Nachgefragt: Wie ergeben sich die Preise von Manga-Eigenproduktionen?

    © animeanime,jp
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    Eine Convention jagt die andere – und auch die deutschen Manga-Zeichner sind fleißig unterwegs. Schon jetzt hat 2015 so manch interessanten Titel zu bieten. Neben der Qualität, zeichnerisch sowie storytechnisch, muss bei einem Manga aber auch der Preis stimmen – und da gehen die Angebote besonders bei verlagslosen Produktionen oft weit auseinander. Daher haben wir verschiedene Zeichner gefragt:

    Wie ergeben sich die Preise von (verlagslosen) Manga-Eigenproduktionen?

    Und das sind ihre Antworten.

    Yunuyei (Ritter Karl-Heinz-Günther)

    Ich finde diese Frage sehr schwer zu beantworten. Der Preis hängt ja primär von der Auflage ab. Wenn man zum Beispiel nur wenige Bücher bestellt, ist der EK wahnsinnig hoch, nimmt man mehrere hunderte, sinkt der Preis gewaltig. Dazu können noch Kosten für Layout und Lektoren kommen. Ich finde, dass ein Zeichner mindestens das Dreifache seiner Produktionskosten verlangen sollte. Er hat ja viele Stunden Arbeit reingesteckt und muss erst mal einen Großteil der Auflage verkaufen, um überhaupt etwas einzunehmen (um einen halbwegs guten Preis zu bekommen, muss man mindestens 100 Stück drucken lassen, und wenn er das Dreifache verlangt, muss er erst mal 33 Stück verkaufen!). Ich habe schon Dumpingpreise erlebt. Zum Beispiel hat ein Zeichner 3€ für ein Heft verlangt, das ihn 2€ gekostet hat. Das war zwar weniger Dumping als mehr Unerfahrenheit und die Einstellung »teurer verkaufe ich es eh nicht«, aber trotzdem hat sich der Zeichner unter Wert verkauft. Als Außenstehender kann man schwer beurteilen, ob es sich um Dumpingpreise handelt, da man die Produktionskosten und die Verkaufszahlen nicht kennt. Ich kann nur eins dazu sagen: Die Nachfrage regelt Preis und Angebot, und die Vorbestellungen sollten die Druckkosten decken.

    Kami (Get Your Man)

    Da ich selbst ja bei einem Verlag bin (wenn es auch ein kleiner ist), kann ich zur Preisfindung recht wenig sagen.
    Als Kunde geht es mir aber eigentlich so, dass ich auf den Preis des Mangas gar nicht schaue. Also, ich würde keinen preiswerten über eine
    n teureren Manga kaufen, nur des Preises wegen. Ich bin bereit, den angegebenen Preis zu bezahlen und hoffe, dass er nicht nur die Kosten des Drucks usw. deckt, sondern auch dem Zeichner und eventuell weiteren Beteiligten ein bisschen Gewinn abwirft. Ich habe bisher auch, glaube ich, weder Wucher- noch Dumpingpreise erlebt.

    Minou (Shadow Kid)

    Meine erste Preiskalkulation war unterirdisch; ich hatte über 50 Seiten und habe mich nicht getraut, über 5€ zu denken, da ich immer an Verlagsmangas denken musste, die mehr Seiten und eine ähnliche Preiskategorie haben ...
    Soweit ich inzwischen informiert bin, nimmt man den Preis des Einzelstücks, der bei Druckkosten entsteht, und rechnet ihn mal 3. So kommt also bei einem Doujinshi der Preis zustande, abhängig von Seitenzahl, Farbdruck, Format und Auflagenhöhe.
    Die meisten Doujinshi-Zeichner, die ich kenne, sind da sehr zurückhaltend, orientieren sich an anderen und wollen nicht »zu viel« verlangen, da sie wissen, dass viele Käufer eher jünger sind und nicht so viel verdienen.

