderen Verlagen in Kontakt gekommen. Auf einer der Messen habe ich einen Vortrag über Paneleinteilung und Pacing gehalten und durch Zufall war Tokyopop’s Stand genau gegenüber der Bühne. Nach dem Vortrag hat mich der Verlagschef von Tokyopop, angesprochen und Interesse an meinem Manga gezeigt. So kamen wir also erstmal ins Gespräch und einige Zeit später wurde ich für „Grimms Manga“ angesprochen.

    Hast du auch noch bei anderen Publishern etwas veröffentlicht?

    Ja, ich habe für diverse Verlage auch in Amerika und Australien verschiedene Arbeit getätigt. Unter anderem für Gestalt Publishing (Australien) in Zusammenarbeit mit dem Author TomTaylor (DC, Dark Horse). Diese sind allerdings oft westliche Comics gewesen, und die Arbeit ging von Koloristin bis hin zu Illustration in RPG guides, daher hat es mit Manga wenig zu tun…

    Welche Erfahrung hast du bisher als deutsche Mangaka mit den Publisher gesammelt?

    Nun, allgemein habe ich viel über das Freiberufler dasein gelernt. Tokyopop hat mich immer gut behandelt, also ist meine Erfahrung sehr positiv.

    Gibt es etwas bestimmtes das du Neulingen im Umgang mit Bewerbungen raten würdest?

    Hm. Vorher gut recherchieren ist auf jeden Fall hilfreich. Wie man Bewerbungen richtig macht, und wie man am besten auftreten sollte. Ich habe früher auch Mappensichtungen gemacht, und war immer sehr überrascht zu sehen, wie viele unordentliche Mappen mit Zeichnungen auf linierten Seiten eingereicht wurden, oder mit über 100 Zeichnungen vollgestopft waren.

    Neben dem Zeichnen bist du ja noch für Aufgezeichnet.TV tätig, wie kam es dazu?

    Meine Zusammenarbeit mit Aufgezeichnet.TV kam lustigerweise ebenfalls durch eine Messe und einen damit verbundenen Workshop zustande. Ich wurde gebeten spontan ein Interview zu geben und später hat der Produzent mich beim Workshop gesehen. Im Anschluss wurde ich gefragt, ob ich gerne Rezensionen für Manga im Rahmen ihrer Sendungen machen möchte.

    Hat dir deine Arbeit dort geholfen, das du nun J-Mag, das erste deutsche Magazin für Anime, Manga, Cosplay und J-Cultur moderierst?

    Auf jeden Fall. Hinter beiden Sendungen steckt das gleiche Team, und ich wurde als erstes gefragt, ob ich Lust hätte mitzumachen. Da die Arbeit so gut und sehr angenehm war mit Aufgezeichnet.tv , habe ich natürlich zugesagt. Bis dahin hatte ich dann dank Aufgezeichnet.tv auch einiges über TV gelernt, was Kameras und Einstellungen und Regie angeht.

    Wie ist es für dich ein, absolut neues und einzigartiges Projekt, von Anfang an zu begleiten?

    Es ist sehr spannend. Natürlich kann es auch riskant sein, aber soweit ist die Resonanz bei den Fans sehr positiv, und das ist, was zählt! 🙂 Das Projekt ist aber selbst jetzt noch sehr neu, d.h. Das wir selbst heute noch daran feilen um es zu optimieren.

    Hat sich für dich jetzt etwas merklich geändert, immerhin kennen noch mehr Menschen deinen Namen und dein Gesicht. Wirst du dadurch auch auf der Straße, Conventions oder Messen mehr angesprochen?

    Auf der Straße ist es mir bisher noch nie passiert, dass man mich erkannt oder angesprochen hat. Es ist allerdings schon anders auf Messen in Deutschland. Da wurde ich auch seit J-mag schon einige Male erkannt und angesprochen. Ich freue mich jedesmal wie wahnsinnig, wenn das passiert!

    Wie wichtig ist dir der Kontakt mit deinen Fans?

    Der Kontakt zu Fans ist enorm wichtig für mich. Ich bemühe mich E-Mails, Kommentare und vor allem Fragen so oft und so viel wie möglich online zu beantworten. Obwohl es nach und nach immer schwieriger wird, wegen der Menge die ich erhalte. Trotzdem nehme ich mir Zeit dafür, wann immer ich kann. Ohne meinen Fans hätte ich auch online niemals die Aufmerksamkeit und Anerkennung als Zeichnerin bekommen, die ich nun genießen darf.

