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Sam Bauer: Danmachi ist eine bewegende Serie mit sehr viel Witz und Gefühl.

Sam Bauer ist ein junger deutscher Synchronsprecher, der aktuell in Danmachi Sword Oratoria die Rolle von Bell Cranel übernimmt und somit Patrick Keller ersetzt. Wir haben dem Sprecher ein paar Fragen gestellt.

Sumikai: Was inspirierte dich dazu Synchronsprecher zu werden und wie fandest du den Weg in diese Branche?

Sam: Bereits seit meiner Kindheit bin ich vom Klang und all den verschiedenen Möglichkeiten der Stimme fasziniert. Diese Faszination hat mich dazu bewogen, mich tiefergehend mit der Synchronisation und der damit verbundenen Arbeit zu befassen. In meiner Jugend hatte ich bei einem Webradio für das Spiel “Habbo” eine eigene Radiosendung, so fing das alles an. ?

Sumikai: Was bereitet dir am meisten Spaß: das Synchronisieren von realen Darstellern oder Trickfilmfiguren, und warum?

Sam: Beide Arten der Synchronisation haben etwas ganz eigenes. Die Synchronisation ist eine Kunst, die gelernt sein muss, denn wir schaffen eine “Illusion” für den Zuschauer. Wir spielen, versuchen lippensynchron zu arbeiten und die Emotionen des jeweiligen Charakters dem Zuschauer rüberzubringen. Bei einer Trickfilmfigur hast du viel mehr Freiheit dich zu entfalten, vor allem was die Stimmlage angeht. Bei der Arbeit mit realen Darstellern bist du hingegen oftmals an den O-Ton (Originalton) gebunden und versuchst, es genauso auch wiederzugeben. Beides hat etwas, dementsprechend würde ich das für mich nicht kategorisieren.

Sumikai: Existieren bestimmte Dinge, die dir beim Synchronisieren schwerfallen?

Sam: Schwerfallen? Klar. Und um ehrlich zu sein, ich bin überzeugt davon, dass jeder Sprecher, jeder Mensch solche Dinge hat.

Jedoch sollte man sich auch mit diesen Dingen auseinandersetzen, nicht aufgeben und weiter daran arbeiten. Denn nur wer zu seinen Fehlern steht, kann diese auch ausbessern oder verbessern.

Sumikai: Da viele wahrscheinlich keine Vorstellung davon haben, wie es hinter den Kulissen aussieht: Wie verläuft grob zusammen gefasst die Aufnahme von einer Anime-Serie? Über welchen Zeitrahmen hinweg geschieht dies in etwa und wie viel Zeit hast du, um dich auf deine Arbeit vorzubereiten?

Sam Bauer - Danmachi BellSam: Na gut, fangen wir mal mit der Planung des Projektes an: Ich bin kein Profi, der sich mit den ganzen Dingen auskennt, am Rande kann man sich das Ganze aber auch selbst “zusammensetzen”. ? Der erste Punkt besteht wohl darin, die Kosten bzw. das Budget für die Produktion zu planen und die Lizenzrechte zu erwerben. Hat sich die Produktionsfirma (Anime House) dann für ein Studio entschieden, gibt es eine Einsicht der Produktion und die Sprecher werden geplant. Welche Person/welche Stimme kann man sich für welchen Charakter vorstellen?, etc.

Castings werden gestartet, man wird zum Vorsprechen eingeladen und es wird dann entschieden, ob es “Ja, du hast die Rolle” oder “Sorry, vielleicht bei einer anderen Produktion” heißt.

Die Produktion selbst dauert oftmals einige Wochen, denn mit einer einfachen Aufnahme hat es sich nicht getan. Während der Produktion wird geschnitten, neu aufgenommen, etc.

Die gesamte Produktion muss übersetzt, lippensynchron geschrieben und getaktet werden.

Takes sind dann zum Beispiel so aufgebaut: “(ON) Hey Hestia (INS OFF) wie geht’s dir? (EINATMER) Hast du (.) schon etwas neues von Bell gehört? (REAKTION)”

Die Legende: “ON” = Die sprechende Person ist zu sehen; “INS OFF” = man spricht weiter, ist aber nicht zu sehen; “EINATMER” = Einzelner Einatmer oder Einatmer vor dem Text; “(.)” = Kurze Pause; “REAKTION” = Bspw. wenn sich eine Person erschrickt.

Da gibt es aber noch einiges mehr.

Meine Aufnahmen für die aktuelle Produktion haben circa 6 Stunden in Anspruch genommen. Dabei wurden Texte und Reaktionen aufgenommen.

Nach den ganzen Aufnahmen wird das Ganze noch gemischt, das heißt bspw. der räumliche Klang hinzugefügt/angepasst etc.

Ist die Produktion beendet, geht das Ganze in die finale Einsicht und es werden noch Dinge verbessert/rund geschliffen, falls einem etwas aufgefallen ist. (Retakes bspw.)

Wie es dann jedoch weitergeht, kann ich euch leider nicht beantworten. ?

Sumikai: Als Magazin für japanische Popkultur darf diese Frage wohl auch nicht fehlen: Schaust du privat Anime? Gibt es vielleicht eine Trickfilmfigur, die dich während der Kindheit/Jugend begleitet hat?

Sam: Um ehrlich zu sein, ich habe bislang lediglich Pokémon geschaut. Mein Lieblingscharakter war dabei natürlich Ash Ketchum! Ansonsten habe ich erst durch Bell Cranel bzw. Danmachi die Anime-Welt für mich entdeckt. Auch durch die Einladung von Anime House auf die AnimagiC in Mannheim hatte ich erste Einblicke in diese große Welt.

Sumikai: In Danmachi bist du künftig als neue Stimme von Bell zu hören und ersetzt damit Patrick Keller in dieser Rolle. Stellt dich diese Situation vor eine größere Herausforderung? Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet?

Sam: Schwierige Frage. Natürlich möchte man die Rolle “Bell Cranel” nicht neu erfinden, jedoch gibt es mit Sicherheit Dinge, die Patrick Keller anders als ich gespielt/gesprochen hätte. Vor dem Besuch im Atelier habe ich mich mit der Rolle befasst, mir Bell angeschaut und angehört. Ich stehe im Studio, höre mir das Original an, lese den Text, spreche ihn vor und lege los.

Sumikai: Welche Eindrücke hinterließ Danmachi bei dir und stellte der Charakter Bell für dich in irgendeiner Form eine Herausforderung dar?

Sam: In den ersten Minuten dachte ich mir: “Okay… sehr leicht bekleidet, mh?”. Schlussendlich hatte ich jedoch während der Aufnahmen sehr viele Momente, in denen ich gelacht habe. Danmachi ist eine bewegende Serie mit sehr viel Witz und Gefühl. Eine Serie, die meiner Meinung nach sehr viel aus dem wirklichen Leben widerspiegelt. Natürlich kämpfen wir gegen keine richtigen Monster, jedoch gegen Vorurteile einiger Menschen. Gegen Minderwertigkeitskomplexe (Bell/Hestia) und wünschen uns Liebe, Erfolg und Frieden.

Bell ist mir sehr ans Herz gewachsen, auch wenn ich ihm noch nicht allzu lange meine Stimme leihe. Ich bin auf die künftigen Abenteuer gespannt und hoffe wirklich, dass ich dieser Rolle noch lange treu bleiben darf.

Vor allem aber hoffe ich, dass ich den Ansprüchen aller Personen gerecht werden kann/konnte und den einen oder anderen vielleicht mal persönlich kennenlernen darf. Es würde mich wirklich freuen!

Wir bedanken uns bei Sam Bauer für das Interview.

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