    Auch vergleicht man wohl unterbewusst doch immer mit Verlagsmangas, die in ihrer Preiskategorie zwischen 6 und 8€ liegen und zwar völlig andere Kosten haben, aber doch ein bisschen auf das Preisempfinden Einfluss nehmen.
    Das ganze Thema ist (so glaube ich) in einem ziemlichen Umbruch; wir alle versuchen, ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Preis angemessen für uns erscheint, ohne dass wir uns schlecht fühlen, wenn wir zu viel oder zu wenig verlangen.
    So etabliert sich momentan eine Preiskategorie zwischen 5 und 10€ für einen selbstpublizierten Doujinshi (je höher die Seitenanzahl desto teurer. Bei Farbe auch über 10€).
    Ab und zu fragen wir bei Lesern nach, welche Preise angemessen erscheinen, was zu hoch, was zu niedrig, und bisher hat sich da dieser Preisrahmen, den ich eben beschrieben habe, etwa bestätigt.

    Es sprechen sich nicht alle Zeichner gleichermaßen ab und kalkulieren in Gemeinschaft die Preise … daher kommen häufig eben doch sehr unterschiedliche Preisvorstellungen zustande. Die einen verlangen weniger, die anderen etwas mehr…(zudem sind die Auflagenhöhen sehr unterschiedlich. Jemand mit einer Auflagenhöhe von 50 verlangt eventuell etwas anderes, als jemand mit einer Auflagenhöhe von 200. Die Druckkosten für ein Einzelexemplar unterscheiden sich da doch ziemlich stark. Extreme Wucher oder extreme Dumper habe ich persönlich bisher jetzt noch nicht direkt in die Finger bekommen.
    Ich hoffe, dass wir uns mit der Zeit alle etwas einpendeln und sich sowohl der Käufer als auch der Verkäufer wohl mit ihren Preisen fühlen.

    Yaya-Chan (Spooky Ice)

    Ich schließe mich den anderen an. Ich selbst habe ebenfalls noch nie die Erfahrung gemacht, dass jemand seinen Manga/Doujinshi zu überteuert angeboten hat.
    Das liegt dann aber wohl auch daran, dass ich sowieso beim Kauf nie auf den Preis achte, denn d
    er ist mir eigentlich immer egal.
    Ich habe auf der LBM bestimmt ca. 150 Euro nur für Doujinshis und Mangas von deutschen Zeichnern ausgegeben und weine keinem Euro hinterher.

    Leute, die selbst drucken oder in der Zeichnerszene aktiv sind/deutsche Künstler unterstützen möchten, wissen, dass selbst gedruckte Mangas nun mal nicht in der Preisklasse 5-6 Euro spielen, weil die Druckkosten zu hoch sind.
    Gerade umso mehr Seiten man in einem Manga drin hat, umso mehr steigen die Druckkosten. Da ist es egal, ob man 50 oder 200 Stück drucken lässt. Die Druckkosten sind einfach trotzdem noch arschteuer, und deshalb habe ich es von Anfang an nicht eingesehen, mich für lau zu verkaufen, nur weil andere es getan haben.

    Als ich meinen ersten Doujinshi rausbrachte, kam gerade so diese Doujinshi-Welle in der Zeichnerszene auf uns zu, und ich durfte mir dort schon anhören, dass 8 Euro für einen Doujinshi einfach zu viel wäre und er sich deshalb nicht verkaufen würde.
    Auch als ich mein drittes Werk rausbrachte und dieses Mal 10 Euro verlangen musste, weil der Druck qualitativ hochwertiger war, wurde ich ganz böse angeschaut und durfte mir erneut was anhören von blaaaa du übertreibst, etc.
    Beide Werke haben sich super verkauft und kamen mega gut an.
    Seitdem sehe ich fast überall Doujinshis, die sich in der Preisklasse 8-10 Euro bewegen, und das finde ich auch gut so!

    Es geht hier nicht nur darum, die Druckkosten reinzubekommen, sondern für seine Arbeit auch angemessen bezahlt zu werden.
    Zudem kommen noch viel mehr Kosten auf einen zu, wenn man Messen oder Conventions besucht und Standgebühren, Fahrt und Hotel zu zahlen hat. Wenn man nicht genug einnimmt, kann man sich das irgendwann auch nicht mehr leisten.

