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Megumi Ogata (Evangelion) im Interview

Die japanische Crowdfunding Plattform CAMPFIRE verkündet, dass das „Megumi Ogata 25th Seiyuu Debut Anniversary“-Projekt sein Ziel von ca. 100.000 USD schon ungefähr 90 Minuten nach Eröffnung am 12. Mai 2017 erreicht hat. Um an diesen Erfolg anzuknüpfen, können sich nun auch Fans auf der ganzen Welt über die Plattform Tokyo Mirai Mode am Crowdfunding beteiligen.

Im Interview sprach die sympatische Synchronsprecherin über ihr Projekt, ihre Arbeit und nahm sich auch des Themas Fansubs an.

Wer ist Megumi Ogata?

Megumi Ogata ist eine überaus produktive Sängerin und Synchronsprecherin der japanischen Animeindustrie. Es gibt wahrscheinlich keinen Anime-Fan, der ihre Stimme nicht wenigstens schon einmal gehört hat. Als echtes Urgestein in diesem Bereich begeht sie in diesem Jahr sogar ihr 25-jähriges Jubiläum. Namhafte Rollen, an die sich besonders Anime-Fans der ‚alten Schule‘ erinnern werden, sind unter anderem Kurama aus Yu Yu Hakusho, Haruka Tenou/Sailor Uranus aus Sailor Moon und Shinji Ikari aus Neon Genesis Evangelion. Shojo-Fans kennen sie außerdem als Yukito Tsukishiro/Yue aus Card Captor Sakura, während sie für Fans neuer Serien vor allem als Ayato Naoi aus Angel Beats!, als Makoto Naegi und Nagita Komaeda aus Danganronpa: The Animation bekannt ist.

Megumi Ogata

Als Ihr Projekt erstmals auf CAMPFIRE öffnete, hatte es das 10.000.000-Yen-Ziel bereits nach ca. 90 Minuten erreicht. Haben Sie damit gerechnet?

Megumi Ogata: Natürlich nicht. Ich war geschockt und bin unheimlich dankbar für jeden, der mich unterstützt.

Gab es besondere Gründe dafür, weshalb das Crowdfunding-Projekt in Japan und in Übersee nicht zur selben Zeit gestartet wurde?

Megumi Ogata: Obwohl es für den Erfolg des Projekts zwingend erforderlich ist, dass beide Finanzierungsziele erreicht werden, waren wir unsicher, wie hoch der jeweilige Teil des Budgets sollte, der im Inland und Ausland gesammelt werden soll. Nach Gesprächen im Team ergab sich schließlich, dass erst ein bestimmter Betrag in Japan erreicht werden sollte, bevor es mit dem internationalen Crowdfunding weitergeht.

Megumi Ogata

Welchen Grund gab es dafür, dass Sie sich dazu entschieden haben, dieses Projekt über Crowdfunding zu finanzieren?

Lage. Ich glaube zwar nicht, dass ich mit dieser Wahrheit irgendetwas ändern kann, aber ich würde mich freuen, wenn allen Anime-Fans auch bewusst ist, dass es für die japanischen Animationsstudios nicht einfach ist und dass die derzeitige Situation mit den Streaming-Angeboten den Produzenten auch schadet

Megumi Ogata: Eine der wohl wichtigsten Gründe war, dass Werke wie Anime oder CDs, die im Inland produziert werden, oft nicht einfach international vertrieben werden können. Das gilt vor allem für nicht digital produzierte Produkte, wie CDs und DVDs. So gab es für mich also keine Möglichkeit, meine eigenen Produkte legal an Fans zu vermitteln – Das wollte ich ändern. Es gibt natürlich viele Faktoren, die beeinflussen, in welchen Ländern bestimmte Dinge erhältlich sind, aber ich denke, dass viele Produkte einfach nicht international vertrieben werden können, kommt den meisten Menschen in Japan gar nicht in den Sinn. In Japan gibt es beispielsweise die Vorstellung, dass die Musik und eben die Animationen im Ausland sehr beliebt sind – gleichzeitig ist all das aber gar nicht so zugänglich wie gedacht. Und selbst wenn der Vertrieb funktioniert, aufgrund vertraglicher Regelungen und der Anzahl von Nutzungsberechtigter, ist es immer noch Realität, dass wir – die Urheber und Schöpfer – kaum etwas vom Feedback der Fans und ihren Reaktionen auf unsere eigenen Werke mitbekommen. Genau deswegen sind bereits Anime Studios verschwunden, und der Gedanke, Anime Produktionen zu verringern kommt immer wieder in der Industrie auf.
Mein zweiter Grund ist also, deutlich zu machen, dass es, obwohl es eine Nachfrage für authentische Produkte gibt, vieles davon das Publikum gar nicht erreicht. Durch dieses Phänomen kommt es dazu, dass man nicht mehr die Inhalte erschaffen kann, die man erschaffen will und Fans scheinbar auch wollen. Durch dieses Crowdfunding-Projekt und das Offenlegen meiner Gedanken dazu, möchte ich all das den Fans japanischer Anime auf der ganzen Welt mitteilen.

