Nachgefragt: Mangazeichnen – Hobby oder Beruf?

    Jeder Manga-Leser hat sich wohl schon einmal dem Gedankenexperiment hingegeben: Mangaka werden und so seinen Lebensunterhalt verdienen. Doch was in Japan klappt, muss nicht unbedingt hierzulande auch funktionieren. Ist dies überhaupt möglich – wenn ja, was gehört dazu, um von seinen Werken leben zu können? -, oder sollte man die zeichnerische Leidenschaft eher als intensive Freizeitaktivität mit eventuellem kleinen Nebenverdienst ansehen? Wir haben deutsche Mangazeichner in Nachgefragt zum Thema

    Mangazeichnen – leidenschaftliches Hobby oder Berufswunsch?

    ausgehorcht. Dies sind ihre Antworten und Ratschläge für angehende Zeichner-Neulinge.

    Alekto (Hasenjagd)

    Ich denke, hierzulande ist es nicht möglich, allein vom Mangazeichnen zu leben. Dafür fehlt einfach die Laufkundschaft, die in anderen Ländern durchaus vertreten ist … hier müsste man, wenn man nur vom Zeichnen leben will, wohl auch künstlerisch anderwärtig tätig sein. Ich zeichne aus Leidenschaft =), aber auch um nebenher zumindest ein paar Euro dazuzuverdienen, auch wenn man nebenher richtig arbeiten geht, das Leben ist eben teuer 😉 Zeichner-Neulingen würde ich raten … Fleiß, Ausdauer und auch ruhig mal Kritik annehmen und gegebenenfalls umsetzen.

    HolzEsserin und Salamandra (Wunderherzen)

    Mangazeichnen ist für uns schon mehr als ein Hobby, weshalb wir uns auch bei Verlagen bewerben.
    Wir sind uns aber durchaus bewusst, dass man im Moment – egal ob mit oder ohne Verlag – davon alleine in Deutschland nur s
    chwer leben kann, weshalb uns Uni und Beruf sehr wichtig sind. Wir denken aber, dass sich das alles vielleicht in Zukunft ändern kann.
    Auf einer Podiumsdiskussion auf der Leipziger Buchmesse 2014 hat TOKYOPOP erwähnt, dass sie zum damaligen Zeitpunkt Anna Hollmann fest als Mangaka angestellt haben. Das klingt doch nach einem guten Schritt nach vorn und Sicherheit für den Zeichner! 🙂
    Zeichner-Neulingen, die den Traum haben, Mangaka zu werden, raten wir auf jeden Fall, ihre Schule/Ausbildung etc. nicht zu vernachlässigen! Einen Traum zu haben und dafür zu kämpfen, ist toll! Aber man sollte immer im Kopf haben, dass es ein »Risiko-Traum« ist, und ein sicheres Standbein, wenn man sein Wunschziel nicht erreicht, ist sehr wichtig! Schüler haben oft noch nicht den richtigen Blick auf das Leben, weshalb es sehr wichtig ist, dass jemand hinter ihnen steht. Sowohl in schulischer Sache als auch beim Hobby 🙂

    Norchen (KAWAii!!-Anthologie)

    Ich betreibe das Mangazeichnen »nur« als Hobby. Hauptberuflich bin ich fest angestellt und habe somit auch mein festes Einkommen, damit ich mein Hobby finanzieren kann – aber dadurch auch weniger Zeit, das Hobby intensiv auszuleben. Ich bin da wohl ein wenig altmodisch, aber ich möchte gerne finanziell gut abgesichert sein, und das scheint momentan als Künstler allgemein (in der Szene) nicht möglich. Mir fehlt aber da auch der Überblick, und daher kann ich es nur vermuten.
    Außerdem glaube ich, dass es auch nur mein Hobby bleiben soll – als kleine Abwechslung zum Arbeitsalltag.
    Um von seinen Werken leben zu können, muss man m.E. hart arbeiten, üben und immer präsent (z.B. online) sein. Das heißt, man muss auch sehr viel Zeit hineinstecken – Zeit die neben Schule/Uni/Beruf wohl immer rar ist. Ich bewundere die Zeichner, die das können.
    Wie Salamandra und HolzEsserin schon vorher geschrieben haben, sollte man auf jeden Fall die »solide Basis« nicht vergessen, wenn man den Traum hat, Mangaka zu werden. Ich bin auch der Meinung, dass Schule und Ausbildung oder Uni wichtig sind, damit zumindest immer die Möglichkeit besteht, noch einen Plan B zu haben, sollte es mal nicht mit dem Traum klappen.

    Kami (Get Your Man)

    Für mich ist das eine Auslegungssache. Bedeutet »Mangaka sein«, dass man mit dem Geld, das man durch sein Zeichnen macht, leben kann? Dann ist die Antwort: Hier in Deutschland leider nicht möglich. Nicht, ohne auch noch anderes nebenbei zu arbeiten.