    Meiner Meinung nach sollten Doujinshis sich eigentlich zwischen der Preisklasse 8-20 Euro bewegen. Und ja, ich habe auch schon mal 20 Euro für einen Manga ausgegeben, und ich bereue es nicht.
    Alles, was drunter ist, ist meiner Meinung nach falsch kalkuliert, oder die Zeichner trauen sich einfach nicht, ihr Werk für einen höheren Preis anzubieten, aus Angst es würde sich vielleicht nicht verkaufen.
    Was ich sehr schade finde und deshalb auch oft Zeichnern dann mehr in die Hand drücke, als sie verlangen.

    Ich glaube, das Günstigste, was ich je auf einer Con für einen Doujinshi gesehen habe, waren 3 Euro, und das fand ich einfach mega ärgerlich. Der Doujinshi war einfach so schön gezeichnet und die Story so ergreifend. 3 Euro für so viel Arbeit, s

    o was geht einfach mal gar nicht.

    Pearsfears (remedy)

    Ich versuche, mich mal kurz zu halten:
    Solange der Inhalt den Preis wert ist, zahle ich ihn gerne, auch wenn es mal 20€ kostet.
    Man muss da versuchen, einfach ganz rational menschlich zu denken… Mehr Seiten, mehr Qualität, mehr sichtbare Mühe, Extras
    wie Farbeiten oder besonderes Papier/Bund etc. verdienen es, dass man auch bisschen mehr dazupackt.
    Ich denke, es ist jedem selbst überlassen, was man da immer ausgeben möchte, weil Geschmäcker verschieden sind, aber nur zu oft weint das Portmonee im Nachhinein, wenn Innen nicht das drin war, was man von Außen sich erhofft hatte.

    Es ist natürlich immer ein schwieriges Thema, wenn man nicht mehr alle fünf Seiten einen Euro raufpacken kann, weil es 100-200 werden … Aber die Szene passt sich, wie die anderen schon erwähnt haben, gerade an und ist auch nicht abgeneigt, über die 10-Euro-Marke zu gehen.

    Wir sind halt noch eine relativ kleine Szene und erreichen noch relativ kleine Auflagen. Vergleicht man mit der großen Inspiration Japan, so stellt man fest, dass man gar nicht vergleichen kann:
    Die meisten drucken in überwältigend guter Qualität in Offset-Auflagen ab 1000 … und verkaufen die Doujinshis mit ca. 10-80 Seiten zwischen 2 und 6 Euro.

    Was ich wohl als eine gute Alternative für mich selbst sehe, ist sich abzuwechseln. Wenn man gerade ein größeres Projekt hinter sich hat und da etwas mehr verlangen musste, kann man beim nächsten um ein paar Euro runtergehen, einfach als kleinen Gefallen, sozusagen?
    Man zeichnet ja, damit Leute die Geschichten lesen und interessiert bleiben und weil man sich über das Interesse freut! Da kann man doch auch eine Art Geschenk an seine Leser machen!

    Ich bin auf jeden Fall gespannt, was aus unserer Szene werden wird und hoffe, dass wir irgendwo nett zueinander bleiben – als Verkäufer und Käufer – damit alle fair verdienen und das bekommen, für was sie bezahlen.

    Und ich wollte noch anmerken, dass kleine Unterschiede auch schwer wiegen können!
    Auch wenn man seinen Preis nur um 50 Cent ändert… Für den Käufer sind es halt 50 Cent, manche rümpfen die Nase, manche zucken einfach nur mit den Schultern. Aber im Endeffekt sind es für den Zeichner Unterschiede im zwei- wenn nicht sogar dreistelligen Wert!
    So kann man auch sozusagen »rumtricksen« in beide Richtungen 🙂

    HolzEsserin und Salamandra (Wunderherzen)

    Aktuell passen sich die Preise von Eigenproduktionen sehr an, was wohl auch damit zusammenhängt, dass in den letzten Jahren wesentlich mehr Leute ihre Geschichten selbst drucken.