Ich denke, dass viele Fans aus Übersee besonders großes Interesse an nostalgischen Klassikern haben.

Um es klar und deutlich auszudrücken: du als treibende Kraft hinter dem Projekt hast noch ein größeres Problem zu lösen, statt einfach nur Geld für die Albumproduktion zu sammeln, oder?

Megumi Ogata: Ja das stimmt. Hätte ich einfach nur ein Album machen wollen, dann hätte ich es so gemacht, wie alle anderen Artists auch. Zum Vergleich: Ich hätte diese CD problemlos für den heimischen Markt herausbringen können, aber wenn das Crowdfunding-Projekt gescheitert wäre, dann hätte ich das Album gar nicht erst machen können. Das ist aber ein Risiko, was ich gerne auf mich genommen habe, um meinen Fans aus dem Ausland zu zeigen, wie dieses Album zustande gekommen ist und was mich dazu motiviert hat.

Du bist ein großes Risiko eingegangen, denn immerhin gab es ja ständig die Möglichkeit, dass das Projekt scheitert. Kannst du mit uns irgendwelche Momente teilen, in denen du Zeuge warst, als Fans deine Werke unbedingt hören wollten, aber nirgendwo bekommen konnten?

Megumi Ogata: Jedes Mal, wenn ich ein Album herrausbringe, fragen mich Fans auf Twitter, wo sie es kaufen können und ob es schwer werden könnte, die CD zu kaufen. Auch wenn ich im Ausland unterwegs bin, häufen sich diese Stimmen. Leute aus dem Business, also Verleger und Animeproduzenten, die ich häufig treffe, haben mir auch gesagt, dass es einfach schwer ist, alle Fans mit Produkten zu versorgen. Wenn ich dann nach dem Gründen frage, bekomme ich zu hören, dass u.a. die Lizenzinhaber ihre Vertriebsrechte abgeben und alle Werke auf einmal an den örtlichen Händler verkaufen. Das passiert, damit Auslandsprofite auf Basis der verkauften Menge nicht an den Rechteinhaber zurückgehen.

Sehen wir uns mal folgendes an: bereits einen Tag nach dem Release eines neuen Anime, tauchen im Netz schon freie und unlizenzierte Subtitles vor, die von den Fans gemacht worden sind. Natürlich verdienen die Macher dabei nichts, weil ihre «Produkte» kostenlos vertrieben werden. Auf den gängigen Streaming-Seiten werden aber auch andere Leute auf uns aufmerksam. Ich habe schon von Leuten gehört, die mich eher zufällig entdeckten und daraufhin Fans geworden sind. Das weiß ich wirklich zu schätzen und das freut mich auch.

Dennoch, die Nutzung von Streaming-Angeboten bringt Animatoren und Produzenten gleichermaßen in eine schwierige Lage. Ich glaube zwar nicht, dass ich mit dieser Wahrheit irgendetwas ändern kann, aber ich würde mich freuen, wenn allen Anime-Fans auch bewusst ist, dass es für die japanischen Animationsstudios nicht einfach ist und dass die derzeitige Situation mit den (Illegalen a.d.R.) -Streaming-Angeboten den Produzenten auch schadet.