    Ich
    selbst sehe es aber eher so, dass das auch was mit Berufung zu tun hat. Wenn durch die Zeichnungen nichts als Herzblut fließt und man sich durch seine Geschichten oder Illustrationen selbst verwirklicht, dann ist die Frage nach dem Geldverdienen nebensächlich. Es gibt da meiner Meinung nach keinen bestimmten Punkt, an dem man objektiv sagen kann »so, JETZT bist du Mangaka«. Man muss sich einfach dazu berufen fühlen.

    Mein Rat an junge Zeichner ist: Lasst euch nicht von arbiträren Dingen übermäßig beeindrucken, wie zum Beispiel offizielle Veröffentlichungen, Verkaufszahlen, Größe oder Bedeutung des eventuellen Verlags, bei dem man ist, eingenommenes Geld, Kommentare, Likes, usw.
    Andererseits muss man eben aber auch so realistisch sein und sehen, dass wirklich vollberuflich Geld verdienen hier mit Mangazeichnen nicht möglich ist. (Außer vielleicht man zieht das ganze über’s Internet direkt international auf … das könnte ich mir noch vorstellen. Das schaffen ja einige Webcomic-Zeichner, und dabei ist es ja im Grunde egal, wo man lebt).

    Fuku (Sick & Disturbed)

    Für mich persönlich ist es eine Mischung zwischen Hobby und Beruf. Da ich noch bei meinen Eltern wohne und auch noch zur Schule gehe, ist es eigentlich die perfekte Möglichkeit, ein bisschen Geld dazuzuverdienen, ohne meine Hobbys (eben das Zeichnen oder Dinge, die man nebenbei tun kann, sprich Serien gucken) oder die Schule komplett zu vernachlässigen.
    Früher mit elf Jahren, als ich mit dem ernsthaften Zeichnen anfing, war für mich eigentlich klar, dass ich irgendwann mal professionelle »Mangaka« werde, am besten natürlich noch in Japan, wie man in dem Alter eben noch denkt, aber das ist realistisch gesehen natürlich nahezu unmöglich.
    Derzeit ist ja auf dem deutschen Markt alles ein bisschen im Umschwung. Die Zeichnerszene (insbesondere was Manga und Doujinshi angeht) ist um ein Vielfaches größer und lebhafter als noch vor drei bis vier Jahren (zumindest kommt mir das so vor), und durch die vielen Eigenveröffentlichungen werden Verlage auch immer leichter auf Leute aufmerksam, etc.
    Wirklich leben kann man davon hierzulande momentan noch nicht, das ist ja allgemein bekannt. Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das auch bald etablieren wird. Es ist auf jeden Fall schon mehr Hoffnung in Sicht als ein paar Jahre vorher.
    Mein Traum wäre ja, dass es in Deutschland so etwas wie die JUMP gäbe, nur eben mit deutschen Zeichnern. Reich würde man wahrscheinlich als Zeichner nicht damit werden, das ist mir klar. Aber was ist schon Geld im Vergleich dazu, wenn man andere mit seinen eigenen Werken glücklich machen kann? Natürlich sollte man trotzdem nicht verarmen, aber ich bin mir sicher, dass, wenn die Szene und das Publikum weiterwachsen, es schon bald möglich sein wird.
    So viel zum Allgemeinen. Aus persönlicher Sicht möchte ich mich noch nicht festlegen, was das angeht. Sollte es auf dem Markt irgendwann mal so aussehen, wie oben beschrieben, dann wäre ich durchaus nicht abgeneigt, diesen Traum ernsthaft zu verfolgen.
    Momentan jedoch gibt mir diese Aussicht einfach zu wenig Sicherheit, daher muss es vorerst genügen, mit Eigenveröffentlichungen etwas Taschengeld dazuzuverdienen, Erfahrungen zu sammeln, und wer weiß, vielleicht kann ich dann in ein paar Jahren (wenn ich erfolgreich Abitur und Studium absolviert habe) eine konkretere Antwort auf die Frage geben.
    Bis dahin bleibt es mehr Traum als Ziel.

    Nightmaker (Fading Colors)

    Da ich mein Hobby vor einem Jahr zum Beruf gemacht habe und mein erster Manga Fading Colors im August erscheint, weiß ich, dass es durchaus möglich ist.
    Ich arbeite zwar noch nebenbei als freiberuflicher Illustrator, aber ich verdiene mit Zeichnen mein Geld.
    Ganz alleine vom Mangazeichnen zu leben, ist für Debützeichner noch nicht möglich, aber auch TOKYOPOP hat schon mehrmals in Interviews und auf Messen erwähnt, dass es ihr Ziel ist, dass sich Zeichner irgendwann ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können, ohne Geldsorgen zu haben.
    Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass es irgendwann, hoffentlich bald, möglich sein wird.