    Während man sich vor einigen Jahren nicht getraut hatte, über die Preise von Verlagsmangas zu gehen, ist das heute gang und gäbe. Dennoch wirft man natürlich immer einen Blick darauf und fragt sich, ob das »Okay« ist.
    Als wir die erste Ausgabe von VERnarrt rausgebracht hatten, wollten wir diese für fünf Euro verkaufen, aber man hatte uns davon abgeraten beziehungsweise empfohlen, wir sollen ihn auf sieben anheben, was wir mit einer großen Spur Unsicherheit auch getan hatten. Zu unserer Freude hatte sich niemand an diesem Preis gestört beziehungsweise wurde dieser sehr gut aufgenommen. Auch unsere erste Geschichte One for the way trauten wir uns nicht, für fünf Euro zu verkaufen, weil sie »nur« 24 Seiten hatte, und hatten deswegen einen Preis von 3,50 festgemacht. Heute würden wir diesen Preis nie mehr verlangen.

    Trotzdem grübeln wir aber noch oft, wie wir die Preise festlegen sollen, vor allem auch, wenn wir die Preise und Seitenzahlen/Ausstattung mit denen von anderen vergleichen. Oft fragen wir uns, ob wir wirklich »so viel« für unsere dünnen Hefte verlangen können, wo andere mindestens doppelt so viele Seiten haben, aber einen ähnlichen Preis. Nana hatte dieses Jahr auf der LBM Hockey Homo 3 erstmalig für zehn Euro verkauft (Was wir gut finden!), und wir überlegen daher auch, den Preis für VERnarrt nächstes Jahr anzupassen, da es inzwischen zu keinem Verhältnis mehr steht.

    Allgemein kann man wohl sagen, dass sich die Preise recht gut entwickeln, auch wenn man immer etwas sorgenvoll darauf blickt, da die meisten Käufer eben doch noch Schüler sind und für diese zehn Euro doch recht viel Geld ist. Wofür man sich früher noch zwei Mangas kaufen konnte, bekommt man heute nur noch einen. Nichtsdestotrotz ist es aber wichtig, dass man die Preise anpasst und jeder ein Gefühl dafür bekommt, dass man nicht nur das fertige Buch kauft, sondern auch die ganze Arbeit, die dahintersteckt.

    Tentakelgottheit/Phie Kaldinksy (Strayer)

    Ich denke, es hängt eben auch stark davon ab, wo und wie man etwas drucken lässt. Gerade bei kürzeren Doujinshis, die aber zwischen 6 und 7 Euro kosten, ist mir schon aufgefallen, dass oft hochwertigeres Papier verwendet wird, was im Druck dann eben teurer ist. Solange der Inhalt stimmt, werden diese aber eben trotzdem gekauft (und zu Recht). Ich denke, ein größeres Problem ist das Anpassen des Preises von längeren Bänden. Es ist schon komisch, wenn ein 24-Seiten-Doujinshi 8 Euro kostet und ich daneben einen Doujinshi mit 170 Seiten für denselben Preis sehe. Natürlich kann man da nicht nach Seitenzahl gehen, aber trotzdem. Ich würde mir wünschen, dass mehr Zeichner da etwas mutiger werden und ihre längeren Werke vielleicht auch für 10 oder sogar 20 Euro verkaufen. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man mindestens so kalkulieren soll, dass man mindestens dreimal den Wert der Druckkosten wieder reinbekommt. Selbst Verlagsmangas werden immer teurer (und sie sind eben auch Luxusprodukte), also finde ich, kann man die Preise ruhig höherschrauben.

    Anne Berger (FeliDays)

    Also den Druckpreis mit etwa 300% Aufschlag pauschal als Verkaufspreis anzusetzen, finde ich riskant, der entscheidende Faktor ist ja immer die Auflage! Daher ist es essentiell, sich ein wenig am Markt zu orientieren, ohne dabei die eigene Arbeit unter den Scheffel zu stellen. Und wer dann mal bekannt ist, kann den Preis natürlich höher ansetzen – logisch.

    Und zu bedenken ist ja, dass die Seitenanzahl alleine den Preis nicht exorbitant in die Höhe schießen lässt. Das kann man sich sehr gut auf den Kalkulationsseiten der Online-Druckereien einmal anschauen. Während eine Erhöhung der Seitenzahl meist nur wenige Cent/Euro Unterschied zeigt, sind Änderungen im Farbmodi, Papierart, Format und/oder Hard-/Softcover deutlicher spürbar – besonders hart wird es bei geringen Auflagen. Der Preis für höhere Auflagen sinkt nämlich nicht direkt proportional!
    Des Weiteren ergibt sich auch immer die Frage, mit welcher Qualität man sein Werk präsentieren möchte UND natürlich auch, ob die höhere (rein materielle!) Qualität von Käufern auch geschätzt wird.

