Nicole Hise im Interview mit Sumikai

    Sword Art Online 2 - Yuuki
    © 川原 礫/KADOKAWA アスキー・メディアワークス刊/SAOⅡ Project

    Einige werden die Synchronsprecherin Nicole Hise kennen. Sie ist seit fünf Jahren in diesem Beruf tätig und spricht unter anderem die Yuuki in der Anime-Serie Sword Art Online 2. Wir haben der sympathischen Synchronsprecherin einige Fragen zu ihrem Beruf und natürlich zu ihr selbst gestellt.

    Stell dich doch bitte einmal vor, für alle die noch nie etwas von dir gehört haben?
    Hallo, liebe LeserInnen dieses Interviews! Mein Name ist Nicole Hise und ich bin deutsche Synchronsprecherin. Unter anderem durfte ich der Rolle der Yuuki in Sword Art Online 2 meine Stimme leihen.

    Nicole Hise - 1
    © Nicole Hise

    Wie kam es dazu, dass du Synchronsprecherin geworden bist?
    Als ich klein war hatte mein Vater ein eigenes Tonstudio, allerdings für Musikproduktionen. Ich war damals sehr begeistert von dem Ambiente und der Arbeit in einem solchen Studio und durfte dann außerhalb der Produktionszeiten meine liebsten Lieder als Kind einsingen und hinterm Mikro rumalbern. Des Weiteren war mein Traumberuf als Kind Schauspielerin zu werden und so machte mich mein Vater eines Tages mit dem Konzept des Synchronsprechers bekannt, der Arbeit im Studio und das Schauspiel vereinte. Mit zunehmendem Alter merkte ich auch, dass das typische Schauspiel mit Gestik und Mimik mir nicht so sehr zusagte, wie das Spielen mit der Stimme und so entwickelte sich der große Wunsch danach, diesen Beruf später irgendwann einmal ausüben zu wollen. Zu dem Beruf letztendlich kam ich durch die Anfrage eines Studios, die mich online gefunden und anschließend zu einem Casting eingeladen haben. In diesem Casting habe ich dann die Hauptrolle in einem Horrorfilm bekommen und da ich überzeugen konnte, bekam ich parallel dazu noch eine Rolle in einer Animeproduktion.

    Kann man sagen es war dein Traum Synchronsprecherin zu werden?
    Man kann somit daraus schließen, dass es ein Traum für mich war, diesen Beruf auszuüben, ja! Ein Traum, der sich über Jahre hinweg entwickelte.

    Viele Synchronsprecher arbeiten ja als Freelancer. Ist das bei dir auch so oder hast du eine feste Anstellung?
    Im Grunde arbeiten eigentlich so gut wie alle Synchronsprecher als Freelancer. Man bindet sich dabei nicht an die Arbeit in nur einem Studio. Was die Festanstellung angeht arbeiten viele Synchronsprecher nebenbei oder später einmal in der Produktion in diversen Positionen – da gibt es viel zu tun, natürlich nicht nur als Sprecher. Um die Frage noch schlicht zu beantworten: Ja, ich arbeite als Freiberuflerin.

    Wie ist es für dich, quasi selbstständig zu arbeiten, bringt dies viele Freiheiten oder auch Probleme mit sich?
    Das Arbeiten als Freiberuflerin hat sicherlich seine Vorteile. Für mich ist es derzeit ein großer Vorteil, weil ich diesen Beruf mit der Schule vereinbaren kann. Ich hole derzeit mein Abitur an einem Vollzeitkolleg nach und da ist diese flexible Arbeit wirklich sehr geeignet. Natürlich bringt diese Form der Selbstständigkeit auch einige Probleme mit sich, denn man weiß natürlich nie mit Sicherheit wann der nächste Auftrag ansteht und sollte man dann auf dieses Einkommen angewiesen sein, hat man sicher oft damit zu kämpfen ob man nächsten Monat noch „Essen kann“ (so sagt man in Japan dazu ;).

    Hast du eine spezielle Ausbildung hinter dir, um den Job als Synchronsprecherin zu machen?
    Eine spezielle Ausbildung habe ich nicht hinter mir, da es eine solche für den Beruf des Synchronsprechers in Deutschland gar nicht gibt. Natürlich gibt es die Option diesen Job nach einem Schauspielstudium oder dem Besuch einer Schauspielschule anzutreten. Ich gehöre da jedoch zu den so genannten „Quereinsteigern“, die sich meist wie ich durch viel Übung in der Freizeit auf einen solchen Beruf vorbereiten.

    Was empfiehlst du Menschen, die ebenfalls den Beruf des Synchronsprechers ausüben wollen?
    Grundsätzlich gilt es in erster Linie den Beruf nicht zu unterschätzen. Man erlebt immer wieder, dass viele Menschen Synchronsprecher werden wollen, weil sie denken, dass man den ganzen Tag nur die simple Aufgabe hat „in ein Mikrofon zu sprechen“, doch da steckt natürlich wesentlich mehr Arbeit dahinter. Das Schauspiel, die Aussprache, die Betonungen – es gibt unheimlich viel auf das man bei der Ausübung der Tätigkeit zu achten hat. Synchronsprecher ist ebenso ein harter Job wie andere auch und noch dazu ein sehr unsicherer. Sofern man sich dieser Tatsache bewusst ist und trotz allem dabei bleiben will empfehle ich entweder eine Schauspielausbildung für die, die diese Möglichkeit dazu haben oder wirklich regelmäßige Übung in der Freizeit, ein reges Interesse und die Einsicht, dass es oft mehrere Jahre dauern kann bis man überhaupt den Fuß durch die Studiotür kriegt. Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit sich selbst gut vermarkten zu können sind auch absolut wichtige Voraussetzungen.