    Wo wir eben gerade das Thema Conventions und Messen angeschnitten haben, was bedeuten sie für dich? Wie oft besuchst du selber solche Events?

    Conventions sind immer super für mich, da ich bei der Arbeit natürlich oft monatelang in meiner Wohnung isoliert vor mich hin arbeite. Es ist wirklich toll zu sehen, was für Leute meine Sachen lesen und ihre eigenen Stories und Erfahrungen zu hören. Vor allem Workshops mache ich gerne, da ich als Jugendliche keinerlei Hilfe in Sachen Zeichnen erhalten habe. Wenn ich sehe, wie dankbar die Kids teilweise sind, oder wie stolz sie mir ihre eigenen Werke zeigen, werd ich ganz emotional (lach)

    Ist es etwas anderes jetzt mehr für die Arbeit dort zu sein, als wenn man als private Person vor Ort ist?

    Nun ja, ich bin vor meiner aktiven Zeit als Zeichnerin eher selten auf Cons gegangen, da mir damals das Geld fehlte. Heutzutage ist es fast unmöglich für mich privat dort unterwegs zu sein. Ich muss dann schon sehr gezielt Under Cover herumschleichen…

    Eine Frage für die Cosplayer, warst du selber schon einmal im Cosplay auf einer Convention oder Messe?

    Als ich 15-17 war, habe ich ein paarmal bei Cosplay Wettbewerben mitgemacht. Heutzutage sind Cons mein Arbeitsplatz, und deswegen trete ich da auch ausschließlich als Profi auf. Man weiß eben nie, wer einem über den Weg laufen könnte.

    Wäre es für dich denkbar selber einmal im Cosplay Outfit unterwegs zu sein?

    An sich habe ich nichts gegen das Cosplay. Wenn ich mal besser nähen kann, kann ich mir schon vorstellen mal Privat etwas zu schneidern und zu tragen. Aber ich glaube, Lolita Fashion interessiert mich etwas mehr als Cosplay.
    Wie stehst du zum Thema Anime. Könntest du dir vorstellen an einem Anime mitzuarbeiten?

    Klar, wobei ich natürlich keinerlei Animationstechniken beherrsche außer Pixel Sprites. Wenn sich die Gelegenheit bieten würde, kann ich sicher im Bereich Regie, Charakterdesign, Storyboards und ähnlichem nützlich sein, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dass ich gefragt werde, eher gering ist.

    Dein nächstes Projekt was erscheint ist ja Crash ´n´ Burn, magst du etwas zu dem Projekt erzählen?

    Gerne! Es ist eine Story über zwei Rocker, die sich einander hassen aber durch einem Zufall in der gleichen Band landen. Gemeinsam müssen sie miteinander auskommen um erfolgreich als Band aufzutreten und ihren Durchbruch zu schaffen. Das Ganze spielt in Liverpool (England) und ist ein eher untypischer Boys Love Titel. Es wird weniger geschmust und eher viel geprügelt!

    Hast du schon ein weiteres Projekt in Arbeit nach Band 2 von Crash ´n´ Burn?

    An Storys fehlt es mir mit Sicherheit nicht! Im Moment habe ich 2-3 Ideen, die ich gerne umsetzen möchte, aber für welche Story ich mich entscheiden werde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so ganz sagen. Es wird eine Überraschung!

    Wie verbringst du am liebsten das bisschen Freizeit was dir bleibt?

    Am liebsten zeichne ich an persönlichen Projekten weiter (ich bin ein Workaholic und liebe meinen Job..!), spiele Videospiele oder Bassgitarre. Ansonsten wenn ich mal Zeit und Geld habe reise ich unheimlich gerne. Zusätzlich sammele ich auch Leidenschaftlich gerne Fanarts meiner Charaktere und hänge sie mir an die Wand.

    In deiner Sendung sprichst du oft davon, das du gern spielst. Bist du eher PC oder Konsolen Spielerin?

    In erster Linie bin ich PC Gamerin! Das meiste läuft bei mir über Steam, und ich habe mir meinen PC auch bauen lassen. Ich besitze aber auch eine PS3, DS und eine PSP.

    Gibt es derzeit ein Favorit Game für dich?