Auch wenn es wirklich bedauernswert ist, dass wir unsere Werke nicht für alle Fans im gleichen Maße verfügbar machen können, so bin ich doch für jede Person dankbar, die sich dazu entschließt, zu den legalen Quellen zu wechseln. Zum Ende dieses Jahres wird es übrigens einen neuen legalen Animesong Streaming-Service für ausländische Nutzer geben und der heißt «AniUTA». Für 5 Dollar kann man japanische Anime- und Gamesongs streamen und die Produzenten damit direkt unterstützen. Ich möchte jeden Fan inständig darum bitten, einen kleinen Beitrag zu leisten und Streaming- und E-Commerce-Seiten zu nutzen, die ein legales Angebot zur Verfügung stellen. Weil das Streaming vor allem im Ausland zum vorherrschenden Trend geworden ist, werden CDs vermutlich bald nur noch zum «Merchandise» gehören. Das war wahrscheinlich das erste und letzte Mal, dass ich ein Album durch Crowdfunding finanziert habe. Es macht mir nichts aus, wenn das nur dazu beiträgt, den Streaming-Trend zu verstärken. Bitte leistet uns Unterstützung, wenn es um die Zukunft der Anime-Industrie geht. Mein Album soll darauf aufmerksam machen und ich freue mich sehr, dass Sie alle es auf diese Art und Weise hören können.

Megumi Ogata

Möchten Sie denjenigen etwas sagen, die Sie und ihre Arbeit bisher noch nicht gut kennen, oder durch dieses Projekt zum ersten Mal von Ihnen hören? Worauf kann man sich im neuen Album freuen?

Megumi Ogata: Ich gehöre zur ersten Generation von Synchronsprechern in der japanischen Anime Industrie, die auch als „Künstler“ bezeichnet werden. Innerhalb der vergangenen 25 Jahre habe ich es außerdem geschafft, immer als Sängerin und Synchronsprechern für Hauptrollen in Anime aktiv zu bleiben, das ist etwas, das nicht viele Seiyuu meiner Generation getan haben. In diesem Sinn kann man mich sogar als „Seltenheit“ bezeichnen (lacht). Und eben diese Seltenheit hat sich nun dazu entschlossen, bekannte Anime-Lieder aus meiner 25-jährigen Karriere auf einem neuen Album zu präsentieren. Ich werde mit der Stimme der Charaktere, die ich in der jeweiligen Serie gespielt habe, singen; Kuramas Stimme benutzen, um das Yu Yu Hakusho Lied zu interpretieren, und Uranus Stimme für das Sailor Moon Lied. Hat einer der Songs dann sogar noch zum Charakter passende Lyrics, dann singe ich so in-character wie irgendwie möglich.
Ich habe auch schon immer viel Zeit damit verbracht, meine eigene Musik zu machen. Ich bin „drei Oktaven stark“; Ich bin in der Lage, in der originalen Tonart der meisten Lieder zu singen – egal, ob sich ursprünglich um einen männlichen oder weiblichen Sänger handelt. Es wird einige bewusste Änderungen in den Cover-Liedern geben, so dass sie eben nicht genau so sind, wie die Originale, aber ich hoffe, dass ich sie dennoch in gewohnter Weise rüberbringen kann. Eben weil ich in den jeweiligen Serien selbst mitgespielt habe, kann ich die Werke auch sehr gut verstehen und hege natürlich auch ganz spezielle Gefühle für sie. Das gleiche kann auch über die Charaktere und Lieder dieser Serien gesagt werden, und ich denke, dass ich imstande dazu bin, eine bleibende Erinnerung für alle Anime-Fans zu erschaffen, die diese ikonischen Werke ebenfalls geliebt haben.

Vielen, vielen Dank! Wenn eine Spanne von 25 Jahren abgedeckt werden soll, bedeutet das, dass Fans von alten und neuen Anime die Chance haben werden, eine vielfältige Auswahl von Songs zu hören, oder?

Megumi Ogata: Ich denke, dass viele Fans aus Übersee besonders großes Interesse an nostalgischen Klassikern haben. Ich denke, dass die Serien der 90er Jahre den Menschen dort mehr im Gedächtnis geblieben sind. Natürlich gibt es auch fantastische Werke neuerer Veröffentlichungen. Deshalb ist es mir wichtig, hart zu arbeiten, damit das Album eine möglichst breitgefächerte Altersgruppe anspricht.

Das Interview stellte uns freundlicherweise Tokyo Mirai Mode zur Verfügung.

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1 Kommentar

  1. Spannende Sache, ich dachte immer Fansubs und Disc Kopien, entstehen, weil der Europäische und amerikanische Markt, sich die Produkte kaufen und Rippen, aber anscheinend beginnt das schon in Japan selber.

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