    Welche war deine erste Rolle, die du gesprochen hast?
    Die erste Rolle die ich gesprochen habe war Angelica, die Hauptrolle in dem Horrorfilm „The Open Door“. Parallel dazu liefen für mich auch die Aufnahmen zu dem Film „Tales of Vesperia“ in dem ich die Rolle der Hisuka, eine der Zwillinge, übernehmen durfte.

    Bist du überwiegend im Bereich der Animationsfilme tätig oder sprichst du auch Rollen im Live Action Bereich?
    Ich spreche sowohl als auch. Wie man der vorherigen Frage entnehmen konnte habe ich auch parallel mit beidem angefangen. Was die bisherigen Produktionen angeht nimmt sich das auch nicht viel. Ich habe im Bereich der Animationsfilme quasi schon genau soviel gemacht wie im Realfilmbereich. Eine gesunde Mischung aus beidem sagt mir auch zu, da mir beides viel Spaß bereitet.

    Hise Nicole - 2
    © Nicole Hise

    Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor die du sprichst?
    Meist erfährt man nicht, welche Rolle man sprechen wird, wenn man gebucht wird. Die möglichen Vorbereitungsarbeiten in der deutschen Synchronbranche sind nicht gerade groß. Bei uns ist es nicht, wie zum Beispiel in Japan üblich, wo die Seiyū vorab den Text erhalten und sich mit diesem dann ausreichend auf ihre Rolle vorbereiten können. Ich persönlich frage bei größeren Rollen jedoch gerne nach um welche es sich handelt. Im Fall der Rolle von Yuuki wusste ich, dass es sich um den Anime „Sword Art Online 2“ handeln würde und daher war es mir wichtig zu erfahren, um welche Rolle es geht, da ich wusste wie beliebt diese Serie bei den deutsche Animefans ist. Demnach wollte ich jede Möglichkeit nutzen mich ausreichend auf diese, nicht gerade unbedeutende Rolle vorzubereiten. Ich habe mir im Zuge dieser Vorbereitung die zweite Staffel der Serie dann angesehen und war sehr auf meine Rolle gespannt. Mir haben die Folgen mit Yuuki persönlich sehr gut gefallen und ich habe diese Rolle direkt in mein Herz geschlossen. Ich habe beim ersten Schauen mit der Rolle mit gelitten und mit gelacht und das hat mir sehr dabei geholfen Yuuki so zu spielen, wie ich sie letztendlich gespielt habe.

    Bist du selber ein Fan von Anime?
    Ich verfolge Animeserien seit ich klein bin und meine ersten schauspielerischen Schritte waren, als ich in meinem Zimmer Sailor Moon nachspielte. Als Kind der 90er durfte ich mit dem damaligen, wunderbaren RTL2 Nachmittagsprogramm aufwachsen. Auch heute würde ich sagen, dass ich noch ein Fan von Anime bin. Meine liebste Serie als Kind war Detektiv Conan und die werde ich auch so schnell nicht vergessen, da ich jede Woche die neuste Folge zu schaue. Ich würde mir ein Seriencomeback des kleinen, großen Detektiven in Deutschland wünschen!

    Was würdest du deinen Fans gern noch sagen?
    Sofern es Leute gibt, die sich als meine „Fans“ bezeichnen, möchte ich denen natürlich in erster Linie danken! Ich freue mich, dass es immer mehr Fans der deutschen Synchronbranche gibt und besonders freue ich mich über eben solche, die genug Toleranz mit sich bringen um diese Branche vor allem im Bereich der Anime zu unterstützen. Wir genießen in Deutschland den Luxus unsere Lieblingsserien auch in unserer Landessprache erwerben und sehen zu können und so etwas verdient Unterstützung! Man erlebt immer wieder die extreme Kritik insbesondere der Animefans an den deutschen Synchronfassungen, was ich sehr schade finde, denn die deutschen Umsetzungen haben in den letzten Jahren einen deutlichen Qualitätssprung gemacht. Es wird meist sehr viel Herzblut in die Produktion gesteckt und ich möchte daran appellieren, dass ihr, beim nächsten Mal wenn ihr eine Serie auf Deutsch seht, an die harte Arbeit denkt, die darin steckt.
    Ansonsten freue ich mich über alle, die sich Sword Art Online 2 ansehen und ich hoffe, dass ihr auch für die deutsche Version von Yuuki einen Platz in eurem Herzen habt! ♥

    Weitere Infos:
    Internetseite – http://nicole-hise.de/
    Facebook Infoseite – http://facebook.com/hise.nicole