    Hmm, schwer zu sagen. Eines meiner meistgespielten Games aller Zeiten ist auf jeden Fall“ Left 4 Dead“ und „Left 4 Dead 2“. Danach wahrscheinlich „Skyrim“ (mit Mods bis zum umfallen). „Dishonored“ ist wohl das aktuellste, wo ich recht viel meiner knappen Freizeit reingesteckt habe.

    Ansonsten spiele ich eigentlich alles Querbeet von Puzzle, Strategie, über RPGs bis hin zu FPS…

    Zum Ende eine etwas intime Frage, ein Leben mit soviel Arbeit, wie lässt sich das mit einer Partnerschaft verbinden oder bist du derzeit ungebunden?

    Nun, ich bin jetzt lange Zeit in einer Fernbeziehung und das klappt dank moderner Technologie ganz gut. (Skype) Zumindest haben wir es 6 Jahre durchgehalten und heiraten bald. Wie wir das geschafft haben weiß ich auch nicht so genau. Hahaha!
    Wir sind beide im gleichen Feld tätig (Zeichnen, Games, Illustration, Design) und das hilft, finde ich.

    Du lebst ja in Deutschland, könntest aber auch in Japan leben. Woher kommt deine Entscheidung hier zu leben?

    Hm, also ich sehe nicht genügend Gründe, in Japan zu leben, um ehrlich zu sein.. Die Deutsche Szene ist jung und noch recht wandelfähig, was sehr spannend ist. In Japan ist die Konkurrenz so groß, dass man dort einfach untergehen würde. Meine Fanbase und mein Hauptpublikum ist in erster Linie in Amerika und Europa, da orientiere ich mich auch beruflich danach.

    Natürlich vermisse ich meine Heimat und möchte auch gern wieder zu Besuch hin, aber der großteil meiner Familie lebt jetzt auch in Europa.

    Würdest du sagen, das es dir beruflich geholfen hat, das du japanisch sowohl lesen, als auch sprechen kannst?

    Hmmm…. Leute finden es oft faszinierend und interessant. Aber ob es mir wirklich geholfen hat speziell einen Job zu bekommen? Bis auf bei J-mag ist mein Japanisch bisher überhaupt nicht in Einsatz gekommen, außer wenn ich Leute über kulturelle Missverständnisse aufklären muss. (Harakiri und Fujiyama etc!)

    Was wünscht du dir für die deutsche Anime und Manga Szene?

    Die Szene hat sich sehr geändert, aber ich wünsche mir nach wie vor, dass Leute mehr zueinander stehen und sich gegenseitig anfeuern und unterstützen. Die Japaner sind immer sehr beeindruckt von dem Eifer der deutschen Zeichner und der Szene, und ich glaube, wir können stolz drauf sein, auch wenn wir noch am Anfang stehen.

    Als letztes noch deine Gelegenheit für ein paar Worte an die Fans. Was möchtest du ihnen noch gern mit auf den Weg geben?

    Ein ganz liebes Dankeschön an Euch alle! ♥ Für’s lesen, lachen und teilen. 😀 Ihr seid super.

    Wir bedanken uns vielmals bei Mikiko für dieses wunderbare Interview und das durchhalten bis zum Ende. Auf deinen weiteren Weg wünschen wir dir alles gute und viel Erfolg.

     

    Das war nun also unser Interview mit Mikiko Ponczeck für euch, wir hoffen es hat euch gefallen. Wir haben einiges erfahren, vieles wussten wir vorher auch nicht.

    Die Grafiken im Interview sind alle von ihr, sie hat uns freundlicherweise die Erlaubnis gegeben, für dieses Interview ihre Werke zu verwenden.
    Das Copyright für alle Grafiken liegt weiterhin bei Mikiko Ponczeck, sollte jemand daran gefallen finden, bitten wir ihn sie selber darauf anzusprechen und sie nicht frei zu kopieren.

    Wer nun neugierig geworden ist, ihr findet Mikiko bei deviantART, folgt dafür einfach diesem Link hier! Ebenfalls ist sie auch bei Facebook vertreten, dafür einfach diesem Link hier folgen!

    Somit beenden wir jetzt hier das erste Interview mit einer deutschen Mangaka, aber seit euch sicher das es nicht das letzte war.

    Für euch der Drachenwolf

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildquelle & Copyright: Mikiko Ponczeck