    Allerdings sollte man bedenken, dass man als Mangazeichner selbstständig ist.
    Da ich in der Gastronomie aufgewachsen bin und meine Eltern selbstständig waren, bin ich das schon gewohnt, aber für andere kann es ziemlich hart sein. Selbstständig zu sein, bedeutet meistens, kein Wochenende und keinen fixen Feierabend zu haben.
    Man arbeitet solange, bis alles erledigt ist, und wenn man erst um vier Uhr morgens fertig ist, dann kann man dagegen auch nichts machen.
    Außer man arbeitet am nächsten Tag noch mehr und kann deswegen früher Schluss machen.
    Nicht jeder hält das aus, und nicht jeder möchte es.
    Ich würde jedem, der mit dem Gedanken spielt, Mangaka zu werden, empfehlen, Übungen zu machen. Selbst gesetzte Deadlines strikt einhalten. Als Vorbereitung kann man zum Beispiel einen 20-Seiten-Manga in einer Woche machen.
    ( So etwas habe ich gemacht – der Douji ist noch immer auf Animexx zu finden. :-3)
    Man muss damit rechnen, wegen der Arbeit Freunden absagen zu müssen, weniger Zeit für die Familie zu haben, etc …
    Natürlich hängt das alles von der Zeitplanung ab und wie schnell ihr seid. Die Profis oder sehr schnellen Zeichner haben ein relativ geregeltes Leben. Aber ganz am Anfang klappt das 100%ig nicht. Egal wie sehr ihr euch darauf vorbereitet, irgendwann stoßt ihr an eure Grenzen, und wenn ihr dann trotzdem weitermacht, dann wisst ihr, dass ihr diesem Job gewachsen seid. 🙂

    Ihr solltet auch daran denken, bei einem Verlag wird euch nicht beigebracht, ein Mangaka zu sein, sondern ihr müsst schon zu 90% alles können und wissen, was es zu wissen gibt.

    Allerdings ist es auch sehr wichtig, einen Plan B zu haben. Einen Plan B hat man nicht, weil man Angst hat, dass es nicht klappt, Mangaka zu werden – ich war schon immer der Meinung, mit harter Arbeit erreicht man alles, was man will – Plan B ist dafür da, wenn ihr merkt, ihr wollt das doch nicht.
    Ich zum Beispiel habe eine abgeschlossene Berufsausbildung, Abitur und habe schon zwei Jahre Berufserfahrung.
    Mein Plan B ist, Concept Art zu studieren, wenn ich keine Lust mehr aufs Mangazeichnen habe.

    Plan B und viel harte Arbeit, bewusst Üben (lernt Storytelling(!), lernt Anatomie, lernt perspektivisch Zeichnen, besorgt euch jede Information, die ihr kriegen könnt!) und gute Vorbereitung, dann steht euch nichts mehr im Weg. 🙂
    Und wenn‘s nicht beim ersten Mal klappt, einfach weitermachen und noch mehr üben. 😀

    Victor’s Art (Decay)

    Für mich ist Mangazeichnen nur ein sehr großes und wichtiges Hobby (Ich bin auch erst 16 :-)). Ich gehe noch zur Schule und arbeite auch viel dafür. Eines Tages möchte ich schon gerne mit Mangas Geld verdienen können, aber meiner Meinung nach ist es (zurzeit) sehr schwer, sich damit in Deutschland über Wasser zu halten. Meiner Meinung nach können nur wenige Zeichner mit Mangas viel Geld verdienen. Wie hier schon gesagt, fehlt in Deutschland die »Fanbase«. Ja, sie ist schon relativ groß, aber nur die bei den »großen« Zeichnern. In Frankreich oder Japan hingegen ist die Fanbase viel größer, wo dann auch der Maßstab nach unten gesetzt wird, und »kleinere« Künstler haben dann dort eher die Möglichkeit, Fuß zu fassen. Dies habe ich gemerkt, als ich mich auf einem französischen Animexx (nennt sich MangaDraft.com, und dort kann man Online-Comics/Mangas hochladen) angemeldet habe. Die französische Szene ist viel offener als die deutsche.

    AnimeY bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmern. Gerne lesen wir auch eure Meinung zum Thema »Mangazeichnen – leidenschaftliches Hobby oder Berufswunsch?« in den Kommentaren. Solltet ihr selbst Themen-Vorschläge für kommende Beiträge in dieser Sparte haben, könnt ihr uns diese gerne mitteilen. Eine Übersicht aller Nachgefragt-Interviews findet ihr hier.

    fallenshadow
    Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch

    1 Kommentar

    1. Also für mich wird es immer ein Hobby bleiben.
      Ich zeichne, weil es mir Spaß macht und sobald es um geht, vergeht mir der Spaß offen gesagt. Momentan mache ich eine Ausbildung und verdiene dadurch anständig, dass ich meine Zeichenmaterialien selbst finanzieren kann. Ich habe mehr Spaß und Motivation daran, wenn ich Bilder, Karten oder Werke tauschen kann.
      Wenn man mich nach einer Commission fragt, nehme ich sie gern an, aber am liebsten zeichne ich was ich will und wann ich es möchte :3

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