    Vielleicht kommt es auch darauf an, in welcher Lebenssituation man steht. Was will der Zeichner denn mit dem Gewinn erreichen? Davon leben oder »nur« sein Hobby finanzieren? Kommt das Geld für den Druck aus der eigenen Arbeit oder schießen vielleicht die stolzen Großeltern mal was dazu, wenn der kreative Enkel so ein tolles Hobby hat?
    Dennoch empfinde ich es – persönlich – als sehr wichtig, daß die Preise nicht zu weit unten liegen …. denn »Dumping-Ware« schadet am Ende allen Zeichnern – es entwertet unsere Arbeit.

    AnimeY bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmern. Gerne lesen wir auch eure Meinung zum Thema »Wie ergeben sich die Preise von (verlagslosen) Manga-Eigenproduktionen?« in den Kommentaren. Solltet ihr selbst Themen-Vorschläge für kommende Beiträge in dieser Sparte haben, könnt ihr uns diese gerne mitteilen. Eine Übersicht aller Nachgefragt-Interviews findet ihr hier.

    Foto © 2015 AnimeY Onlinemagazin

    fallenshadow
    Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch

    1 Kommentar

    1. Wenn man versucht, profimäßig zu kalkulieren, dann kann man aber auch gut und gerne auf die Nase fallen.

      Wenn man keine FanBase hat und das Produkt zwar materiell hochwertig ist, aber der Inhalt eher in der unteren Klasse, dann bleibt man bei zu hohem Preis sicher auch mal drauf sitzen. Ich habe schon sehr sehr viele Doujinshi gekauft, deren Preis ich absolut ungerechtfertigt fand. Da waren Hefte bei, die schlecht getackert waren, einen schlechten Beschnitt hatten und 8 € kosten sollten, sowie Manga die absolut Hochwertige Covermaterialien hatten und die Geschichte selber war für das Niveau des Zeichners viel zu schlecht, hatte lauter Grammatikfehler, Flecken, war schlecht radiert und der Plot war absolut dämlich oder schier unlogisch. Dafür sollte man dann 12 € bezahlen weil „Mühe und Druckkosten“ mussten ja hereinkommen. Man vergisst dabei, dass inhaltliche Qualität ein Faktor sein sollte. von einem Produkt, dass mehr als 5 € kostet, erwarte ich anständige Säuberung der Seiten und zumindest grammatikalisch korrektes Lettering. Ebenfalls Abzocke sind Hefte, die zu 10% oder mehr aus Selbstbeweihräucherung und Eigenwerbung bestehen. Ein paar Illustrationen zum Comic und Skizzen, sowie Hintergrundstory sind ok, aber bis zu 6 Seiten Atogaki oder Danksagungen in einem 32 Seiten-Doujinshi drin haben und dann rechtfertigen wollen, dass wegen der Seitenzahl die Druckkosten so hoch waren ist einfach nur Abzocke.
      Ich muss auf jeden Cent in meiner Tasche achten, das heißt, ich überlege mir dreimal, was ich kaufe. Ich habe Zeichner, die ich sehr gerne mag, aber auch bei denen kaufe ich nicht alles. Was nutzt es mir, eine eher schlechte Publikation im Regal zu haben, dafür mehr als sonst auszugeben und damit vielleicht einem guten Zeichner zu suggerieren, dass dieser eher schlechte Manga doch beliebt ist? Das ist wie mit Erziehung: wenn man alles schön redet, verliert man den Blick für’s Wesentliche aus den Augen und bevor ich mir für 12 € einen Doujinshi kaufe, dann im Internet eine böse Review schreibe die der Zeichner ganz vielleicht sieht oder sogar entscheidet zu ignorieren, kaufe ich den Manga eben nicht und hoffe, dass ich nicht die einzige bin und so meine Nachricht so rüber kommt. Denn für die 12 € kaufe ich für mehr als eine Woche Lebensmittel und auf eine Con gehe ich nicht zum Einkaufen, sondern um etwas zu erleben, daher ist der Preis für die Fahrt mehr gerechtfertigt als der später bereute Kauf einer Regalleiche.

      Versteht mich nicht falsch, für etwas wirklich gutes gebe ich auch gerne Geld aus, aber da liegt eben das Problem: Es sollte gut sein. Das ist das Ah und Oh des Verkaufens. Wenn man seine FanGirls hat, die jeden Scheiß kaufen wie Justin Bieber-Fans, egal wie dumm es ist, dann kann es sein, dass irgendwann, wenn einem nicht auffällt wie die Qualität sinkt, man bei einem konstanten Betrag stagniert, der anfängt abzunehmen, denn auch die Fans werden irgendwann erwachsen und erkennen, was sie da tun.

      Man sollte als Neuling klein anfangen und als Alter Hase vorallem Neukunden nach ihrer Meinung fragen. Ich habe schon viele Zeichner gesehen, die auf die Nase gefallen sind und dann von der Bildfläche verschwanden. Gerade erst wieder nach der LBM hat sich eine recht aktive, jedoch nicht überragende Zeichnerin in Luft aufgelöst, weil sie ihre Kosten nicht decken konnte.
      …dennoch sollte man irgendwann mit der Preiserhöhung aufhören. Wir sind zwar alle Künstler und Kunst ist ein subjektives Geschäft, aber Comics sind ein Massenprodukt und ich kenne keinen Doujinshi, der den Status „Ausstellungswürdige Installation“ oder ähnliches erlangt hat. Und für ein indirektes Beispiel dessen Interpretation ich ganz euch überlasse: Wer ein und die selbe Geschichte zum 3. mal neu zeichnet und zum 3. mal druckt und verkauft und für diese 3. hochwertige Neuauflage des gleichen Mülls 20 € pro Heft/Buch haben will, dem hat man herzhaft und zu oft ins Gehirn geschissen. Das schreckt potentielle Nuekunden ab und vergrault auch alte Fans.

      Vorallem sollte man Kompromisse machen können. Wenn ein Druck schlecht geworden ist, dann beschwert man sich bei der Druckerei, denn man kann als Kunde auch die Annahme der Ware verweigern ohne zusätzliche Kosten oder einen günstigeren Abnahmepreis erhandeln, dann kann man die Bücher auch günstiger verkaufen als geplant. Wer ein schief gedrucktes Heft zum original angekündigten Preis verkauft, der legt anscheinend keinen Wert auf seine Leserschaft, denn diese wird den Qulitätsverfall ja bemerken. Da müssten die Storys darin schon aus purem Gold sein, dass man dann sagen kann, dass der Preis der gleiche bleibt, aber es wäre trotzdem dreist. Oder man verschiebt die Veröffentlichung, was natürlich ebenfalls eine wirtschaftliche Kleinkriese wäre, aber so zeigt, dass einem das Produkt und der Leser am Herzen liegt.

      Ich werde definitiv auch in Zukunft auf Preis und Qualität meiner Einkäufe achten, auch wenn ich wieder mehr Geld habe, denn wenn ich in jemanden Investiere, dann weil ich überzeugt von dem gekauften Produkt bin und nicht, weil ich schonmal Gutes von dem Zeichner gesehen habe, weil man befreundet ist oder gar aus Mitleid. Ich bin kein Verlag und kein Investor, Ich lese Storys nicht wegen der Zeichner sondern wegen der Story. Von mir aus können die Zeichner absolut anonym bleiben, dass wäre mir egal. Ich kaufe sogar Mangas von einer deutschen Zeichnerin, die ich persönlich für ein absolut bigottes Individuum halte, aber ihre Geschichten sind gut durchdacht und gut gezeichnet und sie soll Geld dafür bekommen, auf der Basis von Dingen die sie gut kann und nicht auf meiner subjektiven Einstellung ihrer Internet-Hass-Tiraden gegenüber oder dergleichen. Man kauft schließlich auch Fleisch vom Metzger, der bestimmt schonmal rassistische Äußerungen gebracht hat oder kauft Eier aus Bodenhaltung, weil es grad finanziell nicht so dicke ist. Hauptsache, das Produkt ist das Geld wert, dass man reinsteckt.

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